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schlössen worden wären; theilweise sei dies mangelhaft geschehen und im Eckzimmer (früher Herrmann'schen Laden) soll es ganz unterlassen worden -sein. In Folge der Explosion wurden die Fensterscheiben zertrümmert, die Thüre beschädigt und trug der Arbeiter nicht unbedeutende Brand­wunden davon.

Am Neujahrstagmorgen überreichte eine Deputation, bestehend aus den Herren Gymnasial Oberlehrer Vr. S u ch i e r, I. C. L a u- t enschläger und Jean Michel, unserem verehrten Chronisten, Herrn Wilh. Ziegler, als Anerkennung für seine große Verdienste um die Hanauer Geschichte eine Ehrengabe, bestehend aus einem prachtvoll gear­beiteten silbernen Pokal, verfertigt im S chleiß n er'schen Etablisse­ment und gravirt von Herrn Chr. Lautenschläger.

Der Pokal, ein Kunstwerk, enthält auf der Vorderseite folgende Widmung:

Unserem verehrten Chronisten

Wilhelm Ziegler

gewidmet

zur 50jährigen Jubelfeier

seiner Hanauer Chronik am 7. November 1875, von dankbaren Mitbürgern.

Auf der Rückseite des Pokals befindet sich dasHanauer Stadt­wappen mit dem Schwan."

Der Deckel zeigt die Hanovia in sitzender Stellung, in der Rechten Griffel und Tafel, worauf die Worte stehen:

Chronik

W. Ziegler 18251875

in der Linken eine Pergamentrolle mit: S t a d t H a n a u 1303 (in Initialen), die auf dem Althanauer Wappen ruht. Auf der rechten Seite der Figur liegen die vom Chronisten geschriebenen neuen Folio­bände, von denen zwei aufgestellte die Bezeichnung BAND VIII und BAND IX tragen. Möge es dem alten Ehrenmann vergönnt sein noch eine Reihe von Jahren, am jährlichen Erinnerungstage des Beginnens seiner Chronik, den herrlichen Pokal mit edlem Rheinwein füllen und leeren zu dürfen.

I. Wie auch der Wissensdrang vom Schwindel ausgebeutet werden kann, dafür haben wir in jüngster Zeit auch in unserer Stadt ein lehrreiches Beispiel bekommen. Ein gewisser Herr Bruno Baum aus Hannover muß gehört haben, daß in Hanau seit einiger Zeit auch die Vorlesungenepidemie grassire und beschloß sich daher unsere Stadt zum geeigneten Objects zu erwählen, um dieGebildeten* recht blau anlaufen zu lassen. Er erschien Ende November v. J. dahier bei meh­reren der Directoren der höheren Lehranstalten, um sich vor allen Din­gen deren Unterschrift, als der von Fachmännern, zu versichern. Bei ihnen erklärte Herr Baum, daß er Vorlesungen über das Coloffeum in Rom, seine Fechterspiele u. s. w. zu halten beabsichtige und producirte eine Karte zu dem allerdings bei der heutigen Theuerung horrend bil­ligen Preise von einer Mark. Dafür sollte indessen nicht allein der Herr Subscribent sondern auch dessm ganze Familie mit Kind und Kegel die Schilderung von den grausigen Zuständen im alten Rom genießen dürfen. Das Aeußere des Herrn Baum schien dem Laien wenig Garantie für einen Vortrag zu bieten, wie mah ihn hier gewohnt ist indessen, bekanntlicher Weise verbirgt sich ja manchmal die größte Gelehrsamkeit in unscheinbarer oder gar schadhafter Hülle. Als dra­stischstes Mittel zur Hebung aller Zweifel diente ihm jedoch ein Docu- ment, das er in dem Moment aus der Tasche zog, wo in der Brust der Berufsgenossen im Lehramt leise Zweifel ob seiner Qualifikation aufzusteizen begannen. Es war eine Bescheinigung des Generals von Gottberg, des Gouverneurs der beiden ältesten Söhne unseres Kron­prinzen, worin Herrn Baum aus Hannover bezeugt wurde, daß er in Gegenwart der Prinzen, des Generals und des Lehrercollegiums des Kasseler Gymnasiums eineninteressanten* Vortrag über das Coloffeum in Rom gehalten habe. Einem solchen Zeugniß gegenüber zu wider­stehen, war unmöglich man unterschrieb. So gingen ungefähr 130 Opfer, sämmtlich von Herrn Baum persönlich ausgesucht, auf den Leim und blickten jeden Tag in die Localblätter in gespannter Erwartung, wann dieinteressante" Vorlesung kommen würde. Zur Vertröstung der lechzenden Wlssensdurstigen erschien auch einmal in diesem Blatte eine Reclame, worin die Subscribenten darauf aufmerksam gemacht wurden, mit welchglühenden" Farben Herr Baum die Kämpfe der Arena zu schildern pflege. Die Spannung stieg immer mehr Herr Baum benutzte dies-. um eine letzte Abgrasung zu halten und unter seine Fahnen zu sammeln, was etwa noch nicht reingefallen war. Darauf war er verschwunden. Ob nun die vom General von Gott­berg ausgestellte Bescheinigung eine Fälschung war oder ob wirklich ein Herr Baum zu Kassel in Gegenwart der Prinzen eine derartige Vor­lesung gehalten hat, müßte doch in Kassel zu erfahren sein. Nicht un­möglich erscheint es, daß der hier aufgetretene Herr den Namen eines

Anderen für seine Zwecke benutzt hat. Uebrigens 'sönnen wir Hanauer uns trösten, daß wir nicht die ersten mit dem Coloffeum colossal Du- pirten sind. Herr Baum soll zu Neuwied, wo auch viel Sehnsucht nach Bildung herrscht, vor Kurzem ganz dasselbe Stückchen ausgeführt haben. Es wäre doch gut, wenn der Herr von compttenter Seite zart daran erinnert würde daß es hier zu Lande doch nicht so ganz orts­üblich ist, geachtete Namen für Freibeuterzwecke zu gebrauchen.

Wenn es übrigens allen denen, welche eine Mark zur unfreiwil­ligen Unterstützung eines modernen, bis dato allerdings noch seltenen Industriezweigs beigesteuert haben, zu einigem Troste bei ihrem Verlust gereichen sollte, so sei schließlich bemerkt, daß auch der Einsender dieses Artikels, so superklug, wie er sich stellt, auch einer von den 130 war, die auf den Leim gekrochen sind.

An den gestern Vormittag stattgehabten Verhandlungen der Präsidialversammlung der Kriegervereine des Untermaingauverbandes nahmen ca. 20 auswärtige Kameraden Theil. Nachmittags fand eine aus Musik-, Gesang- und deklamatorischen Vorträge bestehende gesellige Unterhaltung im Centralhallensaale statt, an der außer einigen der aus­wärtigen Kameraden, die Mitglieder des hiesigen Kriegervereins und Freunde des letzteren Theil nahmen. Die Stimmung war eine sehr heitere und haben insbesondere die Musikvorträge der Civilkapelle öfte­ren Beifall hervorgerufen. (Ueber die Verhandlungen der Versammlung ist uns eine Notiz versprochen, die wir nach Eingang bringen werden. Die Redaction.)

Alle Diejenigen, welche auf Grund der testamentarischen Be­stimmungen der Demoiselle Elisabeth Fassin Ansprüche auf die für 1876 bewilligten Vermächtnisse erheben zu können glauben, haben die­selben, unter Vorlage der Zeugnisse, bis morgen (4.) Nachmittags 4 Uhr bei der Diaconie der wallonischen Gemeinde (wallonisches Waisen­haus in der Frankfurterstraße) geltend zu machen (s. Näheres in Nr. 304 desHanauer Anzeiger" von 1875.)

Verschiedene Burschen, die, trotz aller Mahnung, in der Neu­jahrsnacht das Schießen nicht unterlassen konnten, wurden zur Anzeige gebracht und sehen ihrer Bestrafung entgegen. Gestern Nachmittag mußte ein Individuum, das den Spirituosen allzustark zugesprochen hatte und in Folge dessen Skandal machte, verhaftet werden.

Kommenden Mittwoch findet die Benefice-Vorstellung des be­liebten Regisseurs am hiesigen Stadttheater, Herrn Horst-Richter, statt und sucht derselbe dem geehrten Publikum einen genußreichen Abend durch die Wahl des StückesMedea" von Grillparzer zu be­reiten; die Titelrolle hat Frl. Schweigert vom Frankfurter Stadt­theater übernommen. Hoffentlich wird ein recht zahlreicher Besuch Herrn Horst-Richter an seinem Ehrenabend belohnen.

Für heute. Gesangkränzchen Eintracht: Abends 9 Uhr General­versammlung.

Kassel, 31. Dez. Wie man uns von Berlin mittheilt, wurde das ohnlängst gegen den Kurfürstlichen Hofsecretär Herrn Carl Preser gefällte und aus IU2 Jahr Festungshaft lautende Urtheil des königl. Kammergerichts zu Berlin, auf einen von dem Justizminister erstatteten Bericht, von Sr. Majestät dem König niedergeschlagen und somit Herr Preser begnadigt. csr. «< 8tg.)

Den Eingang von 185 Mark (oder nach Abzug des Portos 184 Mark 35 Pfg.) für die von der hiesigen Explosion Betroffenen bescheinigt mit ergebenstem Dank

Namens des Bremerhavener Hülfs-Comites Bremen, 31. Dez. 1875. S ch u l tz, Amtmann.

Rügen und Wünsche. >

Eingesandt.

s Schon zu verschiedenen Malen geschah der stiefmütterlichen Behandlung der Chausse nach Kesselstadt in Ihrem geschätzten Blatte Erwähnung und wir dürfen dreist behaupten, daß gerade auf die genannte Chaussee die wenigste Sorgfalt verwendet, resp, am wenigsten gereinigt wird. So ist im Augenblicke wieder ein solcher Koth und Schmutz dort zu finden, daß es lästig ist, den Weg täglich mehrmals begehen zu müssen. Spaziergänger, welche diesen Ort sehr gerne benutzen, wenden an der Hellerbrücke wieder um, weil es ohne Wasserstiefel fast zur Unmöglichkeit gehört, den in Masse angehäuften Schmutz zu durch­waten. Sollte denn hier diesem Mißstande gar nicht abgeholfen wer­den können?

Thermometerstand.

31. Dezember.: Höchster Stand + SUs0, Abends 7 Uhr + 2°, 1. Januar: Morgens 7 Uhr + lo, Vormittags 10 Uhr + l1/*« höchster Stand + ls/*«, Abends 7 Uhr + lo; 2. Januar: Mor­gens 7 Uhr + 2o, Vormittags 10 Uhr + 2U30, höchster Stand + 3»/.«, Abends 7 Uhr -j- 3; 3. Januar: Morgens 7 Uhr + 2'/,°, Vormittags 10 Uhr + 3°.

Pegelhöhe am Mainkanal 1,72 Meter (ö1/* Fuß.)

Laden mit Wohnung I Borst. 15 drei Stuben, Kammern, Küche rc. (7573) zu vermiethen. t gsltgasse Nr. 7 eine kleine Wohnung im

... Näh. Langstraße 23, 1ITr. hoch^ (7587) Hinterbau. j (37)

Fischerg. 25 Logis für einen Herrn._______(39) fCJin kl. Häuschen ohne Vermittler zu kaufen gesucht^Näheres in der Exped. (40)