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Loose â 12 fr. ausgegeben werden und ba§ die Verloosung selbst unter Aufsicht des hiesigen königl. Polizei-Präsidiums erfolgt. — Die Eis­bahn int Zoologischen Garten wird morgen dem Verkehr des Publikums übergeben werden. — Im Monat Dezember kamen hier 97 Wechsel, die von Hiesigen acceptirt waren, wegen Mangel Zahlung zum Protest. Dieselben repräsentirten einen Werth von 26,013 fl.

Lokales und Provmzrelles.

Hanau, 30. Dezember 1874

— Vorgestern Abend von 8—10 Uhr feierten im Hotel Carls­berg die ehemaligen freiwilligen kurhessischen Jäger ihr 61. Erin­nerungsfest. Nur noch 3 Kameraden leben in Hanau und Umgegend, und zwar die Herren: Rentner Etienne Gärtner, der auch im Jahre 1815 als preußischer Dragoner die Schlacht bei Waterloo mit­machte, Buchhalter a. D Fr a nz Li mb ert, Ritter des Kgl. Kro­nenordens 4r Klasse, und Oberamtsrichter Mühl hause (noch in Ac- tivität) in Steinau, Ritter des Kgl. preuß. rothen Adlerordens 4r Klasse. Herr Etienne Gärtner war durch Unwohlsein verhindert und so saßen denn die beiden letztgenannten Kameraden beim Glase Cham­pagner, sich der Erinnerung an jene Tage hingebend und auch ,ein. Glas dem Andenken der längst Heimgegangenen Kameraden weihend. Zum Abschiede sprachen sie die Hoffnung aus, im nächsten Jahre zu dersel­ben Stunde und an derselben Stelle das 62. Eiinnerungsfest, zu feiern. Möge es den alten ehrenwerthen Veteranen aus den Freiheitskriegen vergönnt sein, noch einige Jahre diesen Tag festlich begehen zu können, und möge im nächsten Jahre auch Herr Gärtner wieder in gewohnter Rüstigkeit bei der Partie sein. — Beim 25. Erinnerungsfeste zu Wil­helmsbad im Jahre 1838 feierten noch 84 freiwillige kurh. Jäger aus Hanau und Umgegend ihren Ehrentag und waren damals auch 18 Veteranen aus anderen Truppentheilen anwesend.

— In den Darlehensbedingungen der hiesigen Leihbank treten von morgen an einige wesentliche Abänderungen ein und wir verweisen deßhalb an dieser Stelle nochmals auf die diesbezügliche Bekanntmachung im heutigen Anzeiger.

— In Berücksichtigung der mit dem 1. Januar k. I. eintretenden Markrechnung werden Diejenigen, welche Gehalte, Pensionen ic... aus öffentlichen Sassen beziehen, darauf aufmerksam gemacht, daß die be­züglichen Quittungen, von gedachtem Zeitpunkte ab, nicht mehr in Thaler, Silbergroschen und Pfennigen, sondern in Mark und Pfennigen auszustellen sind.

— Für heute. Abends 7 Uhr: Gottesdienst in der Märien­kirche, duich Herrn Pfarrer Neuber gehalten. — Um dieselbe Zeit: Großes Concert im oberen Saale des Dörr'scheiz Felseukellers. — Großes Tanzkränzchen im Saale der „Schwedischen Krone". — Eisbahnen auf den Teichen und stellenweise auf dem Stadtgraben und der Kinzig.

— Vergnügungs« rc. Anzeiger für morgen. Nachmittags 3 Uhr: Generalverlammlung für die Mitglieder des Turnvereins. — Nachmittags 4 Uhr: Großes Concert im oberen Saale des Dörr'schen Felsenkellers. — Abends 6 Uhr: Stadltheater „Rosenmüller und Finke", Lustspiel in 5 Auszügen von Dr. Töpfer.— Abends 7 Uhr: Tanz­kränzchen im Saale zur „Reichskrone." — Abends ^,8 Uhr: Concert der Tyroler Sängergesellschaft unter Leitung des Herrn Ludwig Rainer aus Achensee, im RiesenMie.

— Bocke n he im. Am 29. Dcc., Nachmittags nach 3 Uhr, fand, nach dem „Fuld. Anz.", in dem ersten Stocke des Herrn Leder­händlers M . . . eine Gasexplosion durch Nachlässigkeit des an der Gasleitung arbeitenden Spenglers statt. Die hierdurch angerichtete Zerstörung ist unglaublich. Die Fenster gewänder mit Sturz und Ver­dachung wurden in Stücken auf die Straße geschleudert, Fenster wie Fensterrahmen total zerschmettert, sowie die Riegelwände eingedrückt. Durch den entstandenen Brand wurden Möbel und Bettung beschädigt, das Feuer wurde jedoch alsbald gelöscht. Mit Ausnahme des Speng­lers, welcher einige Brandwunden erhielt, kamen die im Haus befind­lichen Personen mit dem bloßen Schrecken davon.

— Fulda, 30. Dec. Es wird uns aus Kassel telegraphisch ge­meldet, dag das heute vom AppellaiionSgerichre verkündete Urtheil gegen den Redacteur der „Fuldaer Zeitung" die demselben wegen Beleidigung des Reichskanzlers Fürsten Bismarck, begangen in einem Artikel: Wer hat gelogen? zuerkannte vierwöchentliche Gefängnißstrafe in Haft von gleicher Dauer abändert. (Fuld. «.)

— Der Königliche Eisenbahn- Bau- und Betriebs-Inspektor Karl Heinrich Bauer zu Frankfurt a. M. ist in gleicher Eigenschaft nach Fulda versetzt woiden.

Thermometerstand.

30. December : Tiefster Stano des Thermometers — 11», Abends 7 Uhr — 7«; 31. Dec.: Morgens 7 Uyr — 8», Vor­mittags IQ Uhr — 7».

Offene Antwort auf den offene» Brief des.Herrn Al. Gelhaar.

— Auf Ihren offenen Brief in Nr. 3Öf . ds. Br. x^widexe ich als Verfasser des „Eingesandt" in Nr. 292 ds. Bl. (das Concert der Frl. Emma Reich betreffend), daß meine Person nicht identisch ist mit dem Berichterstatter des vorjährigen 1. Jnstrumenthlvereinè-Con- ceris, über welchen Sie das vollste Maß Ihres Zornes ausgießen. Ich halte dies lediglich für einen Schachzug, um damit die in fragt. Besprechung erwähnten Herren zu Parteigängern zu gewinnen, waS Ihnen jedoch schwerlich gelingen dürfte, da man zur Genüge weiß, daß Ihre Sympathien für daS Gedeihen des hiesigen Instrumental-Ver­eins nicht gerade stark zu nennen sind.

Ihre ländlich-pikanten Bemerkungen, welche in der Hauptsache auf eine hiesige, in der ganzen musikalischen Welt wohl angeschciëbene Persönlichkeit zu zielen scheinen, werde mir, abgesehen von dem waS ich selbst zu vertreten habe, gleichfalls erlauben zu beantworten, doch gestatten Sie mir wohl den Inhalt Ihres Schreibens nicht Zeile für Zeile, sondern nach freiem Ermessen zu erledigen.

Sie sprechen von einer in „Gist und Galle get auchtcn Feder"; Gift und Galle setzen zum mindesten Neid voraus, doch kann ich Ew. Wohlgeboren versichern, daß ich Dero Talente nichts weniger wie be­neide. Neid ist ttiir über Haupt fremd und hege ich für wahre Künstler nur aufrichtige, unbegrenzte, bewundernde Hochachtung, dagegen können spie f. g. Halb? Talente, die sich anmaßend einer Kunstgröße gleichstellen, ob ihrer musikalischen Falschmünzerei nur mein Bedauern wachrufen. Den Kern Ihres ganzen Schreibens, meine kleine Bemer­kung „geborenes" und nicht „erzogenes" Talent betreffend, au welche Sie Sich mit einer wahren Todesverachtung klammern, betrachten Sie irriger Weise meinerseits als Haupttrumpf. Es sollte dies über­haupt gar kein Trumpf, sein, denn ich habe erst nachträglich erfahren, daß Sie der Lehrer der Frl. Reich sind.

Selbstverständlich konnte ich deßhalb nicht ahnen, daß Sie mit dem Vorführen Ihrer Schülerin Propaganda machen wollten und jetzt, da ich dies weiß, bin ich überzeugt, daß Ihr Brief nicht geschrie­ben worden wäre, hätte ich bei meiner Besprechung Gelegenheit genom­men für Sie als Lehrer ein wenig Reklame zu machen.

Ihr Citat Fichte's „Alles was wir sind, sind wir durch unsere Erziehung", möchte ich aus Rücksicht auf einen von mir hochgeehrten Mann auf Sie nicht in Anwendung bringen; daß die Entwickelung eines Talentes kein psychologisches Räthsel ist,, bestreite ich nicht, ein Talent bedarf immerhin eines Wegweisers zum Parnaß, der muß aber den Weg dahin schon zurückgelegt haben.

Wie Fräulein Thomae anderwärts accreditirt ist kann keinen Einfluß auf meine Beurtheilung ihres Gesanges ausüben; wenn sie wirklich besser singen kann, wie sie hier gesungen hat, so wird sie wohl auch der von auswärtigen Künstlern ausgesprochenen Ansicht huldigen: „Gut genug für Hanau."

-^Ew. Wohlgeboren hielten sich wohl auch zu gut für Hanau und verlegten deßhalb Ihren Wohnsitz nach Frankfurt?

Das Spiel des Herrn Rode habe ich keineswegs ungerecht be­urtheilt, an seinen Leistungen jenes Abends war eben nichts zu loben. Daß er vielleicht Besseres zu bieten im Stande ist, will ich zugeben.

Weiterhin erwähnen Sie in Ihrem Briefe „daß mit dem üiteleo tuellen Theile der Urh-berschast (den ich ausschließlich für mich in An­spruch nehme) irgend ein „Lokal-Gennchen" in Verbindung zu bringen sei. Wie schon oben erwähnt, kann ich mir wohl denken, auf welche, von mir hochgeschätzte,^ Persönlichkeit dies spielen soll, meiner beschei­denen Ansicht nach, besitzt jedoch dieses „Local-Geniechen" am kleinen Finger mehr „Universal-Genie" als ein Herr „AflsrgenieL" am ganze» Körper.

Die Ausdrücke „vorlaut", „Bierbank", „musikantenmäßig", „in­tensiver haut gout nach Bier und Tabak" schmecken nach einer auswär­tigen Schule für schöne Künste und Wissenschaften. Hier wird derartiges nicht gelehrt und w NN Sie weiterhin sagen, daß in dem „Handbüchlein für jugendliche Gesangsfreunde" auf Seite 1 zu lesen stehe, daß „schön" zu begleiten eine Kunst sei, so muß dies in den Büchern, nach welchen Sie Ihre Studien in der GesangSbeglertung gemacht haben, nicht zu finden sein.

Was meinen undmeiner Gesinnungsfreunde absonderlichen Geschmack betrifft, so ist mir allerdings eine gut exccutirte Nummer von Steibert bedeutend lieber, als ein schlecht vorgetragenes Duo von Reinecke — Schumann.

Ich schließe mit dem, was Weber in seinem Demokritos sagt: „Wer da weiß, was Stelzen sind (wovon das Wort stolz Herkommen soll), wird nicht darauf eluherschreuen, wenn er es auch als Knabe ge­than hat; denn er weiß, daß man darum zwar größer erscheint, aber leicht auf die Nase fallen kann. Die Künstler laufen noch größere Ge­fahr wie Gelehrtes da sie noch weit Mehr mit isuwiÜuiig AAAt sind" und bemerke Ihnen noch, daß wer sich als Künstler h mu llt, auch als solcher beurtheilt wird. Adolf Hommel jun.