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M 252.

Donnerstag den 29. Oktober.

1874.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Unter dem Rindvieh auf dem hiesigen Sandhose des Oeconomen Neuling ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Hanau am 28. Oktober 1874.

Gefunden. Ein Paar wollene Handschuhe. Ein weißes Ta­schentuch. Ein defekter Hirschfänger nebst Scheide.

Zugelaufen. Dem Heinrich Rüfer zu Großsteinheim ein schwarzer Spitz, männlichen Geschlechts. Der Eigenthümer kann den­selben gegen Erstattung der Futierkosten in Empfang nehmen. Ein schwarz-weißer Pinscher, weiblichen Geschlechts. Der Eigenthümer kann denselben bei Philipp Huf 2r zu Dörnigheim in Empfang neh­men. Eine Ente.

Hanau den 29. Oktober 1874.

Tagesschau.

Berlin, 28. Okt. Se Durchlaucht der Kanzler des Deut­schen Reichs und Präsident des Königlich Preußischen Staats-Ministe­riums, Fürst von Bismarck, ist aus Varzin dahier eingrtioffeu.

Berlin, 28. Oklbr. Die Vorunteisuchung gegen Arnim ist gestern geschlossen. Eine Verdunkelung der Wahrheit ist für den Gang der Untersuchung demnach nicht mehr zu besorgen, weshalb die Haft­entlassung erfolgte. Dem Vernehmen nach beabsichtigt Arnim, zur Slärke seiner Gesundheit nach Nizza m gehen. Wie die Zeitungen melden, soll die von Arnim zu leistende S.cherheitscaution 100,000 Thlr. be­tragen. (N. Franks. Pr.)

Es finden gegenwärtig vorbereitende Berathungen in Regie­rungskreisen über die Sichtung des Materials für den Reichstag statt, worüber wohl erst nach der Rückkehr des Reichskanzlers Beschluß ge­faßt werden wird. Man hat dabei die eine Möglichkeit in das Auge gefaßt, die Session ohne Weihnachtsferien bis zum 15. Januar sortzuführen und dann zu schließen, bis dahin sollten dann sicher Budget und Bankgesetz, sowie ein Theil der minder dringenden Vorlagen er­ledigt werden. Von Civilehegesetz, Regulirung der geistlichen Orden und Congregationen rc. wird wohl schwerlich die Rede sein. Die Ju­stizgesetze werden wenigstens bis zur Ueberweisung an eine Permanenz- Commission erledigt werden. Wie früher bei socialdemokratischen und ultramontanen Vereinen, so sind jetzt, wie dieN. L. 6." mit- theilt, auf Veranlassung der hiesigen Staatsanwaltschaft auch bei dem Centralwahlausschuß der nationalliberalen Partei polizeiliche Recherchen angestellt worden. Dnselben beziehen sich auf die Frage, ob etwa eine Verletzung der viel genannten §§. 8 und 16 des Vereinsgesetzes vorliegt. (Trib.)

Der am 23. d. M. zu Berlin gestorbene Rabbiner Dr. Abra­ham Geiger war, wie diePr. Bl" melden, am 24. Mai 1810 in Frankfurt a. M. geboren. Nachdem er in Heidelberg und Bonn stu- dirt hatte, ward er im Jahre 1832 als Rabbiner in Wiesbaden ange­stellt. Als solcher bemühte er sich, das Judenthum mit in die missen« schaftliche Stiömung der Zeit hineinzuziehen, die jüdische Theologie mehr und mehr als eine Wissenschaft zu begründen und ihren inneren Ausbau zu fördern. Er begründete im Jahre 1835 einewissenschaft- kiche Zeitschrift für jüdische Theologie", welche eine bedeutende Anre­gung zu wissenschaftlicher Durchbildung der jüdischen Theologie in Deutichland gab und Geiger einen bedeutenden Namen verschaffte. Der geist'ge Fortschritt hatte gegen Ende der dreißiger Jahre auch unter der schlesischen und namentlich unter der Breslauer Judenschaft sicheren Boden gewonnen, und so wußte es der gebildetere Theil der dortigen jüdischen Gemeinde durchzusetzen, daß Geiger einen Ruf als Rabbiner nach Breslau erhielt, wo er am 4. Januar 1840 seine Antrittsrede hielt. Unter vielerlei Kämpfen setzte er, von der orthodoxen Partei auss Heftigste angefeindet, seine Amtsthätigkeit, die von der Regierung stets ehrende Anerkennung sand, treulich fort, bis er vor etwa 10 Jahren einem Rufe nach seiner Vaterstadt Frankfurt a. M. und einige Jahre später dem ehrenvollen Rufe nach Berlin folgte. Hier eröffnete sich ihm neben seiner umfassenden geistlichen Berufsthätigkeit ein neues, ihm vor­zugsweise lieb gewordenes Arbeitsfeld in dem Lehramt an der neube­

gründetenHochschule für die Wissenschaft des Judenthums." Auf wissenschaftlichem Gebiete ist es sein 1857 erschienenes Hauptwerk: Urschrift und Uebersetzung der Bibel, in ihrer Abhängigkeit von der innern Entwicklung des Judenthums", welches in seinen für die biblische Kritik und die Geschichte der Entstehung der christlichen Religion überaus neuen Resultaten vielfach auch im Kreise christlicher Gelehrten die ehren­vollste Anerkennung gefunden hat. Nächstdem sind seine in drei Bän­den erschienenen Vorlesungen überdas Judenthum und seine Geschichte" zu erwähnen.

Das Mitglied des Exkutivausschusses der Kommission für die Beobachtung des Venus-Durchgangs, Professor Dr. Auwers, beabsich­tigt zum Zweck der Beobachtung des Venus-Durchgangs sich nach Aegypten zu begeben. Der Bundesralh hat deßhalb gestattet, daß für die Dauer der voraussichtlich bis Mitte Januar 1875 währenden Ab­wesenheit des Dr. Auwers die Ausübung der demselben im §. 6 des vom Bundesrath genehmigten Status der Kommission für die Beobachtung des Venus-Durchgangs übertragenen Befugnisse und Obliegenheiten, mit Ausnahme der Erhebung von Geldern bei der Reichs-Hauptkasse, durch den Professor Dr. Bruhns in Leipz g erfolge.

Patent-Ertheilung.

Dem Direktor der Breslauer Aktiengesellschaft für Eisenbahnwagen­bau F. W. Grund zu Breslau unter dem 26. Oktober 1874 auf eine Kuppelung für Eisenbahnwagen in der durch Zeichnung und Beschrei­bung nachgewiesenen Zusammensetzung und ohne Jemanden in der An­wendung bekannter Theile zu behindern,

auf drei Jahre, für den Umfang des preußischen Maats.

Posen, 27. Okt. Graf Josef Mielzynski auf Jwno ist, wieOgnièko" meldet, wegeü seiner Weigerung, die Kirchenbücher herauszugeben, durch den Landrath des Kreises Bomst verhaftet und an das Gerichtsgesängniß zu Schroda abgeliefert worden.

Konstanz, 22. Oktbr. Bei einer Gauausstellung des land- wirthschafllichen Vereins in Stetten am kalten Markte stahl ein Mit­glied einer Gauklerbande ein 4Hz Jahre altes Kind. Bei Untersuchung der Wagen wurde das Kind entdeckt und der Gauner verhaftet.

München, 26. Okt. Zur weiteren Ausdehnung der Münz­prägung in der hiesigen Königlichen Münzanstalt sind schon vor längerer Zeit zwei neue Prägungsmaschinen bestellt worden, deren Ablieferung jedoch wegen zu großer Bestellungen bei der betreffenden Fabrik sich bisher verzögerte, nun aber in nächster Zeit wird erfolgen können. Nach erfolgter Aufstellung der beiden Maschinen wird die Münzprägung hier beinahe um die Hälfte vermehrt werden können.

München, 27. Oktober. Am 9. November wird Professor Friedrich dem an ihn ergangenen Rufe folgend sich nach Bern begeben, um die an der dortigen Hochschule zu gründende altkatholische Fakultät einzurichten, sowie daselbst während des bevorstehenden Winlersem sters ein Kollegium über Kirchengeschichte zu lesen. Nach Ablauf des Winter­semesters wird derselbe wieder in feine hiesige Stellung zurückkehren. Dr. Hirschwälder dagegen, welcher gleichfalls einen Ruf nach Bern und zwar für die Professur über Moral- und Pastoraltheologie erhalten und angenommen hat, wird daselbst bleibenden Wohnsitz nehmen.

(AugSb. Abendz.)

DerFränk. Kur." hatte nach anderen bayerischen Blattern die Mittheilung gebracht, daß gerüchtweise verlaute, der Präsident des protestantischen Oberkonsistoriums v. Harleß beabsichtige zum Katholi­cismus überzutreten. Darauf ist der genannten Zeitung und den Münche­nerNeuesten Nachrichten" vom Oberappellationsgerichtstath a. D. Frhrn. V. Tücher folgende Zuschrift zugegangen:Gegenüber den durch mehrere Blätter gehenden Mittheilungen über die katholisirende Rich­tung des Herrn Oberkonsistorialpräsidenten Dr. v. Harleß und daß der­selbe zum Uebertritt in die römische Kirche geneigt sei, ist; da man es für vollkommen gerechtfertigt findet, wenn derselbe es unter seiner Würde hält, auf solche Insinuationen zu antworten, Namens und im Sinne der ihm näher stehenden Freunde zu erklären, daß derselbe wie in sei­nem langen Leben und Wirken stets treu dem Bekenntnisse der luthe­rischen Kirche auch von demselben nicht weichen wird, jene Aeußerungen deßhalb als aus der Luft gegriffene Verleumdungen zu erklären sind."