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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Die »ipaltig» tSarmondzeile ob, deren Raum
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Die Sspalt. geilt 20 Psg,
DieSiPaltigeAeil« 80 Psg.
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Samstag den 22. Januar.
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Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts dahier.
Gefunden: 20 Rpf. baar. Eine Haarkette mit goldenem Schieber. Eine gelbe Broche mit rothen Steinen. Zwei Portemonnaie mit Geld. Ein Messer. Ein kleines Jltispelzchen.
Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund.
Hanau am 22. Januar 1876.
Rundschau.
H, H. in C. Am 16. Januar wurde der preuß. Landtag vom Vizepräsidenten des Ministeriums, Herrn von Camphausen, eröffnet. Die Eröffnungsrede war, wie das im nüchternen Deutschland meist der Fall ist, rein geschäftlich gehalten. Sie beklagte, daß der industrielle Mißstand noch nicht beseitigt sei, sprach aber die Hoffnung aus, daß die Tüchtigkeit des preuß. Volkes diese Kalamität schon überwinden werde. Dann führte sie die Vorlagen an, die in dieser Session gemacht werden würden, unter denen diejenigen, welche den Haushaltsetat pro 1876, die Feststellung und Erweiterung der Kompetenz der neuen Provinzialbehörden und die landesgesetzliche Sanktion der jüngst von der königl. preuß. Generalsynode beschlossenen General-Synodalordnung der evangelischen Kirche betreffen, die vornehmsten sind. Bei Berührung des Haushaltsetats sagte die Eröffnungsrede, daß die Einnahmen diesmal nicht so hoch hätten veranschlagt werden können als in den Vorjahren; trotzdem aber würden dieselben ausreichm, um den geistigen und materiellen Bedürfnissen nicht nur im selben Grade wie bisher, sondern in noch höherem Grade zu genügen. Viel liegt der Regierung an der Genehmigung der der landesgesetzlich.n Bestätigung bedürfenden evangelischen Synodalordnung, doch dürfte dieselbe bei den Liberalen auf entschiedenen Widerstand stoßen. — Das preuß. Abgeordnetenhaus wählte Herrn von Bennigsen von Neuem zum Präsidenten, und da Dr. Löwe die Annahme der auf ihn gefallenen Wahl verweigerte, den Foctschrittler Dr. fehlet zum Vizepräsidenten. Das Herrenhaus erkürte den Grafen Otto von Stolberg-Wernigerode zum ersten Vorsitzenden und Herrn Hasselbach zum zweiten. — Am 19. Januar wurde der deutsche Reichstag wieder eröffnet, um die ihm noch obliegenden Arbeiten noch in diesem Winter zu erledigen. — Die Reichsjustizkommission hat sich für die Verweisung der Pretzvergehen vor die Geschworenengerichte ausgesprochen, dagegen den von ultramontaner Seite kommenden Antrag, auch bezüglich politischer Vergehen und Verbrechen diesen Beschluß zu fassen, abgelehnt. Betreffs der „Freiheit" der Advokatur hat diese Kommission sich am 8. Januar in folgender Weise entschieden: Wer die Fähigkeit zum Richteramte in einem deutschen Bundesstaate besitzt, kann in jedem deutschen Staate als Rcchtsanwalt zugelassen werden. Wer die Prüfung zur Bekleidung des Richteramtes bestanden hat, muß in dem Lande, wo er sie bestanden, zur Rechtsanwaltschaft zuge- laffen werden 1 — Der Reichskanzler hat an den Bundesrath, in Folge des Bremerhavener Unglücksfalles eine Aufforderung gerichtet, reichsgesetzliche Bestimmungen zu treffen, welche nicht nur die Beförderung von Sprengmitteln auf Landstraßen, sondern auch den Wassertransport, die Lagerung, Verausgabung und Versendung von solchen Stoffen ins Auge fassen und genügende Sicherheit anordnen. — Von sonstigen, durch das Thomas'sche Verbrechen angeregten strafgesetzlichen Neuerungen hört man nichts mehr. Daß daraus der Schluß zu ziehen sei, daß man überhaupt davon absehen wolle, die bei jener Unthat sich herausgestellt habende Unvollkommenheit des Strafgesetzbuches zu beseitigen, wollen wir freilich nicht behaupten. — Die große Eisenbahn- reform beschäftigt die leitenden Kreise noch immer in ausnehmender Weise. Den deutschen Elsenbahnwirrwar stellte vor einigen Tagen eine anscheinend offiziöse Note der „Nordd. Allgem. Ztg." in sehr drastischer Weise dar: Sie wies darauf hin, daß, wenn eine Person von Norden nach Süden oder von Osten nach Westen fährt, für ein halbes oder ganzes Dutzend der berührten Bahnen die verschiedenen Antheile an Personen-Fahrgeld, Gepäckfracht b.rechnet, zu- und abzeschrieben werden müssen, wozu noch beim Gütertransport die Anwendung von mehr als 1300 internen und Verbandstarifen ein ansehnliches Quantum unproduktiver Arbeiten liefert rc. rc. Das ist gewiß ein schreiender M.ß- stand, dessen Abstellung nicht rasch genug beschleunigt werden kann. —
Bekanntlich existirt in Mecklenburg ein Verein, welcher einen Kanal von Rostock nach Berlin ins Leben rufen will. Dieser Verein beschloß soeben, eine Petition in dieser Angelegenheit an das preuß. Abgeordnetenhaus zu richten. Dieses Prosikt zählt bekanntlich auch den Kronprinzen des deutschen Reiches zu seinen Freunden, und wir sind überzeugt, daß es schon einmal zur Ausführung kommen wird. — In liberalen Kreisen erregte es viel Freude, daß der neugekrönte Fürst von Lippe einen liberalen Mann zum Minister ernannte, nämlich den Obergerichtsrath Eschenburg. Man hofft nun, daß der langjährige Llppe'- fche Verfassungskonflikt zu einem gedeihlichen Austrage gelangen w rde.
Italien kann sich freuen: Der König Viktor Emanuel und Garibaldi sind, trotz Aspromonte, wieder die besten Freunde. Sie gra- tulirten sich gegenseitig zum neuen Jahre, und Ersterer übersandte Letzterem zwei Mosaikbilder, die großen Republikaner Washington und Franklin darstellend, und Letzterer Ersterem ein auf Cabrera gebornes Zicklein!
Im österreichischen Herrenhause gelangte das Klostergesetz, welches die Erlaubniß zur Errichtung neuer Klöster, sowie die Befugniß, bereits bestehende wieder aufzuheben, der Regierung in die Hände gibt, sowie das Gesetz betreffs Regelung der Rechtsverhältnisse der Altkatholiken zur Verhandlung. Ersteres wurde mit 45 gegen 30 Stimmen genehmigt, Letzteres verworfen. Das Klostergesetz wird sonach demnächst in Kraft treten. — Es hat sich nicht bestätigt, daß Prinz Reuß bestimmt sei, den deutschen Botschafterposten in Wien zu erhalten.
Die Mgc Mahon'sche Proklamation an das französische Volk hat, wie sich inzwischen herausgestellt hat, denn doch im Allgemeinen keinen üblen Eindruck gemacht. Die Liberalen freuen sich wirklich, daß der Marschall sich nicht gescheut hat, das Wort „französische Republik" voranzustellen, daß er betont, daß die Verfassung ehrlich versucht werden müsse, ehe man an die Revision derselben denke, und daß die Regierung nicht nur konservativ, sondern auch wahrhaft liberal sein wolle. Mac Mahon hat das freilich auch nöthig, denn mit den nächsten Kammern kann er unmöglich auskommen, wenn er die alte Politik fortführt. Mac Mahon ist aber wohl noch mehr ehrgeizig als konservativ. — Am 16. Januar fand in allen Gemeinderäthen Frankreichs die Wahl der Gemeindedelegirten statt, die im Verein mit den Generalräthen und Arrondisfementsräthen die noch zu wählenden 225 Senatoren ernennen sollen. Wie diese Wahlen ausfielen, das wird wohl bekannt geworden sein, wenn diese Zeilen gedruckt sind. Der Pariser Gemeinderath wählte den Schutzheiligen der französischen Hauptstadt, Viktor Hugo, und zum Stellvertreter einen Freund Gambetla's. Welch' eine Ungeheuerlichkeit von Ungerechtigkeit diese Delegirtenwahl aber ist, das ergibt sich daraus, daß jede Gemeinde einen Wahlmann zu wählen hat, ohne Rücksicht auf ihre Größe. Nun hat Paris z. B. nahezu 2 Millionen Einwohner und doch nicht mehr Einfluß bei dieser Wahl als eine Gemeinde von 100 Einwohnern! Der Einsetzung solcher Institutionen war nur die Mehrheit der alten Versailler Nationalversammlung fähig.
Die Karlisten sollen jetzt einen tüchtigen Generalstabschef und Organisator haben in der Person des neapolitan. Prinzen Grafen von Caserta-Hernani, San Sebastian und Quetaria belagern sie noch immer. — König Alfonso hat die im letzten Jahre republikanischer Umtriebe wegen verbannten Generale und Offiziere amnestirt. Die Regierung zeigte sich auch insofern den Republikanern gnädig, als sie eine Wählerversammlung in Valencia, welche Herrn Castelar als Kandidaten aufstellen wollte, genehmigte. Dagegen hat sie einigen Bischöfen eine Faust gemacht, indem sie deren Proklamationen, welche für die Kandidaten Propaganda machten, die sich gegen die Religionsfreiheit ausgesprochen, konfiszirte. In Madrid ist sonach die Strömung augenblicklich eine liberale.
In der Türkei ist noch immer Alles in der Schwebe. Eine Erklärung, die gemeinsamen Vorstellungen der Mächte entgegennehmen zu wollen, hat der Großvezier bereits nicht kürzlich abgegeben. Er soll nun zwar durch Oesterreich und Rußland bewogen worden sein, dieselbe zurückzunehmen; allein es ist noch wenig Hoffnung vorhanden, daß sich die türkische Regierung fügen wird. Sie meint, wenn sie auf die Wünsche der Mächte eingehe, so werde sie bei ihren Unterthanen allen