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der noch zu erreichenden Strebziele wie die Mittel, um zu denselben zu gelangen, in weitläufigen Reden auseinandersetzten. Das Größte in dieser Beziehung leistete der neue Unterrichtsminister Bonghi, der, nach­dem er seinen Beamten vollauf Arbeit für einige Wochen hinterlassen, diese Zeit zu einer Rundreise im südlichen Italien verwendete, während deren er sich fast täglich als Redner aufzutreten gezwungen sah, so daß die Zeitungen ebenso oft ganze Spalten mit seinen oratorischen Er­güssen und scharfsinnigen Auseinandersetzungen zu füllen hatten. We­niger wortreich und ins Einzelne eingehend als seine Kollegen zeigte sich der Minister des Aeußern, Visconti-Venosta, in der Rede, die er vorgestern bei einem ihm zu Ehren von seinen Wählern in Tirano im Valtelin, woselbst die Viscontis bedeutende Besitzungen haben, veran­staltete Festmahl hielt. Statt etwas Neues über die Gesichtspunkte und Erfolge seiner Politik zu sagen, sprach Visconti-Venosta im Gegentheil Eingangs seiner Rede die Freude aus, daß bei der jetzigen Wahlbe- wegüng so wenig über äußere Politik gesprochen werde, womit er viel­leicht sub rosa sagen wollte: dieses schwierige Kapitel der Regierungs­kunst gehöre nicht ins Wirthshaus vor die große zur Beurtheilung der­selben nicht fähige Menge. Die politische Aufgabe der ital. Regierung bestehe darin, daß sie den Tag sobald als möglich herbeizuführen suche, wo das Land, ohne von anderweiten Besorgnissen in Anspruch genom­men zu sein, sich lediglich mit den Fragen seiner inneren Organisation, seines inneren Fortschritts ernstlich beschäftigen könne. In einem Rück­blick auf die Geschichte der ital. Erhebung wies der Leiter des auswär­tigen Amtes auf die Verschiedenheit zwischen der Politik der gemäßig­ten Partei und derjenigen ihrer Gegner vor und nach der Vereinigung mit Rom hin und nannte es eine That der Klugheit, daß die ital. Re­gierung selbst der Ungewißheit ein Ende gemacht und mit Hilfe des Parlaments und einer juristischen Norm die für die Unabhängigkeit des Papstes nothwendigen Bedingungen festgesetzt habe. Die ital. Politik habe keinen Augenblick lang die Plane einer über ganz Europa verbrei­teten, Italien feindselig gesinnten Partei und die zu ihrer Bändigung nothwendigen Maßregeln aus den Augen verloren, aber ebensowenig darüber einen Zweifel aufkommen lassen, daß Italien mit allen von gleichen Gesinnungen durchdrungenen Mächten in gutem Einvernehmen zu leben wünsche. Untergeordnete Fragen seien in einer der Würde des Landes entsprechenden Weise erledigt worden, während man sich den Rath Cavour's zu Herzen genommen und nebensächliche Angelegenheiten niemals zu Fragen der großen Politik erhoben habe. Die Wähler möchten selbst entscheiden, ob eine Politik, welche die bisherigen Schwie­rigkeiten siegreich bestanden, Bürgschaften in sich trage, auch die noch zu lösenden zu beseitigen. Der von der Oppositionspresse in Umlauf gesetzten Phrase: die gemäßigte Partei habe mit ihrer Politik zwar im Auslande Glück gemacht, sei dagegen im Jnlande um so mißlicher ge­fahren, widersprach Visconti-Venosta auf das entschiedenste. Die ge­mäßigte Partei sei aufrichtig für die Freiheit, allein sie besitze außer­dem noch den Vortheil, daß sie regierungsfähig sei; sie stelle nie die Liebe zur Popularität über das Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit. Die Regierung habe die dringendsten Fragen vor das Land gebracht: Die Herstellung des Gleichgewichts zwischen Einnahmen und Ausgaben, sowie die Beseitigung des moralischen Defizits, indem sie in einigen Provinzen strenge Maßregeln zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Rühe und Sicherheit ergriffen habe. Es sei auch dies ein Programm äußerer Politik, denn es berühre die wichtigsten Lebensfragen der Kraft und des Kredits eines Staates im In- und Auslande. Wer die ele­gante und gewinnende Manier kennt, in der Visconti-Venosta diese trockenen Sätze zu kleiden weiß, wobei er immer den Eindruck hinter­läßt, daß er noch Vieles zu sagen wisse, aber es nicht für angezeigt halte, wird es begreifen, wenn derselbe bei seinen Zuhörern reichen Beifall erntete und mit dem Bewußtsein schloß, daß er seiner Wieder­wahl gewiß sei. (Sqw. M-ri.)

- Aus Rom schreibt man derKöln. Ztg.": Von einem im Vatikan ein- und ausgehenden Geistlichen höre ich, daß die Nachricht von der Bekehrung der Königin-Mutter von Bayern den Papst weni­ger überraschte, als Mancher erwartete. Es ist dies nicht auffallend, da der Ausführung des Entschlusses zweifellos manche Vorbereitungen vorangegangen, die selbstverständlich vor allen Andern dem Papste be­kannt sein mußten. Daß die Königin demnächst ins Kloster geht, er­wartet man hier als den natürlichen Schluß des Begonnenen. Das Kloster aber, das sie wählen dürfte, wird ein deutsches, kein italieni­sches sein.

Madrid, 31. Okt. Nach hier eingegangenen Meldungen vom Kriegsschauplätze hat bei Villafranca zwischen den RegierüügK- truppen und 12 Bataillonen Carlisten unter dem Kommando von Cu- cala ein heftiges Gefecht stattgefunden. Die Carltsten wurden voll­ständig geschlagen und verloren 120 Todte, zahlreiche Gefangene und eine Fahne.

DieNeue Fritr. Pr." schreibt unterm 2. Novbr. aus Frank­furt a. M.: Auf dem Neckarbahnhofe wurde gestern Morgen gegen "7 Uhr ein Post-Packetträger von dem Puffer einer anfahrenden Lokomotive,

an welcher er, als dieselbe noch 810 Schritte von ihm entfernt war, vorüberzulaufen gedachte, erfaßt und derart zur Seite geschleudert, daß er besinnungslos zusammenstürzte und in das Hospital zum heiligen Geist ausgenommen werden mußte. Der Verunglückte war seither Postillon gewesen, zum Post-Packetträger avancirt und zum ersten Male als solcher beschäftigt. Obwohl ihm zugerufen wurde, die Maschine kommt, so versuchte er in seinem übergroßen Diensteifer die Schienen­geleise dennoch zu passiren und verunglückte hierbei.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 3. November 1874.

Für die nächsten drei Wochen steht uns ein Kunstgenuß ganz eigenartiger Natur bevor, indem Herr Carl v. Heugel einen Cyklus von kosmographischen Vorlesungen und zwar in einer solchen Weise ab­halten wird, daß sie ebensowohl für den Gelehrten großes Interesse bieten, wie sie auch dem Laien ganz und gar verständlich sind, weil keine besonderen Vorkenntnisse vorausgesetzt werden. Es wird darum Herrn v. Heugel, einer Autorität in seinem Fache, wie uns aus den Zeugnissen, die derselbe aufzuweisen hat, ersichtlich, auch an zahlreichen Zuhörern nicht fehlen. Wohl für einen Jeden, der nicht trägen Geistes, ist es von großem Interesse in populärem Vortragüber die Entstehung unserer Welt, besonders unseres Sonnensystems und Bewohnbarkeit der Planeten rc." etwas zu hören, welche Vorträge durch Tableaux noch ver­anschaulicht werden. In weit über 200 Städten hat Herr v. Heugel bereits gelesen und überall erfreuten sich seine Vorträge des regsten In­teresses, auch unter der Damènwelt, und so wird es ihm auch bei uns nicht fehlen. Sowohl durch Herrn Gymnasialdirector Pide- rit, als die Herren Realschuldirektor Herwig, Realschuloberlehrer Becker und Schulinspector Junghenn ist Herr v. Heugel auf Grund seiner Zeugnisse bestens empfohlen und sind auf der Subskrip­tionsliste bereits eine beträchtliche Anzahl Einzeln- und Familien-Namen verzeichnet, welche sich zu Anhörung sämmtlicher Vorträge verpflichtet haben. So viel wir in Erfahrung bringen konnten, findet die erste Vorlesung bereits am nächsten Donnerstag Abend statt. Dafür, daß Herr v. Heugel es versteht, seine Borträge in so allgemein ver­ständlicher, anziehender, geistreicher Form zu geben, daß man auch ohne die geringsten Vorkenntnisse dieselbe mit Nutzen und Vergnügen an­hören kann, mag unter vielen Zeugnissen nur das eine des Herrn Dr. Mädler, eines der bedeutendsten Astronomen der Jetztzeit, sprechen. Dasselbe lautet wörtlich:

Herr C. v. Heugel hat hier in Hannover einen Cyklus kosmographischer, vorherrschend astronomischer Vorlesungen gehalten, und sie durch graphische Dar­stellungen und, wo erforderlich, durch Maschinen erläutert. Wir bezeugen ihm gern, daß sein Bortrag anziehend, allgemein verständlich und recht populär gehalten sei, daß seine Darstellung wie seine hinzugefügten Erklärungen im allgemeinen rich­tig, und auch ohne nähere Vorkenntnisse von Jedem gefaßt werden können, und er der schwierigen Ausgabe, einen solchen Reichthum von Thatsachen in wenigen Stun­den zusammen zu fassen, so weit dies überhaupt möglich, sich gewachsen gezeigt hat.

Der Unterzeichnete hat diesen Vorlesungen des Herrn Baron v. Heugel mit vielem Vergnügen beigewohnt."

Hannover, den 13. Dezember 1870.

(gez.) Dr. I. H. v. Mädler, kaiserlich Russischer, wirklicher Staatsrath und Professor emeritus.

Für heute: Abends halb 8 Uhr im Aula-Saale des Gymna­siums Dramatische Vorlesung von Fräulein Natalie Köhler über Halm'sFechter von Ravenna"; Oratorienverein: Probe und zwar von 78 Uhr für die Damen, von 89 Uhr für die Herren; Turn- und Fecht-Club: Abends 9 Uhr periodische Ve» sqmmlung.

Fulda, 2. Nov. Pie Einübung hes hiesigen Füsilierbataillons auf das Mauser-Gewehr hat begonnen. Es wird dabei statt deß Ba­jonettes das Seitengewehr verwendet. Z.)

Fulda, 2. November. Die zur Begutachtung der neuen Ge­meindeordnung ausersehenen hessischen Vertrauensmänner sind durch den Oberpräsidenten v. Bodelschwingh im Auftrage des Ministers des Innern auf Mittwoch früh 10 Uhr in das StändehaUs zu Cassel be­rufen worden. Wie dieHess. Morgztg." vernimmt, sind Einladungen ergangen an die Mitglieder des ständigen Verwaltungsausschusses, an die Oberbürgermeister von Cassel, Hanau, Fulda, Marburg, ferner an die Abgeordneten Braun, Harnier, Vogeley, Wehrenpfennig, Weigel und Ziegler.

Am 30. Pkt. starb zu Gotha bet in weiten Kreisen bekannte Staatsanwalt Morchutt im tieffèn Mannesalter an den Folgen eines Blutsturzes.

ThörPometerstanh.

2. November: Höchster St-md des Thermometers 4 4°, Ahends

Uhr + 21/?0; 3. Oktober: Morgens 7 Uhr 2g, Vormittags 10 Uhr + 2®.

Auszüge aus dem Oeffentlichen Anzeiger zum Amtsblatt der Königl. Regierung zu Caffel.

Kilianstädten. Auf den Antrag eines Pfandgläubigers soll das