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M 298.

Dienstag den 22. Dezember.

1874.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Aufgefangen. Im Walde bei der Pulverfabrik eine fette Sau; der Eigenthümer kann dieselbe im Gasthaus zu den 3 Rindern in Empfang nehmen.

Hanan am 22. Dezember 1874.

T K g e K f ch a N.

— Der Kaiser hat am 16. dem vom Kaiser von Japan zum außerord. Gesandten und bevollm. Minister beim D. Reiche ernannten Herrn Siuzo Aoki eine Privataudienz ertheilt und aus dessen Händen ein Schreiuen seines Souveräns entgegengenommen, wodurch er in der gedachten Eigenschaft beglaubigt wird.

— Dem am 1. d. M. vom Reichstage gefaßten Beschluß, den Reichskanzler zu ersuchen, er möge den Reichskommissär für das Aus­wanderungswesen zur Einreichung eines Berichts über seine seitherige Thätigkeit veranlassen, ist bereits Gmüge geschehen, indem der Bericht gedruckt vorliegt. Der Kommissär hat das Auswanderungswesen in Hamburg, Bremen, Gestemünde, Stettin und Swinemünde zu über­wachen. In Ausführung dieser seiner Pflichten hat er die mit Aus­wanderern ausgehenden Schiffe die Auswanderersegllfchiffe fast aus­nahmslos, die Dampfschiffe, soweit es sich ermöglichen ließ, stets per­sönlich revidirt, und zwar hat derselbe in fast allen Fällen den S itens der angestellten Behörden vorgenommeneu Schiffs- und Psuwiantrevi- sionen beigewohnt. In dem Berichte werden die Resultate seiner auf diese Weise entfalteten Thätigkeit ausführlich dargelegt. Durch die Amtsthätigkeit des Reich-kommissärs ist auch in allen Auswanderer befördernden Bundesstaaten eine genauere und praktischere Handhabung der zum Schutze der Auswanderer daselbst bestehenden Verordnungen und Bestimmungen erzielt worden.

— Eine häufig wiederkehrende Beschwerde des Publikums besteht darin, daß auf Erkundigungen an Personenbilletschaltern und bei Leu Güter-Expeditionen über Reiserouten, Frachtsätze und dergleichen von den Beamten öfters ungenügende oder unrichtige Auskunft ertheilt wird. Das Reichs-Eisenbahn-Amt hat Veranlassung genommen, sämmtliche Eisenbahnverwaltungen Deutschlands (exkl. Bayerns) darauf aufmerksam zu machen, daß, wenn es auch im Allgemeinen dem die Eisenbahn be­nutzenden Publikum überlassen bleiben muß, sich aus den publizirten Tarifen, Fahrplänen und sonstigen Bestimmungen über die zweckmäßigste Art der Benutzung der Eisenbahnen und üaer die Höhe der Sätze zu informiren, sich doch die Verwaltungen und ihre Organe nicht werden entziehen können, dem Publikum auf Verlangen über die erwähnten Transportverhältnisse ausführliche Belehrung zu ertheilen. Diese könne aber ihren Zweck nur erfüllen, wenn sie durchaus genau und zuverlässig sei, und liege es — ganz abgesehen von der Frage, ob und inwieweit die Verwaltungen für die Seitens ihrer Organe ertheilte Auskunft ein­zustehen haben — ebenso sehr im Interesse der Bahnen, wie des Pu­blikums, daß dabei keinerlei Unrichtigkeiten unterlaufen. Neben der bereits zur Pflicht gemachten Ausrüstung dec Expeditionen rc. mit dem für Belehrung des Publikums nöthigen Material werden dieselben auch anzuweisen fein, bei eigener ungenügender Information oder in zweifel­haften Fällen zum Zweck pflichimäßiger willfähriger Auèkunftsertheilung schleunigst erst Instruktion der betreffenden vorgesetzten Dienststelle ein­zuholen.

Das Reichs-Eisenbahn-Amt hat die Bahnverwaltungen ferner ba= rauf aufmerksam gemacht, daß die Seitens der Güter-Expeditionen auf die Frachtbriefe zu setzenden Vermerke häufig lückenhaft und unkorrekt sind. So fehlen insbesondere die Stempel der Ausgabe-, Uebergangs- und Ankunfts-Stationen nicht selten gänzlich; noch häufiger sind diese Stempel so undeutlich ausgedrückt, daß der Name der Station, sowie das Datum nicht oder doch nur mit Mühe zu entz ffern ist. Ebenso vermißt man in den zur „Notc" gehörigen Kolonnen des Frach briefes fast regelmäßig beu vorgefchnebenen Eintrag des Einheits-Frachtsatzes und hin und wieder bei gebrochener Kotierung den Vermerk der Sta­tionen, bis zu welchen die einzelnen Sätze, aus welchen sich die Ge- sammtfracht zujammeiisetzt, berechnet wurden.

Wenn Seilens der Eisenbahnoerwaltungen mit Recht darauf ge­

halten wird, daß Seitens des Publikums das Frachtbrief-Formular den Bestimmungen des Reglements entsprechend ausgefüllt werde, so dürfe mit gleichem Rechte von den Eisenbahnverwaltungen erwartet werden, daß die zur Orientirung des Publikimis und zur Kontrole über den pünktlichen Vollzug des Frachtvertrages bestimmten bahnsei­tigen Vermerke auf dem Frachtbriefe vollständig und so deutlich einge­tragen werden, daß der dadurch beabsichtigte Zweck erreicht wird.

Es wird den Eisenbahnverwaltungen empfohlen, diesem Gegen­stände ihre ernstliche Aufmerksamkeit zuzuwenden und Zuwiderhandlungen ihrer Bediensteten nachdrücklich zu ahnden. <X «• Su-Auz.)

— Der „Köln. Ztg." schreibt man: In gut unterrichteten Kreisen erzählt man sich als Grund zur Aufregung des Fürsten Bismarck noch Folgendes: „Die Polizei hat Bisma.k unter der Hand mitgetheilt, daß sie einem Attentat gegen ihn auf der Spur ist und hat ihn dringend ersucht, sie in Kenntniß zu setzen, wenn er ausgehe oder in dem Thier­garten spazieren gehen wolle."

— Elberfeld, 18. Dec. Der Kommerzien-Rath Eduard Neviandt hierselbst hat aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit der Stadt Elbersild 100,000 Mark gleich 33,333* /s Thlr. mit der Bestimmung zur Verfügung gestellt, daß diese Summe zum Bau eines städtischen Asyls für alleinstehende, unbescholtene, altersschwache, resp, arbeitsun­fähige Bürger Elberfelds beiderlei Geschlechtes, zu deren Unterhalt die Stadt verpflichtet ist, verwendet werde.

— M. Redwitz, 18. Dez. Gestern stürzte von einem im Bau begriff neu Tunnel unwet Waltershof eine Wölbung zusam neu und begrub 5 Arbeiter, die sofort ausgegraben und theils mehr, theils we­niger schwer verletzt in die K aukenhäufer von Redwitz und Walters­hof verbracht wurden.

— Bern, 21. Dez. Der Ständerath hat, dem Beispiele des Nationalrathes folgend, einstimmig den Weitpostvertrag ratifizirt. — Der Bundesrath genehmigte eine Vereinbarung mit den Postverwaltungen Deutschlands, betreffend die Einführung internationaler Postmandate.

(N. Frytr. Pr.)

— Wien, 15. Dec. Man unterhält sich vielfach über die Rückwirkungen, welche in unseren officiellen Kreisen von den in Veran­lassung des gerichtlichen Verfahrens wider den Grafen Arnim zur öffentlichen Kenntniß gelangten Staatsdepeschen ausgehen. Es wird erzählt, daß auch in jenen hohen Kreisen, welche wenigstens sehr leicht in Vorurteile und Empfindlichkeiten gegen das Verfahren des deutschen Reichskanzlers zurückfallen, angesichts der vertraulichen Darlegungen des Fürsten Bismarck zugegeben werden müsse, man habe es bei ihm keineswegs mit diplomatischen Capricen â la Talleyrand zu thun — sondern man stehe vor einem äußerst streng und folgerichtig entwor­fenen politischen System, welches allerdings in hohem Grade national, aber in gleichem Maße friedlich sei. Freilich wird man sich erinnern müssen, welche Ammenmärchen über den Inhalt beriethen Depeschen un­mittelbar nach vorgenommener Verhaftung des Grafen hier in gewissen Preßorganen verbreitet und auch in ernsten Kreisen nicht ganz un­gläubig ausgenommen wurden; was alles von Ränkon wider Oester­reich, die deutschen Bundesstaaten und den Frieden erzählt wurde. Vergegenwärtigt man sich, daß solche Gerüchte durch bie auffällige Haltung mehrerer sonst dem deutschen Reiche nicht feindlichen Blätter eine nachdrückliche .Beglaubigung zu erhalten schienen, so wird der durch den plötzlich erlangten Einblick in das innerste Wesen der deutschen Politik zuwege gebrachte Umjchvung sich leicht errathen lassen. Da überdies gerade die Politik des deutschen Reichskanzlers Frankreich ge­genüber von Seiten des Wiener Kabinets fortdauernd mit begreiflichem Antheile verfolgt wurde, so ist man in der Lage, die persönlichen Er­öffnungen des Fürsten Bismarck während seines Wiener Aufenthalt in seinen vertraulichen Erlassen zu konti olliren. Und man erklärt diese Aufschlüsse für um so bebeutfamer, als man nunmehr das Material hat, sich auch die künftige Politik des deutschen Reichs zu konftruiren. „Man kam es ohne Stupidität nicht leugnen," sagte ein einflußreicher Mann, „die deutsche Polit k ist seit dem Frieden vollkommen defensiv; wären diese Depeschen in irgend anderer Weise dem europäischen Pu­blikum vorgelegt worden, so hätte man sie für äußerst virtuose Wider-