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altkatholischen Gemeinde vorläufig auf die Dauer eines Jahres zur Ab­haltung des altkatholischen Gottesdienstes überlassen worden.

München, 13. November. Wie wir vernehmen, hat Se. Majestät der König selbst dem Chef des königlichen Secretariats, Herrn v. Eisenhart, dessen Ernennung zum Staatsrath im außerordentlichen Dienste überreicht und demselben allerhöchstseine Glückwünsche ausge­sprochen. Diese dem verdienstvollen Leiter des königlichen Secretariats zu Theis gewordene allerhöchste Auszeichnung das sicherste Zeichen, 'daß sich derselbe fortwährend des vollsten Vertrauens des Monarchen erfreut hat in allen Kreisen d. h. mit Ausnahme der ultramon­tanen freudigste Zustimmung hervorgerufen. Der für unseren k. Hof neuernannte päpstliche Nuntius, Mons. Bianchi, wird Nachrichten aus Rom zufolge, bis Mitte nächsten Monats hier eintreffen.

Mannh. Tgbl.)

Darmstadt. Sicherem Vernehmen derMainztg." zufolge ist der für die Rentabilität der Main-Neckarbahn äußerst wichtige Bau der Linie Friedrichsfeld-Schwetzingen im Principe beschlossen.

In Lohr (Unterfranken) kostet jetzt in Folge der reichen Obsternte der Liter Bier 6 kr.

Aus Schleswig-Holstein, den 10. Nov. Bei dem letzten Schwurgericht in Itzehoe wurde nach demSchw. Merkur" ein Giftmordprozeß verhandelt, der durch eigenthümliche Nebenumstände Interesse bietet. Ein früherer Offizier wurde bei der Strafanstalt in Glückstadt als Rendant angestellt, trat, obwohl verheirathet, mit einer Wittwe in ein sehr intimes Verhältniß, und als seine Frau kam, wurde beschlossen, dieselbe aus dem Wege zu räumen. Man scheint es sofort mit allen möglichen Stoffen probirt zu haben, denn die Frau kränkelte von der Zeit an, als sie nach Glückstadt übergesiedelt war; zuletz' kamen die Verbrecher auf die Idee, von Aerzten sich brieflich ein Mittel zu verschaffen, um auf langsamem Wege den Tod der Frau herbeizuführen. Wem fällt dabei nicht die alte Geschichte von der aqua toffana ein! Anonym wurde an 17 Aerzte nach allen Weltgegenden geschrieben, die gegen hohe Belohnung das Mittel anweisen und durch Annoncen in Korrespondenz treten sollten. Von Berliner Aerzten ging einer schein­bar auf die Sache ein und denunzirte der Staatsanwaltschaft. Durch umsichtige polizeiliche Veranstaltungen gelang es sodann, die Verbrecher zu überführen, sie wurden schließlich zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt. Die Frau des Rendanten, die aus dem Wege geräumt werden sollte, bewies noch während der Schwurgerichtsverhandlung ihrem biedern Ehegatten unbegreifliche Zuneigung, wie es überhaupt nicht an erschütternden Scenen fehlte.

DieNordd. A. Z." polemisirt gegen die Rede, welche der englische Premier Disraeli beim Lord Mayors-Schmause gehalten, na­mentlich gegen seine Aeußerung, daß die Situation auf dem Kontinent nicht ohne alle Beunruhigung sei. Kontinentale Leser, sagt sie, werden sich einiger Maßen überrascht finden, daß von dem insularen Stand­punkt Englands aus betrachtet, die Situation Europas sich so wesent­lich anders darstellt, als wie sie kürzlich in einer anderen Kundgebung von bedeutend erhabenerer Stelle aus gekennzeichnet wurde. Wenn die an die Abgeordneten des Deutschen Reiches gerichtete Thronrede das Vorhandensein vonBürgschaften für die Dauer des Friedens, für welche volles Vertrauen beansprucht werden könne," konstatirte, so ist nicht recht erkennbar, welcher Anlaß zur Beunruhigung für England existiit, zu deren Beseitigung der moralische Einfluß der englischen Po­litik voiinöthen ist. Andererseits möchte für kontinentale Leser die große Befriedigung nicht recht verständlich sein, welche in der englischen Arbeiterbevölkerung herrschen soll Nicht seit Wochen, sondern seit Monaten melden fast täglich Telegramme aus London und anderen Plätzen von neuen Arbeitseinstellungen, und zwar Masseneinstellungen, wie sie in andern Ländern Europas nicht wieder vorkommen. Die ländliche Albeiterbevölkerung ist in einem heftigen Kampfe gegen ihre Arbeitgeber begriffen, und die Bewegung stellt die Pächter und Grund­besitzer vor die Alternative, die Arbeiter in Massen auswandern zu sehen, oder zur Verbesserung der Lohnverhältnisse zu schreiten und da­mit eine vollständige Umwandlung der socialen unb politischen Verhält­nisse in England anzubahnen, von deren seit Jahren sich ununterbrochen vollziehender Umgestaltung die grundbesitzende Aristokratie im Großen und Ganzen bisher verschont geblieben war. Im Großen und Ganzen erscheint die Schilderung der europäischen Verhältnisse gerade im Gegen­satz zu der in Europa, wenigstens in Deutschland vorherrschenden Auf­fassung, welche den Kontinent frei von jedem beunruhigenden Anlaß, dagegen die inneren Verhältnisse Englands in starker Bewegung er­blickt.

Paris, 13. Nov. Havas meldet: Die Karlisten, von den Republikanern verfolgt, konzentrirten ihre Armee zwischen Vera und Lesaca, die Republikaner hätten auf der Verfolgung 300 Häuser in Brand gesteckt.

London, 14. Nov. Erzbischof Manning hat ein neues Schreiben gegen Gladstoue's Schrift über die vatikanischen Dekrete ver­öffentlicht, in welchem er seine frühere Behauptung, daß durch das va­tikanische Konzil keine Neuerungen eingeführt worden seien, wiederholt

und erläutert. Am Schluffe des Schreibens bedauert Manning den Irrthum Gladstone's, welcher, nachdem er sein ganzes Leben der friedlichen Ent­wickelung Englands gewidmet, jetzt den Frieden zu zerstören drohe. Ebenso hat Monsignore Capel eine längere Broschüre zur Widerlegung Gladstone's publizirt.

Die Entsetzung der von den Karlisten belagerten Festung Jrun durch die spanischen Regierungstruppen ist nach dem letzten Telegramm wohl vollendete Thatsache. Wie schwer der Schlag von den Klerikalen empfunden wird, beweisen die Zweifel, welche ihre Organe bis zum letzten Augenblick der Meldung entgegengesetzt hatten. An die Einnahme des nicht einmal befestigten Platzes hatten sie denn auch die über­schwänglichsten Hoffnungen geknüpft, die nun zerstoben sind. In Wahr­heit fehlt es den Karlisten neuerdings vor Allem an Geld, denn die französischen Legitimisten werden müde, für eine hoffnungslose Sache beizusteuern. Der Karlismus bedurfte eines militärischen Erfolges möglichst in der Nähe der Grenze, der seine Anhänger wieder ermu- thigen sollte. Vielleicht hätte man es dann auch mit einer Anleihe versucht. Alle diese Hoffnungen find gescheitert, und es bleibt nur die nackte Thatsache, daß es mit dem Karlismus zu Ende geht.

(Schw. Merkur.)

Bayonne, 13. November. Das Oberkommaudo der Armee befindet sich noch in Jrun. Gestern wurden die Karlisten von der An­höhe St. Marcial weggejagt, kehrten aber Abends wieder zurück. Heute wurden hier Vorräthe von Brod und Wein bestellt. Der Vormarsch nach Urdax ist bevorstehend. Bei den Karlisten herrscht große Demo­ralisation. Die Madrider Regierung will unter dem Vorwande, daß die Ebrolinie bedroht sei, den Fortgang der Operation hemmen. Sa* serna geht nach dem Ebro ab. (T. N. d. Köln. gta )

Die Schwierigkeiten der Jdentifizirung Nena Sahibs meh­ren sich von Tag zu Tag und die Ansichten über den Gefangenen sind chaotisch verwirrt. Der Vicekönig hat die formellen Untersuchungen vorläufig einstellen lassen; man hofft, daß die schließlichen Verhand­lungen öffentlich sein werden.

DieRem Krsn. Pr." ;cyrervr unterm 14. November aus Frankfurt a. M.: Gestern wurde eine auf der Zeil dienende Dienst­magd, welche im Verdacht stand, ihr neugeborenes Kind beseitigt zu haben, verhaftet. Leider wurde dieser Verdacht bestätigt, denn auf die polizeilich angeordnete Entleerung des Aborts fand sich die Leiche des Kindes vor.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 16. November 1874.

Eingesandt. S. Gestern Abend kehrten drei hiesige junge Leute von einem Spaziergange nach Steinheim zurück, wurden aber von einer Anzahl aus der Stadt heimkehrender jedenfalls angetrunkener Uebermainer angefallen und konnten sich einer Mißhandlung nur durch die Flucht entziehen.

Dem Polizei-Kommissar Frankfurth wurde der Charakter als königl. Polizei-Inspektor verliehen.

Füv heute: Spritze Nr. 5 Zusammenkunft im Gartensaale der Stadt Bremen, Abends 8*/$ Uhr. Von heute an übernimmt Herr August Hamann die Gastwirthschaft in den 3 Schwänchen und Herr Schadt, welcher seither dortselbst die Wirthschaft betrieb, über­nimmt von morgen an die in der Orfchler 'schen Brauerei.

() Nächsten Donnerstag Abend 7 Uhr wird im Saale der Cen- tralhalle, veranlaßt durch den Vorstand der hiesigen freireligiösen Ge­meinde, Herr Prediger Albrecht aus Ulm, nebenbei gesagt ein ganz vorzüglicher Redner, einen Vortrag halten über: Die Quellen des Fanatismus, seine Folgen, und dessen wirksamste Bekämpfung. Jeden­falls werden sich gewiß noch sehr Viele mit Vergnügen des früher hier von demselben Redner gehaltenen Vortrags über LessingsNathan der Weise" erinnern und wäre es sehr zu wünschen, daß auch dieser Vor­trag recht zahlreich von Herren und Damen besucht würde, da der Redner ein sehr zeitgemäßes Thema gewählt hat und der Eintritt für Jedermann frei ist.

Fulda, 14. Nov. Es geht demFuld. Anz." aus zuver­lässiger Quelle die Mittheilung zu, daß nicht nur am Donnerstag Abend gegen den Seminariumsdirektor Herrn O. Schröter vor dem Seminari- umsgebäude durch Lästern und Schimpfen Insulten ausgestoßen, sondern auch am gestrigen Ab nb die Fenster der Schulklassen des Seminariums eingeworfen worden sind. Ein solches Verfahren, wohl eine Folge der systematischen Verdächtigungen des Seminars und dessen Direktors, be­darf keines Commentars.

Cassel, 14. Nov. An der hiesigen Realschule I. O. sind Dr. Wittich, Dr. Hornstein und Dr. Siebert zu Oberlehrern ernannt Worden. (Kaff. Tagespost.)

Thermometerstand.

14. Novbr.: Höchster Stand des Thermometers + 2V30, Abends 7 Uhr + 2°; 15. November.: Morgens 7 Uhr 1°, Vormittags 10 Uhr 0°, höchster Stand + IW1, Abends 7 Uhr 0°; 16. Novbr.: Morgens 7 Uhr W, Vormittags 10 Uhr -h 1°.