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tesdienste bestimmten Räume nicht mehr abgehalten werden dürfen, ebenso ist den Mönchen verboten worden, fernerhin auf öffentlicher Straße in ihrer Ordenstracht zu erscheinen. Alles dies bezeichnet einen bemerkenswerthen Wechsel in den Gesinnungen des englischen Volkes, der eine immer engere Verbindung mit Deutschland zur nothwendigen Folge haben muß. (»«i. Tag-bi.)

— Die „Bonn. 3 " schreibt: Bischof Martin von Paderborn hat vor einigen Monaten in einer anonym erschienenen Broschüre „Die Gewissenfragen über die Maigesetze" gesagt: mit gewissen Ein­schränkungen sei katholischen Beamten die Mitwirkung zur Ausführung der Maigesetze „nicht als Sünde anzurechnen, bis eine höhere kirchliche Entscheidung erfolge." Diese „höhere kirchliche Entscheidung" ist er­folgt. Die Broschüre ist in Rom wegen eben jener Stelle auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt worden, und Bischof Martin hat jetzt eine neue Ausgabe derselben veranstaltet, worin er, „nachdem er sich über die Stellung, welche der H. apostolische Stuhl zu jener Frage einnimmt, Gewißheit verschafft" die oben mitgetheilte Behauptung ein­fach zurücknimmt. Es steht also jetzt fest, daß nach der Lehre des „hl. apostolischen Stuhles" ein katholischer Beamter zur Ausführung der Maigesetze nicht mitwirken darf; wenn dieses aber durch seine amtliche Stellung von ihm verlangt wird, sein Amt niederlegen muß, und wenn er das nicht thut, von seinem Pfarrer oder Kaplan nicht absolvirt werden darf. Bleibt abzuwarten, wie viele kath. Beamte und Richter in Preußen sich dieser Entscheidung des hl. apostol. Stuhles unterwerfen und aus dem Staatsdienste austreten werden. Bis jetzt ist der Appellationsgerichtsrath v. Thimus in Köln unseres Wissens der Einzige, der das gethan.

— Ungenannte Verehrer des Bischofs von Hildesheim haben demselben unter der Adresse: „Zur Erweiterung des Kulturkampfes an unsern Bischof Wilhelm" einen großen Korb übersandt, worin Schwarz­brod und Weißbrod, Bier, Wein, verschiedene Sorten Wurst, Speck, verschiedene Sorten Käse, Zucker, trockenes Obst, Salz, Seife, Tabak, Licht und Geld. Die naiven Gemüther haben wohl geglaubt, der arme Bischof nage am Hungertuche, weil er bei der letzten Pfändung nur noch „zwei Siegesthaler" sein genannt. Wie wird der fromme Mann über die Einfalt seiner Schäfchen gelacht haben!

— Fürst Gortschakow hat, nach der „Carlsr. Ztg.", von Berlin aus den officiösen Repräsentanten Rußlands in Madrid zum unge­säumten Bericht aufgefordert, in wie fern etwa die dortigen Zustande sich derart consolidirt hätten, um mit der osficiellen Anerkennung der „unter dem Vorsitz Serrano's etablirten" Regierung vorgehen zu können. (Trib.)

— München. Der Ausschuß des Landrathes von Oberbayern hat sich einstimmig für die Gewährung pragmatischer Rechte und die Theuerungszulagen pro 1874 und 1875 an die Lehrer der Gewerbe­schulen ausgesprochen.

— Nürnb erg, 24. Nov. Wir haben heute ein sehr betrü­bendes Ereigniß zu verzeichnen: Das alte, von Generation zu Gene­ration herab weit- ja weltberühmte Bankhaus Lödel und Merkel hat seine Zahlungen eingestellt. So viel wir bis heute in Erfahrung bringen konnten, ist die Ueberschuldung auf über V* Million angegeben, wobei das Bankhaus Baron Erlanger in Frankfurt mit 180,000 fl. betheiligt ist. Familie und Geschäftsverwaltung standen von jeher in höchster Achtung. (»wb. Pr.)

— Graubündten. Von Truns wurde am 22. ds. telegraphirt: „Unerhörte Masse Schnee. In Bergen Leute, Vieh vielerorts abge­schlossen ; Wassermangel, Lawinengefahr." Der Schnee in Truns selber ö1^ Fuß hoch. An manchen Orten hörte man Hülferufe von den Bergen in's Thal herunter. Von Medels und Tavetsch, wo die größte Lavineugefahr ist, erhielt man noch gar keine Nachrichten; die meisten Thäler sind wie vernagelt.

,— London, 26. Nov. Der deutsche Botschafter, Graf Münster, theilte dem Vorsitzenden des Glasgower Protestantenmeetings, Mr. Jew, mit, daß die Beschlüsse des Meetings dem Kaiser unverzüglich unter­breitet worden wären und der Kaiser mit hoher Befriedigung vernom­men habe, wie sehr das schottische Volk mit den Maßregeln und Grund­sätzen der kaiserlichen Regierung im Kampfe gegen die ultramontanen Angriffe sympathisire. Dem ausdrücklichen Befehl des Kaisers gemäß danke er (der Botschafter) im Namen des Kaisers für die Sendung der Beschlüsse des Meetings. c«. grants. Pr.)

— Im Figaro schreibt St. Genest einen Artikel, worin er sagt, die Radikalen von Paris müsse man einfach als Feinde, als wilde, aber augenblicklich waffenlose Feinde behandeln und ihnen das Recht, ihren Stadtrath zu wählen, nehmen! Sodann kommt folgende Stelle in seinem Artikel vor: „Die Republikaner haben zweimal das Spiel der Preußen gespielt; zum ersten Mal, als sie die Revolution vom 4. Sept, machten, die Herr v. Bismark erwartete, zum zweiten Mal, als sie die Revolution vom 18. März machten, die Herr v. Bismark be­zahlt hat." Die Behauptung, Bismark habe die Kommune bezahlt, schleicht, so blödsinnig sie ist, im Stillen in Paris vielfach umher.

Es gibt eben hier viele Leute, welche derartige Lügen so lange erzählen, i bis sie selbst daran glauben. (efiw. mert)

— Die „Neue Frslr. Pr." schreibt unterm 26. November aus Frankfurt a. M.: Aus Unterfranken trafen zu Anfang dieser Woche einige Kisten mit den feinsten Schuhwaaren hier ein, welche ein Commir seinem Principale gestohlen und in seiner Heimath durch einen Helfers­helfer zu Spottpreisen hatte verkaufen lassen. Die Bauernmädchen in feinem Heimathèdorf gingen in Atlaspantoffeln und trugen mit Spitzen besetzte Stiefelchen. Ein Steuerbeamte machte die hiesige Polizei auf­merksam^ die nun ihrerseits nachforschte und den Dieb, welcher sogar so weit gegangen war, gestohlene Sachen in Auction zu geben, zu ent­decken. — Durch Herabfallen eines Stückes Holz verunglückte heute Morgen ein Fuhrknecht im Neubau des Herrn Seeger in Sachsen­hausen und blieb auf der Stelle todt. — Wie wir hören, geht der Dombauverein mit dem Plane um, einen der bedeutendsten Glasmaler, dem auch die Ausführung der gemalten Fenster im Dome übertragen werden soll, hierher zu ziehen, damit er ein Institut in Frankfurt errichte.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 27. November 1874.

— Seit heute Morgen geht der Main mit Eis. Die Eisdecke auf den Teichen ist so fest, dcks heute Morgen die Jungen darauf her­umtummeln konnten.

— Für heute Hanauer Stadttheater: Donna Diana, Lust- ; spiel in 5 Auszügen nach dem Spanischen des Moreto. Herr Paul ; Zademack vom Frankfurter Stadttheater, ein von unseren Theater­besuchern jederzeit gerne gesehener Gast, spielt die Rolle des Sekretärs und Vertrauten der Prinzessin „Penn."

— Gestern wurde eine anständig gekleidete Fremde auf frischer That des Diebstahls ertappt und eingesteckt. Dieselbe entlarvte sich später als eine Hauptschwindlerin und sämmtliche bei ihr gefundenen Gegenstände waren im Laufe des Tages an verschiedenen Orten in ' Häusern gestohlen.

— Cassel, 25. Nov. Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz, welcher gestern hier eingetroffen, wohnte heute Morgen in Begleitung des Prinzen Heinrich, der beiden Gouverneure der Prinzen, General von Gottberg und Dr. Hinzpete r, sowie des Directors des Gym­nasiums, Dr. Vogt, einige Zeit in der Obersecunda einer Unterrichts­stunde des Ordinarius der Classe, Dr. Heußner bei. Nach der Stunde ließ der Kronprinz sich sämmtliche Lehrer der Anstaalt in der Aula vorstellen, bei welcher Gelegenheit derselbe sich huldvollst mit jedem ein­zelnen unterhielt. Hierauf trugen die Schüler des Gymnasiums noch eine Gesangpiece vor, welche sehr beifällig ausgenommen wurde und nach welcher der Kronprinz die Anstalt wieder verließ.

— Fulda, 26. Nov. Wie dem „Frankf. Journal" aus Cassel telegraphirt wird, so hat der Oberpräsident an das Cultusministerium äußerst günstig über die Revision des Fuldaer Pciesterseminars be­richtet.

Thermometerstand.

26. November: Höchster Staub des Thermometers + V*®, Abends 7 Uhr — 2°; 27. November: Morgens 7 Uhr — 5®, Vormittags 10 Uhr — 2®. __________'___________

— Obgleich anonyme Verdächtigungen (wie die des Eingesandt in Nr. 273 d. Bl., wodurch meine Bitte für ein armes Kind einer sich selbst richtenden Kritik unterworfen wird) eigentlich keiner Erwi­derung werth sind, so will ich doch im Namen aller Interessenten zur Aufklärung kurz Folgendes beweisen.:

Nr. 1, 2 und 4 erledigen sich dadurch, daß das betr. Kind sowie dessen Eltern ihren Unterstützungswohnsitz nicht in Windecken haben; übrigens habe ich durch meine Bitte (die ich, da in W. keine Zeitung erscheint, in diesem dort viel gelesenen Blatte aussprach), auch den da- sigen, mir rühmlichst bekannten Wohlthätigkeitssinn angerufen.

Zu Nr. 3 ist zu bemerken, daß ich keinen Grund habe, von dem Aufenthalt des Kindes in Windecken eine geistige Verwahrlosung zu befürchten und muß ich gegen eine solche Verdächtigung meiner Ge­meindeglieder entschieden Verwahrung einlegen; keinenfalls dürfte es gerechtfertigt sein, Großeltern, weil sie arm und alt sind, in solcher Weise zu verdächtigen, wie in jenem Eingesandt geschehen ist.

Wessen Motive aber edler und reiner seien, meine oder bei Herrn Einsenders, das überlasse ich getrost der Beurtheilung meiner Mitmenschen.

Allen denen aber, welche mir bereits eine Gabe haben zukomme« lassen, sage einstweilen unseren herzlichsten Dank; Jesus spricht: wa! Ihr gethan habt dem Geringsten unter Meinen Brüdern, das habt Ihr Mir gethan. — Der Herr X. aber hätte gewiß besser gethan, mich erst zu fragen, ehe er ein solches Werk der Barmherzigkeit verdächtigt. — Mich aber wird jenes Eingesandt u. dergl. nicht abhalten, mich nölhigen- falls auch ferner der Nothleidenden durch öffentliche Anrufung der Mildthätigkeit anzunehmen. Pfarrer Ehringhaus.