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noch die im gegenwärtigen Augenblick doppelt schwer wiegende Bedeutung, daß sie dem in sogenannten höheren Kreisen weitverbreiteten Klatsch von einer allgemeinen Verfolgung des Haufes Arnim und der daraus gefolgerten Solidarität des ganzen Geschlechts mit dem früheren Gefandten und jetzigen Angeklagten das handgreifliche Dementi gibt. Von einer Staatsregierung, der er ungerechte Verfolgungssucht gegen seinen Schwager zum Vorwurf machen müßte, würde Graf Arnim-Boitzenburg auch das höchste Amt sich nicht annehmen.
(«ui«, «ite.)
— Berlin, 12. Dez. Der Reichskanzler hat dem Bundesrathe eine Denkschrift des Reichseisenbahnamtes vom 3. Dezember überreicht, betreffend Reform und Erhöhung der Eisenbahntarife und befürwortete Anträge des ReichèeisenbahnamteS, wonach die Ausführung der Bundesrathsbeschlüsse vom 11. Juni betreffend die zu Neujahr beabsichtigte Einführung des UebergangstarifiSystems sistirt, die provisorische Tariferhöhung, ausgenommen für Vieh, Spiritus und Zucker, bis auf Weiteres gestattet wird, und spätestens zu Neujahr 1876 ein der Reichsverfassung entsprechendes, einheitliches und einfaches Tarifsystem
eingeführt werden soll.
(R. treatf. Pr.)
- Berlin, 12. Dez. Im nächsten Monat steht, wie man hört, wieder eine Zusammenkunft der Commission für Ausarbeitung des deutschen Civilgesetzbuchs bevor, um den Bericht der zu Redactoren der einzelnen Theile des Werkes ernannten Commisssonsmitglieder entgegen zu nehmen und für die weitere Arbeit die maßgebenden Normen aufzustellen. Die fünf Redactoren der einzelnen Rechtsgebiete (Obertribunalsrath Johow in Berlin, Appellationsgerichtsrath Plank in Celle, Obertribunalsdirektor von Kübel in Stuttgart, Ministerialrath Gebhard in Carlsruhe und Ministerialrath Schmitt in München) sind seit einigen Wochen sämmtlich nach Berlin übergesiedelt, wie es auch durch Bundesrathsbeschluß angeordnet war, um sich ungetheilt ihrer Aufgabe widmen
zu können.
(Trib.)
— In der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses am 30. Januar 1873 erklärte Fürst Bismarck, daß, sobald sich die Zustände etwas friedlicher gestaltet hätten, die Möglichkeit der Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in Berlin nahe liegen würde. Wie der „D. A. 3" aus gut unterrichteten Kreisen versichert wird, hat der Reichskanzler nunmehr diese Möglichkeit vollständig aufgegeben.
— Majunke verhaftet. Die „Germania" schreibt vom 11. d. M. an der Spitze ihres Blattes: „Unser Chefredacteur, Herr Majunke, ist heute Vormittag kurz nach 11 Uhr auf das hiesige Polizeipräsidium eingeladen und dort zur Verbüßung der bekannten gegen ihn rechtskräftig gewordenen einjährigen Gefängnißstrafe verhaftet worden. Das Haftmandat, welches ihm vorgezeigt wurde, ist vom Stadtgerichtsdirector Reich unterzeichnet. Herr Majunke wurde mitten aus seiner Redactionsthätigkeit abgeholt, während seine Collegen im Reichstage ihre heutige Sitzung, zu welcher er eben gehen wollte, bereits begonnen hatten. Morgen werd er nach Plötzensee übergesiedelt." (Trib.)
— Wie der „Post" aus Wien gemeldet wird, erklärt die „Neue Freie Presse", sie gest, he rückhaltlos ein, sich in dem Werth des Grafen Harry Arnim getäuscht zu haben. Nach den bis jetzt vorliegenden Prozeßverhandlungen sei er schon heute, wenn auch die juristische Entscheidung noch auèstehe, politisch gerichtet. Diese Schwenkung macht, wie der betreffende Correspondent mittheilt, in Wien großes Aufsehen.
•— Wien, 9. Dez. In der letzten Sitzung des Reichsrathes war das Kultus- und Unterrichtsministerium der Gegenstand eines so allgemeinen und ziemlich nachdrücklichen Angriffes, wie ein solcher hier in den sanft verlaufenden Verhandlungen fchon lange nicht vorgekommen ist. Gegenstand der Verhandlung war das Budget für Kultus und Unterricht. Zehn Redner sprachen an dem einen Tage in der Generaldebatte, und unter Allen fand sich kein Einziger, der sich des hart bedrängten Kultusministers angenommen hätte. Von klerikaler und staatsrechtlicher Seite wurde Herr v. Sir mayr der Lntchristlichung und der Germanisirung der Schulen geziehen. Von den Liberalen hingegen trat man entschiedener gegen ihn auf. Es wurde die Ausführung der bestehenden konfessionellen Gesetze verlangt. Mehrere Redner gaben bestimmte Fälle an, in welchen nicht nur der Kultusminister allein, sondern das Gesammtministerium als in der Nachgiebigkeit gegen den Episkopat gar zu weit gehend erschienen. Bezeichnender als die ausführlichsten Darstellungen dieses Themas ist eine Aeußerung des Kultus- und Unterrichtsministers selbst. Herr von Stremayr wurde wegen der Maßregelung eines geistlichen Abgeordneten interpellirt, und da antwortete derselbe: Er könne auch nicht thun, was er wolle, ihm seien die Hände gebunden! Erwöhnenswerrh ist unter Anderem die Abfertigung, welche einem slovenischen Abgeordneten von dem Abg. Fux zu Theil wurde. Ersterer kam auf den Deutschmeister an der Spree zu sprechen. Da antwortete Fox: „Lassen Sie den Deutschmeister an
I der Spree in Ruhe, denn der Deutschmeister ist zugleich ein tüchtiger und wackerer Jesuitenmesser." Redner führte auS, daß die in Deutschland angestrebte sittliche und soziale Entwickelung allen Kulturnationen, auch den österreichischen zu Gute kommen werde. Im Allgemeinen aber haben die Klagen der Ultramontanen so wenig irgend welche Wirkung hervorgebracht, wie die liberalen Angriffe. Das Band, mit welchen die Hände des Herrn v. Stremayr gebunden sind, konnten auch diese nicht zerhauen, und so bleibt alles beim Alten. (Sch», eiert)
— Bayonne, 12. Dez. General Loma wurde bei dem Sturm auf Urbieta leicht verwundet, nahm aber Urbieta und brachte die Nacht in Andoain zu. Die Siegesnachricht der Carlisten ist daher unbe- gründet. ________________________
— Die „Neue Frkftr. Pr." schreibt unterm 13. Dezember aus Frankfurt a. M.: Graf Wilzeck, der eifrige Förderer der Oesterreichi- schen Nordpolfahrt, sowie die beiden Nordpolfahrer Weyprecht und Dr. Kepees befanden sich gestern hier.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 14. Dezember 1874.
— Morgen Vormittag 11 Uhr hält der Kreisverein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger im Gasthause zum Riesen eine Generalversammlung ab.
Versteigerung^ & Verpachtungs-Kalender.
Morgen (15.) Vormittag 10 Uhr beginnend, läßt Herr Fasanenmeister Linck unter vorher bekannt zu machenden Bedingungen in der kleinen Wirthschaft zu Wilhelmsbad das in der Fasanerie gefällte Holz, aus Kiefern-Siammprügel, -Erdstöcken und -Zopfreis-Wellen bestehend, öffentlich meistbietend versteigern.
— Herr Rentner Friedrich Zimmer erkauft das Hüge'sche Haus in der Bebraer Bahnhofsstraße um die Summe von 30,000 fl.
— Zu der gestern abgehaltenen öffentlichen Jahresversammlung der Wetterauischen Gesellschaft hatten sich viele Zuhörer und darunter eine größere Anzahl Damen eingefunden, welch letztere mit großem Jnteresfe dem Vortrag des Herrn W. C. Heräus über „die Chemie der Küche" folgten. Ist auch vieles von dem Vortrage unseren Hausfrauen bereits bekannt gewesen, so war doch auch so mancher Fingerzeig darin enthalten, der sehr nutzbar verwerthet werden kann; dieser Vortrag erfreute sich deshalb allgemeinen Beifalls. Ebenso interessant waren die Mittheilungen des Herrn Professor Dr. Lucae (zweiter Direktor der Wetterauischen Gejellschast) über die vor Jahrtausenden stattgehabte Existenz von Thieren, die jetzt nur in heißem Klima leben, im kalten Sibirien, als Elephant rc., und wurde das Haar eines solchen Thieres, welches Anfangs dieses Jahrhunderts in einem Eisberge dortselbst entdeckt wurde, vorgezeigt; weiter sprach Herr Prof. Dr. Lucae in für Jeden verständlicher Weise über die Entwickelungsgeschichte des Menschen.
Dem Festessen am Abend im kleinen Saale der großen Krone wohnten einige 40 Personen bei, darunter auch mehrere Mitglieder der Wetterauischen Gesellschaft zu Offenbach. — Eine Menge Reden und Toaste, worunter wir den von Medizinalrath Dr. von Möller auf Se. Majestät den Kaiser, von Dr. Fliedner auf den Fürsten Bismarck, von Dr. D u n cker auf die Wetterauische Gesellschaft, Professor Dr. Lucae auf den Geschichtsverein, Pfarrer Rull mann auf die Bewohner Hanau's, Medizinal-Assessor Dr. Beyer auf die Gäste und Fabrikanten Martin Krug auf den Präsidenten der Wetterauischen Gesellschaft Medizinalrath Dr. v. Möller, herausheben wollen, veranlaßte eine sehr gemüthliche und heitere Stimmung.
— Kassel, 12. Dez. Aus Prag wird telegraphisch gemeldet: Im Krankheitszustande des Kurfürsten ist eine Verschlimmerung eingetreten, die Schwäche nimmt überhand, wenig Schlaf und Eßlust ist vorhanden. (£age«i>ft)
— Fulda, 12. Dez. Am 3. Januar wird im Regierungsbezirk Wiesbaden, zu Limburg, Ems oder Oberlahnstein, eine allgemeine Landesversammlung wegen der neuen Städte- und Gemeindeordnung stattfinden. Auch bei uns in Kurhessen steht eine zu Gunsten der Erhaltung unserer Gemeindeordnung vom 23. Oktober 1834 wahrscheinlich in Cassel zu veranstaltende allgemeine Landesversammlung demnächst in Aussicht. Einstweilen möge unsere Bürgerschaft ihr Interesse für die Erhaltung unserer hessischen Gemeindeordnung durch rege Behelligung an der Unterzeichnung der diesbezüglichen an das Ministerium des Jn-
nern zu richtenden Adressen bethätigen.
(Fuld. A.)
Aechte
Niintaoer Lebkuchen
iLm neuer Spicgelschrank ist veränderter
Verhältnisse wegen preiswürdig zu verkauf. Näheres in der Expedition.(
ThermometerstanL.
12. Dec.: Höchster Stand des Thermometers + 5°, Abends 7 Uhr + 41 /s0; 13. December. : Morgens 7 Uhr + 3°, Vormittags 10 Uhr + 3«/?, höchster Stand + 5°, Abends 7 Uhr 4°; 14. Dec.: Morgens 7 Uhr + 3°, Vormittags 10 Uhr -l- S1^0.
^^hltippsruher Allee Nr. 4 ist eine große 4^ Partie geschnittenes Brennholz, ganz oder
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