Einzelbild herunterladen
 

1312

er mit dem erhebenden Gefühle, seinem Vaterlande einen, wenn auch kleinen Dienst geleistet zu haben. Bei Schluß des Blatts wurde der Vertrag in erster und zweiter Berathung einstimmig genehmigt.

<R. u. st. a.)

— Die Reichstagsfractionen sind lebhaft mit der Wahl für die ständige Justizcommission beschäftigt, die Fortschrittspartei hat die Ab­geordneten Eysold, Herz und Klotz und den Abg. Zinn dazu vorge­schlagen, die übrigen Fractionen sind noch zu keinem Resultat gelangt. Am Lebhaftesten sind die Debatten darüber innerhalb der nationallibe­ralen Partei, weil hier die Zahl der sich Meldenden ziemlich groß ist. Auch im Centrum soll sich eine lebhafte Concurreuz geltend machen. Der Reichstag sieht übrigens der Einbringung einer Vorlage des Bun­desrathes über die permanente Commission entgegen.

— Seit einigen Tagen ist, wie die „Cartsr. Ztg." erfährt, ein sehr lebhafter Meinungsaustausch der Cabinete über die Wiederauf­nahme der völkerrechtlichen Conferenz im Gange, und vertritt speziell Rußland den Gedanken, der neuen Conferenz diesmal einen definitiv redigirten und entweder einfach zu acceptirenden oder einfach abzuleh- nenden Entwurf vorzulegen. Auch für diese neue Conferenz ist Brüssel in Aussicht genommen. (»■)

— Neisse (Schlesi), den 20. Nov. Die „Pr. SL" schreiben: Für gestern Morgen war der erste altkatholische Gottesdienst in der von der k. Regierung den Altkatholiken zum Mitgebrauch überwiesenen Kreuzkirche angeordnet. Verschiedene beängstigende Gerüchte waren ge­flissentlich in Umlauf gesetzt worden, so daß Kommandantur und Poli­zeibehörde umfassende Vorsichtsmaßregeln zu treffen für nöthig erachtet hatten. Das Publikum hat sich indessen vollständig ruhig verhalten, und es ist daher keinerlei Einschreitung der genannten Behörden er­forderlich gewesen. Um 10 Uhr begab sich der Vorsitzende der altkath. Gemeinde, Realschullehrer Rose, in Begleitung des Stadtraths Drabich und des Kaufmanns A. Beyer, zuerst zu dem Kirchendiener und sodann zum Kurstus Renelt, um die Kirchenschlüssel einzufordern. Beide Herren waren verreist, und so blieb dem Kirchenvorstande nichts übrig, da andere Schlüssel nicht zu erlangen waren, als die Polizei zu re- quiriren und die Kirche mit Gewalt öffnen zu lassen. Es wurde die Kirche durch die Sakristeithüre geöffnet, welche seitlich abgelegen ist, so daß das Publikum, welches sich unterdessen zahlreich vor der Kreuz­kirche angesammelt hatte, von der gewaltsamen Oeffnung gar nichts wahrnehmen konnte. Der Kirchenvorstand fand sämmtliche Altäre total abgeräumt und die Glockenstränge abgeschnitten. Die Altkatholiken hatten sich indessen für alle Eventualitäten vorgesehen. Im Nu war der Hauptaltar mit Altartuch, Kerzen und Blumen geschmückt, und gleich, als das Hauptportal geöffnet wurde, verkündete das volle Glok- kengeläute (für Glockenseile war von vornherein Bedacht genommen worden) den Bewohnern Neisse's, daß die Allkatholiken alle Schwierig­keiten glücklich überwunden hatten. Als Prof. Weber aus Breslau mit zwei Ministranten zum Altar schritt, ertönten unter den gleich­zeitigen Klängen der Orgel nochmals alle Glocken. Nach Beendigung des Gottesdienstes vollzog Prof. Weber am Hochaltar die erste Trau- üng. Die Kirche war von mindestens 1000 Personen besucht. Auf­fallend war besonders die ahlreiche Betheiligung vom Lande. Unter den Anwesenden soll sich auch Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen befunden haben.

— München, 27. Nov. Das oberbayerische Schwurgericht hat am 26. Nov. die Genossen eines wirklichen Schmutzblattes, welches dahier erscheint (der Gerichtspräsident entschuldigte sich vor den Ge­schworenen, daß seine Amtspflicht ihn zwinge, solche Gemeinheiten, wie die inkriminrrten Stellen ihnen vorlesen zu müssen), zu fünfvierteljähr­lichem, zehn- und viermonatlichem Gefängniß verurtheilt; der ebenfalls wegen Theilnahme an dem unfläthigen Treiben angeklagte Drucker wurde freigesprochen. iSqw. Merkur.,

— München, 27. November. Nach Mittheilungen aus mili- tairischen Kreisen hat der deutsche Kaiser anläßlich der von dem Kron­prinzen in der Rheinpfalz bei der letzten Inspektion an dem II. bayeri­schen Armeecorps gemachten Beobachtungen an den König Ludwig einen Privatbrief gerichtet, der sich über die Tüchtigkeit der bayerischen Trup­pen in der lobendsten Weise äußert und dem Könige für seine Be­mühungen um die Stärkung der gesammten deutschen Wehrkraft seinen Dank ausspricht. Der Brief bildet eine erfreuliche Jllustratiou zu dem Verhältnisse zwischen hier und Berlin, das überhaupt nach zeitweiligen Irrungen wieder ein durchaus ungetrübtes ist. (Trib.)

Die Eröffnung der Bahnstrecke Schweinfurt-Meinigen, welche am 1. December erwartet wurde, mußte noch verschoben werden (vielleicht auf 10. oder 15. December), da bei einer kürzlich stattgehabten Probe­fahrt die Bahn selbst zwar ganz vollendet und vollständig fahrbar, da­gegen die Hochbauten einiger Stationen, namentlich in Meiningen, noch nicht betriebsfähig befunden wurden.

— Heidenheim (in Württemberg), 24. Nov. Angesichts der vielfachen Klagen über Weinverfälschung hat das hiesige Oberamt die Schultheißen aufgefordert, sofort Anzeige zu machen, sobald ihnen zur Kenntniß komme, daß in ihren Gemeinden verfälschtes Getränke, insbe­

sondere sog. Kunstwein, ausgeschenkt werde. Das Oberamt hat dabei auf §. 367 Ziff. 7 des Strafgesetzbuches hingewieien, wo derjenige, welcher verfälschtes Getränk feil hält oder verkauft, mit Haft bis zu 6 Wochen oder mit Geldstrafe bis zu 50 Thalern bedroht wird.

— Metz, 26. Nov. Der hiesige Bischof Dupont des Loges erließ soeben einen sich auf die am 3. Nov. in Kraft getretene neue Diözesanabgrenzung beziehenden Hirtenbrief, der in den vom Bisthum Nancy abgetretenen Gemeinden von der Kanzel verlesen werden soll. In demselben werden die betreffenden Gläubigen von ihrem neuen Bi­schof ermahnt, die Gefühle der Achtung, Unterwürfigkeit und kindlichen Anhänglichkeit, mit welchen sie für ihren früheren Oberhirten beseelt waren, auch auf ihn zu übertragen. Politische Anspielungen sind in dem Schriftstück sorgfältig vermieden.

— Madrid, 26. Nov. Nach der Regierung zugegangenen Meldungen herrscht unter den Karlistenführern im Norden vollständige Uneinigkeit. Dorregarey soll die Wiederübernahme eines Kommandos abgelehnt haben.

— London, 27. Nov. Die Berichte, welche auf Veranlassung des Staats-Sekretärs des Krieges von den verschiedenen Truppentheilen erstattet worden sind, ergeben, daß während der Monate Juni, Juli August und September die Zahl der vorgekommenen Desertionen sehr groß gewesen ist, und zuweilen 6 an einem Tage betrug. Die Fälle, in denen sich die Deserttrten betrügerischer Weise wieder anwerben lassen, nehmen durchaus nicht ab. Fast täglich stehen eine oder mehrere Per­sonen unter dieser Anklage vor dem Zuchtpolizeigericht in Woolwich.,

— Rio de Janeiro, 26. Nov. In zwei Flecken der Provinz Parahyba do Nort hat die ultramontane Partei Unruhen herbeigeführt, denen sofort nachdrücklich und erfolgreich entgegengetreten ift.y

— Die „Neue Frkftr. Pr." schreibt unterm 27. November aus Frankfurt a. M.: Heute waren 170 Gänsehäudler auf dem Markt, die 6800 Gänie im Gkwichte von ca. 54,000 Pfd. hatten. Das Pfund wurde zu 21—24 kr. verkauft. Die Preise waren dadurch billig, daß die bayerischen Händler den gestrigen Bußtag vergessen hatten und mit ihrer Waare angefahren kamen, die sie heute losschlagen mutzten. — Die Versicherung der Arbeiter durch ihre Arbeitgeber mit und ohne Haftpflicht kann im Interesse beider Theile nicht warm genug empfohlen werden. Um nur aus den jüngsten Tagen einen Fall anzuführen, wollen wir erwähnen, daß der Arbeitgeber des Fuhrknechtes, welcher am Don­nerstag durch ein herabfallendes Stück Holz getödtet wurde, seine sämmt­lichen Arbeiter gegen jeglichen Unfall versichert hat und die Hinter­lassenen nun als Prämie einen dreijährigen Jahreslohn, etwas über 2000 fl., ausbezahlt erhalten. — Behufs der Unterführung der Darm­städter-Landstraße an dem Uebergange der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn wird in den nächsten Tagen mit der Ausführung der zu diesem Zwecke erforderlichen Senkung des Planums dieser Straße begonnen werden und zwar zunächst auf der östlichen Hälfte der Straße. Bis die Tie­ferlegung erfolgt ist, bleibt die westliche Straßenseite für den Verkehr geöffnet.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 30. November 1874, Versteigerungs- & Verpachtungs-Kalender.

Versteigerungen: Dienstag den 1. Dezember, Vormittags */, 10 Uhr, werden im Altstädter Schlosse 20 gut erhaltene Fenster rc. und Nachmittags Vs 3 Uhr im Schlosse zü Philippsruhe 12 alte Fenster rc. gegen baare Zahlung verkauft. — Vormittags 11 Uhr kommen im Lokale des Amtsgerichts II Wohnhaus, Seitenbau, Hinterbau, Holzschoppen, Halle und Hofraum, in der Glockengasse ge­legen, auf den Namen des Herrn Tyeodor Memminger katastrirt, zum Verkauf. — Nachmittags von 2 Vs Uhr an versteigert Herr Taxator Berg im Gasthaus zur weißen Taube die zum Nachlaß des verstorbenen Herrn Jakob Seelig gehörigen Wohnhäuser (Nr. 31 und 34 der Gärtnergasse) und Grundstücke. — Verpachtungen: Nach­mittags 2 Uhr werden im Geschäftsbüreau des Waisenhauses zwei dem vereinigten ev. Waisenhause gehörigen Aecker (am Wehr hinter der Papiermühle, sowie hinter der Herrnmühle) meistbietend verpachtet.

—ch. Am Samstag Abend stürzte wiederum ein Pferd, indem es in der Schiene, welche sich am Eck der Salz- und Rosengasse be­findet, hängen blieb, und konnte dasselbe nur mit großer Mühe und nach längerer Zeit losgemacht werden; dasselbe lahmte bedeutend und war nicht wieder einspannungsfähig. Es ist dies jetzt seit 3 Woche« das 5. Pferd, welches an derselben Stelle durch die Schiene stürzte und immer noch werden keine Anstalten getroffen diese Uebelstände z« beseitigen. Müssen erst noch größere Unglücke passiren?

— In einer Wirthschaft der Gärtnergasse brach in der Nacht von Samstag auf Sonntag Streit aus, der sich noch auf der Straße fortsetzte, so daß die Nachbarschaft in ihrer Ruhe dadurch gestört war. In dem erwähnten Hause wurde in derselben Nacht auch eine fette Gans gestohlen.

— Theater. Die Gastvorstellung des Hrn. Ludwig Barn atz