Einzelbild herunterladen
 

£46

Eine Verfassungsrevision kann aber bis 1880 nur von Mac Mahon s verlangt werden, jenes Gerücht fällt also von selbst. — In den näch­sten Tagen wird der Karneval der Politik einigen Abbruch thun, ob­gleich er bisher traurig genug ausfällt. Zu Fastnachtsschwänken ist man wenig aufgelegt und die alten Gebräuche des Karnevals sind ohne­dies seit Jahren mehr und mehr in Vergessenheit gerathen. Der große Maskenball in der Oper war gleichwohl gestern Abend stark besucht. (Schw. Merl.)

' — Der „Schw. Merk." schreibt: Der Karlistenkrieg ist zu Ende. Damit ist den Freunden Roms eine neue unliebsame Erfahrung berei­tet, nachdem sie soeben den Protest des französ. Volkes gegen die kleri­kale Regierung Büffets erleben mußten. In raschem Siegeslauf sind die Generale des Königs Alfons in den Bergen von Ravarra und Guipuzcoa eingedrungen. Nirgends vermochten die Karlisten Stand zu halten; theils sahen sie sich in den Bergen rettungslos eingeschlossen und zur U bergabe gezwungen, theils über die Grenze nach Frankreich gedrängt. Estella und Tolosa wurden fast ohne Schwertstreich geräumt, und Don Alfons konnte quer durch die Berge bis an die Küste nach San Sebastian gelangen und so gleichsam Besitz ergreifen von diesen Prov nzen, die bisher seiner Regierung widerstanden hatten. Eine letzte Entscheidungsschlacht war noch angekündigt, über deren Allsgang kein Zweifel mehr sein konnte. Allein sie scheint glücklicherweise nicht mehr nöthig. Die karlistische Armee ist gar nicht mehr im Stande, sich zu schlagen, und wenn sie es wäre, so hätte ihr Widerstand keinen Zweck mehr, nachdem der Prätendent das Weite gesucht hat. Der „Edel­hirsch" ist, um in der Sprache der Germania zu reden, „von den rudel- weis jagenden Wölfen" zwar nicht „erwürgt", aber verjagt. Die Un- Möglichkeit einer Fortsetzung des Kampfes einsehend, hat Don Carlos die französische Grenze überschritten. Er hat dem Lande, dessen Unglück er acht Jahre lang gewesen ist, noch ein Manifest hinterlassen, worin er erklärt, auf die Krone Spaniens großmüthig zu verzichten, da das Glück Spaniens sein eigener Wunsch sei. Leider kommt dem Präten­denten diese Großmmh erst, nachdem sie ihm durch die Generale seines Vetters Alfons abgezwungen ist; wäre sie ihm früher gekommen, so hätte er dem Lande, dessen Glück sein einziger Wunsch ist, eine Summe von Elend, Blut und Ruinen erspart, die noch auf viele Jahre die Er­innerung an den Bürgerkrieg lebendig erhalten werden. Dieses Werk grausamer Zerstörung ist das einzige Resultat des Krieges, und ein unteres Hai dieser überhaupt nie haben können. Denn niemals ist ein Unternehmen frivoler gewesen, als dasjenige des Don Carlos. Seine Sache war von vornherein aussichtslos und hat auch durch das Geschick seiner Generale nie verbessert werden können. Das Land in seiner übergroßen Mehrheit hat ihn stets zurückgewiesen. Sein Anhang hat sich immer nur auf jene bergigen Grenzprovinzen beschränkt, die durch ihn zu einer Sonderstellung im Reich zu gelangen hofften. Auch als die Regierung zu Madrid am schwächsten, die Kriegführung am elen­desten war, hat sein Heer es niemals wagen können, die Bergländer zu verlassen, in die Ebene vorzudringen, auf die Hauptstadt des Landes loszugehen. Dem armen Lande diese Plage aufzuhetzen und dieselbe so lang als möglich zu verlängern, gehört zu den grausamsten und be­zeichnendsten Unternehmungen, welche sich der Jesuitismus gegen Völ­kerglück erlaubt hat. Jetzt ist das Land diese achtjährige Plage endlich los und zwar glücklicherweise nicht durch einen jener fatalen Kompro­misse oder Convenio's, sondern durch das ehrliche Schwert. Die An­strengung eines disziplinirten Heeres hat, nachdem nur allzulang eine demoralrsirende Schlaffheit in der Kriegsführung geherrscht hat, den Eindringling mit seinem Anhang über die Grenze gejagt, und das be­freite Land kann nunmehr aufathmen. Es sieht wenigstens die Mög­lichkeit vor sich, sich zu erholen, zu sammeln, die oftmals unterbrochene friedliche Arbeit innerer Entwickelung wieder aufzunehmcn. Die Hoff­nung ist allmälig schwach geworden, daß Spanien es in dieser Arbeit weit bringen werde. Allein mit dem Ende des Karlistenkriegs ist we­nigstens die unerläßliche Vorbedingung gegeben; die Wunde ist ge­schlossen, die an den besten Kräften des Landes zehrte.

— Madrid, 28. Febr. Der König hat die Entscheidung der Frage, betreffend die Rückkehr der Königin Jsabella nach Spanien, voll­ständig in die Hände des Ministerrathes gelegt; von dem Letztern ist indeß noch kein bezüglicher Beschluß gefaßt worden. — Auf Anord- nung der Regierung ist die Depesche, welche die Flucht des Prätenden­ten Ton Carlos nach Frankreich meldet, öffentlich bekannt gemacht worden.

— London, 28. Febr., Abends. Unterhaus. Auf eine bezüg­liche Anfrage Adderley's erklärte der Unter-Staatssekretär Lord Hamil- ton, ge^en den Kapitän der „Franconia" könne wegen des Zusammen­stoßes dieses Schiffes mit dem „Strathclyde" eine handelsamtliche Untersuchung nicht eher eingeleitet werden, als bis das gegen den Ka- pitän wegen fahrlässiger Tödtung eingeleitete Kriminalverfahren beendet ser. Was das Verhalten des Hafenmeisters in Dover anbelange, so werde dasselbe bei jedem dazu gegebenen Anlässe einer Untersuchung durch das Hafenamt in Dover unterzogen. (R. u. St.-Anz.)

Lokales von hier und^Umgegend, sowie Povinzielles.' Eingesandt. Hanau, 29 Februar 1876.

F. G. Der „Kladderadatsch" bringt in seinem Annoncentheil von Wien aus Anzeigen fabelhaft billiger Uhren u. s. w. in der „Vereinig­ten Jndustriehalle", Praterstraße 16.

Um den — Vortheil — kennen zu lernen, bestellte ich die billigste dieser Uhren, annoncirt nebst Talmigoldkette a 3 Mark, und erhielt eine kleine Schwarzwälder Uhr mit Talmigold farbigem Zifferblatt — und Talmigold- — vulgo — Messingkette ohne Gewicht.

Dafür hatte ich, nebst 3 Mark, noch die Kleinigkeit von 1,57 Mk. für Porto und Zoll zu zahlen, wofür ein beiliegender ordinärer Ball­fächer entschädigen soll.

Die Uhr ist, beiläufig gesagt, die geringste ihrer Art und dürfte sich der Nutzen bei theureren Gegenständen wohl entsprechend höher be­laufen.

— Vergangene Nacht gegen 1 Uhr vernahm Nachtwächter Diebe- ner aus dem Eberhard und Reichling'schen Hause Hülferufe und eilte natürlich in Begleitung eines Zweiten dem Orte zu, nachzusehen, um was es sich handle. Hier fanden Diebener und sein Genosse ein Individuum, das in die Waschküche des genannten HauseS eingestregen war und jedenfalls keine lauteren Absichten verfolgte. Der Bursche, nachdem er sich noch ungeberdig gestellt, wurde ergriffen und in Nr. Sicher geschafft. Die Untersuchung wird Näheres ergeben.

— Diejenige Schwindlerin, welche kurz vor Weihnachten (der „Han. Anz." brächte seiner Zeit die Notiz) aus einem Schuhlager in der Alt­stadt auf einen gefälschten Schein Waaren sich zu verschaffen wußte, wurde dieser Tage zu 3 Wochen Gefängniß verurtheilt, abgesehen von der seit dem 3. Weihnachtsfeiertage v. I. verbüßten Untersuchungshaft.

— Von heute ab übernimmt die G at te r dam'sche Wirthschaft in der Langstraße beruflichere Restaurateur im Gasthaus „zum Kronprinzen", Herr B r e h m.

ÄersteizeruKgS- & BerpachtuNgs-Kaleuder.

Morgen Vormittag 10 Uhr beginnend kommen im Fürstl. Jsen- burg-Wächtersbach'schen Forstrevier Schlierbach 427 Kubikmeter oder 18530 Kubikfuß Eichenholz in 300 Stämmen, zu öffentlicher Ver­steigerung; die Versteigerung beginnt im Distrikt Naffe Dalle bei Wei­lers und wird am Donnerstag, ebenfalls Vorm. 10 Uhr, im Eichwald bei Schlierbach fortgesetzt (s. Nr. 44 „Han. Anz."). — Submission«^ zur Uebernahme von Uferbauten an der Nidda beim Gronauerhof (Hauen und Verbauen von 53 Schock Weidenfaschinen) sind spätestens bis mor­gen Vormittag 11 Uhr im Bureau des Königl. Kreisbaumeister Herrn Schuchard einzureichen (s. Nr. 48 „Han. Anz.").

— Für heute. Abendkirche in der Marienkirche: Anfang

7 Uhr; gehalten von Herrn Pfarrer Sopp. — Hanauer Stadttheater: Zum zweiten Male: „Ein unverdorbener Jüngling". Große Posse mit Gesang in 3 Akten und 5 Bildern von E. Jacobson. Musik von G. Michaelis.

Auszug aus dem Ceutral-Handelsregister.

Eintragungen bei Kgl. Kreisgericht, erste Attherung, Hanau.

Zufolge Verfügung vom 22. Februar 1876 ist auf Anzeigen vom 28. Januar und 18. Februar dieses Jahres am 24. Februar in das Handelsregister eingetragen worden, daß der Kaufmann Leopold ■ Herz Bergen zu Gelnhausen ein Manufaktur- und Schnittwaarengeschasi unter der Firma: L. H. Bergen zu Gelnhausen betreibt und seiner Ehefrau Auguste, geborene Wetterhahn, Prokura ertheilt hat.

— Kassel, 29. Februar. Man schreibt aus Rom unterm 24. d. Mts.: Einer unserer Landsleute aus der Künstlerwelt, der verdienst­volle Maler Friedrich Gunkel aus Kassel, liegt seit gestern Nach­mittags auf dem Sterbebette. Gunkel, welcher bereits seit einer langen Reihe von Jahren in Rom ansässig war, suchte seinem durch physisches Leiden und Hoffnungslosigkeit getrübten Leben durch einen Revolver­schuß in die rechte Brust ein Ende zu machen. Die Wunde läßt keine Hoffnung ihn zu retten.__________________

— Der „Krauts. Anzeiger" ,<yr«dr unterm 29. Februar aus Frankfurt am Main: Verschiedene Landwirthe der hiesigen Gegend waren in Unterhandlungen behufs Erwerb von Feldarbeitern aus Ost­preußen und Polen getreten. Dieselben sind nach hier eingelangten Meldungen resultatlos geblieben, indem die in dortiger Gegend statt- gehabten großen Ueberschwemmungen den Arbeitern, ohne die Heimath verlassen zu müssen, lohnenden Verdienst verschafft hat. Zur Erntezeit stehen jedoch Arbeitskräfte zu Gebote. — Wie wir vernehmen, sollen die öffentlichen Bedürfniß Anstalten, wenn die Stadtverordneten das Geld verwilligen, mit Spülung versehen werden. — Die Fackel- beleuchtung^der überschwemmten Straßen erforderte 14,000 Pechkränze.

— Stand des Mainpegels: 1. März: Vormittags 10 Uhr 3,62 Meter = 11' 7" rhein (7 Zoll seit gestern gestiegen).

TherMSMeLerftSAd.

29. Februar: Höchster Gisud des Thermometers + 9°, KWdS 7 Uhr + 71/g0; 1. März Morgens 7 Uhr + S1^0. Vormittags Uhr + 10°.