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UrsHMt täglich mit Ausnahme der Gon»-- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Donnerstag den 9. März.
1876.
TagesschKu.
— Berlin, 8. Mär;. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) In der gestrigen Sitzung des Hauses der Abgeordneten ergriff in der Diskussion über den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Geschäftssprache der Staatsbeamten, Behörden und politischen Körperschaften, der Justiz- Minister Dr. Leonhardt nach dem Abg. Dr. v. Cuny das Y3ort
Im weiteren Verlauf der Sitzung sprach gegen das Gesetz der Abg. Dr. v. Gerlach, und für dasselbe, jedoch nur in dem Sinne des Abg. Dr. V. Cuny, der Abg. Weiter. Der Abg. Hamkens beantragte, um die Möglichkeit zu gewähren, alle durch die Vorlage berührten Grenz- distrikte in der vorberathenden Kommission vertreten zu lassen, die letztere aus 21 Mitgliedern zusammenzusetzen. Das Haus trat diesem Anträge bei.
Es folgte die erste Berathung des Gesetzentwurfs über die Aufsichtsrechte des Staats bei der Vermögensverwaltung in den katholischen Diöz-sen. Nach einer längeren Rede des Abg. Dr. Reichensperger wies her Staats-Minister Dr. Falk die Vorwürfe des Borrednes, namentlich als werde durch dieses Gesetz die Parität der christlichen Konfessionen verletzt, zurück.
Der Abz. Dr. Petri beantragte, die Vorlage an eine Kommission von 14 Mitgliedern zu verweisen, damit sie nach manchen Richtungen hm ergänzt werde. Hierauf vertagte das Haus um 4 Uhr die Fortsetzung der Debatte.
— In der heutigen (22.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten theilte der Präsident die erfolgte Wahl und Konstituirung der Kommis. sion zur Vorberathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Zuständigkeit der Verwaltungs- und Berwaltungsgerichtsbehörden rc. mit. Auch die Kommission zur Vorberathung des Gesetzes über die Vertheilung der öffentlichen Lasten bei Dismembrationen und Gründung neuer Ansiede- lungen ist gewählt und konstituirt. Vorsitzender derselben ist der Abg. Mühlenbeck, Stellvertreter desselben der Abg. Lipke, Schriftführer sind die Abgg. v. Corswant und Gajewski. Hierauf wurde die erste Berathung des Gesetzentwurfs über die Aufsichtsrechte des Staats bei der Vermögensverwaltung in den katholischen Diözesen fortgesetzt, und znerst ergriff das Wort gegen das Gesetz der Abg. Dauzenberg. Der Abg. Dr. v. Sybel konstatirte demnächst aus den vom Vorredner vorgebrachten Thatsachen und der Handlungsweise der Bischöfe von BreSlau und Hildesheim die Nothwendigkeit des vorliegenden Gesetzes. Der Kultus- Minister Dr. Falk rechtfertigte das vom Abg. Dauzenberg angegriffene Verfahren der Rentenbank in Münster. Nach einer Rede des Abg. Abg. Frhr. v. Schorlemer-Älst wies vom Standpunkte der staatsfreund- lichen Katholiken der Abg. Haucke verschiedene einzelne Vorwürfe der klerikalen Vorredner zurück. Das Haus beschloß hierauf, die Vorlage einer Kommission von 14 Mitgliedern zu überweisen, und ging sodann — beim Schluß des Blattes — zur Fortsetzung der Berathung des Etats über. (Forts, folgt.) (8L u. 8l.-A»z.)
Ueber das Hülfskassengesetz werden noch immer Besorgniß erregende Nachrichten verbreitet; freilich ist dies der einzige Gegenstand, der vom Reichstag an den Bundesrath gelangt und noch nicht erledigt lautet indeß nach der „Trib.", daß dies ausschließlich seinen Grund darin hat, daß der Referent zur Zeit in Berlin nicht anwesend
Es mag zutreffen, datz die sächsische Regierung zu Einwänden gegen die Reichstagsbeschlüsse geneigt ist, es wird indessen von best« unterrichteter Seite versichert, daß dieser Umstand für die Beschlüsse des ^undesrathes nicht maßgebend und die Annahme des Gesetzes mit Be- Itlmmtheit zu erwarten sei.
. ~ Eine seltsame Wagenburg hält jetzt tagtäglich vor dem ehe- mals Slrousberg'jchen Palais in Berlin. Es sind nicht mehr die Equipagen der Granden, von edlen Rossen gezogen, mit gallonirten «ut^ern unb Dienern, sondern „Ziehwagen" mit Hunden bespannt und von Lienstwännern geleitet. Bon dem Hauptportal des Palais ist das Gerichts,tegel verschwunden, Ruch die Nebentyur drängen die Kauf- u tlgen zur Auktion. In den Sälen des unteren Stockwerks herrscht geschäftige Bewegung, die sich durch das opulente Treppenhaus fort» einem dieser Säle wird noch immer veraukuonirt, aber es die Menge verstimmende Parole ausgegeben: „die Hauplstücke
sind von dem neuen Besitzer gekauft.* Unter den dichten Gruppen bewegt sich ein Dienstmann, wie die Uebrigen bedeckten Hauptes, der belegte Butterbrods feilbietet! Wie oft haben in denselben Räumen betreßte Diener die seltensten Delikatessen umhergereicht und die köstlichsten Weine kredenzt. Der neue Besitzer, für welchen Justizrath Holthoff das Strousberg'sche Palais unsanfte, ist übrigens nicht, wie es Anfangs hieß, Baron Cohn aus Dessau, sondern eine fürstliche Person, welche die Wintermonate mit Familie in Berlin zuzubringen pflegt und noch kein eigenes Palais hier besaß. (Trib.)
— London, 6. März. Die Collkkte in der Diözese Salford für den deutschen Clerus hat 550 Pfund Sterl. (11,000 Mk) ergeben.
— Folgende Generäle werden im Laufe dieses Jahres, dem Mil.- Wochenbl. zufolge, ihr SOjähriges Jubiläum feiern: 1) (wie schon bekannt) General der Infanterie v. Kirchbach, kommandirender General des V. Armeekorps, am 23. Mai; 2) General der Infanterie Freiherr v. Barnekow, kommandirender General des I. Armeekorps, am 2. August ; 3) General der Infanterie v. Böse, kommandirender General des XL Armeekorps, am 8. Oktober; 4) General der Infanterie v. Schmidt, Gouverneur von Metz, am 26. Juli, und 5) General-Audileur der Armee Fleck, am 27. Juni.
— Vom Rhein, den 5. März. Eine Deputation katholischer Bewohner aus Rödelheim, welche in Wiesbaden war, um bei der Regierung Schritte zur Wiederaufnahme eines regelmäßigen Gottesdienstes zu thun, und die von dem Landrathsamte mit der Bemerkung an den Bischof von Mainz gewiesen worden war, daß es in dessen Hand liege, dem pfarrlichen Nothstand durch die gesetzliche „Anzeige* des Stellvertreters bei dem Obei Präsidenten abzuhelfen, hat heute in der That bei Hrn. v. Ketteler ihre Aufwartung gemacht und diesem ihr Leid geklagt. Der Hochwürdigste soll jedoch nach einer ziemlich bitteren Kritik der Maigesetze erklärt haben, daß er sich zu der „einfachen Anzeige" seiner Beauftragten an das Oberpräsidium nicht verstehen könne. So ist denn die Deputation alsbald -wieder unverrichteter Sache nach dem priester- losen Rödelherm zurückgekehrt. (Schw. Merk.)
— Dresden, 8. März. Die Erste Kammer beschloß in ihrer heutigen Sitzung ohne Debatte mit allen gegen eine Stir me, dem von der Zweiten Kammer angenommenen Anträge gegen Erwerbung der deutschen Eisenbahnen durch das Reich beizutreten.
SS an der Ohm, 6. März. Vor einiger Zeit wurde in der Nähe von Burggemünden eine männliche Leiche aus der Ohm geländet und dann beerdigt, welche am Kopfe die Spuren von bedeutenden Verletzungen zeigte, von bitten man indessen mit Rücksicht auf die ungemein zerklüftete Gegend annahm, daß sich der im trunkenen Zustande verirrte Unglückliche auf seinem nächtlichen Heimwege durch wiederholtes Fallen u. dgl. dieselben selbst zugezogen habe. Nachträglich stellt sich jedoch an der Hand von sehr gravirenden Umständen heraus, daß hier ein Berbrechen vorliegt und daß der Geländete von seinem eigenen Schwätzer wegen eines vor Jahren geführten Prozesses vor einign Wochen ist kannibalischer Weise gemordet und dann an dem über den Kopf heraufgezogenen Kittel in die damals sehr wasserreiche Ohm geschleift worden ist Die in Wettsaasen domizilirende Bestie wurde sofort dingfest gemacht und die wieder ausgegrabene Leiche vor einigen Tagen bezüglich ihrer verschiedenartigen Verletzungen amtlich untersucht. Die hierorts vielbesprochenen Motive und näheren Umstände dieses Ver- wandtenwordes werden nunmehr s. Z. vor dem Schwurgerichtshof der Provinz Obeihessen vollständig aufgeklärt werden. (M, gtg.)
— München, 7. März. Der Abg. Dr. Jörg hat einen Antrag an die Kammer gestellt auf Erlassung folgender zwei Gesetze: 1) Gesetz „die Wahl der ßa ibtagsabgeorbneten betr." (Verfassungsgesetz), 2) Gesetz „die Eintheilung der Landtags-Wahlkrerse und die'Zahl der zu wählenden Landtageabzeordmten betr." Diese beiden Gesetzentwürfe sind lediglich eine Reproduktion des Gesetzentwurfes, wie er seinerzeit aus bcn Berathungen des früheren XII. Ausschusses d.r Kammer der Avgeordn-ien hervorgegangen i. .
— Würzburg, 6. März. Die gestrige Weinausstellu mit Weinmarkt war mit 350 Pcob-n aus allen Weinbau treibt .den Grge-^ den Frankens beschickt und zahlreich besucht.