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Prozesses Arnim machten auf die industrielle und commercielle Welt einen tiefen Eindruck. Eine große Anzahl deutscher Arbeiter wurde von ihren Meistern, namentlich in den Vierteln Saint Denis, Saint Martin und Quinze-Vingts, weggesandt. Die vornehmsten Fabrikanten bereiten ein Project vor, demzufolge jeder Besitzer einer Fabrik oder Meister den Geburtsschein eines jeden Fremden verlangen soll, der Be­schäftigung bei ihm sucht."

— Der britischen Regierung ging ein Schreiben Cameron's aus Kawele bei Udschidschi vom 14. Mai zu, welches sich hauptsächlich über den Sklavenhandel verbreitet. Dem Zeugnisse der Eingeborenen zu­folge steht der Sklavenhandel am Lualaba und in der ganzen Um­gegend in vollster Blüthe. Viele weiße Händler, vermuthlich Spanier und Portugiesen, kamen vom Congo dorthin. Cameron traf viele Dorf­stätten an, deren Einwohner als Sklaven fortgefühet waren. Er be­fürchtet, die an sich sehr lobenswerthe Unterdrückung der Sklavenaus­fuhr zur See werde den Binnenhandel desto mehr anregen, wenn da­gegen nicht Vorbeugungen getroffen würden. Als einzig wirksame Ge­genmaßregel empfiehlt er die Ausschließung der Straßen, die leicht ausführbar sei, namentlich zu Wasser. Für die Eröffnung von Han­delsbeziehungen seien treffliche Aussichten vorhanden, da Binnen-Afrika reich sei an Gegenständen, die sich zur Ausfuhr eignen.

— C a t ta ro, 21. Dec. Gestern früh hat in Scutari in Al­banien der Blitz in einen Pulverthurm eingeschlagen und gezündet. In Folge der Explosion sind ein Theil der Stadtmauer und viele Häuser emgestürzt, über 200 Menschen theils getödtet und theils verwundet worden. (R. Frankf. Pr.)

— New-Jork, 21. Dec. In einer von Mitgliedern des Senats abgehaltenen Versammlung wurde die Frage wegen Wieder­aufnahme der Metallzahlungen diskutirt und die Einbringung einer Gesetzvorlage vorgeschlagen, Inhalts deren von dem Jahre 1879 an die Einlösung des Staatspapiergeldes mt Gold erfolgen soll, während in­zwischen die in Umlauf befindliche Papiergeld-Scheidemünze durch Sil­bermünzen ersetzt werden würde. Die Errichtung von Privatbanken mit der Befugniß zur Ausgabe von 100 Dollarnoten soll freigegeben, die in Umlauf befindlichen Greenbacks sollen eingezogen werden, bis deren Gesammtbelrag auf die Summe von 300 Mill. Dollars reduzirt worden ist. Schatzfekretär Bristow soll zum Verkauf von Bonds er­mächtigt werden, um dadurch die Goldreserve zu vermehren und die Einlösung der Greenbacks zu erleichtern. Die der republikanischen Partei angehörigen Senatoren haben sich sämmtlich für eine solche Bill ausgesprochen.

— Die „Neue Frkftr. Pr." schreibt unterm 22. Dezember aus Frankfurt a. M.: Heute wurde vor dem Obertribunal in Berlin zum dritten Male in der Klagesache des Dr. Volger gegen den Magistrat, Wasserversorgung Franksurts betr., verhandelt. Diesmal betraf die Klage das Bauverbot Dr. Volger's gegen die dermalige Maschinenan­lage im Römerspieß. Vom Stadtgerichte war er damit abgewiesen worden, vom Appellgerichte desgleichen, jedoch unter Zurückweisung der Sache zur summarischen Verhandlung an die erste Instanz. Das Obertribunal hob das Appellationsurtheil in seinem abweisenden Theile auf und verfügte sofortige Prüfung durch Sachverständige. — Die renommirte Dr. Bockenheimer'sche Klinik wurde vom 1. December 1873 bis zu. derselben Zeit 1874 von 1405 Patienten frequentirt, wovon 100 mit 3300 Verpflegungstage in der Klinik Unterkunft fanden.

Lokales und Proomzielles.

Hanau, 23 Dezember 1874

—1. Wir freuen uns, aus dem gestrigen „Eingesandt" E. W. zu ersehen, daß der Verfasser desselben an unserem „Eingesandt" vom 15. ds. Mts. nichts weiter unlogisch findet, wie die Bemerkung, „das Frl. Reich besitze „geborenes", nicht „erzogenes" Talent." Da derselbe also über den Artikel im großen Ganzen mit uns einig geht, so sollten wir ihm eigentlich das Vergnügen gönnen, ein wenig mit uns Wort geklaubt zu haben. Der Versasser bedarf jedoch der Be­lehrung und so diene ihm denn, daß es nicht möglich ist unsere Be­merkung anders aufzusassen, als daß wir sagen wollen: Frl. Reich ge­hört als „Talent" nicht zur Klasse der s. g. Halb-Talente, die aller- dings nur durch die Erziehung ein ige rm atzen zur Geltung kommen können.

Hinsichtlich des Lehrers gebührt der Preis unserer bescheidenen Ansicht nach nicht dem jetzigen, der, wie wir hören, erst seit kurzer Zeit das Fräulein unterrichtet, sondern ihrem früheren Unterweijer, dem verstorbenen Vater der jungen Dame. Dieselbe hat übrigens schon vor einigen Jahren in einem Concert (und zwar nach Mittheilung uns kompetenter Persönlichkeiten mit brillantem Erfolg) mitgewirkt und haben wir schon damals lebhaft bedauert, an dessen Besuch verhindert geweien zu sein.

— Auch an dieser Stelle machen wir auf die im heutigen Blatte abgedruckte Bekanntmachung Kaiserlichen Generalpostamts vom 18. er., „Erlaß einer neuen Postordnung" ausmerksam, weil darin manche

Veränderungen gegen die früheren postalischen Bestimmungen vorkom­men, die für Jedermann zu wissen von Nutzen sind.

— Gestern Mittags stürzte ein Arbeiter von dem Viadukt über den Kinzigheimer Weg mit einer eisernen Belegplatte, ^2 Centner schwer, ca. 30 Fuß herab und wurde ihm von der Platte das rechte Bein zerschmettert. Der Unglückliche wurde in das hiesige Land­krankenhaus verbracht.

— Für heute Stadttheater: Zum ersten Male „Der e- gistrator auf Reisen", Posse mit Gesang in 3 Akten von A. L'Arronge und G. v. Moser. Musik von Bial. — Abends S1^ Uhr: Genera. Versammlung der allgemeinen Kranken- und Sterbekasse für Hanau m der Tagesordnung: Berathung der Statuten.

— Morgen werden zur prompten Bedienung des Weihnachts­personenverkehrs zwei Extrazüge mit II., III. und IV. Wagenklasse zwischen Sachsenhausen und Bebra fahren, und zwar um 4 Uhr Nach­mittags gehl der eine von hier (Bebra-Frankfurter Bahnhof) in der Richtung nach Gelnhausen, der andere 6 Uhr 10 Min. von hier in der Richtung nach Sachsenhausen ab.

— Dem praktischen Arzt Dr. Carl Wilhelm Moeller in Mar­burg wurde der Charakter als Sanitäts-Rath verliehen.

— Stadtrath und Bürgerausschuß der Stadt Cassel haben eine abermalige Vorstellung an den Minister des Innern um Beibehaltung der kurhessftchen Gemeindeordnung gerichtet. cFâ A.)

— Bebra, 20. Dez. Der frühere Ausschuß der Kurhessischen Fortschrittspartei hielt heute hier eine Besprechung zur Berathung und Feststellung der Grundzüge derselben.

Therrnometerstand.

22. December : Höchster Stand des Thermometers — 3/* °, Abends 7 Uhr — l3/<°; 23. December: Morgens 7 Uhr —2°, Vormittags 10 Uhr — r.

Dem Leser der Fuldaer Zeitung soll seinem Wunsche entsprechend hiermit „ehrlicher" und „offener" Be­scheid zu Theil werden:

Meine Quelle ist die Hanauer Zeitung, die in der Rubrik „Lo­kales" am 17. d. M. Folgendes mittheilte:

„Ueber Offenbach höre ich, daß die ultramontane Presse in Fulda verbreitet, einer der Redner unserer neulich hier abgehaltenen Altkatho- liken-Verfammiung, Herr Nägler aus Offenbach, sei bei dieser Ver­sammlung mit Koth beworfen worden rc."

Auf diese Nachricht hin bin ich vollkommen berechtigt zu schreiben: „Wenn von den Ultramontanen in der Fuldaer Ztg. die Nachricht verbreitet worden ist, Herr Dr. Nägler aus Offenbach sei mit Koth beworfen worden, so rc."; denn mir ist nur die Fuldaer Ztg. als Organ der Ultramontanen in Fulda bekannt. Selbst für den Fall, daß meine Quelle keine unfehl­bar verläßliche ist und Alfts auf einem Irrthume beruhen sollte, trifft mich kein Vorwurf, da ich nur bedingt geschrieben habe. Die Auffor­derung, in der Fuldaer Ztg. die betreffende Stelle innerhalb 2 Tagen zu bezeichnen, resp, zu suchen, ist schon mehr wie naiv. Erstens halte ich mich dazu nicht verpflichtet und zweitens steht mir das Blatt nicht zu Gebote. Will jedoch der freundliche (?) Leser der F. Z. mir schrecklich werden.und durch Zusendung der Nummern des letzten Mo­nats ein Attentat auf meine Zeit und Vernunft bezwecken, so gestehe ich ihm offen und ehrlich, daß ich selbst, wenn er ein Fläschchen Eau de Cologne gratis beifügt und der Quack 14 Tage hindurch deèinficirt ist, schwerlich mich entschließen könnte, in die mir gestellte Falle zu gehen. Was kommt nämlich in der Regel heraus? Daß vielleicht die Notiz lautet, „Herr N. aus Offenbach sei beworfen worden." Natür­lich wäre damit gar nichts bewiesen, da in Offenbach viele N. existiren. Diese Kunststückchen im Verdreheu und Ableugnen von Seiten der Je­suitenpartei sind zur Genüge bekannt und Harmoniken mit der famosen Vorschrift: „Si fecisti nega!" d. h.: „Wenn Du es auch gethan hast, so lüge nur frisch drauf los, wenn es im Dienste der h. Kirche und zur höheren Ehre Gottes nothwendig ist."

Ich bin weit entfernt, dem freundlichen Leser der Fuldaer Ztg. solche Moral zuzuschreiben, warne ihn aber vor der sauren Arbeit, die Schwarzen weiß zu waschen. Will er übrigens noch ein Tänzchen in den Spalten dieses Blattes rièkiren, so stche ich zu Diensten, da noch einige Melodien in Vorrath sind. L.

Auszüge aus dem Oeffeutlicheu Anzeiger zum Amtsblat der Köuigl. Regierung zu Cassel.

Schlüchtern. Nachdem der Testamentserbe des verstorbenen Bi­bliothekars Emil Hadermann von hier dessen glaubhaft überschul­dete Erbschaft ausgeschlagen hat, so wird Termin zum Güteversuch und zur summarischen Schuldenliquidation auf den 8. Januar 1875, Mor­gens 9 Uhr, an Königl. Amtsgericht zu Schlüchtern anberaumt.

Seckbach. Auf Antrag eines Pfandgläubigers sollen die auf den