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«nauer Anzeiger.

Zugleich Amtliches Orgsu für Kreis «nb Stadt Hauau.

GrschrirüMtlich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Montag den 2L Februar.

1876.

In denjenigen Ortschaften,"bezüglich welcher das Herrschen an­steckender Krankheiten, wie Menschenblattern, Cholera, Ruhr, Typhus rc. amtlich constatirt und durch die Ortspolizeibehörde bekannt gemacht ist, und zwar bis zum Ablauf eines Vierteljahres nach dem festgestellten und ebenmäßig publizirten Erlöschen der Krankheit, dürfen Lumpen aller Art nur dann aufgekauft werden, wenn eine gehörige Desin- fizirung derselben unter Controlle der Ortspolizeibehörde mittelst Chlorgas erfolgt ist und nachgewiesen werden kann.

Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden mit Geldstrafen bis zu 5 Thaler oder im Falle Unvermögens mit entsprechender Haft- strafe geahndet.

Cassel am 11. Jannar 1873.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

BekanutWkchuugkK Kömgl. LandrathsaM 8 basier.

Nachdem in der Gemeinde Ginnheim der Ausbruch der Menschen­blattern constatirt ist, treten die Bestimmungen der unten abgedruckten polizeilichen Vorschrift vom 11. Januar 1873 (Amtsblatt Seite 10) für genannte Gemeinde in Kraft.

Die Ortspolizeibehörde hat die erforderliche Bekanntmachung in Ginnheim sofort zu erlassen.

Hanau, am 15. Februar 1876.

Der Landrath.

Tagesschsu.

Berlin, 18. Februar. In der heutigen (9.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten theilte der Präsident das Resultat der Wahlen resp. Koostituirung der z« wählenden Spezialkommissionen und zu ver­stärkenden Fachkommission mit. Gewählt sind in den Vorstand der Wegeordnungskommission die Abgg. Dr. Braun (Waldenburg), Vor­sitzender, Mühlenbeck, Stellvertreter, Beleites und Frhr. v. Wendt, Schriftführer; in den Vorstand der Kommission für den Gesetzentwurf über den höheren Verwaltungsdienst die Abgg. v. Bonin, Wulfshein, Belian und Hansen. In die Budgetkommission ist an Stelle des aus­geschiedenen Abg. Tiedemann der Abg. v. Kardorff gewählt worden. Das Hans setzte die Berathung des Etats der direkten Steuern fort, wobei Abg. v. Kardorff sich gegen die gestrigen Angriffe des Abg. Richter (Hagen) vertheidigte. Der Abg. Dr. Laster suchte die Nach­theile und Irrthümer des Systems der indirekten Steuern, sei es als Schutzzoll oder als übermäßiger Finanzoll, darzuthun. Auch in den Klagen über übermäßige Anstrengung der Stenokraft des Volkes konnte er nicht die vollständige Begründung und Substantiirung finden. Der Abg. Frentzel brächte Beschwerden über den Modus der Einkommenein­schätzung in dem Regierungsbezirk Gumbinnen vor, die er als Mitglied der Bezirkskommission substantiiren könne. Der Finanz-Minister Camp­hausen hob hervor, daß, seitdem die Regierung in die Kontingentirung der Klassensteuer gewilligt habe, sie an der Bewilligung resp. Nichtbc- willigung der Reklamationen vollständig uninteressirt sei, von fiskali­schem Standpunkte aus also dieselben gründlich und unparteiisch prüfen könne. Seine Finanzpolitik sei die, ein Wächter und ausführendes Or­gan des Gesetzes zu sein. Der Abg. Frhr. v. d. Goltz unterzog die Stellung der Landräthe in den Einschätzungs-Kommissionen, wo sie nur advocati fisci seien und einflußreiche Berufung bei den Bezirkskommis- sionen einlegen müßten, einer Kritik und protestirte gegen die gestrige Behauptung des Abg. Richter (Hagen), daß die größeren Grundbesitzer zu niedrig in der Einkommensteuer eingeschätzt seien. Eine Beschwerde des Abg. v. Lyskowski über die Einschätzung zur niedrigsten Stufe der Klassensteuer in der Provinz Posen führte der Regierungs-Kommissar, Geh. Ober Finanzrath Rhode, auf eine Verwechselung mit den Bestim­mungen einer früheren nicht zum Gesetze gewordenen Vorlage zurück. Der Abg. Duncker bestritt, daß bei der Einschätzung zur Einkommen­steuer das flache Land überlastet sei, da nur 38,000 Grundbesitzer zur Einkommensteuer herangezogen würden, eine Zahl, die durchaus in kei­nem Mißverhältniß zum Nationalwohlstande stehe. Der Redner pole« misirte sodann gegen die Ansichten des Abg. v. Kardorff über indirekte Steuern, deren Erhöhung er im allgemeinen Interesse bekämpfte. :

Die Einnahmen aus den direkten und indirekten Steuern wurden hierauf genehmigt.

Berlin, 19. Februar. Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sitzung des Hauses der Abgeordneten wurde der Etat der indirekten Steuern und zwar zunächst das Kapitel der Zölle zur Diskussion ge­stellt, wobei der Abg. Richter (Hagen) Gelegenheit nahm, nochmals die schutzzöllnerische Agitation des Abg. v. Kardorff und Genossen und de­ren Konsequenzen zu charakterisiren. Der Abg. v. Kardorff verwies in Bezug auf eine Aeußerung des Vorredners auf den demnächst zur Dis­kussion kommenden Bericht der Eisenbahn Untersuchungs-Kommission. Die Position wurde bewilligt.

| Um 41 li Uhr vertagte sich das Haus. ist « st^.)

S. M. S.Medusa" ist vorgestern in Lissabon eingetroffen.

Köln, 19. Febr. Der Verkehr auf der Rheinischen Eisenbahn von hier nach Belgien ist gestern Abend wieder hergestellt worden.

Ueber Hochwasser liegen, nach demR. u. St.-A.", folgende telegraphische Nachrichten desW. T. B." vor:

Frankfurt a. M., 18. Februar, Abends. Das eingetrene Hoch­wasser ist noch im Steigen und hat den Quairand am Fahrthor bereits überschritten.

Dresden, 19. Februar, Morgens. Der Eisgang der Elbe ist seit gestern Abend in vollem Zuge, derselbe geht normal von Stätten. Der Wasserstand hatte heute früh 6 Uhr die Maximalhöhe von 7 Ellen, gleich 4 Meter über Null, erreicht. Seitdem beginnt das Wasser auf der böhmischen und sächsischen Strecke der Elbe langsam zu fallen. Die Gefahr einer Ueberschwemmung ist für Dresden vorüber.

Wien, 18. Februar, Nachmittags. Nachdem der Eisstoß der Donau sich heute früh um 3 Uhr in Bewegung gesetzt hatte, ist das Wasser im Hanptstrom wie im Kanal seit Vormittags in stetigem Stei­gen begriffen. Um l1/* Uhr Nachmittags wurde das dritte Nothsignal gegeben, zum Zeichen, daß die Gefahr einer Ueberschwemmung unmit­telbar bevorsteht.

18. Februar, Abends. Gegen 3 Uhr stieg das Wasser im Donaukanale in rapider Weise; nachdem aber der Schutzdamm unweit Freidenau weggerissen worden war, fiel dasselbe wieder um 5 Fuß. In den niedrig gelegenen Gassen des 2., 3. und 9. Bezirks dringt das Wasser bereits in die Keller, auch der Centralkirchhof ist unter Wasser und sind Beerdigungen auf demselben sistirt. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten Nachmittags die von der Ueberschwemmung bedrohten

18. Februar, Abends 10 Uhr 30 Minuten. Die Donau steigt noch immer, seit 91/» Uhr steht der Prater ganz unter Wasser und der Aussiellungsplatz bis zur Rotunde.

19. Februar, Vormittags. Nach dem heute früh veröffentlich­ten Berichte stehen das ganze Erdberger Mais, der untere Theil des PraterS sammt Freidenau, einige tiefer liegende Gassen der Leopoldstadt und Rossau unter Wasser. Da die Donau unterhalb Klosterneuburg noch nicht eisfrei ist, andererseits aber die Wasser in den oberen Donau­gegenden rapide steigen, so ist die Gefahr größer geworden. Es ist deshalb ein Detachement Pioniere ans Linz und aus Preßburg zur Hülfeleistung einberufen worden.

Prag, 18. Februar, Nachmittags. Die Moldau ist ausgetreten und hat die niedrig gelegenen Gassen der Altstadt, der Josephstadt der Kleinseite, sowie einen Theil der Moldauinseln überschwemmt. Die Quaibauten stehen gleichfalls unter Wasser. Das Waffer steigt noch fortwährend.

18. Februar, Abends. Das Wasser ist noch fortwährend im Steigen und steht 3 Meter über der Normalhöhe. Auch die Flüsse Tepl, Wottawa, Beraun und Luznic haben die Niederungen über­schwemmt. In Tetschen steht die Elbe 6 Meter über Null.

19. Februar, Morgens. Das Wasser ist während der Nacht noch mehr gestiegen; die Ueberschwemmung hat größere Dimensionen an­genommen, sämmtliche in der Nähe der Moldau gelegenen niedrigen Gassen und Plätze stehen unter Wasser. Viele an der Beraun, der Elbe und unteren Moldau gelegenen Dörfer sind überschwemmt und die Brücken vielfach fortgerisseu.