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des Reichsmilitärgesetzes bestimmt wird, daß Militärpflichtige, welche erst nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes das Stadium der Theologie ergriffen haben (Ansnahmsfälle aus Billigkeitsgründen werden nur von der Ministerialinstanz statuirt), wenn nicht durch 3jährige, so doch mittelst des einjährig-freiwilligen Dienstes ihrer Pflicht zu genügen haben; Militärpflichtigen aber, welche früher in dieses Studium eingetreten und seither zurückgestellt worden sind, die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachträglich ertheilt werden kann. Nur denen, welche ihr Studium vollendet und durch Erlangung der höheren Weihen oder der Ordination die Vorbedingung zur Uebernahme eines geistlichen Amtes erfüllt haben, wird die Befreiung vom Militärdienst im Frieden durch die Ministerialinstanz bewilligt.
— In Folge des Darniederliegens der Geschäfte haben, wie der „Köln. Ztg." unter dem 4. d. M. aus Paris geschrieben wird, mehrere große Zuckersiedereien im Norden Frankreichs ihre Arbeiten eingestellt.
— Bei der am 4. Februar in einer Grube bei Samt Etienne stattgehabten Gasexplosion sind nach weiterer Meldung des „W. T. 93." 216 Arbeiter verunglückt. Bis zum 5. d. M. früh waren 24 noch lebend und 26 Todte zu Tage gefördert, alle Uebrigen scheinen verloren.
!R. u. St.-A)
— Paris, 4. Februar. Die Wahlversammlungen in Paris nehmen ihren Fortgang. Uebertriebene Wichtigkeit darf man ihnen nicht beimeffen. In einer Stadt wie Paris fehlt es nicht an Leuten, denen die Wahlperiode eine willkommene Gelegenheit gibt, zu reden und von sich reden zu machen. Es wird viel blühender Unsinn zu Tage gefördert und die Vernünftigen lassen den Schreiern mehr als billig das große Wort. An komischen Personen fehlt es nicht, und sogar der Hanswurst kommt zum Vorschein. Gagne, der Erfinder der Universal- republik, welche das Legitimsten-, Orleamsten- und Bonapartistentdum in sich verschmilzt, hat gestern auf der Tribüne sein Thema entwickelt und eine rettende Fünfmännerregierung, bestehend aus Thiers, Mac Mahon, Chambord, Aumaie und Napoleon IV. angepriesen. In einer Note im Amtsblatt erinnerte gestern die Regierung daran, daß nur die Wähler des Bezirks an den Versammlungen theilnehmen können. Diese Ausschließung des übrigen Publikums wird von mehreren Blättern als eine unnütze vexatorische Maßregel getadelt. Brei wird dabei nicht herauskommen. Schlimmstenfalls könnte Jeder, dem der Eintritt als einem Bewohner eines anderen Arrondissemenis versagt werden soll, sich dadurch sofort Zulaß verschaffen, daß er erklärt, seine Kandidatur aufstellen zu wollen. In Versailles, wo sich gelegentlich der Sitzung des Ausschusses eine Anzahl von Abgeordneten eingefunden hatte, behauptete man, daß Gambetta bestimmt im 20. Pariser Bezirk (Belleville) in Lille, in Marseille und in Avignon als Kandidat auftreten wird. Loms Blanc hat die Kandidatur im 11. Pariser Bezirk abgelehnt, um nicht Floquet in den Weg zu treten. Er scheint demnach die Rolle welche die Jntransigenten ihm übertragen wollen, entschieden abzulehnen- Der Frantzais glaubt rundweg Alles dementiren zu müssen, was die France von dem Rücktritt Buffet's nach den Wahlen erzählt hat. Wenn man dem Birn Public glauben will, so hat Büffet eine Kandidatur im 7. Pariser Arrondissement angenommen. Dufaure hat sich bereit erklärt, im Bezirk von Pontiuse (in Seine-et-Oise, etwa 10 Meilen nördlich von Paris) seine Kandidatur aufstellen zu lassen. — Im Gegensatz zu den früheren französischen parlamentarischen Bürgerschaften hat der am Sonntag gewählte Senat nur eine sehr geringe Anzahl von Advokaten aufzuweisen, nämlich 3. Am stärksten ist die Armee vertreten ; sie hat 26 Senatoren geliefert, das Institut 21, die Industrie 17, die Magistratur 14, die Universität 9, die Marine 7, die Medizin 4, die Diplomarie 3. Die große Anzahl der militärischen Senatoren erklärt sich theilweise aus dem Umstände, daß die aktiven Offiziere nicht zu Abgeordneten gewählt werden können, t’u allermeist aber aus dem Interesse, welches ganz Frankreich an der Reorganisation der Armee nimmt. — Es scheint, daß der Polizeipräfekt die Absicht hat, gegen die Hellseherinnen, deren es in Paris nahe an 2000 gibt, einzuschreiten. Diese Damen machen in der Hauptstadt der Revolution und der Zivilisation, um mit V Hugo zu reden, sehr gute Geschäfte. Eine Jahresrente von 5 bis 6000 Franken wirft das Geschäft mit Leichtigkeit ab, um so m-hr, da gewöhnlich mit der Hellseherei nicht nur die Karten- schlägerei, sondern auch der Verkauf von Liebestränken u. s. w, die großen Absatz finden, verbunden ist. lSchw. Merk.)
— In Daily News schildert ein alter Garibaldiner einen Besuch, den er kürzlich bei Garibaldi gemacht. Der General befand sich in guter Gesundheit und guter Laune. Er freute sich seiner Kinder, nahm lebhaften Antheil an Allem, was um ihn her vorging und war nur insofern äußerlich gealtert, als sein Haar dünner und der Bart entschied n weißer geworden war. Als die übrige Gesellschaft sich zurückgezogen hatte, ging Garibaldi alsbald auf die Erhebung in der Herzegowina über, bemerkte, Lmbobratich habe ihn brieflich um einen Generalstabschef ersucht, und er, der General, habe auf seine eigene Verantwortung hm erklärt, sein Besucher werde diesem Rufe folgen. Den Einwänden des überraschten Zuhörers kam Garibaldi mit dem Bemerken zuvor, er habe ja Zeit bis zum Frühjahr über die Sache nachzudenken,
I weil gegenwärtig doch ein Stillstand in den Operationen eingetreten sei. Sodann erging sich der alte Krieger über das Thema, daß die Anwesenheit der Türken in Europa eine Schmach für die europäische Zivilisation sei und daß als Bedingung des Erfolges für den Aufstand auch die Provinzen Epirus, Albanien und Thessalien zum Schwerte greifen müßten. Die Gründung einer slavischen Republik hielt er für schwierig, dagegen schien ihm der Bundesgedanke empfehl.nswerth. Livbo- bratich wurde im Verlaufe der Unterhaltung mit großer Anerkennung erwähnt, und Garibaldi ließ die Aeußerung fallen, der Fürst von Montenegro sei der Todfeind des jungen Wojwoden. Wie es scheint, hat Liubobratich brieflich bei Garibaldi über seinen Mangel an Artillerie geklagt, worauf der Letztere sich durch General Dezza beim König von Italien um Gewährung einer Batterie Geschütze verwenden ließ. Er selbst, sagte Garibaldi, sei nicht mehr im Stande, an der Spitze von einigen hundert Mann zu reiten, was in der Herzegowina nöthig sein würde, und wenn er auch noch die Empfindung habe, als könne er immer noch eine Armee kommandiren, so könnte das doch nur aus dem Wagen geschehen.
- - Der „Franks. Anzeiger" schreibt unterm 7 Februar aus Frankfurt am Main: In der jüngsten Vorstandssitzung des Thierschutzvereins, zu welcher auch die Herren Bezirksinspektoren eingeladen waren, berichteten dieselben über ihre bisherige Thätigkeit. Es erhellte daraus, daß seit der kurzen Zeit ihrer E-nennung sich in manchen Bezirken das Bedürfniß einer eingehenden Beaufsichtigung umsomehr her- ausstillte, als die Aufseher bei der großen Ausdehnung ihrer Bezirke nicht überall, wo sie nöthig sind, zugegen sein können. Es ergab sich ferner, daß durch die Ernennung von Inspektoren sich der Weiterungskreis des Vereins um ein Wesentliches ausgebrertet hat, und bei dem Eifer und der Liebe, mit der sie sich dem ihnen übertragenen Ehren- amte unterziehen, die günstigsten Resultate erwartet werden dürfen. Ein Antrag bezüglich der amtlichen Anerkennung derselben, die zur kräftigen Durchführung ihrer Aufgabe unerläßlich ist, führt zu dem Beschlusse, die hierzu nöthigen Schritte zu thun. Am Schlüsse der Sitzung wurde noch ein höchst wichtiger Vertrag vorgelesen, den die österreichische, ungarische und italienische Regierung zum Schutze der für die Bodenkultur nützlichen Vögel, sowie der Zugvögel, abgeschlossen haben. Namentlich in den Gegenden des Jura werden diese Vögel auf die unverantwortlichste Weise durch Einfängen und Todten decimirt, wodurch eine gänzliche Ausrottung mancher Arten zu befürchten"i_lst^— Durch diesen Vertrag, dem übrigens jede Regierung beitreten kann, wird diesem Verfahren ein wirksames Ziel gesetzt werden. — Ein Knabe von 14 Jahren, welcher bei der letzten Kälte auf dem Eife ein» brach und so lange Schlittschuh lief bis er wieder trocken war, erfror in Folge dessen den rechten Fuß derartig, daß um den jungen Menschen am ^eben zu erhalten, er gestern das kranke Glied abgenommen bekam.
Lokales uud Provinzielles.
Hanau, 8 Februar 1876.
— Der Kunstindustrie-Verein gibt den sechsten der diesjährigen Vorträge am Dienstag den 15. d. Professor Schäfer vom Polytechnikum zu Darmstadt wird über Michelangelo reden. — Die neulich vom Verein verunstaltete Ausstellung des Modells deS Nieder- waldbenkmals ertrug für den deshalbigen Fonds einen Beitrag von etwas mehr, als 300 Mark.
Eingesandt.
— Vor ganz kurzer Zeit wurde ein Kellner auS dem Gasthause zur „Wilhelmshöhe", welcher Abends in der Stadt zu thun hatte, auf dem Wege dorthin, am s. g. Baum'schen Weg, unweit der Grimmstraße, von drei Burschen angegriffen. Der Kellner, kein Feigling, machte den besten Gebrauch von dem bei sich tragenden Stocke und bearbeitete die Burschen derart, daß sein Vertheidigungsrequlsit zerbrach, mußte jedoch schließlich der Uebermacht weichen und Fersengeld geben.
Eingesandt.
—im — Auf dem Weg vom alten Bebraer Bahnhof nach der „Wilhelmshöhe" zu sind zum Neudecken der Chaussee Steine angefahren, biejelben bedecken aber an mehreren Stellen das Banket, was gerade auf diesem nicht beleuchteten Wege höchst unangenehm ist, ja sogar schlimme Folgen nach sich ziehen kann. Hoffentlich wird recht bald dieser Mißstand beseitigt.
— Vergangene Nacht wurde in einem Gartenhäuschen am Main ein sauberes Pärchen aufgefunden und verhaftet; der Mann wird wegen Diebstahls verfolgt und die Dirne wegen verübter Betrügereien auch mit dem Strafgesetzbuch Bekanntschaft machen.
— Vor einigen Tagen wurde einem hiesige» Gastwirth Bettzeug 20. entwendet und gelang es unserer thätigen Polizei die Diebe zu ermitteln.
— Zwei Individuen, die gestern Abend gegen 10 Uhr noch mit großer Frechheit dem Bettel oblagen, wurden verhaftet.
Wir ertheilen Jedermann den Rath, solch' aufdringliche Burschen,