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JE 3.
Mittwoch den 5. Januar.
1876.
Bekauutmachunge« Königl. Landrathsamts dahier. Bekanntmachung.
Die Herrn Orts-Vorstände haben unverzüglich alle in ihren Gemeinden befindlichen, dem Deutschen Reiche angehörigen Militärpflichtigen : Dienstboten, Haus- und Wirthschafts-Beamten, Handlungsdiener und Lehrlinge, Handwerks-Gesellen, Fabrikarbeiter und andere in ähnlichen Verhältnissen lebende Militärpflichtigen, welche
1) im Jahre 1856 geboren sind,
2) das militärpflichtige Alter bereits überschritten, aber ihrer Militärpflicht noch nicht genügt haben, und
3) diejenigen, welche sich bereits vor den Ersatz-Behörden gestellt, eine definitive Entscheidung über ihre Militär-Verhältnisse aber noch nicht erhalten haben, vorzuladen, um ihre Anmeldung zur Stammrolle bei Vorlegung der Taufscheine (§. 23 der Reichs-Wehr-Ordnung vom 28. Septbr. 1875 — Regierungs-Amtsblatt Nr. 46 S. 269) in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar er. beim Orts-Vvrstande zu bewirken.
Diejenigen Militärpflichtigen, welche die Anmeldung zur Stammrolle unterlassen, haben die im §. 23,io der Reichs-Wehr-Ordnung angedrohte Strafe von 30 Mark verwirkt, ev. wird verhältnißmäßige Gefängnißstrafe substituirt.
Nach dem 1. Februar er. haben die Herrn Orts-Vorstände unter Benutzung der Geburtslisten, welche ihnen nach §. 45,7 von den Herrn Geistlichen zugehen werden, die Militär-Stammrolle nach dem vorgeschriebenen Formular (Amtsblatt Nr. 46 de 1875, Seite 305, Schema 6) aufzustellen und bis zum 15. Februar er. mit sämmtlichen Belägen hierher einzureichen.
Hanau, d.n 3. Januar 1876.
Der Landrath Schrötter.
Verloren: Ein dunkelbrauner Damen-Boa- ipelz. Ein Pfandschein, Nr. 6361.
Entlaufen: Ein langhaariger Seidenpinscher von blaß-gelber Farbe.
Hanau am 5. Januar 1876.______________
Tagesschau
DE" Der „Reichs- und Staats-Anzeiger" war bis zum Schluß der Redaction noch nicht eingetroffen.___________________________________
— Die Bewilligungen, welche der Mllilarverwatlung im Reichs- haushaltsetat zugestanden worden sind, werden von der genannten Verwaltung bereits zur Ausführung gebracht. Unter Anderem wird mit der Bildung des Eisenbahn-Regiments eifrig vorgegangen. Das Regiment, vorläufig aus zwej Bataillonen bestehend, wird schon am 14. d. M. in Berlin zusammentreten und auch hier — und nicht, wie eine Zeitungsangabe wissen wollte, theilweise in Frankfurt a. M. — seine Garnison erhalten. ‘ Zur Bildung des 2. Bataillons hat jedes Armee- Corps eine bestimmte Anzahl von Mannschaften abzugeben, und zwar unter Berücksichtigung des Umstandes, daß dieselben einem bürgerlichen Berufe angehören müssen, welcher sie für den Dienst im Eisenbahn Regiment befähigt. — Der Bau des Reichstagshauses soll entgegen anderweiten Mittheilungen jedenfalls noch vor Ablauf der Reichstagssession zur Sprache kommen und eine Vorlage unter Festhaltung der Erwerbung des Kroll'schen Grundstückes noch zu erwarten sein. Sowohl der Kaiser als auch der Kronprinz interessiren sich ganz besonders lebhaft für Diesen letzteren Plan, und von einflußreicher Seite wird lebhaft dahin agitirt, den bisherigen Widerstand m Reichstagskreisen gegen den Ankauf des Kroll'schen Grundstücks zu beseitigen. Sollte die Vorlage nicht erscheinen, so würde man die Angelegenheit durch eine Interpellation zur Sprache bringen. (^W
— Mit dem 1. Januar d. I. ist bekanntlich die Bestimmung des Bankgesetzes in Kraft getreten, nach welcher Noten der Prrvat Noten - banken außerhalb desjenigen Staates, welcher der Bank d:e Befugniß zur Notenausgabe ertheilt hat, zu Zahlungen nicht gebraucht werden
' dürfen, ein Verbot, dessen Uebertretung in § 56 des Bankgesetzes mit . Geldstrafe bis zu 150 Mark bedroht ist. Das Verbot findet jedoch auf diejenigen Banken keine Anwendung, welche sich den im Bankgesetze auf- s gestellten Normativbedingungen unterworfen und demgemäß ihre Statu- j ten geändert haben. Die Bezeichnung dieser letzteren Banken wird i mittels einer Bekanntmachung des Reichskanzlers in den nächsten Tagen | erfolgen. Nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten haben sich von ; den bestehenden Privatzettelbanken folgende fünfzehn dem Bankgesetz i unterworfen, deren Noten also im gesammten Reichsgebiete umlaufs- ' fähig bleiben: 1) Die städtische Bank inBreslau; 2) die Bremer-Bank; i 3) die Chemnitzer Stadtbank; 4) die Danziger Privat-Actienbank; 5) > die Bank für Süddeutichland in Darmstadt; 6) die sächsische Bank in i Dresden; 7) die Frankfurter Bank; 8) die Hannover'sche Bank; 9) - die Kölnische Privatbank; 10) der Leipziger Kassenverein; 11) die s Commerzbank in Lübeck; 12) die badische Bank in Mannheim; 13) die ! bayerische Notenbank in München; 14) die Provincial-Actienbank in j Posen; 15) die Württembergische Notenbank in Stuttgart.
— Wie früher, graiulirte Se. Maj. der König von Bayrn auch ■ Heuer dem Fürsten Bismarck auf telegraphischem Wege.
— Aus Pirna wird mitgetheilt, daß dort eine Fabrik entstanden
- ist, die den schwedischen Zündhölzchen sowohl, wie den alten Phosphor- zündhölzchen wirksame Concurrenz mache und noch mehr machen werde, - da sie Hölzer mit all den und noch größeren Vorzügen wie die schwedischen ausgestattet, aber gleichzeitig so billig wie die Phosphorzünd- \ Hölzchen, ja noch billiger biete. Die Fabrik ist aus andern, bereits im • Harz bestandenen Fabriken hervorgegangen. Wie wenig Explodirendes ' in den Kuppen dieser Hölzer steckt, ersehe man daraus, daß sie auf eine heiße Eisenplatte gelegt, sich nicht entzündeten, und so wenig Giftiges i fei darinnen, daß man die Masse ruhig an die Lippen bringen könne, i Die Kästchen und Schachteln tragen die Etikette: „Phosphor- und ‘ schwefelfreie Paraffinirte Sicherheitszündhölzer. F. G. Deig Nachfolger. । Pirna-Dresden, früher Lautenberg a. H." Gegenwärtig ist man mit - der Einrichtung von Verpackungen für die Haushaltungen beschäftigt, so daß die Hölzer auch in runden Holzschachteln ä 10 Pfg. zu haben sind; kleine nette Holzschachteln mit Hölzern ä Stück 1 Pfg. sollen für den Taschengebrauch hergestellt werden.
— Astheim (bei Trebur), 1. Januar. In der Sylvesternacht ereignete sich hier folgender trauriger Fall. Ein 16jähriges Mädchen das zum Fenster herausschaute, wurde durch einen Schuß an der einen Wange schwer verletzt, so daß es in Lebensgefahr schwebt. In Trebur hat sich ein Bursche beim Neujahrsschießen die Hand zerschmettert.
— München, 1. Januar. Wie üblich hat der König zum Neujahrstag eine größere Anzahl von Orden, diesmal gegen 80, verliehen. Es befinden sich darunter die Landtagsabgeordneten Alwens und Dr. Marquardsen in ihrer Eigenschaft als Lau richter und Universitätsprofessor, und der frühere Abgeordnete Landrichter Eder. Von katholischen Geistlichen sind nur der Rektor Römers in Neuburg, der i im verflossenen Sommer wegen einer öffentlichen Rechtfertigung, die er ; wegen seiner liberalen Wahl erlassen, Aufsehen erregte, und der Prä- ■ fest des Schullehrerseminars in Lauingen, M. Egeltzofer, dekorirt wor- i den. Von politischer Bedeutung ist jedenfalls die an der Spitze der Liste stehende Verleihung des Komthurkreuzes des Verdienste dms der bayer. Krone an den Staatsminister des Innern, Hrn. v. Pfeufer, der wegen seiner Eintheilung der Bezirke zur Landtagswahl von den Ultra® montanen so arg angefochten ist, der aber freilich auch sonst durch eine unermüdete und höchst ersprießliche Wirksamkeit um das Land sich hoch i verdient machte. t®**-
— Brüssel, 2. Januar. Bei dem gestrigen Neujahrsempfang der Staatsbehörden durch den König wurden Reden gewechselt, welche i ohne Ausnahme betonten, daß die Konstitution in unverfälschter Gestalt erhalten werden müsse.
— Haag, 3. Januar. Eine offizielle Depesche aus Atchin vom 26. Dezember meldet die Wiederaufnahme der Operationen. Eine holländische Colonne nahm die Position der Atchinesen bei Mibouw mit geringen Verlusten, zwei andere setzten die Operationen fort Der Verlust des Feindes ist bedeutend.