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W 46.
Donnerstag den 24. Februar.
1876.
BekanuLmachungerl Königl. LandMstsaMs dahier.
Gefunden: Ein kleines rothes mit Perlen besetztes Täschchen, enth. ein gelben Schlüssel. Ein brauner Frauenschoß. Eine blaue Schürze für Handwerker. Ein Thaler. Ein Portemonnaie, enthaltend etwas Selb.
Verloren: Ein neues rothes Tischtuch. Einstgoldener Ohrring (ein Hufeisen darstellend),
Hanau, am 24. Februar 1876.
Tagesschau
— Berlin, 23. Febr. Im weitereren Verlaufe der gestrigen Sitzung des Hatifes der Abgeordneten wurde die Spedialberathung des Etats des landwirthschaftlichen Ministeriums fortgesetzt. Der Abg. Witte wünschte Auskunft darüber, ob Aussicht vorhanden sei zur Bildung einer bäuerlichen Landschaft in der Pro unz Posen. Das Haus habe sich schon früher hierfür ausgesprochen, und ein ähnlicher Beschluß liege auch von Seiten des Provinziallandtages vor. Der Staats-Mi- nister Dr. Friedenthal erwiderte, er persönlich habe die größte Sympathie für das Projekt. Neuerdings habe der Posen'sche Kommunalland- tag sein Interesse dieser Angelegenheit zugewendet, und könne er nur sagen, daß er diesem Bestreben seinerseits die größtmöglichste Förderung werde zu Theil werden lassen. Der Abg. v. Czarlinski sprach die Hoffnung aus, daß der Minister bei der strengen polizeilichen Ueberwachung, s der die polnischen Vereine unterwerfen würden, sich bald die Ueberzeugung verschaffen werde, daß sie ebenso ausschließlich landwirthschaft- liche Zwecke verfolgten, wie der berühmte deutsche Centralverein. Der Abg. Parisius wies auf das Mißverhältniß hin, welches zwischen den Staatsunterstützungen an Vereine in Hannover einerseits und den drei östlichen Provinzen andererseits, und zwar Gunsten der ersteren, bestehe; in dem letzten Jahre habe dasselbe allerdings schon gegen früher abge. nommen, er hoffe aber, daß die Gleichmäßigkeit im nächsten Etat eine noch größere werden würde. Der Staats-Minister Dr. Friedenthal versicherte, daß er sich bestreben werde, soviel wie möglich eine Gleichmäßigkeit herbeizuführen. Der Abg. Windthorst war der Ansicht, daß dies in der Weise zu geschehen habe, daß die Institutionen von Hannover, wie erses auch schon im Justizetat betont habe, nicht niedergedrückt, sondern die übrigen Provinzen auf dieselbe Stufe wie Hannover gehoben würden. Der Abg. v. Benda hielt es für gut, wenn die Vereine sich möglichst von der Staatssubvention freimachten. Der Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst protestirte gegen die Auffassung, als ob der Staat seine Unterstützung zurückziehen solle. Der Abg. v. Benda erklärte, daß dies gar nicht seine Auffassung sei, sondern daß die Mög- lichkeit einer derartigen Emanzipation völlig der freien Entwickelung der Vereine überlassen bleiben müsse.
Sämmtliche Positionen dieses Kapitels wurden bewilligt.
Es folgte Kapitel 113 „Einmalige und außerordentliche Ausgaben". i
Beim Tit. 1 „Zur Vollendung von Eimichtungsbauten 96,000 Mk." betonte Abg. v. Benda, daß aus dem Umstände, daß eine zweite ■ Rate für den Bau eines Museums nicht ausgeworfen worden, man durchaus nicht schließen dürfe, als ob das Projekt aufgegeben sei, es hätten sich nur augenblickliche Hindernisse eingestellt/ Im Nebligen wünschte er, daß für die Verwaltung des Museums eine größere Summe ausgeworfen werde.
Bcim Tit. 7 „Zur Hebung der Fischerei 50,000 Mk." sprach Abg. j v. Behr-Behrenhoff )ein Bedauern darüber aus, daß trotz der Wichtigkeit des Gegenstandes im vorliegenden Etat eine geringere Summe angesetzt sei, als im Vorjahr; ihm scheine es im Gegentheil nöthig, diese Summe noch zu erhöhen. Der Staats-Minister Dr. Friedenthal stellte eine höhere Summe für die Hebung der Fischerei für dieses Jahr in Aussicht, als bisher.
Bei Tit. 9 „Zu Landesmeliorationen und Deichbauten 1,500,000 Mk. befürwortete der Abg. Dr. Hammacher die erweiterte Anlage von Momkanälen in Hannover und die Gründung der Versuchsstation, welches beides der Minister in Aussicht stellte, wofür ihm der Abg. Windthorst (Meppen) dankte.
Den Titel 14 „Kosten der Betheiligung an der internationalen Ausstellung für Gesundheitspflege und Rettungswesen in Brüssel 50,000 Mk." wünschte Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst zu streichen, weil dieser Gegenstand nicht in die Landwirthschaft gehöre, und der Etat schon hinreichend durch andere Ausgaben bei astet sei. Der Regierungs-Kom- missar Ministeral-Direktor Maicard bat die Posinon zu bewilligen, weil es wüaschenswerth sei, daß Preußen sich bethrilige. Der Äbg. Bernards fprach sich für die Position aus, weil sämmtliche andern Nationen sich behelligten und für Preußen eine empfindliche Lücke entstehen würde. Der Abg. Windthorst (Meppen) bezeichnete die Vertretung im Auslande als zur Kompetenz des Reiches gehörend, worin ihm Abg. Graf Bethuly Huc widersprach.
Sämmtliche Titel des Kapitels wurden bewilligt.
Hiermit war der Etat des landwirthschaftlichen Ministeriums erledigt. Es folgte der Etat des Ministeriums d^s Innern.
(Fortsetzung folgt.) an u. St^Anz.)
— Eine Jury von Künstlern war vorgestern in Berlin zusam- mengetreien, um die von deutschen Malern und Bildhauern nachträglich für die Weltausstellung in Philadelphia gelieferten Werke einer Prüfung zu unterziehen. Es waren 25 Malereien und 2 Skulpturen der Prüfung unterbreitet. Sämmtliche Werke wurden für zulässig erachtet. Es beträgt demnach die Zahl der Arbeiten deutscher Künstler für Philadelphia 154, deren größter Theil dort bereits angelangt ist. Seit einigen Wochen ist der Commissar der Reichsregierung für die Ausstellung, der k. preußische Bauinspektor Bartels, in Philadelphia eingetroffen und mit Aufstellung der deutschen Ausstellungsgegenstände be- schäftigt.
— Düsseldorf, 15. Februar. Das Amtsblatt enthält folgende Bekanntmachung: „Die katholiichen Geistlichen Hoffmann in Essen, Rabberz in Crffeld, Weidinger in Düsseldorf, Dr. Tangermann und Pasfrath in Cöln und Graf Wrschowetz in Boppard sind vom katholischen Bischöfe Dr. Reinkens zur Vornahme aller seetsorgerlichen Akte für die seiner bischöflichen Leitung unterstehenden Katholiken an allen Orten der Rheinprovinz, wo das Bedürfniß eintritt und wo es gewünscht wird, ermächtigt, und ist auf erfolgte desfallsige Anzeige Sei- tens des Königlichen Ober-Präsidenttn der Rheinprovinz ein Einspruch auf Grund des Gesetzes vom 11. Mai 1873 nicht erhoben worden. Die gedachten Geistlichen sind mithin, abgesehen von der ihnen zustehenden dauernden seetsorgerlichen Thätigkeit in denjenigen bestimmten tin- zelnen Orten, für welche bereits früher ihre ausdrückliche Benennung stattgefunden hat, nunmehr auch zu der oben bezeichneten Amtswirksam- keit befugt, was die Herren Landrathe durch die Kreisblätter zur öffentlichen Kenntniß der Eingesesienen bringen wollen."
— Wie sbaden, 21. Februar. Heute wurde vor der Strafkammer des hiesigen Appellgerichts auf Grund des Art. 166 des D. Str.-G.-B. die Anklage gegen den Stadtverordneten Nik. Rackö aus Mainz verhandelt wegen Aeußerungen, die sich dersilbe in der am 23. v. M. hier gehaltenen Katholikenversammlung über das altkatholiiche Meßopfer erlaubt hatte. Bei der heutigen Verhandlung wurde nun zeugeneidlich f stgestellt, daß damals Rackö bezüglich der Mitbenutzung der katholischen Sirene Seitens der hiesigen Altkatholiken die Aeußerung that: Nach unserer (der römifch- kathol.) Ueberzeugung und nach den Entscheidungen unserer Kirche darf nicht von unseren Priestern an derselben Stelle das h. Meßopfer dargebracht werden, an welcher Priest r, die nach der Lehre der Kirche keine Priester mehr sind, also sakrilegische Hä de, das Meßopfer dar- gebracht haben. Es darf nicht an ein uno derselben Stelle, wo Gottes Name aufs Tiefste erniedrigt worden, sein Name wieder gepriesen werden. Der Angckl., dem als Vertheidiger der Oberappellprcku awc Großmann zur Seite stand, will die ganze Frage nur vom theo Zischen Standpunkt aus behandelt und die obige Stelle nur als Belehrung der Katholiken, nicht mit der Absicht, die Altkatholiken zu »erb ^ n gesprochen, auch im darauffolgenden Satze ausdrücklich die bona fides der Altkatholiken bei ihren Handlungen nicht bestritten haben. Eine derartige auf das im guten Glauben Handeln der Altkathvliken bezügliche Aeußerung hat aber kein Zmge vernommen, auch nicht der steuo-