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Hanauer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Orgau für Kreis und Stadt Hanau.
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M 270.
Donnerstag den 19. November.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Gefunden: Ein Laib Brod. Ein Stück Sammet. Ein Petschaft. Ein wollener Kinderhandschuh. Auf der Frankfurterstraße unterhalb Dörnigheim eine Fuhrmannswage; der Eigenthümer kann dieselbe bei Ernst Sommerlade 1r zu Dörnigheim in Empfang nehmen. Auf der vorgenannten Straße eine Heugabel nebst ein Paar Handschuhen; Empfangnahme bei Jacob Kahn lr eben dortselbst.
Zugelaufen: Ein Pinscher.
Hanau, den 19. November 1874.
T i- H e s s ch ü u.
— Berlin, 18.Nov. Im ferneren Verlaufe der gestrigen Sitzung des Deutschen Reichstages setzte der Abg. Richter (Hagen) in der ersten Lesung des Bankgesetzes seine Rede gegen die Errichtung einer Reichsbank fort, die er hauptsächlich aus politischen Gründen nicht zulasten wollte; schon einmal habe, Zeitungsnachrichten zufolge, der Reichskanzler auf den Diskonto der Preußischen Bank Einfluß auszuüben versucht. Hierauf erwiderte der Reichskanzler Fürst von Bismarck:
Ich will hier nur mit zwei Worten der Angabe widersprechen, als hätte ich versucht, aus politischen Gründen eine Einwirkung auf die Höhe des Diskonts zu üben. Ein solcher Versuch ist meinerseits weder bei der Zahlung der französischen Kontribution noch sonst jemals gemacht worden.
Der Abgeordnete Sonnemann sprach für die Errichtung einer Reichsbank, mit der besonders im Süden Deutschlands moralische Eroberungen gemacht werden könnten. Die Abfindung mit dem preußischen Staate im Falle der Umwandlung der Preußischen Bank in eine Reichsbank würde sich leicht machen lassen.
Um 33/4 Uhr vertagte das Haus die fernere Debatte.
Inder heutigen (13.) Sitzung des Deutschen Reichstages setzte das Haus die erste Berathung des Bankgesetzentwurfes fort. Der Bundeèkommistar, Geh. Ober Regierungs-Rath Dr. Michaelis, bat das Haus, die endliche Regelung der Bankverhältnisse nicht durch das Verlangen nach sofortiger Errichtung einer Reichsbank, welche vielleicht schon in naher Zeit doch ins Auge gefaßt werden würde, unmöglich zu machen, und entwickelte hierauf nochmals die prinzipiellen Gesichtspunkte des Entwurfs, welche auch von der Mehrheit des Hauses getheilt würden. Der Abg. von Kardorff erklärte, daß auch die sehr interessanten Ausführungen des Bundeskommissars seinen Standpunkt nicht zu erschüttern vermöchte, daß die Reichsbank für ihn und seine politischen Freunde die conditio sine qua non des Gesetzes sei. Der Redner theilte vollkommen die Ansicht des Abg. Dr. Lasker, daß ein Zustand, wie er durch dieses Gesetz herbeigeführt würde, der künftigen Regelung unserer Bankverhältnisse unter Konstituirung einer Reichsbank nicht förderlich, sondern hinderlich sei. Der Staats-Minister Camphausen setze sich, wenn er dem Institut einer Centralbank widerstrebe, dem Vorwurfe eines gewissen preußischen Part.kularismus aus. Der Verdacht, daß eine Centralbank sich lediglich von politischen Motiven leiten lassen könnte, sei ungegründet. Redner habe für den französischen Volkscharakter weniger Sympathien, wie für andere Volkscharaktere, aber das müsse er $1 geben,- die Entwickelung der Finanzpo- lrtlk Frankreichs habe so bewunderungswürdige Leistungen aufzuweisen, wie vielleicht kein anderes Land, und einen wesentlichen Einfluß auf
Leistungen habe die französische Bank gehabt, welcher Umstand allem schon dafür spräche, daß wir kein Bankgentz machen dürfen ohne Centralbank. Der Präsident des Reichskanzler-Amts Staats-Minister Dr. Delbrück betonte, daß von der Regierung die Frage hauptsächlich ins Auge gefaßt worden fei, ob die Erlangung einer Majorität für die Reichsbank im Bundesrathe und Reichstage möglich sei. Frühere Aeußerungen von Abgeordneten des Hauses seien in Beziehung auf das Institut einer Reichsbank theils ganz ablehnend, theils sehr reser- virter Natur gewesen, auch eine auf Vorschlag der Abgg. von Unruh und Dr. Tellkampf vom Hause gefaßte Resolution habe sich sehr reser- virt gehalten. Zuerst sei im Ausschüsse des Bundesrathes bei Vorlegung des Entwurfs von einer der verbündeten Regierungen die Nothwendigkeit einer Centrslbank betont worden, diese Ansicht habe aber die JJcajorität nicht gefunden. Bei Schluß des Blattes nahm der Abg. v. Unruh das Wort. ,R. s-.Au->
— Den Kaiserlichen General-Konsuln Weber in Beirut und Dr. Rosen in Belgrad, den Kaiserlichen Konsuln Gillet in Konstantinopel, Dr. Fröbel in Smyrna, Grafen v. Bothmer in Secajevo und Blücher in Galatz, 'bem Kaiserlichen Konsulats-Verweser Freiherr von Münchhausen in Jerusalem, sowie den Kaiserlichen Vize-Konsuln Travers in Cairo, Freiherrn v. Lindenfels in Jassy, Grosse in den Dardanellen und Glaise in Sulina ist, nach dem „R. u. St.-Anz.", auf Grund des Gesetzes vom 4. Mai 1870 je für ihren Amtsbezirk die Ermächtigung ertheilt worden, bürgerlich gültige Eheschließungen von Deutschen vorzunehmen und die Geburten, Heirathen und Sierbefälle von Deutschen zu beurkunden.
— Berlin, 17. November. Was von protestantischer Seite hundertmal in dem Kampfe mit der Curie den Ultramontaneu gesagt worden, was diese stets abgeleugnet haben, wird jetzt ganz unverhohlen von dem Hauptorgane der ultramontanen Partei, der römischen „Voce della Verita" ausgesprochen. Der Kampf, den Rom gegen Preußen führt, ist nicht durch Bièmarck's Politik, nicht durch die angebliche Bedrückung der katholischen Kirche hervorgerufen, er hat bestanden, seit Preußen, ein vorzugsweise protestantischer Staat, Hauptmacht Deutschlands geworden ist. Und enden wird der Kampf erst, wenn Preußen besiegt ist. Der Kampf gilt also der Vernichtung Preußens. Das ultramontane, unter den Augen des Vaticans erscheinende Blatt sagt dies mit dürren Worten und reißt damit den Ultramontanen und ihren Führern, die sich immer so tief gekränkt stellten, wenn ihre Loyalität angezweifelt, die Maske vom Gesicht. Der Artikel ist aus Preußen, also aus der Mitte der deutschen Ultramontanen geschrieben.
(Trib.)
— Die mündlichen Verhandlungen gegen den Grafen Arnim sind im Interesse der Vertheidigung vom königlichen Stadtgericht, nach der „Trib.", um eine Woche gegen den ursprünglich beabsichtigten Termin verschoben worden. Dieselben werden, wie jetzt definitiv bestimmt worden, am 9. Dezember und an den .folgenden Tagen stattfinden. — Zunächst ist über den Grafen Arnim gemäß §. 223 der Criminal-Ordnung („Da der Richter bei allen Verhaftungen mit Schonung verfahren muß, so kann er nach dem Stande,-Range oder anderen persönlichen Verhältnissen des zu Verhaftenden . . . durch Ankündigung von Stadt- Haus-Arrest rc. Sicherheitsmaßregeln treff n".) Hausarrest verfügt worden, unter der Androhung, daß er, sobald er sich aus seinem Wohnhause ohne Erlaubniß, resp. Aufforderung des Stadtgerichts entfernt, sofort wieder nach der Stadtvoigtei zurückgeführt wird.
— Der „Schw. Merkur" schreibt: Von dem Sanitätsrath Dr. Veit, Hausarzt des Grafen Harry v. Arnim, geht der „Voss. Z " folgende Erklärung zu: Um den vielfachen falschen Deutungen, die sich an die Thatsache geknüpft haben, daß Se. Exz. der Herr Graf v. Arnim in den letzten 14 Tagen häufiger ausgegangen und geritten, zu begegnen, gebe ich hierdurch folg-nde Erklärung, streng der Wahrheit gemäß, ab: Auf meine ärztliche Anordnung sollte der Herr Graf sich so viel wie möglich Bew-gung im Freien machen, namentlich aber, der früheren Gewohnheit gemäß, täglich eine Zeit lang reiten. Denn abgesehen von der strengsten Befolgung der übrigen Vorschriften, können nur durch den möglichst regelmäßigen und unbeschränkten Aufenthalt in gesunder Lust die in Folge seiner bestehenden Krankheit und insbesondere durch die Ereignisse der letzten Wochen tief erschütterten Nerven wieder gekräftigt werden. Berlin, 14. Nov. 1874. Dr. Veit.
— Breslau, 18. Nov. Der katholische Gesellenverein und das katholische Kasino in Neurode sind, wie von dort gemeldet wird, polizeilich geschlossen worden.
— Altenburg. Vor einigen Tagen ist der Lehrling eines hiesigen kaufmännischen Geschäftes mit ca. 3500 Thlrn., die er in einem Briefe zur Post bringen sollte, durchgebrannt. Der betreffende Lehrling soll in letzterer Zeit mehrmals mit einem Beamten eines Auswanderungsdampfers, welcher sich in Altenburg aufhielt, verkehrt haben, und mit diesem hat er jedenfalls das Weite gesucht.
— Die M ei nrnger haben nach dem „Berl. Tagebl." weit mehr Unterstützungsgelder e> Hallen, als ihre kühnsten Hoffnungen wohl geträumt haben; nun geht aber auch der Streit darum los, wer von