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Montag den 10. Januar
1876
BekauutMachMgeu Kömgl. LaKdrathsKwis basier«
Johannette Patt, geborene Groß, aus Bockenheim, ist als ; Hebamme an der dasigen Stadt verpflichtet worden.
Hanan am 29. Dezember 1875.
Die Herrn Bürgermeister derjenigen Gemeinden mit Fabriken, worin jugendliche Arbeiter beschäftigt sind, werden an baldige Einsendung einer Abschrift von den über Letztere geführten Listen erinnert. Hanan am 6. Januar 1876.
Gesunden: Ein weißes Taschentuch, 8. M. gez. Ein seidenes Tüchelchen. Ein Geldtäschchen. Zwei Portemonnaie mit etwas Geld. Eine s. g. Schrotleiter. Ein schwarzer Henkelkorb, enthaltend: eine Kapntze, einen Schlüssel, Wecke, ein irdenes Gefäß mit Zuckerzeug.
Zugelaufen: Ein großer graugelber Hund mit Halsband. Hanau am 10. Januar 1876.
T a g e s s ch a u s
— Berlin, 4. Januar. Die Neujahrsbetrachtungen der Kreuz- Ztg. wärmen nach dem „Schw. Merk." im Ganzen den alten pessi- s mistischen Kohl auf, an den die jetzige Redaktion ihre Leser gewöhnt hat. Interessant ist der Passus: „es sei ein öffentliches Geheimniß, i daß der Kulturkampf bei Seite geschoben werden solle", und der Zu- ■ satz: „es trete dann für die konservative Partei sogar die Aufgabe ; hervor, darüber zu wachen, daß nicht selbst berechtigte Forderungen des : Staates an die römische Kirche einem Friedensschlüsse zum Opfer gebracht werden." Ob wohl Ein Leser dabei nicht lächeln mußte? Die Kreuz.-Ztg. als Wächter der Staatsrechte der katholischen Kirche gegen- ! über! Einen solchen Wächter ließe sich wohl selbst die Germania gern i gefallen. Die Germania ihrerseits beklagt beim Jahresschlüsse die Zu- : stände der Zerrüttung innerhalb der kathol. Gemeinden, natürlich mit ' der erneuten Behauptung, daß der Staat allein dieselben verschulde. s Dagegen ist nur immer und immer wieder hervorzuheben, daß die Bi- i schüfe vor dem Konzil das Alles als unvermeidliche Folgen vorherge- i sagt und Rom gewarnt haben, und daß es noch heute lediglich bei den ; Bischöfen steht, der Zerrüttung ein Ende zu machen. Das^uou possu- mus ist nicht so absolut, wie die Germ, wieder einmal ausführt. Die Germ. Hot uns oft belehrt, daß bürgerliche Gesetze, die dem Rechte der Kirche an und für sich zuwider seien, durch die nachträgliche Zulassung Roms auch für die Ultramontanen annehmbar werden. Möge sie also ihre Klagen wegen der Zerrüttung an den röm. Stuhl richten.
— In dem Feldzuge, den die „Nordd. Allg. Ztg." gegen die national-liberale Fraktion erhoben hat, messen einige die Urheberschaft dem Reichskanzler selbst bei. Die „N. Frkf. Pr." bemerkt dazu: Auf den ersten Blick scheint das ganz einleuchtend. Fürst Bismarck ist noch von Niemand für einen Lieberalen betrachtet worden. Jeder weiß, daß seine politischen Anschauungen und Ueberzeugungen in vielen Fragen nur insoweit ihre ehemalige aristokratische Färbung verloren haben, als die ■ Bedürfnisse der großen Politik ihn zwangen, der politischen Stimmung des Volkes Rechnung zu tragen, und schließlich die Nothwendigkeit seine große Schöpfung auf die allem verläßlich und dauernde Grundlage der ganzen Volkskraft zu stellen, ihn mit Manchem aussöhnte, dem er früher der heftigste Gegner war. Stets hat der Fürst den Konservativen näher gestanden, als den Liberalen. Warum sudle ihm nicht die Krästi- gung der konservativen Partei, welche ihm ihre Unterstützung heute be- s dingslos entgegenbringt, willkommen sein, willkommener als die weitere Ltärkung der liberalen Fraktionen, welche ihm mit ihrer Opposition gegen die eine oder die andere Regierungsvorlage manchmal recht unbequem gewesen sind? Die Sache hat aber doch einen Haken und an dem scheint die ganze Hypothese von oer heimlichen Allianz d-s Fürsten mit 2er neuen konservativen Koalition hängen zu bleiben Schon jetzt lugt hinter den Spalten der „Nordd. Allgem. Zeitung" deutlich die Gegnerschaft nicht blos gegen die Liberalen im Parlament, sondem auch ge^en die ganze liberale Richtung der heutigen StaatSve-walrung in Preußen
^^ h^uor. Schon sehen sich die Burgerminffter, welche dieser Richtung bisher nach^egeben haben, in eine Art Anklagezustand
durch das Organ der Neu-Konservativen versetzt, und es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß mit der Kräftigung der konservativen Partei in Preußen und der Wiedergewinnung ihres Einflusses auf die öffentlichen Dinge der erst nach langen inneren Kämpfen, bei denen der Rücktritt des Kanzlers mehr als einmal dem fait accompli nahe war, beseitigte Gegensatz zwischen Preußen, resp, den altpreußischen feudalen und ständischen Traditionen und dem auf durchaus entgeg ugef.tzten neuzeitlichen Boden errichteten deutschen Reiche sofort wieder hervortreten würde. Glaubt man, daß Fürst Bismarck kurzsichtig, genur ist, diese Gefahr nicht zu bemerken, m d daß er mit eigener Hand die Steine herbeiholen und ins Rollen bringen würde, die seiner Schöpfung leicht ebenso gefährlich werden könnten, wie das bekannte vom Venckan ersehnte Steinchea: Wir denken nicht so gering von ihm." rAugsb. Abdztga
— Im preuß. Staatsministerium werden jetzt die Arbeiten für den Landtag beschleunigt. Man beabsichtigt, in der Zeit, in welcher der Landtag nach erfolgter Konstituirung der beiden Häuser und Vorlegung des Staatshaushaltsetats vertagt werden wird, die Vorlagen für den Landtag in so weit fertig zu stellen, daß dann das gesammte Material eingebracht werden kann. Man hat berechnet, der Landtag werde im Mai, also etwa einen Monat früher als im vorigen Jahre, schließen können. Man will auch das Material auf das Nothwendigste beschränken, da man auf einen Zusammentritt des Reichstages vielleicht schon im Spätsommer oder doch jedenfalls zu Anfang des Herbstes rechnet. Eine Frühjahrssession des Reichstagses ist definitiv aufgegeben und für die letzte Session der Legislaturperiode für jetzt lediglich die Vorlegung des Reichshaushaltsetats sowie der Justizgesetze in Aussicht genommen. (Pr. si)
— Der Abgeordnete Conrad Schulz in Wetzlar, welcher im preußischen Abgeordnetenhause den Kreis Biedenkopf vertritt, hat soeben unter dem Titel „Die Bezugsquellen und die Bezugswege der deutschen Eisenindustrie" (Wetzlar, Schlichter) eine Flugschrift erscheinen lassen, in welcher mit überzeugend n praktischen Argumenten nachgewiesen wird, daß unsere Eisenindustrie nicht an Schutzzöllen, sondern an Bezugsund Absatzwegen Mangel leidet, und daß z. B. die Eisenglanz- und Magneteisenstein-Gruben in den Seitenthälern des Lahnflusses blos deshalb nicht in Betrieb gesetzt werden können, weil für die Schiffbarkeit und Melioration dieser wichtigen Wasserstraße, der Lahn, nicht das Nöthige geschieht. An diesem Punkt sollte die deutsche Industrie überall ansetzen; da würden sie auf allen Seiten Unterstützung finden, während die schutzzöllnerischen Agitationen bisher kolossale Summen verschlungen und Denjenigen, die das Geld dafür opferten, mehr Unannehmlichkeit HHJ Schaden, als Nutzen gebracht haben. Mit der größten Entschiedenheit wendet sich Herr Schulz, selbst Industrieller, gegen die Prophezeiung des Abg. Löwe, daß, Falls der Schutzzoll nicht prolon- girt werde, in Westdeutschland eine Verschiebung der politischen Parteien eintreten und dort eine Interessenvertretung gewählt werde, „welche die Alliancen nimmt, wo sie sie findet." „Nein", sagt der Abg. Schulz, „es wäre nichts schlimmer, als wenn auf der einen Seite des Parlaments die hohe Finanz Platz nähme, während auf der andern Seite der alte befestigte Grundbesitz säße, daß sich die Baumwollen- lords und Kohlenbarone gegen die Spritmagnaten und die edlen Junker von Zuckerfelde verbänden;"— nein, tausendmal nein; denn wäre unbedingt die sitzige Zusammensetzung, welche wenigstens Sicherheit für die gerechte Abwägung aller Interessen bietet, vorzuziehen. Thatsächlich liegen aber auch bie Verhältnisse anders. Der Landtagsabgeordnete für Hagen wird keine Stimme darum weniger bekommen weil er im Abgeordnetenhause gegen die Lahnschifffahrt gesprochen hat, und der Reichstagsabgeordnete für Dortmund kann sicher sein, miedergewählt zu werden, wenn er auch nicht im Reichstag für Schutzzoll gesprochen hat. So schwer die Industrie auch gegenwärtig leidet, so wird doch Keiner aus diesen Kreisen seine politische Ueberzeugung der Fördeiung noch so schwer wiegender materieller Interessen zum Opfer bringen." (Bravo!)
(Trid.)
— Nach §. 119 der Reichs-Gewerbeordnung ist der Lehrling der väterlichen Zucht des Lehrherrn unterworfen. Im Anschluß an dieses