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Hamner Anzeiger.

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Freitag den 1L Dezember.

1874.

Tagesschau.

Berlin, 10. Dec. Im ferneren Verlaufe der gestrigen Sitzung des Deutschen Reichstages erledigte derselbe zahlreiche Wahl- prüfungen. Die Wahlen der Abgg. Graf Moltke, von Woedtke, Dr. Haenel, Graf Preysing, Fenner wurden für gültig erklärt, die der Abgg. von Puttkamer-Lyck und Graf Hompesch beanstandet.

Es folgte die erste Berathung des Antrages des Abg. Prosch: Der Reichstag wolle beschließen: dem nachstehenden Gesetzentwürfe seine Zustimmung zu ertheilen :

Gesetz, betreffend das Alter der Großjährigkeit.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen re. verordnen im Namen des Deutschen Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bun­desrathes und des Reichstages, was folgt:

§ . 1. Das Alter der Großjährigkeit beginnt im ganzen Umfange des Dent- fchen Reichs mit dem vollendeten ein und zwanzigsten Lebensjahre.

§ . 2. Dieses Gesetz tritt mit dem 1. Januar 1876 in Kraft.

Der Buudeèbevollmächtigte Legations-Rath von Bülow erklärte sich im Ganzen mit dem Anträge einverstanden. Nach einer längeren Debatte der Abgg. v. Schorlemer-Alst, Dr. Lasker, Dr. Braun, Windt- Horst und Dr. Prosch wurde der Gesetzentwurf, über welchen sich auch der Großherzoglich mecklenburgische Bundesbevollmächtigte, Legations- Rath von Bülow, und der Bundeskommissar, der Großherzoglich meck­lenburgische Ober-Appellationsgerichts-Ruth von Amsberg, geäußert hatten, in erster und zweiter Berathung erledigt.

Ohne erhebliche Debatte wurde der Antrag des Abg. Stenglein, betreffend die Umänderung von Aktien in Reichswährung, in erster Le­sung erledigt und an eine Kommission von 7 Mitglieder verwiesen. Schluß 4/2 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr. oh. ». st. «.,

Berlin, 8. Dez. Der Kaiser hat auf das Gesuch des Di­rektoriums des German. Museums gestattet, daß zu der von demselben zum Besten des Wiederaufbaus des abgetragenen Augnstinerklosters mit Genehmigung der bayer. Regierung zu veranstaltenden Lotterie von Kunstwerken auch im Preuß. Staatsgebiete Loose vertrieben werden dürfen. Das Reichskanzleramt hat auf den dahin zielenden Antrag des Dr. A. v. Lasaulx in Bonn demselben eine Summe von 1200 Mark bewilligt, um im Einvernehmen mit der kais. Generaldirektion der Telegraphen die probeweise Aufstellung einer größeren Anzahl der von ihm zu Erdbebenbeobachtungen konstruirten Seismochrouographen auf den kais. Telegraphenstationen zu bewirken. Zunächst sollen eine Reihe von Stationen der Rheinprovinz und des Großh. Hessen mit den Apparaten ausgerüstet werden. In den größeren Städten sollen auch die Stadtuhrmacher, die zuverlässige Ortszeit führen, dergleichen Apparate erhalten. (Pr. Bl.)

Das soeben ausgegebene 5. Verzeichniß der beim Reichstag eingegangenen Petitionen enthält u. a. eine Bitte von G. A. Binder u. Gen. in Stuttgart um Beibehaltung des Zollsatzes von 2 Thaler pro 50 Kilo für Buchbinder-Kalliko; und eine solche von Rektor Dr. Ott und dem gesammten Lehrerpersonal des Gymnasiums zu Ehingen a. D.: zu veranlassen, daß die Berechtigung zum eiuj. freiw. Militär­dienst durch den Reichstag geregelt werde. (Schw. Meri.)

Berlin, 9. Dez. Nach Berichten aus den speciell Acker­bau treibenden Gegenden unseres Staates hat sich in diesem Jahre bei der Herbstbestellung kein Mangel an Arbeitern gezeigt. Es mag diese nfreuliche Erscheinung wohl mit der Abnahme der Auswanderung in Verbindung siegen. In welchem Maße diese gesunken ist, zeigt, neben der Herabsetzung der Passage-Preise, der Umstand, daß über Bremen in den ersten 10 Monaten d. J. 28 164 Personen, gegen 60,019 Per- sonen in dem gleichen Zeitraume des Vorjahres befördert worden sind; nie Auswanderung ist also nicht mehr halb so groß als früher.

Am 9. ds. Nachmittag gegen 5 Uhr ist auf dem Telegraphen- Apparat der berliner Sternwarte folgende Depesche von der deutschen Expedition in Jspahan zur Beobachtung des Vorübergangs der Venus vor der Sonne emgegangen:

Prof. Föerster Berlin.

Unter sehr ungünstigen Witterungsnerhältnissen heut neunzehn brauchbare, photographische Aufnahmen gewonnen. Kont^hbeobach- tung durch Wolken wesentlich gehindert. Fritsch.

Hiernach ist in Jspahan trotz erschwerender Verhältnisse ein ge­nügendes Resultat erreicht worden, da neunzehn photographische Auf­nahmen eine hinreichend sichere Grundlage für die Messungen bieten werden.

Ferner liegen folgende telegraphische Meldungen desW. T. B." von den Stationen der ausländischen Expeditionen vor:

Jassy, 9. Dezember, Vormittags 10 Uhr 30 Minuten. Das Ende des Venusdurchgangs ist hier durch Weiß und Oppolzer mit Erfolg beobachtet. Beim Anfang war starker Nebel.

Kopenhagen, Donnerstag, 10. Dezember. Aus Wladiwo- stock wird durch dieGroße Nordische Telegraphengesellschaft" vom gestrigen Tage hierher gemeldet, daß die dort angestellten Beobach­tungen des Venusdurchgangs wegen trüben nebligen Wetters wenig erfolgreich gewesen. Doch gelang es dem Professor Hall (Amerika­ner) eine Anzahl photographischer Aufnahmen herzustellen.

London, Mittwoch, 9. Dezember. DasReutersche Bu­reau" meldet, daß die Beobachtung des Venusdurchganges durch den Führer der englischen Expedition nach Ostindien, Oberst Tennant, glücklich von Statiken gegangen ist. Es gelang, eine große Anzahl photographischer Aufnahmen herzustellen.

London, Mittwoch, 9. Dezember, Abends. DemReuter- schen Bureau" wird aus Suez und Kairo gemeldet, daß die dort mit Hülfe des Teleskops und des Mikrometers angestellten Beobachtungen des Venusdurchganges von Ersolg begleitet gewesen sind. Außer­dem wurden in Theben photographische Aufnahmen gemacht, die außerordentlich gut gelangen.

London, Donnerstag, 10. Dezember, Morgens. Wie dem Reuter'schen Bureau" vom gestrigen Tage aus Kairo gemeldet wird, sind die von der englischen Expedition angestellten Beobachtungen des Venusdurchganges vollständig gelungen und 50 Photographien ausgenommen worden. Aus Nagasaki geht ebenfalls die Nachricht ein, daß die Beobachtung bei völlig klarem Himmel günstig verlau­fen ist.

Kalkutta, Mittwoch, 9. Dezember. Die hier angestellten Beobachtungen des Venusdurchganges sind vollständig gelungen. Der Eintritt des Centrums erfolgte um 7 Uhr 56 Minuten, der Aus­tritt fand um 12 Uhr 13 Minuten statt. In Madras konnten wegen bewölkten Himmels nur sehr ungenügende Beobachtungen ge­macht werden. In Kurraschee erfolgte die erste Berührung der äußeren Ränder noch vor Sonnenaufgang um 6 Uhr 10 Min. 26 Sekunden, der erste Kontakt des inneren Sonneurandes durch die Venus wurde um 6 Uhr 47 Minuten beobachtet, als die Sonne sich ungefähr zum fünften oder vierten Theil ihres Durchmessers über dem Horizont befand. Die zweite Berührung des inneren Sonnen­randes beim Austritt der Venus fand gegen 10 Uhr 35 Min. statt. Die letzte Berührung der äußeren Ränder erfolgte gegen 11 Uhr 3 Minuten. Die Venus hatte zu diesem Zeitpunkte ihre höchste Ele­vation fast erreicht. (R.«. St.-Anz.)

Da in einzelnen Fällen Standesbeamte haben bestellt werden müssen, welche außerhalb ihres Standesamtsbezirks wohnhaft sind, für Fälle dieser Art es aber nicht angemessen erscheint, die Verwahrung der Nebenregister dem Gerichte des Wohnortes dec Standesbeamten aufzutragen, so hat der Minister des Innern im Einverständnisse mit dem Justiz-Minister, unter Abänderung des Ei lasses vom 8. Juni cr. un­term 2. d. M. bestimmt, daß die Verwahrung der Nebenregister bei demjenigen der in jener Verfügung bezeichneten Gerichte zu erfolgen hat, innerhalb dessen der Standesamtsbezirk liegt, wenn aber der letztere Bezirk mehreren Gerichtèbeziiken angehört, bei demjenigen Gerichte, welches der Justiz-Minister in Uebereinstimmung mit dem Minister des Innern bezeichnen wird.

Mainz. DasMainz. Tagbl." berichtet folgenden Fall von Unverstand. Ein Taglöhner fühlte sich unwohl, der Arzt verordnete 25 Pülverchen nach und nach einzunehmen, der Patient aber ließ sich einen halben Schoppen Schnaps holen, schüttete die sämmtlichen Pul­verchen hinein und trank das Gemengsel auf eimal. Die Folge war