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geuwehr geleistet. Von den Mördern wurde nichts entdeckt als ein abgebrochenes Messer und eine abgerissene Papiermanschette, an welcher noch der Knopf (aus röthlichem Merall mit dem Bildniß des deutschen Kaisers) steckte. Dieser letzte Umstand gibt dem Dr. Sigl Gelegenheit, sein eminentes Talent im Verdrehen und Verhetzen wieder zu bewähren. Sein heutiges Blatt erzählt den Mord und sagt: „daß der Verbrecher ein liberaler Lump, ein Schwärmer für das Reich und ein Verehrer des deutschen. Kaisers ist, das beweist der verrätherische Manschettenknopf." Wahrlich! es gehört große Frechheit dazu, die Aufregung, in welcher die Einwohnerschaft wegen des scheußlichen Verbrechens sich befindet, dazu zu verwerthen, den politischen Parteizwist auf's Neue zu schüren. (Schw. Merl.) — Die „Augsb. Abdztg." schreibt bezüglich des Doppelmordes: Neuestes. Nach einem uns zugekommenen Telegramm ist der Tischlergeselle Thomas Humer des in München begangenen Dop- pelmo>des dringend verdächtig, vergangene Nacht in Augsburg verhaftet worden. Der Verhaftete, Bruderssohn der ermordeten Frau, soll bereits geständig sein.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Bei den neuerdings zum Abschluß gelangenden Verhandlungen über die Diözesanabgrâizung zwischen Deutschland und Frankreich ist die Aufmerksamkeit auf die französische Behandlung päpstlicher Erlasse erneuert hingelenkt worden. Solche Ei lasse, wie Ballen, Konsistorialdekrete u. s. w. dürfen bei unserem westlichen Nachbarn nicht anders als durch die Staatsgewalt pu- blizirt werden und zwar unter dem Zusatz einer Formel, welche die staatliche Genehmigung des Inhalts ausdrücklich ausspricht. Auf dieses Recht der Verbindung der staatlichen Zulaffungsverfügung mit der Urkunde selbst (droit d’annexe oder d’attache) legt die französische Regierung mit gutem Grunde das größte Gewicht und die kathol. Kirche läßt sich diese Prax s seit über 60 Jahren ohne Widerrede gefallen. Selbst bei dem Austausch einz lner Pfarreien zwischen benachbarten Diözesen wird derselbe durch staatliche Festsetzung bewirkt. Wie ganz anders verhält sich die Kirchengewalt der preußischen Regierung gegenüber! Seit hier das viel geringere Verlangen Seitens des Staates gestellt ward, in das staatliche Leben eingreifende Verfügungen der geistlichen Behörden vor der Publikation zu prüfen, wird von Vergewaltigung und unerträglicher Beschränkung kirchlichen Lebens gesprochen. In Deutschland ist das minus unerträglich, während das majus in Frankreich eine langjährige Praxis hinter sich hat! Ein neuer Beweis davon, daß das schön klingende non possumus der katholischen geistlichen Gewalt nicht der Ausdruck fundamentaler Grundsätze, sondern politischer, wechselnden Verhältnissen angepaßter Erwägungen ist.
— Wien, 6. Nov. Die „Neue freie Presse" veröffentlicht den Wortlaut einer Depesche des türkischen Ministers des Aeußern, Arifi Pascha, vom 23. Oktober, an die türkischen Botschafter in Berlin, Petersburg und Wien in Erwiderung der Collektiverklärung der Nordmächte Betreffs des Abschlusses selbstständiger Handelsverträge mit den Donaufürstenthümern. Die Depesche betont die Bereitwilligkeit der Pforte, den Wünschen der befreundeten Mächte entgegeuzukommen; sie würde auch nicht verfehlen, dem Vorschlag einer Lösung der schwebenden Frage sich anzuschließen, wenn sie nicht über das Ziel, das sie erreichen soll, weit hinausginge. Die Pforte nimmt mit Genugthuung die Erklärung der Mächte entgegen, an den Bändern zwischen den Fürstenthümern und dem suzeränen Hofe nicht rühren zu wollen, ist aber doch gezwungen zu fragen, ob der neue Schlag gegen den Pariser Friedensvertrag nicht dieselbe Wirkung haben könnte, wie die früheren, und ob nicht der Tag kommen werde, an welchem der menschliche Wille ohnmächtig die Strömung aufzuhalten, die man durch eine Reihe von Vertragsverletzungen entfesselt. Da die Pforte Gründe hat, von dem Rechtspunkt abzusehen und eine weitere Discussion zu vermeiden, hat die Angelegenheit für sie nur noch eine Seite, nämlich die vorläufige Anfrage der fürstlichen Regierung bei dem suzeränen Hofe, welcher Vorschlag jeder gesetzlichen Verhandlung den Weg frei ließ. Die Pforte hält dafür, daß die Erreichung des Zieles der Großmächte vollkommen möglich sei, ohne daß der Boden der Verträge verlassen werde. Die Haltung der Pforte in dieser Sache ist nicht durch die Fvimsrage, sondern durch höhere Rücksichten bestimmt. <N. grants. Pr.)
— Bern, 5. Nov. In der Sitzung des Ständeraths wurde heute bei Fortberathung des Miliiärgesetzes beschlossen, die Studiren- den an den höheren Unterlichtsanstalten auf eventuelles Ansuchen bis zu ihrem 25. Lchensjahre vom Militärdienste zu befreien.
— Frankreich. Vierunddreißig Mitglieder des Generalraths des Seine-Departemnits halten eine Eikärung beantragt, daß zur Beseitigung der schmerzlichen Krisis, in welcher sich der Handel von Paris gegenwärtig befind', einer Krisis, welche hauptsächlich dem Ma g l an Vertrauen in die Gegenwart und die Zukunft zugZchrieben werden müsse, der Belagerungszustand ausgehoben, das gemeine Recht wiederhergestellt und Parts wieder zum S tze einer von den berechtigten Mandataren der Nation endgiliig kvnstiiuirten Regierung gemacht werden möge. Nach e ner lä geren Erörterung, in welcher es sich darum han- derte, ob der Gemraliach einen solchen Wunsch ausdrücken könne oder
nicht, gewann die letztere Ansicht die Oberhand und der Antrag wurde durch die einfache Tagesordnung beseitigt.
— London, 6. Nov. Demnächst steht hier die Bildung einer altkatholischen Kongregation zu erwarten. Die einleitenden Schritte zur Konst tuirung derselben sind bereits erfolgt. Das zu Grunde gelegte Glaubensbekenntniß soll dasjenige sein, auf welchem die ersten ökumenischen Konzilien standen, d. h. der Glaube an ein ungetheilteS Christenthum. — Gestern Abend empfing der Erzbischof Manning eine Anzahl namhafter Würdenträger der römischen Kirche und besprach mit ihnen das Projekt eines demnächst hier zusammentretenden internationalen katholischen Kongresses. Der Erzbischof bemerkte, daß er seit wenigen Stunden in Erfahrung gebracht habe, daß die katholische Welt durch einen Streit bedroht werden solle, welcher sich über alle Beschlüsse des vatikanischen Konzils verbreiten würde. Auf der Tagesordnung des Kongresses steht die Aufrechterhaltung der Jnfallibilität des Papstes, die Anerkennung seines Rechtes auf die weltliche und geistliche Macht. Ferner soll eine Erklärung abgegeben werden, daß es die Pflicht aller Christen sei, zur Obedienz des Papstes zurückzukehren. Die Direktiven für diesen Kongreß sollen unmittelbar vom Vatikan her erlassen sein, und werden hervorragende Persönlichkeiten des römischen Klerus dem Meeting beiwohnen.
— Rom, 5. Nov. Die Regierung glaubt, in dem Parlament auf eine Majorität von 80 bis 100 Stimmen rechnen zu können.
— Die „Neue Frsrr. Pr." schreckn unterm 6. Novbr. aus Frankfurt a. M.: Gestern Abend fand im Saalbau die Begrüßung des Hrn. Weyprecht statt. Alle Räume des großen Saales waren bis zum letzten Platze von einem Publikum aus allen Ständen, Damen und Herren, gefüllt. Das „Deutsche Lied" eröffnete die Feier, worauf der Präsident der Frankfurter Geographischen Gesellschaft den gefeierten Forscher, welcher bei seinem Erscheinen von den Anwesenden herzlich begrüßt wurde, willkommen hieß und ihm den Dank für sein Erscheinen ausdrückte. Herr Weyprecht gab hierauf eine Erzählung seiner Erlebnisse in den arktischen Regionen und folgte die Menge dem Bortrage in lautloser Stille.
LokkkeS und Provmzieües.
Hanau, 7. November 1874.
— Vorgestern gegen Abend stürzte vor dem Frankfurter Thor eine Frau aus dem dritten Stockwerk eines Hauses und verstarb in Folge dieses Sturzes.
— Für heute Abend: Zweite kosmographische Vorlesung des Herrn v. Heugel im oberen Raihhaussaale, Anfang präcis Vs8 nach der Rathhausuhr. — Im Saale der „Reichskrone" '/r 9 Uhr Volksversammlung.
— Vergnügungsanzeiger für hier und Umgegend: Heute Abend Abendunteryaltuug des „Philharmonischen Vereins", mit Ball, in den Sälen zur großen Krone; morgen: Nachmittags von 3 U)r an Großes Monstre Concert mir gestimmten und ungestimmten Jnstrumm- ten auf dem Meßplatz; Abends von 7 Uhr an Große Tanzstunde sowohl in den Sälen der „Reichskcone", als im Saale der „Schwedischen Krone" und im „Elephanten" ; Abends von ^28 Uhr an Großes Mi- litair-Concert im „Riesensaale", ausgeführt von der Regiments ka« pelle des Füs.-Reg. Nr. 80 aus Wiesbaden; Nachmittags Tanzmusik im „Hotel Carlsberg" zu Groß-Steinheim, sowie Unterhaltung mit Concert des hiesigen Gesangvereins „Fröhlichkeit" im Saale des Gasthauses zum Anker in Kesselstadt.
— Markt gut befahren, in Gänsen außergewöhnlich stark. Butter kostete 38-42 fr., Käse 6 und 7 Heller, Eier 2^2 kr., Kartoffeln (Sand-) fl. 2 6, (Leimen-) fl.2 12 bis fl. 2 20 kr., Weißkraut 5 bis 7 fl, Heu 2 fl. 20 bis 2 fl. 25 kc., Stroh 1 fl. 6 bis 1 fl. 12 kr., Holz 8 fl. 30—45 kr., Fische: gewöhnliche Back- 8—10 kr., bessere Sorten 24 kr., Gänse 1 fl. 45 bis 2 fl. 30 kr., Spanferkel 1 fl. 45 bis 2 fl. 30 kr., junge Hahnen, das Pärchen 1 fl. bis 1 fl. 12 kr.
— Fulda, 6. Novbr. Die epidemischen Krankheiten der Rachenbräune und der Masern, die in diesem Jahre zu verschiedenen Malen auftreten und auch jetzt wieder grassiren, haben eine fast nie dagewesene Sterblichkeit unter den Kindern verursacht. Es sind auf dem städtischen Kirchhofe seit Januar er. 167 Leichen, darunter nicht weniger als 123 Kinderleichen beigesetzt worden, so daß also im Durchschnitt ungefähr auf jeden dritten Tag ein Kinderbegräbniß fällt. (Fuld. Z.)
— Fulda, 6. Novbr. Vor einiger Zeit ist von Seiten der Behörde an das hiesige Capitular-Vicariat die Anfrage ergangen, so meldet die „Germ.", ob und welche Strafe dasselbe dem wegen Majestäts- Beleivigung zu dreimonatlicher Festungshaft verurtheilten Pfarrer Eig- Horn von Schmalnau zuerkannt habe. Wie verlautet, wäre diese Frage dahin beantwortet, daß man denselben als genugsam bestraft erachten müsse.
— Fulda, 6. Novbr. Ein weiteres Vorkommen von Trichinen in hiesiger Stadt wurde heute du.ch die mikroskopische Untersuchung deS Herrn Kceisthierarztes Eberhardt constalirt. Dieselben wurden in el-