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M 262.

Dienstag den 10. November.

1874.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Gefunden: Ein Strickzeug. Ein Baschlik. Ein Balken von einer Wage. Ein wollener Handschuh. Ein Paar weiße Strümpfe. Eine Knabenmütze.

Zugelaufen: Ein schwarzer Jagdhund. Eine Gans.

Verloren : Ein Notizbuch, enth.: eine Quittung über 40 fl. Eine Cylinderuhr.

Hanau, am 10. November 1874.

Tagesschau.

^ — Der „R. u. St.-Anz." enthält: 1) Gesetz, betreffend Abän­

derung des Gesetzes über das Post-Taxwesen. Vom 3. Nov. 1874. «> is) Verordnung über den Urlaub der Reichsbeamten und deren Stell- |e* drtretung. Vom 2. Nov. 1874.

— Dem Kaufmann Siegfried Adolph Löwenstein ist Namens des Lutschen Reiches das Exequatur als Vice-Konsul für die Vereinigten — .Staaten von Mexiko in Frankfurt a. M. ertheilt worden.

— Berlin, 9. Nov. In der heutigen (6.) Sitzung des Deut­schen Reichstags wurde von der erfolgten Wahl der Mitglieder der Budget-Kommission, der Kommissionen zur Vorberathung der Gesetz­entwürfe über den Landsturm, über die Ausübung der Kontrole über Personen des Beurlaubtenstandes, über die Einrichtung und Befugnisse des Rechnungshofes, sowie der Kommissionen zur Prüfung des Haus­halts für 1873 und der allgemeinen Rechnungen für 1867—1871 und von der erfolgten Konstituirung dieser Kommijsionen Mittheilung ge­macht, sodann ein Schreiben des Reichskanzlers um Ertheilung der Ge­nehmigung zur gerichtlichen Verfolgung des Schneidergesellen Suhr zu Weißenfels wegen Beleidigung des Reichstags der Geschäftsordnungs­Kommission überwiesen und hierauf in die erste Berathung des Reichs- Haushalts-Etats für 1875 eingetreten, welche der Staats-Minister Prä­sident Dr. sDelbrück mit einer Uebersicht über die allgemeine Finanzlage des Reiches einleitete.

Der Abg. Richter (Hagen) sprach sodann den Wunsch aus, daß die Praxis, bei Beginn des Etatsjahres allgemeine Uebersichten über die Finanzlage des noch laufenden zu geben, sich hier einbürgern möge. An dem Etat selbst machte Redner verschiedene Ausstellungen in for­meller und materieller Hinsicht. Er tadelte es, daß man tue Ausgaben der Pensionen für Civil- und Militärbeamte zusammengefaßt habe. Der Militär-Etat sei unvollständig und in einem Zustande, der die Prüfung, ja sogar das Verständniß desselben fast unmöglich mache. Am mangel­haftesten seien die Zusammenstellungen in den Titeln 20—31. Uebri- gens sei es, nachdem man über den Militär-Etat 10 Jahre hindurch nicht berathen habe, ganz unmöglich, ihn jetzt in einem Jahre vollstän­dig durchzuberathen. Auch der Marine-Etat sei derart beschaffen, daß wenigstens einige Titel desselben an die Budget-Kommission würden verwiesen werden müssen. Die Erhöhung der Matrikularbeiträge um S1^ Millionen Thaler sei durchaus nicht nothwendig und von tief ein­schneidender Wirkung auf die gejammte Finanzentwickelung. Es sei nicht konstitutionell und auch nicht wirthschaftlich, an Steuern mehr zu erheben, als man nothwendig brauche.

Bei Schluß des Blattes hatte der Abg. Graf Minnigerode das Wort. (R. u. St.-Anz.)

— Berlin, 5. Novbr. Der Seniorenkonvent des Reichstags hat, wie die „Pr. Bl." melden, sich unter dem Vorsitz des Abg. v. Denzin betreffs der Kommissionswahlen wieder dahin verständigt, daß den National-Liberalen 3/?, dem Centrum 2/?, der Fortschrittspartei V? und den Fraktionen der titelten zusammen Vr der zu wählenden Mitglieder zufällt; dasselbe Verhältniß bestand in der vorigen Session. — Die Centrumsfraktion des Reichstags hat an Stelle des erkrankten Herrn v. Savigny den unterfränkischen Freiherrn v. Frankenstein zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Diese Wahl ist äußerst bezeichnend für die Hal­tung der Partei, denn Herr von Frankenstein gehörte zu jenen drei Mit­gliedern der bayerischen Kammer, welche 1870 nach der Kriegseikiärung Frankreichs an Preußens für die bewaffnete Neutralität Bayerns stimmten. Fürst Wallerstein und Graf Schönborn waren seine Ge­nossen.

— An Gnaden-Pensionen für Wittwen-, Waisen-, Pflege- und Erziehungsgeldern setzt der nächstjährige Etat aus 240,000 Mark, im Jahre 1874 waren dafür bestimmt 228,000 Mark, mithin im Jahrè 1875 mehr 12,000 Mark. Um an hinterlassene bedürftige Wittwen und Kinder verstorbener Militärs Verwilligungen in einem den An­forderungen der Jetztzeit entsprechenden Umsange eintreten zu lassen, sowie auch um solchen bedürftigen Pensionären, welche vor der einge­tretenen allgemeinen Gehaltsaufbesserung und dem Erlaß des neuen und günstigeren Pensions-Gesetzes in den Ruhestand getreten waren, ange­messene Pensionszuschüsse zu bewilligen, endlich auch um reichlicher als bisher einmalige Unterstützungen gewähren zu können, war die Erhöhung der bisherigen Fonds unabweisbar geworden, dieselbe beläuft sich im Durchschnitt auf 40 Prct. (Trib.)

— In der Woche vom 18. Okt. bis 24. Okt. 1874 sind geprägt worden an Goldmünzen: 2,280,000 Mark 20«Markstücke, 905,320 Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 423,697 Mark 1-Markstücke, 143,667 Mark 20 Pf. 20-Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 45,829 Mark 90 Pf. 10-Pfennigstücke, 70,445 Mark 50 Pfennige 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 75,201 Mark 88 Pf. 2-Pfennigstücke, 21,894 Mark 61 Pf. 1-Pfennigstücke.

— Breslau, 6. Nov. Im Amtsblatt wird die Urkunde vom 15. September d. J. von der Königlichen Regierung in Breslau und dem katholischen Bischof Joseph Hubert Reinkens unter dem Namen „altkatholische Parochie Breslau" errichtete katholische Parochie ver­öffentlicht. Dieselbe ist unterm 30. September d. J. von dem Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten genehmigt worden.

— Der Herzog Wilhelm von Braunschweig hat (wie der „Nat.- Ztg." gemeldet wird), den Obergerichtspräsidenten Dr. Trieps aus Wolfenbüttel zum Nachfolger des im Oktober c. verstorbenen Staats­ministers v. Campe ernannt, und demselben das Portefeuille der Justiz und des Cultus übertragen. Den Vorsitz im Staatsministerium über­nimmt jedoch der bisherige Chef des Cultusdepartements, Geheime Rath Schulz. Dr. Trieps hat dem Herzog Wilhelm in der Regulirung des Nachlasses- des Herzogs Karl von Braunschweig als Vertreter nnd Re­präsentant in Genf gedient und hat demselben auch sonst als beständiger Privat-Mandatar des Herzogs die wesentlichsten Dienste geleistet. Derselbe hat sich zur Uebernahme des Portefeuilles bereit erklärt.

— Tauberbischofsheim, 7. Nov. Gestern hatte unser Amtsgefängniß für 24 Stunden zwei geistliche Insassen. Dieselben sind Neupriester, welche das vorgeschriebene Staatsexamen nicht ge­macht, und ereilte sie diese Strafe, weil sie unbefugter Weise Religions­unterricht ertheilt hatten.

— Im „Badischen Beobachter" war aus München behauptet worden, daß der Altkatholizismus hier in voller Auflösung begriffen, der Sekretär des Comitäs entlassen sei und die Gasteikirche nicht mehr besucht werde; in Folge dessen wird in heute erschienener Nr. 45 des „Deutschen Merkur" konstatirt: 1) daß Hr. Dr. Zirngiebl nach wie vor die Sekretariatsgeschäfte des hiesigen Comitäs versieht, 2) daß die. entlegene Gasteikapelle jeden Sonn- und Feiertag, auch bei schlechtem Wetter, gut besucht, nicht selten überfüllt ist, und 3) daß der gesteigerten Anforderung der Seelsorge, zumal des Religionsunterrichts, nach Be­schluß der letzten Comitäsitzung durch eine Vermehrung der seelsorglichen Kräfte in Altbayern entsprochen werden soll. Zahlen beweisen am gründlichsten. Vdm Beginn dieses Jahres bis zum 5. November voll­zog der Seelsorger der Gastei-Kapelle 45 Taufen, 15 Trauungen, 50 Beerdigungen. Im vorigen Schuljahre besuchten 85 Kinder den alt- katholischen Religionsunterricht, darunter wenige ans höheren Klassen; jetzt, vor Beginn des Winter-Semesters, wurden 108 Schüler ange­meldet, und unter diesen besuchen 45 die höheren Lehranstalten. An­gesichts der zahllosen Schwierigkeiten seien vorstehende, wenn auch an sich geringen Zahlen ein lautes Zeugniß für die zähe Lebenskraft des Altkatholizismus an der Isar.

— Straßburg, 6. Novbr. Mit Recht darf man sehr begierig sein auf das, was die Franzosen zu dem kaiserlichen Erlaß, betr. die Errichtung eines Landesausschusses sagen werden. Waren sie doch nicht müde geworden, den Elsaß-Lothringern vorzuhaiten, daß alle Hoff-