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M 284.
Samstag den 5. Dezember.
1874.
Die zweite Lehrerstelle an der Schule in Praunheim ist vacant. Die dortigen Lehrer beziehen ein Einkommen von 280—330 Thlr., nebst freier Wohnung und 30 Thlr. für Feuerung.
Bewerber um dieselbe wollen ihre deshalbigen mit den nöthigen Seminar- und sonstigen Zeugnissen versehenen Meldungsgesuche binnen 3 Wochen an den unterzeichneten Schulvorstand einreichen. ^Hanau und Praunheim, den 3. Dec. 1874.
W Namens des Schulvorstandes:
___ _ Der Landrath.
Gefunden. Am 24. v. Mts. auf der Straße zwischen Langendiebach und Ravolzhausen ein viereckiger von Weiden geflochtener Packkorb. Der Eigenthümer kann denselben beim Herrn Bürgermeister Konradi zu Langendiebach in Empfang nehmen; ein schwarzes Moirè- band; ein weiß und roth carrirtes Taschentüchelchen; ein blauer Handschuh ; ein Portemonaie mit Geld.
Zugelaufen. Ein schwarzer Spitz.
Hanau am 5. Tec. 1874.___________________________
Tagesschau.
— Der „R. u. St.-A " veröffentlicht das Gesetz über den Markenschutz. Vom 30. November 1874.
— Berlin, 4. Dec. Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sitzung des Deutschen Reichstages motivirte der Abg. Pogge (Schwerin) den von den Abgg. Dr. Baumgarten und Genossen gestellten Antrag auf Einschaltung eines Verfassungsartikels, welcher jedem Bundesstaate eine aus Wahlen der Bevölkerung hervorgehende Vertretung, deren Zustimmung bei jedem Landesgesetz und bei der Feststellung des Staatshaushalts erforderlich ist, garantirt. Der Abg. Haupt erstattete im Anschluß an diese Rede Namens der Petitionskommission Bericht über eine Reihe von Petitionen aus Mecklenburg, welche vom Reichstag eine Intervention Zwecks Herbeiführung einer konstitutionellen Verfassung verlangen, da bei dem prinzipiellen Widerstande der Ritter- fchast ohne Hülfe des Reiches die mecklenburgische Verfassnngèfrage überhaupt nicht gelöst werden könne. Auf ähnlichen Verhältnissen ist eine Petition aus Fürstenthum Lippe basirt. Die Kommission stellt den Antrag, dem Gebrauche des Hauses folgend, die betreffenden Petitionen durch den heutigen Beschluß des Hauses für erledigt zu erklären. Hierauf nahm der Großherzoglich mecklenburgische Bundesbevollmächtigte Legations-Rath v. Bülow das Wort. Nachdem auch der Abg. von Kardorff für, und der Abg. Windlhorst gegen den Antrag gesprochen hatte, wurde die erste Lesung geschlossen. In der dann folgenden zweiten Lesung erklärten sich die Abgg. Dr. Braun für, Flügge gegen, Wiggers für den Antrag, welcher demnächst gegen die Stimmen der Konservativen, des Centrums, der Elsässer und Polen angenommen wurde. Schluß 5 Uhr.
Inder heutigen (24.) Sitzung des Deutschen Reichstages wurden zunächst mehrere Schreiben des Reichskanzlers verlesen. In dem ersten derselben wurde von der Wiederwahl des Freiherrn von Heere- mann-Zuydwyk im zweiten Wahlkreis des Regierungsbezirks Münster Mittheilung gemacht, im zweiten um die Ertheilung der Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung verschiedener Personen aus dem Königreiche Bayern wegen Beleidigung des Reichstages nachgesucht, mit dem dritten die Baupläne für einen Neubau des Dienstgebäudes des Auswärtigen Amtes übersandt, welche der Präsident von Forckenbeck auf den Tisch des Hauses zur Einsicht niederlegen ließ, In einem vierten ^"sâ , angezeigt, daß in dem Etat für das Auswärtige Amt die Ausgabe für den Deutschen Gesandten beim päpstlichen Stuhle in Rom (53,100 Mark) zurückgezogen werde. Sodann wurden noch folgende Schreiben von Mitgliedern des Hauses verlesen: ein Schreiben des Abg Dr. Friedenthal, welcher sein Amt als Mitglied der Reichsschul- venkommission in Folge seiner Ernennung zum Königlich preußischen Staats-Minister und Minister für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten niedergelegt. Der Präsident v. Forckenbeck zeigte an, daß er die Neuwahl eines Mitglieds der Reichsschulbenkommijsion an Stelle des Abg. v. Firedenthal auf die Tagesordnung einer der nächsten Plenar- fitzungen setzen werde. — Ferner wurde ein Schreiben der elsässischen
Abgeordneten Winterer, Simonis, Guerber und v Schauenburg verlesen, welche erklären, daß sie in Folge der durch den Erlaß vom 29. Oktober 1874 in Elsaß-Lothringen geschaffenen Lage an den Berathungen des Etats für Elsaß Lothringen in der Kommission nichttheilnehmen werden. Nach dem Vorschläge des Präsidenten v. Forckenbeck, der es für zweifelhaft erachtete, ob die Niederlegung des Amtes als Mitglied einer Kommission nach der Geschäftsordnung zulässig sei und überdies in dem besagten Schreiben eine Niederlegung eines solchen Amtes nicht ausdrücklich ausgesprochen fand, wurde dieses Schreiben der Geschäftsordnuugs-Kommission zur Berichterstattung überwiesen. — Hieraus wurde die zweite Berathung des Reichshaushalts-Etats für 1875 fortgesetzt. Bei Tit. 21, Position 1 (33,300 Mark zur Herstellung von Veröffentlichungen des Statistischen Amts) erhob der Abg. Dr. Reichensperger (Crefeld) bei Schluß des Blattes Beschwerde darüber, daß in den Veröffentlichungen des Statistischen Amts in letzter Zeit in wenig objektiver Weise von den Ultramontanen die Rede gewesen sei. (R. u. et. A.)
— Berlin, 4. Deb. Die Morgenzeitungen bestätigen, daß der Oberpräsident der Provinz Schlesien, v. Nordenflycht, wegen seines Verhaltens bei Ausführung der Kirchengesetze zur Disposition gestellt wurde. (N. Franls. Pr.)
Patent-Ertheilung.
Dem Ingenieur Richard Bredo zu Magdeburg unter dem 30. November 1874 auf eine durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene Vorrichtung an Sicherheitsventilen zur selbstthätigen Arreti- rung bei Entlastung durch Stöße und Schwankungen, ohne Jemand in der Benutzung bekannter Theile zu behindern,
den Herren Wirth und Comp. zu Frankfurt am M. unter dem 1. December d. I. auf eine durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene Strickmaschine, soweit dieselbe als neu und eigenthümlich erkannt ist,
auf drei Jahre, für den Umfang des preußischen Staates.
— Einer Bonner Corresponoenz des „Frankf. Journal" zufolge scheint in der Rheingegend Langrand-Dumonceau's Gedanke der Christia- nisirung des Capitals auf der Tagesordnung der Ultramontanen zu stehen. Dem genannten Blatte wird nämlich geschrieben: „Die hier projektirte katholische Bank soll laut eben publicirtem Prospekt ihre Wirksamkeit nur auf unseren Stadt- und Landkreis, sowie aus den Kreis Rheinbach ausdehnen. Aus der Absicht, durch die neue Gründung ein wirksames Agitationsmittel im ultramontanen Sinne zu schaffen, wird von den frommen Gründern gar kein Hehl gemacht, da sie offen aussprechen, das Unternehmen verfolge auch den Zweck, „jedem Bürger in der Stabt und auf dem Lande Gelegenheit zu geben, sich eine freie und unabhängige Stellung zu verschaffen und seine Selbstständigkeit in allen Fällen und nach jeder Seite hin zu wahren." Der Termin zur Feststellung der Statuten der Bank ist auf den 30. d. Mts. festgesetzt." Hoffentlich werden die Erfahrungen, welche mit ähnlichen Unternehmungen in Belgien gemacht wurden, für unsere rheinischen Mitbürger nicht verloren sein.
— Der größte Theil der vormals nassauischen Beamten, nämlich diejenigen, die nicht studirt hatten, mußten dem Staate lange Zeit gegen Tagedelder dienen, bevor sie fest angestellt wurden, wobei der Staat sich den Vortheil vorbehielt, die Zeit vor der festen Anstellung bei der Pensionirung nicht mit in Rechnung zu bringen. Diese Härte soll nun unter preußischem Regime wegfallen, wenigstens hat der Minister des Innern in einem Spezialfalle entschieden, daß bei künftigen Pensionirungen ehemals nassauischer Beamten denselben diejenige Zeit als Staatsdienst mitgerechnet werden soll, während welcher sie direkt aus Staatsmitteln bezahlt wurden.
— Das bayerische „Vaterland" und das „Katholische Kasino" in München sind jetzt ein Herz und eine Seele, während sie früher iu der erbittertsten Feindschaft lebten. Das „Vaterland" wurde nicht müde, die Schläfrigkeit und Unfähigkeit des Letzteren zu verspotten, während dafür die Kavaliere des Kasinv's gegen Herrn Sigl nach dessen eigener Klage bis an die Schwelle des Vatikans einen Vernichtungskrieg führten. Jetzt schwört das offizielle Organ des Kasino's, der