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ijanmier Anzeiger.
Zugleich Amtlicher Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Lrfchemt^täglich mit Ausnahme der Sonn-und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Donnerstag den 17. Februar.
1876.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.
Gesuche um Aufnahme von Zöglingen in das hiesige Waisenhaus müssen spätestens zum 1. März er. bei mir angebracht werden.
Nur Kinder evangelischer Consession im Alter von 7 bis 12 Jahren, welche nicht gebrechlich sind, können Berücksichtigung finden.
Hanau am 9. Februar 1876.
Der Landrath
S ch r ö t t e r.
Gefunden: Ein Portemonnaie, enthaltend etwas Geld und 1 Uhrschlüssel. Ein wollener großer weißer Handschuh, mit blauen Ringeln. Zwei einzelne braune Handschuhe. Zwei Taschentücher.
Zu Kesselstadt: Ein Packet, enthaltend Mannskleider vom Arbeiterstand, ein Handtuch M. B. gez sowie ein rothes Taschentuch. Diese Gegenstände können von den Eigenthümern beim Herrn Bürgermeister Geibel zu Kesselstadt in Empfang genommen werden.
Hanau, am 17. Februar 1876.
Tages schau
— Der „R.- u. St.-A." enthält: Gesetz, betreffend die Feststellung einig Nachtrags zum Haushalts-Etat des Deutschen Reichs für das Jahr 1876, vom 10. Februar 1876.
— Der „Schw. Merk." schreibt: Die neuesten Vorgänge im . Kongreß deutscher Lsndwirihe sind von nicht zu unterschätzender Bedeu- i lung, und werden nach allen Seiten im Deutschen Reich mit Aufmerksamkeit verfolgt. Außer den vor einigen Tagen genannten süddeutschen Reichstagsabg. hat auch das weitere Ausschußmitglied aus Württemberg, Frhr. v. Ow-Wachendorf, gleichzeitig seinen Austritt angezeigt. ; Mit dem Ausscheiden dieser Herren, welche den Kern geschlossener Op- । Position gegen die Agrarier bildeten, ist das Schicksal des Kongresses ! entschieden; er ist als Kongreß „deutscher Landwirthe" nicht blos ge sprengt, sondern begraben. Aus dem Kongreß deutscher Landwirthe, । der ursprünglich eine Vereinigung von Landwirthen aus ganz Deutschland sein sollte, und dem wir als sehr schätzenswerthe Errungenschaft die Schaffung des deutschen Landwirthschaftsraths verdanken, war seit den letzten Jahren mehr und mehr der Tummelplatz einer einseitigen Richtung mit entschieden politischer Färbung geworden, sowie solche etwa in der D. Landesz. durch A. Niendorf vertreten wird. In Folge da- j von traten schon früher mehr und mehr liberale Elemente aus dem ! Schoße des Kongresses gleichzeitig mit dem Rücktritt des damaligen Präsidenten v. Benda aus. Nicht aber alle Liberalen wollten so leichten Kaufes das Schlachtfeld und den Kongreß den Agrariern überlassen. Und wenn auch in der Minorität, so gelang es ihnen dennoch, ganz bedeutende Erfolge zu erringen, welche insbesondere durch Uebernahme ! des Präsidiums durch den Fürsten v. Hohenlohe-Langenburg und die Verlegung des nächsten Kongresses für kommenden Herbst nach Heidelberg gekennzeichnet sind. Es war beabsichtigt in Heidelberg eine andere Majorität zu Stande zu bringen als wirklichen Ausdruck der Gesinnung deutscher Landwirthe; und es wäre dies um so mehr wünschenS- werth gewesen, als bei den nächsten politischen Wahlen außer rein politischen und kirchlichen Standpunkten auch die wirthschaftleche Interessenvertretung mehr als bisher scheint in die Wagschale fallen zu sollen. Indessen, so sehr offen das Auftreten der Anti-Agrarier im Kongreß und Ausschuß gewesen ist, so wenig konnte man diese Eigenschaft an den Agrariern selbst rühmen, und eben dies führte schließlich zu solchen Unzuträglichkeiten innerhalb des Ausschusses, daß ein ferneres Zusammenwirken zur Unmöglichkeit geworden war. So erfolgte denn der gemeinsame Austritt sämmtlicher süddeutscher Ausschußmitglieder, unter denen kein einziger Agrarier sich befand, wie denn überhaupt für die Agrarpartei im obenbezeichneten Sinne bis jetzt kein Boden in Süddeutschland konnte gewonnen werden. Die Folge aber wird sein, daß zunächst der Kongreß als Kongreß „deutscher" Landwirthe wird verschwinden müssen, denn die deutschen Landwirthe werden es nicht dulden, daß eine kleine Auslese norddeutscher Agrarier sich anmaßt, in ihrem Namen sprechen zu wollen. Die Agrarier werden zunächst in diesen Tagen in Berlin als sog. „Steuer- und Wirthschaftsreformer"
sich zu einem geschlossenen Verein konstituiren. Wir wollen sehen, ob auf diesem Wege es ihnen besser gelingen wird, ihre Ziele zu erreichen, als es ihnen im Kongresse gelungen ist. Die Zeiten aber sind, glauben wir, glücklich vorüber, in welchen es einer einseitigen Interessenvertretung, ünd trage sie welch' immer für einen Namen, gelingen wird, Boden im Volke und Unteistützung in der öff. Meinung und Eingang in die Volksvertretungen zu finden.
— In theilweiser Bestätigung und Ergänzung anderweiter Zeitungsnotizen theilt die Post mit, daß in einer am Sonnabend stattge- habten Sitzung das Staatsministerium sich mit der Abtretung der peußi- schen Staatsbahnen und des Aufsichtsrechts über dieselben an das Reich ein. erstanden eiklärt hat. Die Mittheilung, daß sich nunmehr schon die Ressortminister mit der Ausarbeitung einer Vorlage an den Landtag zu beschäftigen haben, ist nicht ganz correct, da die Sache, bevor sie in dies Stadium gelangt, erst noch zum Vortrag an den Kaiser kommen MUß. (tut.)
— Dresden, 14. Febr. Wie die „Dresdener Nachrichten" mittheilen, hat der Abg. Walter für den nächsten Woche zusammentreten- den Landtag folgende Interpellationen eingebracht: „1) Hat die königliche Staatsregierung vom Reichskanzleramte offiziell Kenntniß erhalten von der in allen als offiziös bezeichneten Zeitungen offen ausgesprochenen Absicht vom Ankäufe der preußischen, resp, sämmtlicher Eisenbahnen seitens des Reiches? und 2) wie wird sich die königliche Staatsregie- rung zu diesem für Sachsen wie für ganz Deutschland, wenn zur Aus- führung kommend, so verhängnißvollen Schritt verhalten?"
— Leipzig. Die Erhöhung der Hundesteuer von 9 auf 20 Mark jährlich ist den Hunden sehr verhängnißvoll gewefen; ihre Zahl hat sich seit Neujahr um die Hälfte vermindert, sie ist von über 4000 im vorigen Jahr auf ca. 220J gesunken.
— München, 14. Februar. Der großen, im Laufe des nächsten Sommers hieisclbst zu veranstaltenden Kunst- und Kunstgewerbeausstellung kommt, je näher dem Beginn, immer größere allseitige Theilnahme entgegen, wovon täglich deutliche Kundgebungen eingehen und bemerkbar werden. So vorige Woche Seitens der für die Ausstellung zu Berlin yebildeten Zentralstelle. Es war ihr Vorstand Geh. Reg.-Rath Luders mit Geh. Kommerz-Rath Raven^ und Prof. Fischbach als Fachleuten hier für einige Tage erschienen, um Einsicht von dem Stand des Unternehmens und Rücksprache mit dem hiesigen Direktorium zu nehmen. Die Berliner Herren, welche sich der zuvorkommendsten Aufnahme zu erfreuen hatten, sprachen ihre hohe Befriedigung über das günstige Fortschrerten der Sache aus. Dabei erscheint es als eine Art Mißton, daß in Köln neben der hiesigen allgemeinen noch eine besondere Kunst- und Kunstgewerbeausstellung, mit besonderer Rücksicht auf die kunstgeschichtliche Entwicklung, gleichzeitig Veranstalter wird.
— Wien, 15. Februar. Die „Neue freie Prisse" veröffentlicht eine Erklärung des österreichischen Episkopats über den im Reichsrathe berathenen Klostergesetzentwurf. In derselben wird die Hoffnung ausgesprochen, daß dieses Gesetz nicht zu Stande kommen werde. Sollte jedoch diese vertrauensvolle Erwartung getäuscht werden, so würde der Episkopat seiner Pflicht gemäß gegen das Gesetz Verwahrung einlegen. — Der Bischof Horwath hielt gestern vor seinen Wählern der inneren Stadt eine Rede, in welcher er u. A. auch die schwebende Zollfrage und die Civilehe berührte, und sich hierbei im Prinzipe für ein selbst» ständiges ungarisches Zollgebiet aussprach. Zur Einführung desselben müsse jedoch ein praktischer Moment abgewartet werden. Weiter trat der Bischof für die Einführung der obligatorischen Civilehe ein, welche der Kirche keinerlei Eintrag thue, wie Frankreich, die Schweiz und das streng katholische Belgien beweisen.
— Aus Prag, 15. Februar, Nachmittags, meldet „W. T. B." dem „R.- u. St.-A." : Hier eingegangenen Nachrichten zufolge hat in der Baumwollspinnerer in Tannwald ein großer Brand stattgefunden, in Folge desfin gegen 400 Arbeiter brodlos geworden sind.
— Madrid, 15. Februar. Die Cortes sind heute vom Könige eröffnet worden. In der Thronrede weist der König auf die Aussicht- losigkeit und Ohnmacht der karlistischen Bewegung hin und kündigt an,