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Entwurf innerhalb der betreffenden Reichstaqskommission zwar durch- geführt und sertiggestellt werden, von einer Vorlage des Entwurfs an das Plenum des Reichstages noch während der dermaligen Session könne jedoch keine Rede sein. (Augrb. Ws-)

Karlsruhe, 1. Dez. Bei der gestern hier stattgehabten Wahl dreier Mitglieder der katholischen Stiftungs-Commission, woran die Römisch-Katholiken und die Altkatholiken sich betheiligten, wurden die Candidaten der Letzteren gewählt. (N. grants. $r.)

Mannheim. DasMannh. Tagbl." schreibt: Da gewis­senlose Speculanten den Glauben zu verbreiten suchen, von Neujahr würden die badischen Scheidemünzen nicht mehr eingelöst, so bringen wir in Erinnerung, daß nach Art. 7 des Reichsmünzgesetzes die Ein­ziehung aller deutschen Silber- und Scheidemünzen auf Rechnung des Reiches erfolgt, und daß sie nicht eher außer Cours treten, als bis eine Bekanntmachung des Bundesrathes eine Einlösungsfrist von min­destens vier Wochen festgesetzt hat. Diese Bekanntmachung muß wenig­stens drei Monate vor Ablauf der Frist erscheinen.

Einer der thätigsten Förderer der altkatholischen Bewegung im Großherzogthum Baden ist der Oberamtsrichter Beck in Heidel­berg, und es erklärt sich daraus, warum das erzbischöfliche Kapitels- Vikariat in Freiburg diesen hochgeachteten Mann mit seinem ganz be­sonderen Grolle begnadet. Es reichte denn auch beim Justizministerium eine Beschwerde über denselben ein, erhielt aber mit umgehender Post die Antwort, daß die vatikanischen Konstitutionen vom 18. Juli 1870 im Großherzogthum Baden wie in anderen deutschen Staaten keine rechtliche Geltung haben, und daß das Altkatholikengesetz vom 15. Juli d. J. die Anhänger der verschiedenen Auffassungen gleichstelle. Hieraus folge, daß eine Aufforderung zum Bekenntniß der sogenannten altka­tholischen Lehre und zur Uebernahme geistlicher Funktionen in einer altkatholischen Gemeinde von staatlicher Seite nicht als ein Abfall oder eine Aufforderung zum Abfall von der römisch-katholischen Kirche, wie sie bis zum 18. Juli 1870 bestanden und staatlich anerkannt gewesen, aufgefaßt werden könne. Die Regierung habe daher ebenso wenig Nei­gung, gegen ultramontane wie gegen altkatholische Beamte einzuschrei- ten, da ein solches Vorgehen immerhin als eine Einmischung in innere kirchliche Angelegenheiten ausgelegt werden könne. (Berl. Tagebi.)

Freising, 27. Nov. Während gestern Mitag eine Fabrik­arbeitersfrau ihrem Mann das Essen in die Fabrik trug, verbrannte sich ein rhr gehöriges, am Ofen spielendes Kind derart, daß an dessen Aufkommen gezweifelt wird. Andere noch im Hause wohnende Leute hörten wohl das Kind fürchterlich schreien, konnten aber, da die Mut­ter die Zimmerthür abgesperrt hatte, erst zu demselben gelangen, als es bereits am halben Körper verbrannt war.

Metz, 27. Nov. In dem Etat für das Jahr 1875 befindet sich ein Posten von 12,000 Mark zurUnterweisung von Lehrern in der deutschen Sprache." Das neue Regulativ verlangt nämlich auch von solchen Schulen, die vollständig im sranzös. Sprachgebiet gelegen sind, daß wöchentlich einige Stunden auf den Unterricht im Deutschen verwendet werden sollen. Der Ausführung dieser Vorschrift stand je­doch bis jetzt der Umstand hindernd im Wege, daß ein großer Theil der Lehrer selbst dieser Sprache nicht mächtig war. Die Regierung richtete daher auf Antrag der Kreisschulinspektoren schon im vergangenen Sommer iog. deutsche Unterrichtskurse ein, welche in der Weise ge­halten wurden, daß eine Anzahl von Lehrern, deren Wohnorte nahe beisammen liegen, sich wöchentlich 1 bis 2 Mal versammelte, um unter Leitung eines deutsch sprechenden Kollegen sich im Deutschen zu üben. Wie die im Etat vorgesehene Summe beweist, sollen diese Kurse nicht nur bedeutend erweitert, sondern die Theilnehmer auch für den ent­stehenden Zeitverlust entsprechend entschädigt werden. (©*». Merkur.)

Straßburg, 26. Nov. Der seit einigen Tagen eingetre­tene Frost hat die Maurerarbeiten bei den Fortsbauten zum Stillstand gebracht. Es betrifft dies namentlich die Forts auf dem rechten Rhein­ufer bei Auenheim, Neumühl und Sundheim, weil es sich bei den linksrheinischen Forts nur noch um den inneren Ausbau handelt. Die rechtsrheinischen Forts sind in ihrem Mauerbau bis zum Einwölben der Cassematten vorgeschritten; es soll dieses Einwölben aber erst im nächsten Jahre vorgenommen werden. Die Forts 2 bis 7 auf dem Hausberger Höhenrücken sind seit dem 1. Nov. mit größeren Wach­kommandos belegt; die Wohnräumlichkeiten sollten auch für die Frie­densverhältnisse von ausgezeichneter Beschaffenheit sein. Die Forts bei Wanzenau, Grafenstaden und Jllkirch sind, weil später im Bau be­gonnen, noch nicht mit Truppen belegt. Es verlautet, daß man mit Belegung dieser Forts bis zum kommenden Frühjahr warten will.

(Köln. Ztg.)

Bukarest, 1. Dez. Die Kammer wählte nahezu einstimmig den Fürsten Demeter Ghika zu ihrem Präsidenten. Die Wahl ist der Regierung günstig.

Paris, 29. Nov. DerSchw. Merk." schreibt: Nachdem Frankreich seine Freundschaft nun seit 4 Jahren auf allen großen Märkten der alten und neuen Welt Hausiren getragen; nachdem es ver­geblich Italien, Spanien, England, Dänemark, Oesterreich, Rußland,

ja sogar den Ber. Staaten Nordamerikas liebkosend auf die Schultern geklopft, sich der süßen Hoffnung hingebend, doch endlich irgend wo ein sympathisches Herz und mit demselben vielleicht auch einen hilfreichen Arm zu finden, nachdem all dieses Buhlen keinen über die hergebrachten Komplimente hinausgehenden Erfolg hatte, fängt das verlassene Land unverdrossen wiederum von vorne an. Rußland hat zuerst die Ehre, und eine passende Gelegenheit bietet die Anwesenheit der Kaiserin in Paris. Die offiziöse Presse bringt heute an hervorragender Stelle einen Artikel, dem wir Folgendes entnehmen:... Frankreich und Paris sind stolz, solche Gäste zu beherbergen. Die hohe Herrscherin und ihre Söhne können nun, nachdem sie Zeugen unserer Zuvorkommen­heit und unserer Ehrenbezeugungen für sie waren, einsehen, wie viel ehrfurchtsvolle Sympathien die Regierung und das französ. Volk für die kaiserliche Familie von Rußland hegen. Es macht uns glücklich zu sehen, daß die Prinzen und Prinzessinnen Europas wieder den Weg nach unserer Hauptstadt einschlagen. Sie finden hier eine Stadt, die sich schnell wieder aufgerafft hat und die in politischer und allen an­dern Beziehungen ihren Ruhm und Einfluß wieder geltend macht. Nirgends wurden unsere Anstrengungen, um uns aus unsern Ruinen wieder herauszuarbeiten, mit mehr wohlwollender Aufmerksamkeit ver­folgt, als in Rußland. Die Petersburger und Moskauer Blätter tom» mentiren die friedliche und würdige Haltung Frankreichs in einer uns ermuthigenden Weise, deren großen moralischen Werth wir konstatiren. Was uns anbelangt, so huldigen wir dem zivilisatorischen Rufe des großen Monarchen, der jedes Regierungsjahr mit einer edelmüthigen Neuerung und mit einer nützlichen und fruchttragenden Reform stempelt. Wir sind erstaunt zu sehen, wie ruhig und methodisch der Kaiser Alexander die soziale, politische, militärische, administrative, wirthschaft- liche und finanzielle Umwälzung seines Landes zu Stande gebracht, und wir müssen bei dieser Gelegenheit darthun, wie sehr fest und dauer­haft die Bande der gegenseitigen Achtung und Freundschaft zwischen Frankreich und Rußland sind. Die Franzosen, die zum erstenmal nach St. Petersburg reisen, glauben wieder in Paris einzuziehen, so gut spricht man dort unsere Sprache, so gründlich kennt man unsere Lite­ratur, und so gut werden wir dort empfangen! Es besteht in der That zwischen den zwei Nationen ein Sympathienstrom, der beiden Ehre macht und der nicht allein für diese zwei Völker, sondern für die Zi­vilisation der ganzen Welt Nutzen bringt.,, Der Gedanke, die Mission zu haben, der Außenwelt ihre Zivilisation einzutrichtern, spukt heute noch in den Köpfen der Franzosen wie von jeher. Der Fremde aber, der außer den Pariser Bällen noch das Innere des Landes besichtigt, merkt bald, daß die Sklaverei des Geistes jetzt hier von der in Ruß­land nicht viel verschieden ist.

London, 30. Nov. Die Bank von England hat heute den Diskont von 5 auf 6 pCt. erhöht.

London, 1. Dec. Das Befinden des Premiers Disraeit' hat sich erheblich gebessert.

Rom, 24. November. Am 22. November wurde der Mar­chese Gidachio Ventimiglia auf der Insel Sicilien im Walde S. Ono­frio durch Carabinierie aus den Händen der Briganten befreit, die ihn seit einigen Tagen in ihre Gewalt bekommen hatten. Zwei Briganten und ihr Mitschuldiger, den sie zur Eintreibung des Lösegeldes ausge­schickt hatten, wurden bei dieser Gelegenheit gefangen genommen. Das ist nun seit der kurzen Zeit, seit welcher die neuen ministeriellen Maß­regeln getroffen worden sind, der dritte Fall, daß den Briganten ihr Opfer wieder entrissen worden.

Amerika. Für die projektirte Weltausstellung in Phila­delphia, welche im Jahre 1876 stattfinden soll, ist der Ausstellungs­termin vom 19. April bis 19. Oktober genannten Jahres festgesetzt worden. Das zu dem Zwecke aufgeführte stattliche Gebäude ist ameri­kanischen Berichten zufolge 1880 Fuß lang und 464 Fuß breit. Dir Breite der Mittelgallerie beträgt 120 Fuß. Die Grundrisse werden den auswärtigen Kommissionen bis zum 1. Februar kommenden Jahres zugehen. Im Ganzen bestehen zehn Ausstellungsklassen. Der Kom­missar für die europäische Abtheilung ist Oberst Fornoy, derselbe be­findet sich zur Zeit in London.

DieNeue Frkftr. Pr." schreibt unterm 1. Dezember aus Frankfurt a. M.: Der Herzog und die Herzogin von Nassau nebst Familie sind gestern von Königstein hier eingetroffen. Gestern Morgen fiel, vermuthlich in Folge vorgenommener Gaseinführung, ein Stück der Brandmauer zwischen den Häusern Nr. 110 und 111 der Judengasse zusammen. Dieser Umstand gab zu der Befürchtung Ver- anlasfung, daß die betreffenden Gebäude selbst zusammenstürzen könnten. Polizeilich wurde sofort die städtische Baubehörde in Kenntniß gesetzt und von dieser nach Augenscheinnahme die Erklärung abgegeben, daß eine augenblickliche Gefahr nicht vorliege. Zur Sicherheit wurde jedoch die Sprießung des schadhaften Mauerstückes angeordnet.

Hana», 2. Dezember 1874.

Versteigerungs- & Verpachtungs-Kalender.

Donner stag den 3. Dezember, Vormittags 9 Uhr, läßt