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M 251. Mittwoch bett 28. Oktober.

1874.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Der Goldarbeitergehülfe Johann Peter Heinrich Senner aus Hanau hat um Entlassung aus dem diesseitigen Unterthanenverbande be­hufs Auswanderung nach England nachgesucht.

Hanau, den 23. Oktober 1874.

T a^ g e s s Ä a u.

— Berlin, 23. Oktbr. Die heutige „Börsenztg." enthält eine längere Ausführung über die Vorgeschichte der Arnim'schen Angelegen­heit, welcher augenscheinlich authentische Mittheilungen zu Grunde ge­legen haben. In derselben wird betont, daß Graf Arnim'selbst, nach­dem verschiedene Verhandlungen zwischen ihm und dem Auswärtigen Amte wegen Herausgabe der Schriftstücke resultatlos verlaufen, die Ent­scheidung der Justizbehörde in jener Angelegenheit gewünscht habe. Aus diesem Grunde habe der Kaiser, dem diese Angelegenheit vom Auswär­tigen Amte zur Entscheidung unterbreitet worden sei, die Ordre ergehen lassen, dem Wunsche des Grafen zu willfahren und die Angelegenheit den Gei ichten zu überweisen. Diese letztere Mittheilung wird uns auch von sonst gut unterrichteter Seite bestätigt, allerdings mit dem Hinzu­fügen, daß Graf Arnim sich außerdem noch persönlich in dieser Ange­legenheit an den Kaiser gewandt habe, der aber erklärte, dem amtlichen Entwicklungsgang nicht vorgreifen tu wollen. — 24. Oktober. Mit Rücksicht auf den gesunkenen Werth des Geldes soll nunmehr auch die Löhnung der Gefreiten und Gemeinen vom 1. Januar 1875 um 18 Mk. pro Mann und Jahr erhöht werden. Zu diesem Zwecke ist eine Mehrforderung erforderlich für Preußen mit Einschluß der in die preußische Verwaltung übernommenen Kontingente anderer Bundesstaa­ten: für Mannschaften des Beurlaubtenstandes während ihrer Einbe­rufung zur Uebung 60.994 Mark und für die übrigen Mannschaften 4,838,112 Mk., für Sachsen 5,582 und 376.884 Mk. und für Würt­temberg 278,680 Mk. mithin zusammen 5,560,252 Mark. — Die von der, zur einheitlichen Regelung des Apothekenwesens eingesetzten Sach- verständigen-Kommission im August d. I. gepflogenen Berathungen ha­ben insofern zu keinem endgiltigen Resultate geführt, als das Reichs­kanzleramt aus den Ergebnissen dieser Berathungen ein ausreichendes Material für legislative Vorschläge Nicht zu finden vermocht hat. Das Reichskanzleramt hat deßhalb die sämmtlichen Arbeiten der Kommission dem Bundesrathe zur weiteren Beschlußfassung vorgelegt mit folgenden Bemerkungen: Die unbeschränkte Niederlassungsfreiheit persönlich quali- fizirter Apotheker hat die überwiegende Mehrheit der Kommission gegen sich und wie das Reichskanzleramt annehmen zu dürfen glaubt, nur wenige der verbündeten Regierungen für sich. Für ein auf Grundlage des Konzessionssystems aufzubauendes Gesetz aber gewähren die Aeuße­rungen der Kommission kein ausreichendes Material und stehen dem Reichskanzleramtè eigene administrative Erfahrungen, durch welche das Material ergänzt werden könnte, nicht zu Gebote; selbst die, materiell nicht bedenkliche Ausdehnung der bezüglichen Bestimmungen in den §§. 7 und 9 der Gewerbeordnung auf das Apothekergewerbe vermag das Reichskanzleramt nicht zu empfehlen, denn die Zahl der in Deutschland noch vorhandenen ausschließlichen Apothekerberechtigungen ist eine ver- hältnißmäßig so geringe, daß ein Bedürfniß zu gefetzgeberischem Vor- gehen lediglich für die Regelung dieses vereinzelten und beschränkten Theiles des hier fraglichen Rechtsgebiets wenigstens zur Zeit nicht zu behaupten sein dürfte. Allgemeine Vorschriften über Einrichtung und Ausstattungen der Apotheken und Apothekenrevisionen endlich werden im Wege der Verständigung unter den verbündeten Regierungen getroffen werden können, indem es sich hiebei lediglich um den Erlaß von Ver- waltungsvorschristen handelt. (Schw. M-ri.)

Berlin, 25. Okt. Der Kronprinz von Dänemarck, der vorgestern Abends mit Gemahlin inkognito hier eintraf, besuchte gestern Mittags den Kronprinzen in Potsdam nnd begibt sich morgen zum Besuche des Prinzen Friedrich der Niederlande nach Schloß Muskau in Schlesien. Der Kaiser, der aus Mecklenburg zurückgekehrt ist, stat- tete heute Mittags dem dänischen Kronprinzenpaar einen' Besuch im Hotel ab und empfing darauf dessen Gegenbesuch. Die „Nat.-Ztg." schreibt: Der Besuch des kronprinzlichen Paares von Dänemarck am

deutschen Kaiserhofe zur gegenwärtigen Zeit ist nicht ohne politische Be­deutung ; zunächst dazu bestimmt, den Besuch zu erwidern, welchen un­ser Kronprinz im vorigen Jahre bei der Rückkehr von Norwegen, wo derselbe der Krönung Königs Oskar II. in Drontheim beigewohnt hatte, dem dänischen Hof machte, soll er außerdem wohl davon Zeug­niß ablegen, daß Dänemarck oder doch wenigstens das dänische Königs­haus in der Pflege freundschaftlicher Beziehungen zum deutschen Reiche und seinem Kaiserhause die beste Bürgschaft für feine Zukunft sieht. Interessant ist, gleichzeitig aus Kopenhagen gemeldet zu hören, daß das seiner Zeit angekündigte Project einer Verlobung des ehemaligen Kron­prinzen Ernst August von Hannover mit der Prinzessin Thyra, dritten Tochter des Königs von Dänemarck, sich zerschlagen habe.

— Fürst Bismarck wurde schon am Sonnabend in Berlin er­wartet. Der Umstand, daß der Fürst Hohenlohe, deutscher Botschafter in Paris, von Berlin aus noch eine Reise zu dem Reichskanzler nach Varzin unternommen, spricht dafür, daß der Fürst erst zur Reichstags­eröffnung nach Berlin kommen wird. Dies lag auch bestimmt in seiner Absicht. Der Reichskanzler wird übrigens, soweit es irgendwie seine Gesundheit erlaubt, an den Reichstagsverhandlungen lebhaften Antheil nehmen.

— Der Finanz-Minister hat in Ausführung der Allerhöchsten Verordnung vom 28. Juni d. Js., durch welche vom 1. Januar 1875 ab für den Verkehr bei den öffentlichen Kassen und für den allgemeinen Verkehr die Reichsmarkrechnung eingeführt worden ist, an die König­lichen Regierungen und an die Königliche Finanz-Direktion in Han­nover unterm 18. Juli d. Js. behufs Umänderung der Kassenbücher und Umrechnung der Etats die erforderliche Verfügung erlassen. Der Mmister des Innern hat die Königlichen Landdrosteien, das Königliche Polizei-Präsidium in Berlin, die Bureaukasse des Herrnhauses, das Königliche Kommando der Land-Gensd'armerie und das Königliche sta­tistische Bureau beauftragt, nach dem Inhalte dieser Verfügung in den Angelegenheiten seines Ressorts auch ihrerseits zu verfahren. (R. u. Si. A.>

— Der Bundesrath hat in seiner Sitzung am 17. d. M. be­schlossen, daß auf den von der Hamburger Münzanstalt auszuprägenden Reichsmünzen das Münzzeichen J anzubringen ist.

— Paderborn, 23. Oktober. Die treuesten Söhne der ka­tholischen Kirche in der Diöcese Paderborn waren über den Charakter ihres Bischofs, der jetzt in einer bequem eingerichteten Gefängnißwoh­nung den Märtyrer spielt, niemals in Zweifel. Hatte sie der persön­liche Verkehr mit dem Bischof nicht an ihm irre gemacht, so mußte ihnen die vor einigen Jahren aufgedeckte Unverfrorenheit, mit welcher er noch als Bonner Professor sein bekanntes Lehrbuch der katholischen Religion aus Plagiaten an den Kollegienheften früherer Lehrer zusam­mengestoppelt hatte, die Augen öffnen. Einen neuen Zug zu dem wenig schmeichelhaften Bilde gibt jetzt die „Westfäl. Ztg.", indem sie erzählt, wie der Caplan Lorentz an der Münsterkirche zu Bonn im Jahre 1856 nach dem Tode des Bischofs Franz Drepper von Paderborn in einem Correspondenzartikel der „Frankfurter Zeitung" „Deutschland" auf den Bonner Professor der Theologie Conrad Martin als auf einen geeigne­ten Candivaten für den erledigten bischöflichen Stuhl hinwies. Der Artikel selbst, die angeknüpfte Bitte um Aufnahme, sowie endlich die Unterschrift „Caplan Lorentz" waren von der Hand des Herrn Pro­fessor Conrad Martin geschrieben. (Trib.)

— Man glaubt in München mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß — da Fürst v. Hohenlohe nur der Eröffnung des Reichstags bei­wohnen und dann nach Paris abreisen wird — an dessen Stelle Frhr. v. Stauffenberg zum ersten Vicepräsidenten des Reichstags werde ge­wählt werden.

— München, 26. Oktober. Seit zwei Tagen ist, nach der „A. Abdztg.", in der Geschäftswelt eine große Nachfrage nach Aktien der bayerischen Ostbahnen und hat sich der Kurs derselben um fast 2 Pro­zent gehoben. Als Grund dessen wird behauptet, daß die Slaatsregie- rung neuerdings die Frage der Erwerbung der Oftbahnen durch den Staat in Erwägung gezogen habe und daß Unterhandlungen in dieser Beziehung eingeleitet würden.

— München, 26. Oktbr. Bei den Truppen zu Pferd (den Ka-