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Zugleich Amtliches Organ für Kreis nnd Stadt Hanau.
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M 24.
Samstag den 29. Januar.
1876.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.
Nach den den Herrn Ortsvorständen per Couvert zugehenden Duplikat' Klassensteuer Zu- und Abgangslisten pro II. Semester 1875 wollen dieselben in den Duplikat- Klassensteuer- Rollen pro 1876 das Erforderliche notiren und die Listen sorgfältig aufbewahren.
Hanau am 27. Januar 1876.
Rundschau.
H. H. in 0. Die Verhandlungen vom 19. bis zum 24. d. Mts. im Reichstage und im preuß. Adgeordnetenhause waren äußerst interessant. Bezüglich des Ersteren sagen wir dies weniger deshalb, weil der durch die Güte des Reichstages soeben aus der Haft entl ffene sozial- demokrat. Abg. Reimer durch Antrag auf Auszählung der anwesenden Deputirten die Vertagung bis zum 20. bewirkte, sondern weil in den Sitzungen vom 20. bis zum 24. die juristisch interessanten von der Justiztommission vorberathenen Paragraphen der Strafgesetznovelle zur zweiten Verhandlung kamen. Es sind das diejenigen, weiche zumeist Vergehen betreffen, bei denen die gerichtliche Verfolgung erst auf Antrag der Beschädigten, Beleidigten rc. eintritt. Die Kommission hat den meisten §§. eine neue Fassung gegeben, der Reichstag entschied sich fast durchweg für die letztere, in einigen Fällen aber stellte er hie Regierungsvorlage wieder her und in einigen anderen entschied er sich für verbessernde Zusatzanträze. Herr Laster war nicht immer mit den Be- schlüss n einverstanden. Wie in der Kommission, so verhallten auch im Plenum seine Worte sehr oft eindruckslos. Uns will es bedünken, als habe sein parlamentarischer Einflup zu erlahmen angefangen. Am meisten Zeit beanspruchte die Behandlung des sogen. Düchesne-Paragraphen. Dieselbe wurde am 22. Januar begonnen und nahm die ganze Sitzung vom 24. in Anspruch. Man entschied sich schließlich für die Fassung Köppel Marquardsen, die ebenso wie die Regierungsvorlage, nicht nur die Erbietungen, Ameizungen und die Annahme von Erbietungen zu großen Verbrechen, die mit dem Tode oder lebenslänglichem Zuchthause bestraft werden, sondern auch die Erbietungen rc. rc. zu Verbrechen geringerer Art streng bestraft wissen will. Lasker wollte es in dieser Beziehung b i Ersteren bewenden lassen. In den folgenden Sitzungen hatte der Reichstag weniger wichtige Dinge zu erledigen. — Der am 18. Januar dem preuß. Abg-Hause vorgelegte Etat hat wegen seiner Uebersichil.chkeit und Klarheit sich die allgemeine Zufriedenheit erworben. Selbst das Finanz- oder Zahlen-Genie Eugen Richter (Hagen), das sonst immer zu mäkeln hatte, bekannt-, daß der diesjährige Etat alles Dagewesene und alle Erwartungen übertreffe. Die erste Lesung Rssilben wurde am 21. Januar erledigst und es wurde beschlossen, die zweite ebenfalls im Plenum vorzunehmen, nach vorheriger Berathung in Gruppen. In dieser Sitzung fand ein interessantes Jnterwizzo statt. Der Abg. Rickert forderte die Regierung auf, sich über den Umstand zu erklären, daß die Kourse der Eisenbahnpnocitäten, in denen die Regierung am 2. Januar die Dolations-Summen an die Peovinzialverbände, behufs Bewe-.kstell'gung ihrer Selbstverwaltung, entrichtet habe, — an genanntem Tage so bedeutend emporgeschnellt und am folgenden Tage ebenso bedeutend zurückgegangen sind. Viele vermutheten nämlich, daß, da das Gesetz bestimmt, daß jene Summen in Eff kien zu dem am 2. Januar geltenden Kourse gezahlt werden sollen, die Regierung jene Steigerung bewirkt habe, um auf Kosten der Vrovmzialvervände ein Geschäft zu machen. Finanzminister. Camp- Hauien stellte diese Vermuthung j doch auf's Entschiedenste in Abrede und meinte, daß hier ohne Zweifel Privatinteressen im Spiele seien. Im Uebrigen wies er nach, daß die Provinzialverbände trotz alledem nicht in Nachtheil kämen, da die bisherige Verwaltung der betr. Beträge einen erheblichen Z-msüberschuß ergeben habe. — Eine ebenso befriedigende Antwort erhielt die Interpellation Virchow am 22. Januar. Dieselbe betraf nämlich die Publikation der durch die General- Synode festgestellten neuen evangel. Sudjerorbnung für die 8 östlichen Provinzen. Sie b.flagk den Widerspruch, d.r darin liege, daß der Kaiser die Generalsynodalordnung pudtizire, bevor die Gutheißung des Landtags über die Bestimmungen eingerott sei, die nach der Regierung eigener Ansicht der landesgesetzlichen Bestätigung bedürfen und daß d-e Regierung diese Bestimmung auf eigene Faust, ohne den Landtag zu Rathe zu ziehen, ausgewählt habe.^. Kultusminister Falk antwortete,
daß mit der vorzeitigen Publikation nur das Vorrecht des Kaiserkönigs gewahrt worden sei, welches derselbe, wie alle evangel. Souveräne, als Träger der landesherrlichen Kirchengewalt durch Herkommen genieße. Dem Landtage bleibe es aber unbenommen, die Vermehrung der Zahl jener Bestimmungen zu verlangen. Diese Erklärung, welche den thatsächlichen Verhältnissen entspricht, befriedigte auch die Liberalen, und speziell die Jnlerp-llanten, die übrigens damit die Absicht.nicht aufge- geben haben, auch diese Frage, resp, dieses herkömmliche Recht einer gesetzlichen, verfassungsmäßigen Regelung zu unterwerfen.
Aus Wien wurde dieser Taae berichtet, daß die vielbesprochene Androssy'sche Note noch immer nicht in Constantinopel überreicht worden sei, daß über die Modalitäten des Ueberreichungsaktes noch zwischen den Mächten unterhandelt würde.
Aus Italien kamen erfreuliche Nachrichten in Bezug auf den kirchenpolitischen Kampf in Deutschland. Die vatikanische „voce della veritä" näml-ch -berichtete, daß ein deutscher Prälat in Rom erwarter werde, der im Auftrage des Heil. Vaters mit den deutschen Bischöfen über Mittel und Wege verhandelt habe, um die Lage derselben gegenüber dem Staate zu verbessern. Die „Italien. Nachrichten" bestätigten diese Mittheilung und fügten hinzu, daß die deutschen Bischöfe ihre Vorschläge machen würden, die wohl zu dem erwünschten Ziele führen würden. In Deutschland bringt man nun diese Thatsache in Zusammenhang mit dem neuesten sehr ruhigen Auftreten der Führer des Centrums im Reichstage und der vom Abg. Reichensperger verbreiteten Schrift über die Möglichkeit der Versöhnung auf kirchenpolit. Gebiete. Ob sick's diesmal wohl bewahrheiten wird?
Ueber den Ausfall der Gemeindedelegirten, die die Senatoren ernennen sollen, in Frankreich weiß man jetzt soviel, daß dieselben in genügender Weise republikanisch ausgefallen sind, um dem Senat mit Hülfe der bereite von der Assemblee ernannten Senatoren eine republikanische Mehrheit zu geben. Herr Büffet bietet zwar Alles auf, um diese Delegirten zu beeinflussen, aber Herr Gambetta thut die« auch. Die von demselben vorige Woche in Arlas gehaltene Rede, ein oratori- schcs und diplomatisches Meisterstück, macht einen ungeheuren Eindruck auf die Wähler. Gambetta's Ansehen steigt von Tag' zu Tag und selbst Thiers Organ, das ihn meist einen fou furieux schimpfte, nennt ihn jetzt den Mann der Zukunft Frankreichs. Büffet hat sich durch sein neuestes freches Auftreten im ständigen Ausschuß aufs Neue im schlechtesten Lichte gezeigt und seitdem soll seine Kandidatur für den Senat im Vogesendepartement auch die letzten Aussichten verloren haben. Herr Büffet würde alsdann vollständig an die Luft gesetzt sein.
In Spanien haben die Korteswahlen stattgefunden. Es heißt, die Regierung habe dabei gesiegt, die Republikaner haben nur wenige Kandidaten durchgebracht und Kastelar sei in Barzelona mit nur 1500 Stimmen gewählt woroen, da sich die Rothen der Abstimmung enthalten.
Die englische Regierung hat den Beschluß gefaßt, London auf der Ge feite zu befestigen. Also hält sie es doch für möglich, daß einmal feindliche Flotten dorthin kommen könnten. — Die demvkrat. Mehrheit des dänischen Folkething hat ein Mlnisterverantwortlichkeits- gesetz beantragt, welches aber schwerlich die Zustimmung des Landesthing und der Regierung erlangen wird. — Die Pforte hat jetzt ungeheure Eile mit den Reformen, sie will den Mächten zuvorkommen und die Einmischung überflüssig machen. Die Insurgenten aber kehren sich nicht daran, sie erfechten wieder Siege bei Trebinje und der Rücktritt des zu Serbien hinneigenden Anführers Ljubodratic hat den Fürsten von Montenegro vermocht, jetzt endlich offen dem Ausstande bei- zutreten, der damit, Andrassy's ungeachtet in ein neues Stadium treten wird.
TagesschKu.
— Berlin, 27. Januar. In der heutigen (39) Sitzung des Deutschen Reichstages stand zur dritten Berathung der Gesetzentwurf, betreffend die F-ststellung eines Nachtrags zum Haushalts-Etat des Deutschen Reichs für das Jahr 1876 auf Grund der in zweiter Berathung unverändert angenommen Vorlage. Der Abg Schröder (Lipp- stadi) yob hervor, daß nicht er und seine Partei der zweiten Berathung dieses Gesetzentwurfs die poliltsche Färbung gegeben habe, und daß eine