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anmer Anzeiger
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hauau.
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M 36.
Samstag den 12. Februar.
1876.
Bekanntmachungen KZuigl. Landrathsamts dahier.
Verloren: Ein grauer Handschuh.
Gefunden: Ein schwarzer Schleier. Ein Hundemaulkorb. Eine Manschette mit schwarzen Streifen. Eine Bibl. Geschichte. Ein Buch mit der Inschrift „Der geheime Menschenhandel rc. von L. v. Warns- dorff."
Hanau am 12. Februar 1876.
Rundschau.
H. H. in 0. Der deutsche Reichstag ist nun am Ziele seiner diesmaligen Thätigkeit angekommen. Die Gewerbenovelle mit dem Hülfskaffengesetze, welch' Letzteres die „Kassen behufs gegenseitiger Un- i terstützung" einer Regelung unterwirft. — ebenso das Gesetz zum Reichsinvalidenfonds wurden bereits in zweiter Lesung genehmig«. Auch wurde der Bericht der Reichsschuldenkommission über i >re Thätigkeit sowie über die Ergebnisse der unter ihrer Aufsicht stehenden Verwaltung des Reichs-Jnvalidenfonds, des Festungsbaufonds und des Fonds für Errichtung eines Reichstagsgebäudes entgegengenommen, die erste und zweite Berathung des Gesetzemwurss, betr. das Elatsjahr für den Reichshaushalt, genehmigt, dessin § 1 heißt: „Das Etatsjahr für den i Reichshaushalt beginnt vom 1. April und schließt mit dem 31. März jedes Jahres", und welches den Zweck hat, zu verhindern, daß in Zukunft Reichstag und preuß. Landesvertreiung zu gleicher Zeit tagen. Ferner wurde in den letzten Tagen der Beschluß gefaßt, eine Kommis- . sion einzuietzen, welche Ermittelung n über den für das Reiche tagsge- bäude zu wählenden Pla^ anstellen soll. Es erübrigte nun noch die Erledigung der dritten Lesungen verschiedener Gesetzentwürfe, nämlich desjenigen betreffs des Etatsjahres, des Hülfskassengesetzes und der Strafges tznovelle. Dieselben wurken in der Sitzung vom 8 Februar in Angriff genommen, so daß der Reichstag schon am 10. Februar geschlossen werden konnte. — Als Ablösung trat sofort der preuß. Landtag vor, dem, wie soeben im Ministerrathe beschlossen wurde, unter Anderem ein Gesetzentwurf unterbreitet weiden soll, welcher dem preußischen Ministerium die Ermächtigung ertheilt, mit der, Reichsregie- txng bezüglich des Verkaufs der Eisenbahnen zu unterhandeln. — Die meistbesprochene Angelegenheit der letzten Woche war die Abreise des Kardinals Fürst Hohenlohe nach Rom. Hohenlohe war der einzige deutsche Pälat, welcher seit 1870 dem Vat kan gegenüber Front ge- macht und sich von Rom zurückgezogen hatte. Er war es ferner, der 1873 vom deutschen Kaiser zum Botschafter beim Papste ernannt, von Letzterem aber nicht acceptirt wurde. Da sich dieser Mann nun doch aufmachte, um dem heil. Vater einen Besuch abzust alten, so lag die Vermuthung nahe, derselbe habe eine Mission übernommen, die Mission zwischen Rom und Berlin die Veisöhnung anzubahnen. Fraglich war nur: ob Hohenlohe von Bistum ck zu Diebin Zwecke abgesandt, oder vom Papste gerufen werben war. Inzwischen haben sich kompetente Stimmen daiüber böten lass n, die ziemlich genügende Ausklä>unqen über diese Angelegenheit geben. Einmal war es die „Germania", das Organ der Centrum pari ei, welches versicherte, daß Alles gegen die Annahme spreche, Hohenlohe fei von der Reichsregierung abgesandt worden, daß sie aber aus bester Quelle wisse, daß Se. Heiligkeit den i Wunsch geäußert habe, Kardinal Hohenlohe möge seinen Posten, den eines Großalmosiniers, endlich wieder einnehmen. Die noch immer als offetös geltende „Nordd. Allgem. Ztg." ferner erklärte ausdrücklich, daß Hohenlohe von deutscher Seite keinen Auftrag ei halten habe, daß i eS aber immerhin möglich sei, daß der Kardinal auf eigene Faust das Terrain \o bire, ob eine Versöhnung zu ermöglichen fei. Ea lich hat;
nach der „Magdeburg. Zig ", auch Fürst Bismarck über die Affaire ; geäußert, daß er Hohenlohe nicht abgejchickl habe, daß er nicht; daran denke, mit dem heil. Vater zu unierhandeln. Daraus dürste denn hervorgehen, daß Hohenlohe nicht abgesandt, sondern gerufen wor- ist. Ob aber gerufen zu dem Zwecke, im Ausirage des Vankons mit ber Retchsreuierung über e nen Ausgleich zu unterhandeln? Das wollen Wir dahin gestellt sein lass n. Ueberdies wirb der die Jnientivaen der leitenden Berliner Kreise kennende Hohenlohe den h il. Vater schon darauf aufmertiam machen, daß man in Spree-Athen von einem Aus
gleiche nichts wissen, daß man von der strikten Forderung der unbedingten Anerkennung der kirchenpolitischen Gesetze nicht lassen will.
Das Wiener Abg.-Haus behandelte soeben die Ehegesetznovelle, über deren Spezialitäten wir ^ald Näheres hören werden. Das Gerücht, die österreichische Regierung werde nunmehr von der bisherigen Begünstigung der Herzezowinisch-bosnischen Insurgenten ablassen, be wahrheitet sich bereits. Schon jetzt gehen die k. k. Grenzbehörden mit viel größerer Strenge als bisher in der Handhabung der Grenzaussicht vor. Namentlich wird jetzt den Insurgenten in Bosnien Uebertritt auf diesseitiges Gebiet und Zuzug aus demselben mit besonderer Entschiedenheit verwehrt. Und vom 4. Febr. wurde aus Kostajnitza berichtet, daß einer der Hauptführer der bosnischen Insurrektion, Hubmoyer, mit 40 Mann in Podowe vom österreich. Militär entwaffnet und eingesperrt wurde. Geschieht dies mit Einwilligung Rußlands? Nun das muß sich ja bald zeigen. Wir glauben fast, denn auch die Petersburger Politik hat in letzter Zeit eine antiinsurrektionelle Haltung angenommen : Der Gemeinderath der russischen Hauptstadt wollte für die Herze- gowiner 20,000 Rubel bewilligen; allein die erforderliche Genehmigung des Kaisers wurde nicht ertheilt.
Aus Rom wurde berichtet, daß Kardinal Hohenlohe angekommen und von Pius IX. auf's Freundlichste empfangen worden sei, und daß der könial. hellenische Staalsrath beschlossen hat, dem Ersuch n des prtUB. Ministeriums nachzukommen und dem sich in Florenz aufhaltenden Grafen Arnim das denselben zu einer Gefängnißstrafe verurthei- lende Urtheil des preuß. Gerichtshofes durch ein italienisches Gericht amtlich zustellen zu lassen. Von einem Ersuchen, den Grafen auszu» liefern, von welchem einige Blätter faselten, ist niemals die Rede gewesen.
Nachrichten aus Frankreich besagen, daß Herrn Buffet's Tage denn doch gezählt seien und daß Mac Mahon große Lust habe, ihn durch Herrn Leon Renault, dem jetzigen Polizeipräfekten von Paris, zu ersetzen. Renault ist konservativer Republikaner, grimmiger Bona- pattiftenfeinb und der Liebling des Marschalls. Die Republikaner würden diesen Mann auf dem Posten des Ministers des Innern nicht ungern sehen.
Unter den spanischen Generalen, die jetzt gegen die Karlisten kämpfen, bildet sich der General Quesada am Meisten ein. Er hat nämlich Durango, die Residenz des Don Carlos, ohne Schwertstreich genommen. Uebrigens schreibt der den Karlisten attachirte Correspon- dent der „Vossischen Ztg.", daß die Siege der Regierungstruppen keineswegs so groß seien, wie man in Madrid thut. Das Schlimme für die Karlisten bestehe allein in ihrer vollständigen Muthlosigke.it, die nur mit großer Mühe an den Feind zu bringen sei und sich außerdem durch Desertionen im größten Maßstabe kundgebe.
Jm Uebrigen ist anzuführen, daß die Pforte vor einigen Tagen die Andrassy'iche Note, die ihr auch von den andern Großmächten angelegentlichst zur Annahme empfohlen worden war, beantwortet, resp, daß sie den Vertretern der Regierungen ihren Entschluß mitgetheilt hat: den iniurgirten Distrikten die in den 5 Punkten der Note e> wähnten Reformen zu gewähren! Nun darf man gespannt sein, was die Mächte den Insurgenten gegenüber thun werden, die auf keinen Fall gesonnen sind, den j tzt in schönster Blüthe stehenden Aufstand, dieses sultanischen Beschlusses wegen, gutwillig einzustellen.
T a g e S s ch a n.
— Berlin, 10. Februar. In der heutigen (50.) Sitzun, des Deutschen Reichstages wurde die dritte Berathung der Stiafges-tzno- mlle mit der Diskussion über §. 130a fortgesetzt. Der Aga Dr. Völk mot virte seinen Antrag, welcher dem §. 130a. folgende Fassung geben wollte:
„@m Geistlicher oder anderer Religionsdiener, welcher in Ausübung vier in Veranlassung der Ausübung seines Berufes öffentlich vor einer Menschenmenge oder welcher in einer Kirche oder an einem ande en zu religiösen Versammlungen bestimmten Orte vor Mehreren Anelegenheiten des Staats in einer den öffentlichen Frieden gefägrDenben Weise zum Gegenstände einer Verkündigung oder Er-