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Zugleich Amtlicher Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint tiiglich mit AuSncchme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Samstag den 4. März.

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1876.

Bekanntmachung

Die diesjährigen Frühjahrs-Controll-Versammlungen im Kreise Hanau finden an nachstehenden Orten und Tagen statt:

4. Bezirks-Kompagnie.

März er., früh 10 Uhr in Mittelbuchen,

10 Hanau (Kasernenhof),

10 Hanau

10 Langenselbold.

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27.

28.

29.

30.

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5. Bezirks-Kompagnie.

27. März er., früh 9 Uhr, in Bockenheim, Bockenheim,

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Bergen, Windecken.

Dies wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die zum Er­scheinen verpflichteten Leute sämmtliche Militairpapiere mit zur Stelle zu bringen haben.

Dispensationen können^nur in ganz dringenden Fällen eintreten und müssen darauf bezügliche Gesuche bis spätestens 22. März er. an die betreffende Bezirks-Compagnie gerichtet werden.

Gleichzeitig werden sämmtliche Mannschaften, welche etwaige Wohnungs-Veränderung bei dem Bezirks-Feldwebel noch nicht gemel­det haben, aufgefordert, diese Meldung unverzüglich zu bewirken.

Frankfurt a. M. den 28. Februar 1876.

Königliches Landwehr-Bezirks-Kommando.

Rundschau.

H. H. in C. Nach zweitägiger Verhandlung hat das preuß. Abg.-Haus die erste Berathung des die evangelische General- Synodal- Ordnung für die 8 östlichen Provinzen betreffenden Gesetzes am 28. Febr. dahin erledigt, daß der Entwurf einer Commission überwiesen wurde. Die Debatte war verhältnißmäßig eine sehr ruhige, was Viele überraschte, die geglaubt hatten, daß die Thatsache der Publikation die­ses Gesetzes vor Gutheißung durch den Landtag die Geister wieder ein­mal aneinander platzen lassen würde. Die Fortschrittspartei freilich wahrte ihren Standpunkt namentlich in einer durch Virchow gehaltenen Rede, die eine solche Synodal-Ordnung für ganz überflüssig hinstellte, obgleich sie erklärte, für einen verbesserten Entwurf schon stimmen zu wollen. Die nationalliberalen Redner dagegen sprachen zu Gunsten der Vorlage, die freilich auch nach ihrer Ansicht einigen Abänderungen zu unterwerfen sei, welch' letztere vor Allem auf die Verstärkung des Laienelements in den kirchlichen Körperschaften hinauslaufen. Der Landtag des Herzogthums Lauenburg hat sich mit der Einverleibung desselben in Preußen, die am 1. Juli d. J. stattfinden soll, einverstan­den erklärt. In Lauenburg abgehaltene Volksversammlungen dagegen haben mancherlei daran zu mäkeln gehabt, allerdings über ganz neben­sächliche Dinge, so z. B. über die BezeichnungKreisherzogthum Lauen­burg". Man will in Zukunft nur heißen:Kreis Lauenburg." Warum? Das ist uns unerdenklich. Die Antwort, welche der bayerische Minister von Pfretzschner vorige Woche im bayer. Abg.- Hause auf die Interpellation des Abg. Freytag gab, hat in den polit. Kreisen Norddeutschlands nicht wenig überrascht. Das Ueberraschende lag weniger in der Erklärung, daß die bayer. Regierung nicht daran denke, die bayer. Bahnen an das Reich abzutreten und fest entschlossen sei, das desfallsige Reservatrecht zu wahren, als in der Hinzufügung, daß Bayern bestrebt sein werde, auch den Verkauf der Bahnen anderer Bundesstaaten an das Reich zu verhindern. Die Präsidenwahlen im bayer. Abg.-Hause haben gezeigt, daß die Gerüchte von einer Spal­tung innerhalb der bayerisch-patriotischen Partei unbegründet waren. Es wurden ja die bisherigen Präsidenten, Freiherr von Ow und Dr. Surj, wiedergewählt. Im hannover'schen Reichstagswahlkreise Hameln- Bodenwerder fand eine Ergänzungswahl statt, deren Ausfall um des­willen bemerkenswert!; ist, weil diesmal der partikularistische Kandidat (mit 7763 gegen 6359 St.) über den nationalliberalen siegte, während in diesem Kreise bisher immer liberale Deputine hervorgingen. Freilich hatte der partikularistische Sieger, der dermalige Oberappellationsrath

v. Lenthe, in seiner Wahlrede erklärt, er sei Anhänger des deutschen Reiches und beklaue nur, daß Hannover in demselben nicht dieselbe Stelle gefunden habe, wie Sachsen. Einige Berliner Correspondenten wollen wissen, daß der Reichskanzler den zum Botschafter in Wien er­nannten Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode zu seinem eventuellen Nachfolger auf dem Reichskanzlerposten auserkoren habe. Wenn das wahr ist, so könnte Herr v. Bennigsen also seine französischen Sprach­studien wieder einstellen.

Die Altczechenpartei stimmte vorige Woche in den Parteiorganen die enthusiastischsten Triumphgesänge an über ihren großen Sieg bei den Wahlen zum böhmischen Landtage. Dem Wiener Abg.-Hause wurde der Entwurf einer neuen Civilprozeßordnung vorgelegt, was einen Beifallssturm von Seiten der Deputirteu zur Folge hatte, da die jetzt geltende Civilproz-ßordnung Oesterreichs antiquirter ist als die jedes anderen europäischen Kulturstaates.

Man muß es anerkennen, die franz. Republikaner ertragen ihre großen Triumphe der letzten Zeit mit Würde. Kein Freudenrausch ist zu bemerken, kein Uebermuth! Nur die Bauern thaten sich im Um­armen und dem Rufe:Vive la Röpublique!" etwas über die Maßen zn Gute. Die republikanische Kammermajorität will keineswegs ein Ministerium aus allen ihren Fraktionen gebildet wissen ; selbst Gambetta hat dem Marschall Mac Mahon sagen lassen, daß seine Partei mit der Bildung eines Kabinets einverstanden sei, welches Dufaure zum Chef habe und im Uebrigen aus Mitgliedern der gemäßigten Linken und des linken Centrums zusammengesetzt sei. Und Mac Mahon wird auf die­sen Vorschlag eingehen müssen. Wie derMonitem" berichtet, wird das zukünftige Kabinet folgendermaßen aussehen: Dufaure (konser­vativer Republikaner) Justiz und Vorsitz im Kabinet, Casimir Pürier (kons. Republ.) Inneres, Herzog v. Dücazes (zur konserv. Republik übergegangener Orleanist) Aeußeres, Admiral Pothuan (kons. Republ.) Marine, Jules Simon (entsch. Republ.) Unterricht, Say (kons. Republ.) Finanzen, de Ciffcy (farblos) Krieg; Handel und Ackerban würden dann auch noch von 2 kons. Republikanern besetzt werden. Casimir Parier verlangt, daß das Kabinet vollständig einheitlich sei und auch ein republikan. Kriegsminister eingesetzt werden müsse. Es ist doch ein merkwürdiges, interessantes Schauspiel, zu sehen, wie Mac Mahon all- mählig durch die Verhältnisse gezwungen wird, Freunde Thiers und dieselben Männer zu seinen Rathgebern zu ernennen, wegen deren Er­nennung zu Ministern Thiers, zu Mac Mahon's Freude, gestürzt wurde. Die 108 Stichwahlen für die 2te Kammer werden am 5. März stattfinden. Die Bonapartisten geben sich alle Mühe, die antirepu- blikanischen Parteien für ihre Kandidaten zu gewinnen, aber jedenfalls erfolglos.

Vor einigen Tagen endlich konnte die spanische Regierung in alle Welt Hinaustelegraphiren:Der karlist. Aufstand ist unterdrückt, Don Earlos hat den spanischen Boden verlassen! Was sich von der karlist. Armee nicht ergeben hat, das ist über die franz. Grenze geflohen und dort internirt worden. Zu Tausenden sind die Insurgenten auf fran­zösischem Boden angekommen; es stellte sich heraus, daß sich unter ihnen viele Polen und Deutsche befinden. Don Carlos selbst ist am 28. übergetreten und hat die Gastfreundschaft Frankreichs angerufen, die ihm auch sofort telegraphisch bewilligt wurde. Der Minister Her­zog v. Decazes, der ein persönlicher Freund der Prätendenten ist, reiste ihm entgegen und geleitete ihn nach Paris. Freilich wurde dem Prä­tendenten bedeutet, daß seines Bleibens in Frankreich nicht lang sein könnte, weshalb er es vorzog, sofort nach England weiter zu reisen. Don Carlos soll übrigens schon am 18. Febr. in einer Proklamation seinen Soldaten erlaubt haben, die Waffen niederzulegen, wobei er sie auf künftige bessere Zeiten vertröstete. Vor ihm aber hat Spanien auf lange Zeit Ruhe. Ob nun von anderer Seite der Frieden dieses Lan­des gestört werven wird? Wer weiß! Die Exkönigin könnte, wenn zurückgekehrt, gar zu leicht, durch Sammlung der Ultra-konservativen Elemente, mit denen sich die Carlisten verbünden würden, die Lage wieder zu einer prekären machen. König Alfonso soll übrigens die Entscheidung über die Frage der Rückkehr Jsabella's seinen Mimstern überlassen haben. Am 27. Febr. wurde die spanische Deputirten-