Abonnement«- Preis :
Jährlich 3 Thlr.
Halth Thlr. 1. 15 Vierteljährlich 22 6gr. 6 Ps. Für auswärtige
Abonnenten mit dem betreffen- den Poftaufschlag. Die einzelne Nummer 1 Sgr.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Insertion«. Preis.
Die ispaltige Earmondzeil« ob deren Raum i Sgr.
Die 2spalt. Zev« 2 Sgr.
DicZsPaltige Zeile * Sgr.
Ji. 254.
Samstag den 31. Oktober.
1874.
Die Firma Johann Philipp Bechtel zu Hanau hat nachträglich um Gestattung zur Anlage eines Gypsofens in ihrer Gypsbrennerei bei Kesselstadt nachgesucht.
Es wird dieses mit der Aufforderung bekannt gemacht, etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen hier anzubringen. Die betreffenden Zeichnungen rc. liegen in meinem Geschäftslokale zur Einsicht offen.
Hanau, am 27. Oktober 1874.
Zugelaufen: Ein Jagdhund, röthlich, männlichen Geschlechts.
Gefunden: Ein Messer. Eine Brille mit Futteral. Ein Kinderhandschuh. Ein Rechnenbuch. Ein Baschlik.
Hanau, am 31. Oktober 1874.
Tagesschau.
— Berlin, 29. Okt. Der gestrigen ersten Plenarsitzung des Deutschen Reichstags, welcher der Präsident des Reichskanzler-Amts Dr. Delbrück mit mehreren anderen Bundesbevollmächtigten beiwohnte, wurde um 28/± Uhr auf Grund des §. 1 der Geschäftsordnung („Für jede fernere Session derselben Legislaturperiode setzen die Präsidenten der vorangegangenen Session ihre Funktionen bis zur vollendeten Wahl des Präsidenten fort. Der Vorsitzende ernennt provisorisch für die Frist bis zur Konstituirung des Vorstandes vier Mitglieder zu Schriftführern") mit geschäftlichen Mittheilungen eröffnet. Der Präsident berief zu interimistischen Schriftführern die Abgeordneten Dernburg, Herz, Frhrn. von Minnigerode und Frhrn. von Soden. Seitens des Reichskanzlers ist ein Schreiben über die seit dem Schluß der letzten Reichstagssession vollzogenen Neu- resp. Wiederwahlen eingegangen. Neugewählt sind die Grafen Alfred und Ferdinand v. Hompesch an Stelle des Frhrn. v. Leykam und des verstorbenen Grafen Casus von Stolberg und Frhr. von Schorlemer-Alst an Stelle des verstorbenen Abg. V. Mallinckrodt. Wiedergewählt sind die Abgg. Berger, Dr. Friedenthal, Graf zu Eulenburg, Fürst Hohenlohe-Schillingsfürst; Neuwahlen sind angeordnet an Stelle des verstorbenen Abg. Baudri und der Abgg. Frhr. v. Heeremann Dr. Achenbach und v. Könneritz. An Vorlagen sind folgende 17 Gesetzentwürfe eingegangen, betreffend 1) dqs Gerichts- Verfassungsgesetz; 2) die Strafprozeßordnung; 3) die Civilprozeßord- nung; 4) das Disziplinarverfahren gegen Beamte der Reichs-Eisenbahnverwaltung, die im Auslande wohnhaft sind ; 5) die Geschäftssprache der Gerichte; 6) die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Reiches; 7) Postvertrag zwischen Deutschland und Chili; 8) Postvertrag zwischen Deutschland und Peru ; 9) die Abänderung einiger Paragraphen des lübischen und des Rostocker Stadtrechts; 10) betreffend die Kontrole über die Personen des Beurlaubtenstandes; 11) betreffend den Landsturm; 12) die gerichtlichen Befugnisse des Rechnungshofes; 13) die Einführung der Reichsmünzgesetze in Elsaß-Lothringen; 14) allgemeine Rechnungen über den Haushalt des Norddeutschen Bundes von 1868, 1869 und 1870 ; 15) allgemeine Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des Reiches im Jahre 1873 ; 16) Gesetzentwurf betreffend die Abänderung des Gesetzes über das Posttaxwesen und endlich 17) betreffend den Markenschutz.
Der Präsident v. Forckenbeck wünschte die Ermächtigung des Hauses, um die Berloosung in die Abtheilnngen nach Schluß der Sitzung durch das Bureau vornehmen zu lassen. Der Abg. Dr. Windt- Horst (Meppen) verlangte zunächst die Feststellung der Beschlußfähigkeit des Reichstags. Der Präsident ließ in Folge dessen den Namensaufruf sofort vornehmen. Derselbe ergab die Anwesenheit von nur 170 Mitgliedern, während das Haus, das im Ganzen 397 Mitglieder zählt, erst mit 199 beschlußfähig ist. Das Haus war also nicht beschlußfähig. Der Präsident v. Forckenbeck erklärte hierauf, daß er, da die Präzedenzfälle nicht klar liegen, auf eigene Verantwortung handeln müsse und, weil die Geschäftsordnung dem nicht direkt entgegenstehe, die Verloosung in die Abtheilungen durch das Bureau nach der Sitzung vornehmen lassen werde; die Berufung der Abtheilung zu ihrer Konstituirung soll dagegen erst dann erfolgen, wenn die Beschlußfähigkeit des Hauses konstatirt ist. Der Präsident beraumte die nächste Sitzung auf Sonnabend 11 Uhr an und setzte, unter der Voraussetzung, daß in dieser Sitzung die Beschlußsähigkeit des Hauses durch Namensaufruf
konstatirt wird, auf die Tagesordnung die Wahl der Präsidenten und der Schriftführer. Die Sitzung schloß um 31/* Uhr.
— Berlin, 27. Oktober. In Sachen der rumänischen Zollkonvention ist eingetroffen, was seit einiger Zeit vorherzusehen war. Oesterreich hat in Konstantinopel seine Absicht, solche Abkommen zu treffen, angezeigt, Deutschland und Rußland haben ihre Uebereinstimmung damit kundgegeben. Es heißt in dem bezüglichen Telegramm, es gehe nicht aus jener Erklärung Deutschlands und Rußlands hervor, ob sie ähnliche Uebereinkommen abschließen wollten. Dies ist indessen wenigstens, für später schon deßwegen wahrscheinlich, weil sie, wie schon neulich erwähnt, die Stellung der meistbegünstigten Nation sonst verlieren würden. Man will prophezeien, daß England später dieselben Vortheile beanspruchen werde. Nachträglich erfährt man, daß die Türkei sich vor einigen Wochen über Oesterreichs Haltung in der Sache beschwert hatte. Es wurde ihr schon damals angedeutet, daß die drei nordischen Mächte in der Sache im Großen und Ganzen zusammengingen. An Warnungen und Rathschlägen, daß sie bei Zeiten einlenken möge, hat es der Türkei ohnehin nicht gefehlt. Welche Stellung sie zuletzt in der Sache eingenommen, ist nicht sicher festgestellt. Ein Protest wäre jetzt ein neuer Fehler. Der Aufklärung bedarf noch, in welcher Form die politische Frage des Vertragsabschlusses umgangen wurde. Das Telegramm spricht nur von kommer iellem Abkommen. — Wie wir hören, werden während der bevorstehenden Reichstagssession Konferenzen zwischen dem Minister des Innern und hervorragenden Mitgliedern der Landesvertretung stattfinden, in welchen über die schon seit längerer Zeit in Aussicht genommenen Reformen in der inneren Verwaltung berathen werden sollen. (Schw. Merkur.)
— Bereits vor einiger Zeit ging eine von der „Deutschen Zeitung" in Wien gebrachte Nachricht durch die Blätter, wonach der Papst wiederum ein Schreiben an den Kaiser gerichtet haben soll. Die Nachricht wurde damals dementirt. Nunmehr bringt der römische „Fanfulla" folgendes Nähere über den neuen Briefwechsel, dessen Existenz scheinbar nicht bestritten werden kann; das Blatt schreibt: „Vor geraumer Zeit schrieb der Papst eigenhändig und in sehr gemäßigten Ausdrücken an den deutschen Kaiser und appellirte an dessen „christliche Gefühle", damit jene „Verfolgungen" enden, welche nach Ansicht des Papstes nur bezweckten, die Politik eines Ministers gegenüber dem socialistischen Elemente in Deutschland zu befestigen. Diesem Briefe antwortete nunmehr der deutsche Kaiser und versicherte den Papst seiner immerwährenden achtungsvollen Gefühle gegen das Haupt der katholischen Kirche, indem er beifügte, daß die von seiner Regierung gegen einen Theil des katholischen Clerus in Deutschland beobachtete Politik, weit entfernt einen feindseligen Geist zu entstammen, darauf abziele, die unzurechtfertigende Haltung der katholischen Partei gegen die Reichseinheit und den Willen der großen Majorität Deutschlands zu bekämpfen." (Trw.)
— München, 28. Oktr. Bezüglich des Einflusses, welchen das projektirte deutsche Bankgesetz auf die fernere Gestaltung der Ge- schäftsgebahrung der bayerischen Hypothek- und Wechselbank haben könnte, war man bisher in manchen Kreisen nicht ganz ohne Besorgniß; seit aber die Beschlüsse des Bundesrathes über den Bankgesetzentwurf bekannt sind, ist nicht nur diese Besorgniß gewichen, sondern man ist allgemein zu der Ansicht gelangt, daß das projektirte Gesetz, so wie es aus der Berathung des Bundesrathes hervorging, für die bayerische Hypothek- und Wechselbank nur von den günstigsten Folgen sein könne. In Folge dessen ist denn auch der Kurs der Aktien dieser Bank seit gestern gestiegen und wurden diesen Nachmittag 1097 per Aktie (deren Nominalwerth bekanntlich 500 fl. ist) geboten, ein Kurs, den die Aktien seit dem 38jährigen Bestehen der Bank noch niemals erreicht hat-
(Augsb. Abendz.)
— Der Redakteur des „Vaterlandes" Dr. Sigi ist zufolge Erkenntnisfes des königl. Appellationsgerichts wegen der Artikel in Nr. 165 genannten Blattes, den Reichshund betreffend, und in Nr. 173 beginnend die „Bismarckomanie der Reptilien" vor das Schwurgericht zu München verwiesen worden. Das genannte Gericht nahm an, daß Dr. Sigi dringend verdächtig sei, den Reichskanzler verächtlich gemacht oder in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt zu haben. Der An-