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Hamner Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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â 303. Mittwoch den 30. Dezember. 1874.

Unter Bezugnahme auf die in Nr. 284 dieses Bl. veröffent­lichte Regierungs-Polizeiverordnung vom 18. v. Mts. über Handha­bung des Meldewesens im ganzen Umfang des Regierungs-Bezirks Cassel, ttferben die Herren Bürgermeister des Kreises zur genauen Be­achtung folgenden von der Königlichen Regierung weiter vorgeschriebe­nen Verfahrens aufgefordert:

Die der Abmeldebescheinigung (Muster I der Polizeiverordnung) angedruckten, durch §. 6 der Instruction vom 12. Dezember 1873 resp, durch Regierungs-Erlaß vom 22. Januar er. C. I 7373 vorgeschriebe­nen Beläge zur Begründung des Klassensteuer-Zugangs und Abgangs (Muster I) (Formular B. Nr. 3) sind von jener nicht zu trennen, viel­mehr mit derselben dem abgehenden Steuerpflichtigen auszuhändigen, damit dieser die Beläge an die Behörde des Ortes, wohin der Um­zug erfolgt, abgibt.

Von der Behörde des neuen Wohnorts ist der Zugangs-Belag (links des Musters I) zurückzubehalten und zur Klassensteuer-Zu­gangsliste als Belag zu nehmen, der Abgangs-Belag (rechts des Mu­sters I) aber abzuschneiden und sofort gehörig bescheinigt portofrei der Behörde des früheren Wohnorts zurückzusenden.

Nur in dem Falle, wenn der dem Abziehenden ausgehändigte Abgangs-Belag nicht innerhalb 8 Tagen wieder eingehen sollte, hat die Behörde des früheren Wohnorts einen zweiten Zu- und Abgangs-Be­lag zu übersenden.

Sollte auch hiernach in weiteren 8 Tagen der Abgangs-Belag nicht wieder eingehen, dann ist hiervon Anzeige hierher zu machen, um gegen den säumigen Ortsvorstand vorzugehen.

Die mit der Regierungs-Polizeiverordnung vorgeschriebenen For­mulare sind von den Herren Ortsvorständen bei der Waisenhaus-Buch­druckerei in Cassel aus den Klassensteuer-Veranlagungs-Gebühren zu beziehen.

Hanau am 22. Dezember 1874.

Der Landrath Schrötter.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh auf dem hie­sigen Sandhose des Oekonomen Neuling ist erloschen.

Hanau am 27. Dezember 1874._____________________________

L Ä g e s » K a u.

— Der „R. u. St.-A." enthält: 1) Gesetz, betreffend die Aus­gabe von Banknoten. Vom 21. December 1874. 2) Gesetz, betreffend die gejchäftliche Behandlung der Entwürfe eines Gerichtsverfassungsge­setzes, einer Strafprozeßordnung und einer Civilprozeßordnung, sowie der zugehörigen Einführungsgesetze. Vom 23. December 1874.

— Nach §. 1 des Veieiiisgesetzes ist von allen Versammlungen, in welchen öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollen, bis 24 Stunden vor dem Beginn der Versammlungen Anzeige bei der Orts­polizeibehörde zu machen. In Beziehung auf diese Bestimmung er­kannte das Ober-Tibunal in seiner Sitzung vom 5. November cr., daß Versammlungen, welche zu einem andern Zweck veranstaltet werden, in denen aber dennoch von einem oder mehreren Anwesenden das Gebiet der politischen Erörterung betreten wird, nicht schon deshalb unter die Kategorie der oben erwähnten Versammlungen fallen. t«. «. ®r. «.,

— Die Zurückdcrufung der beiden deutschen Kriegsschiffe „Nau­tilus" und „Albatros" aus den spanischen Gemäss rn hatte nur ihren Grund in den Wuterungsverhältnissen. Wie man hört, wird der Ueber- fall des deutschen Schiffes durch die Carlistenbanden sicher nicht unge­ahndet bleiben. Es finden darüber an geeignetem Orte bereits die er­forderlichen Eiörterungen statt. Daß man sich nicht damit begnügen wird, von dem Martchall Serrano Genugthuung zu fordern, wie dies von ein gen Seiten mitgetheilt worden war, liegt auf der Hand. (Trib.)

— In der Woche vom 6. Dec., bis 12. Dec 1874 sind geprägt worden an Goldmünzen : 1,486,440 Mark 20-Markstücke, 1,887,230 Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 669,725 Mark 5-Markstücke, 884,937 Mark 1-Markstücke, 220,397 Mark 20 Pf. 20-Psennigstücke; an Nickel- münzen: 63,293 Mark 20 Pf. 10-Pfennigstücke, 69,943 Mark 70 Pfennige 5-Psennignücke; an Kupfermünzen: 55,406 Mark 90 Pf. 2-Pfennigstücke, 18,901 Mark 37 Pf. 1-Pfennigstücke.

— Französische Tenoeuzlügen. Der „Messager du Midi", ein

in Marseille erscheinendes ultramontanes Blatt, erzählt seinen Lesern allen Ernstes, daß während des Prozesses Arnim die ganze Garnison Berlins consignirt gewesen wäre, „weil man" — man höre — „Sei­tens der erbitterten Bevölkerung einen Aufstand gegen — Fürst Bis­marck besorgt hätte. Dieser Humbug ist indeß noch keineswegs der höchste, den das genannte Blatt zum Besten gibt. Am Schlüsse jener Notiz heißt es nämlich wörtlich: „Le palais de justice a été entouré par trois escadrons de cavallerie et deux batteries!“ (Das Gerichts­gebäude war von drei Schwadronen Cavallerie und zwei Batterien umgeben!)

— Schwerin, 28. Dec Das Regierungsblatt publizirt eine Großherzogliche Verordnung, durch welche der mecklenburgische Land­tag auf den 10. Februar 1875 nach Malchin einberufen wird. Unter den Propositionen der mecklenburg-schwerinschen Regierung, welche dem Landtage zur Berathung vorgelegt werden sollen, befindet sich u. A. ein Gesetzentwurf über ordentliche und außerordentliche Kontributionen, sowie über die Prinzessinnensteuer für die Großfürstin Marie von Ruß­land. Außerdem sollen die während der letzten Landtagssession be­gonnenen Verhandlungen über die Aenderung der Verfassung fortgesetzt werden.

— München, 28. Dez. Die kürzlich erwähnte neue Verein­barung bezüglich der Verhältnisse der Festung Ulm hat mit dem 1. Januar 1875 in Wirksamkeit zu treten und hat auf Grund derselben nunmehr Se. Majestät der deutsche Kaiser die bezüglichen Personal­ernennungen vorgenommen. Se. Majestät hat nämlich den bayerischen Generalmajor v. Hebberling, bisher Kommandeur der 4. Infanterie- Brigade in Ingolstadt, zum Festungs-Gouverneur in Ulm ernannt. Der für unsern königl. H'f neu ernannte päpstliche Nuntius, Mons. Bianchi, ist aus Rom heute hier eingetroffen. Derselbe hat die Woh­nung im Graf Rechberg-Haus neben der Theatinerkirche bezogen, wo­selbst sich von jetzt an auch die amtlichen Lokalitäten der Nuntiatur befinden. (««g«. «bbsga

— Kiel, 29. Dec. Der Kieler Hafen ist mit Eis belegt. Der Postdampfer „Jylland" wird heute Nachmittag noch nach Korsör ab­gehen und ist damit die Postdumpfschiffahrt auf der Linie Ktel-Korsör vorläufig geschlossen.

— Metz, 25. Dez. Das Weihnachtsfest in der reformirten Stadlkirche wurde heute beim französischen Gottesdienste (10'/r Uhr Morgens) durch Aufführung des schönen Weihnachtsliedes Noël von Adolphe Adam besonders gefeiert. Das Solo wurde von der Gatlin eines deutschen Beamten (einer Französin von Geburt), die eine sehr schöne Sopranstimme hat, gesungen, und nach jedem der drei Verse die zwei letzten Zeilen von einem erst kürzlich gebildeten Männerchor wie­derholt. Dieser beabsichtigt auch ferner den evangelischen Gottesdienst sowohl den deutschen als den französischen, an den Hauptfestaagen der Kirche durch Aufführung von kirchlichen Gesangstücken, wie vor dem Kriege bereits üblich war, zu verherrlichen. Es ist anzuerkennen, daß Deutsche und Franzosen, Evangelische und Katholiken, sich zu diesem Zw cke vereinigt haben. Morgen Abend 5 Uhr findet ebenfalls in der Stadtkirche eine Christbescheerung für die 300 Kinder armer protestan­tischer Familien statt. Die gleiche Feier wurde heute Abend in der kleinen Kirche zu Ars an der Mosel für die dortigen Sonntagsschüler durch Pfarrer Stern gehalten.

— London, 26. Dez. England ist dieses Mal, so schreibt der „Schw. Merk.", eine recht traurige Weihnachtsbescheerung zu Theil geworden: Einen Unglücksfall um den andern meldet der Telegraph, und das G fammtresullat dieser Katastrophen ist: 49 Todte und etwa 150 Verletzte. Das gräßlichste Unglück ereignete sich aus der Great Western Railway bei Shipton, in der Nähe von Oxford. Der verun- glückre Zug war von ungewöhnlicher Länge und mit einer sehr großen Anzahl Passagiere besetzt. Der Zug bewegte sich nur mit einer Schnel­ligkeit von 40 engl. Meilen per Stunde, also nach englischen Begriffen nicht gar zu schnell. Trotzvem genügten das Brechen einer Radschiene und das dadurch erfolgte Losgehen ins Rades, um den ganzen Zug über den Damm auf Die Wiesen hinunter und in den Kanal Hinein zu schleudern. DaS Schaaipiel, das sich jetzt Darbot, war entsetzt ch. 26 Personen waren aus der Stelle gelödiet und Viele ins zur Unkennt-