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Hamuer Anzeiger.

Zugleich Amtlicher Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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M 53.

Freitag den 3. März

1876,

Bekanntmachung.

Die di sjährigen Frühjahrs-Coutroll-Versammlungen im Kreise Hanau finden an nachstehenden Orten und Tagen statt:

4. Bezirks-Kompagnie.

am 27. März er., früh 10 Uhr in Mittelbuchen,

28. 10 Hanau (Kasernenhof),

29. 10 Hanau

30. 10 Langens lbold.

5. Bezirks-Kompagnie.

am 27. März er., früh 9 Uhr, in Bockenheim,

28. 9 Bockenheim,

29. 10 Bergen,

30. 10 Windecken.

Dies wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die zum Er­scheinen verpflichteten Leute sämmtliche Militairpapiere mit zur Stelle zu bringen haben.

Dispensationen können nur in ganz dringenden Fällen eintreten und müssen darauf bezügliche Gesuche bis spätestens 22. März er. an die betr ffende Bezuks-Compagnie gerichtet werden.

Gleichzeitig w.rdm sämmtliche Mannschaften, welche etwaige Wohnungs-Veränderung bei dem Bezirks-Feldwebel noch nicht gemel­det haben, aufgefordert, diese Meldung unverzüglich zu bewirken.

Frankfurt a. M. den 28. Februar 1876.

Königliches Landwehr-Bezirks-Kommando.

Bekanntmachungen Köuigl. Landrathsamts dahier.

Zugelaufen: Ein gelber Pinscher, weibl. Geschl.; der Eigen­thümer kann denselben bei Herrn Konrad Müller zu Nlederissigheim in Empfang nehmen. Ein schwarzer Pinscher.

Gefunden: Ein gestreiftes seidenes Tüchelchen. Ein neues Sägeblatt. Eine grauwollene Kinderhose. Ein goldener Ring mit blauem Steinchen. Fünf Meter weiße Schnur. Eine kleine Scheere.

Hunau am 3. März 1876.

Lagesschau.

DerR. u. St.°A." Nr. 54 enthält: Verordnung, betreffend die Reisekosten der Beamten bei der Revision von Eisenbahnstrecken und in Strombefahrungs-Angelegenheiten.

Berlin, 2. Märr. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) In der heutigen (19.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten wurde die Diskussion des Etats der Allgemeinen Finanzverwaltung fortgesetzt. Nach unerheblicher Debatte, an welcher der Abg. Wisselink und der Regie­rungskommissar, Geheimer Ober-Finanz-Rath Rötger, Theil nahmen, wurde der Antrag der Abgg. Wisselink, Rickert und Wiedewald, wel­cher lautet:

I. Bei Kap. 62, Titel 12 der dauernden Ausgaben: Beihülfe für die Stadt Elbmg zur Verzinsung und Tilgung der städtischen Kriegsschuld statt 10,000 Mk. zu setzen: Betrag pro 1876 30,000 Mk. eventuell

II. die Königliche Staats-Regierung aufzufordern : den Kommunal- zuschuß für Elbwg in dem Etat des nächsten Jahres dem Nothstände der Kommune angemessen zu erhöhen.-

der Budgetkommission überwiesen. Ueber einige hierher gehörige Petilionen ging das Haus bei Schluß des Blattes auf den Antrag der Budgetkommission zur Tagesordnung über.

(Fortsetzung folgt.) (St u. St^Anz.)

Berlin, 28. Februar. Die Eiklärung des bayerischen Mi­nisterpräsidenten über die Reichsbahnen wird von hiesigen klerikalen Blättern als sehr korrekt gefeiert. Die von Hrn. v. Pfretzschner er­wähnte Anfrage in Berlin über die Absichten der diesseitigen Regierung war, wie er selbst angibt, schon vor längerer Zeit erfolgt. So erklärt sich, daß, wie der Minister hinzufügt, die Erwerbung von preuß. Pri­vatbahnen durch den Staat beabsichtigt sein sollte, und bei dieser Ge­legenheit ein ähnliches Verfahren im ganzen Reichsgebiet in Frage ge­kommen wäre. So mochte die Sache vor einiger Zeit gestanden haben. i

Seitdem wurde allen unterrichteten Nachrichten zufolge der Uebergang preuß. Staatsbahnen auf das Reich ins Auge gefaßt. Bayerns Wider­stand dagegen würde natürlich derselbe bleiben und zwar, wie es scheint, besonders deswegen, weil ein etwaiges Defizit bei der Verzinsung des erforderlichen Kapitals eine Erhöhung der Matrikularbeiträge herbei­führen könnte. In Bundesrathskreisen glaubt man, wie schon auf an­derem Wege gemeldet, nicht, daß man hier die Sache aufgeben werde. Die Vorbereitungen für die Vorlage in den Kammern werden vielmehr fortgesetzt. Wenn übrigens die Kammern die Ermächtigung, mit dem Reiche zu verhandeln, ertheilen, so wird dies selbstverständlich in der Voraussetzung und wahrscheinlich unter dem ausdrücklichen Vorbehalt geschehen, daß die Genehmigung der Kammern für die wegen des Ver kaufes der Bahnen an das Reich festzustellenden Bedingungen später eingeho^t werde. Die reservirte Sprache der hiesigen offiziösen Presse übrigens, die alle verfrühten Meldungen in der Sache eifrig zurückwies, sollte wahrscheinlich die in den mittelstaatlichen Gegenden herannahende Opposition etwas beruhigen. Die Wirkung war aber insofern wenig­stens in München eine entgegengesetzte, als man dort allem Anschein nach aus jener Zurückhaltung schloß, die Sache sei hier so gut wie ausgegeben, was indessen, wie sich^zeigt, keineswegs der Fall ist.

(Schw. Merk.)

Ueber die Thätigkeit des Eisenbahnregimeuts gegenüber den Verheerungen der letzten Hochwasser bringt das Berl. Fremdenbl. einen längeren Artikel, dem wir Folgendes entnehmen:In dem Trakt der neuen Dresdener Bahn, etwa 10 Meilen von hier, durchbrachen die von dem Gebirgszüge des sogen, hohen Flemmings herabstürzenden Wassermassen des Dahme-Fluß- Gebiets den Effenbahndamm, obwohl derselbe an jener Stelle in doppelter Breite geschüttet war. Die schleunige Wiederherstellung des gleichfalls beschädigten, neben der Durchiruchstelle belegenen Durchlasses wäre wenig mühevoll gewesen; es handelte sich aber um eine weit größere Leistung: um die Ueber« brückung der breiten, den zerrissenen Damm durchströmenden Fluth, um die möglichst schleunige Wiederherstellung des unterbrochenen Verkehrs, namentlich des Lastenverkehrs, da der Personenverkehr durch eine Noth- laufbrücke aufrecht zu erhalten war. Die Direktion der Bahn wandte sich um Hülfe an den Kommandeur des Regiments, Oberst Schulz. Es kamen hierauf keine Rückfragen, keine Erörterungen und Verhand­lungen: wohl aber war das Resultat das, daß nach Ablauf von 3 Stunden die Genehmigung des Generalstabschefs der Armee eingeholt, die betreffende Kompagnie alarmirt war, daß die Hülfsgeräthe und Baumaterialien an die Bahn geschafft und verladen, genug alle die Vorbereitungen getroffen waren, zu denen bei dem allerbesten Willen auf allen Seiten Zivilwerkmeister und Arbeiter etwa das Achtfache an Zeit gebraucht haben würden. Am Freitag Morgen wurde sodann nach zurückgelegter Nachtfahrt die Arbeit in dem Wasserbett begonnen, und am Montag darauf, etwa um dieselbe Stunde, fuhren die sämmtlichen Züge der Bahn über eine neue Brücke, welche 50 bis 60 Fuß lang von dem Regiment aufgebaut war und von der man erzählt, daß sie wohl einige Dezennien hindurch jedem Zugverkehr über sich trotzen würde. Von dem Oberst war der Major Golz als der Führer des Kommandos und als oberster Baumeister designirt gewesen; nachdem der Regimentskommandeur die Arbeiten geprüft, die Eisenbahnverwal­tung sie übernommen hatte, die ersten Züge in jeglichem Tempo über die Brücke gefahren waren und die Baustelle völlig aufgeräumt worden war, ist alsdann das Kommando ebenso anspruchlos und bescheiden in die Residenz zurückgekehrt, wie es aus^ezogen war. Dabei wird er­zählt, eaß das für so viele Leute auf dem Lande in der Eile nur dürftig zu beschaffende Quartier statt einer Bemängelung noch freund­liche Anerkennung gefunden habe. Man rühmt uns ebenso den kame­radschaftlichen Ton, der von den Offizieren den Soldaten gegenüber an­geschlagen wurde, und der neben einer strammen Disziplin zu dem Ge­lingen der mühevollen und selbst nicht gefahrfreien Tag- und Nacht­arbeit augenscheinlich so wirksam beigetragen hat. Es ist diese kleine Skizze wohl eine Grundlage für die Ueberzeugung, daß das Regiment, wenn es in Friedenszeiten so schnell, so fördernd und helfend in das praktische Leben eingreift, wirklich Großes leisten wird, wenn es sich in