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M 250. Dienstag den 27. Oktober. 1874.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Unter dem Rindvieh zu Oberdorfelden ist die Maul- und Klauen­seuche ausgebrochen.

Hanau, am 24. Oktober 1874.

Tagesschau.

Be rlin, 25. Okt. Morgen wird, so schreibt dieN. Frkf. Pr.", der in der Arnim'schen Sache bekanntlich nach Paris gereiste Untersuchungsrichter Pescatore von Paris zurückerwartet. Es soll sich, wie man hört, bei den dortigen Untersuchungen nicht mehr um Auffin­dung neuen Belastungsmaterials, sondern nur noch um ganz bestimmte Feststellungen thatsächlicher Momente handeln. Damit würde angezeigt sein, daß die Voruntersuchung ihrem Abschlusse nahe ist, und nimmt also das Verfahren einen gleich raschen Verlauf wie bisher, so kann die öffentliche Verhandlung schon im December stattfinden. Es wird voraussichtlich als gewichtigster Belastungszeuge der Reichskanzler Fürst Bismarck eine Vorladung erhalten.

Patent-Ertheilung.

Dem Otto Küster zu Neuenhaus unter dem 22. Okt. 1874 auf eine durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesene rotirende Dampf­maschine in ihrer ganzen Zusammensetzung und ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile zu beschränken,

auf drei Jahre, für den Umfang des preußischen Staats.

Dem soeben veröffentlichten Schiffbruchsregister für das erste Semester von 1873 ist zu entnehmen, daß während dieses Zeitraums von den Küsten Großbritanniens und Irlands 1026 Schiffe entweder Schiffbruch litten oder beschädigt wurden und 728 Menschenleben ver­loren gingen.

DieWes. Ztg." vom 24. d. M. meldet aus Bremen: Von allen Seiten treffen weitere Nachrichten über Unglücksfälle, tvelche in dem Sturm der letzten Tage an den Küsten der Nord- und Ostsee stattgefunden haben, ein. DieMargarethe", Friedrichs, strandete auf der Reise von Peterhead nach Stettin auf Anholt und wurde wrack; ein gleiches Schicksal hatten dieAnnette", Ulrichs, von Laurvig nach Papenburg, und dieHoffnung", Swart, von Riga nach Brake be­stimmt, im Hafen von Laurvig. Der Geestemünder KahneverEben Ezer", Graafmeyer, von Narva nach Brake, ist, auf der Ladung trei­bend, bei Grebbestadt angekommen. Die Mannschaft ist gerettet, Kapi­tän und Steuermann jedoch schwer verletzt. In Tönning wurde heute das SchiffAlliea", Berger, von Riga nach Hartlepool bestimmt, leck durch Berger eingebracht. Der Steuermann war todt, die Mannschaft befand sich, wahrscheinlich in Folge der Strapazen, in fast sterbendem Zustande. Die vier erstgenannten Schiffe sind hier versichert.

Katholische Familienväter in Danzig hatten an das Provinzial- Schulkollegium eine Petition gerichtet, worin sie über den Ausfall des katholischen Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten der Stadt Klage führten. In seiner Erwiderung bedauert nun das Provinzial- Schulkollegium diesen Uebelstand auch seinerseits, erklärt aber, daß, nachdem der katholische Pfarrer den Unterricht freiwillig aufgegeben, ein anderer gesetzmäßig angestellter Geistlicher für diesen Zweck bis jetzt nicht aufzutreiben gewesen sei. Doch werde das Provinzial-Schulkolle- gium die Angelegenheit unausgesetzt im Auge behalten.

Karlsruhe, 24. Okt. Heute früh 73/< Uhr wurde in der Nähe des Dorfes Aue am Fuße des Thurmbergs ein hier am Poly­technikum studirender Pole, Namens Czelslaw v. Wolowski, von einem Commilitonen im Duell erschossen. Der Unglückliche, welcher erst 18 Jahre alt war, wurde bei einmaligem Kugelwechsel in der Schläfegegend in den Kopf getroffen und erfolgte der Tod augenblicklich. Der Geg­ner soll ein Russe und die Ursache des Zweikampfs ein wegen eines Mädchens ausgebrochener Streit sein.

Paris, 26. Oktbr. DieAgence Havas" meldet: Nachrich­ten aus Portugal bestätigen, daß der deutsche Gesandte in Lissabon auf der Reise von Madrid nach Lissabon durch spanische Räuber, welche den Eisenbahnzug, in dem der Gesandte sich befand, anhielten, seiner Werthsachen beraubt wurde. Mit dem Gesandten wurden auch alle übrigen Reisenden beraubt.

Paris, 26. Okt. Der spanische Konsul in Bayonne hat in Gemäßheit des Auslieferungs-Vertrages zwischen Frankreich und Spanien vom Jahre 1862 die Auslieferung der Matrosen derNieve" als Deserteure verlangt. - (s. u. gt.«.)

Londo n, 24. Okt. Der Minister dès Innern hat ein Rund­schreiben an die Polizeirichter erlassen, in welchem er bemerkt, daß er gegenwärtig die Maßregeln in Erwägung ziehe, die zur wirksamen Unterdrückung von gewaltthätigen Verbrechen ergriffen werden sollen, und sich das Gutachten der Richter über gewisse Punkte erbittet. Einer derselben ist, ob die Prügelstrafe sich als wirksam zur Verhütung sol­cher Verbrechen erwiesen habe, und ob deren Anwendung weitere Aus­dehnung finden sollte.

London, 26 Okt. Der Strike in Northumberland ist durch eine Uebereinkunft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beseitigt, in Folge deren anstatt einer Lohreduktion von 20 pCt. nur eine solche von 14 pCt. eintreten soll.

Rom, 22. Okt. Monsignor Dupanloup macht in seinem Briefe an Herrn Minghetti den Grafen Cavour, Erfinder der Formel freie Kirche im freien Staat", für die Unterdrückung der religiösen Körperschaften, für die Confiscation der Kirchengüter, für die Verfol­gung der Nonnen,die nächtlicher Weile von Carabinieren aus den Klöstern vertrieben würden", für die Vacanz von Hunderten von Bi­schofssitzen, für die gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes einge­führte Civilehe und für das Gesetz Siccardi, worüber unter dem Rufe Nieder mit den Priestern!" abgestimmt worden sei, verantwortlich. Monsignore", ruft darauf hin dieItalic" aus,eine solche Menge der ungeheuerlichsten Anachronismen und Aufschneidereien wäre kaum dem unwissendsten Mönche von Spanien oder Südamerika zu verzeihen, nie aber dem gelehrtesten Prälaten von Frankreich! Das Siccardigesetz wurde eingeführt und der Erzbischof in Folge gerichtlicher Verurthei- lung eingesteckt, ehe Cavour Minister war; und wie konnten Hunderte von Bischofsstühlen leer stehen, wenn es in ganz Piemont nur vierzig gab? Die Civilehe und das die kirchlichen Corporationen betreffende Gesetz wurden eingeführt, als Cavour schon einige Jahre todt war. Sie aber, Monsignore, schreiben triumphirend: Das hat Cavour aus der Kirche und aus ihrer Freiheit gemacht."

Madrid, 25. Okt. Don Alfoüso hat, wie dieCorre- spondencia" wissen will, den Ebro mit etwa 400 Mann passirt und zwar in der Absicht, sich von Don Carlos zu trennen und Spanien ganz zu verlassen. DieCorrespondencia" fügt hinzu, die Bedeckungs­mannschaft Alfonso's habe bei dem Uebergange über den Ebro einige Verluste an Todten und Gefangenen gehabt.

Konstantinopel. Das Bestreben des jetzigen Großveziers, den Einfluß vom Auslande auf jedem Gebiete der inneren türkischen Angelegenheiten ausznmerzen, zeigt sich, nach derSpen. Ztg.", in einer Reihe von Maßnahmen, die von Seite der Mächte ebensoviel Proteste zur Folge haben. Die Pforte hat die Handelsverträge ge­kündigt und ist gesonnen, beim Abschließen von neuen nach dem Schutz­zollprinzipe möglichst viel Vortheile für sich herauszuschlagen, zugleich müssen sich alle Fremden in der Türkei ausweisen, welchen Staates Unterthanen sie sind. Von dem größeren oder geringeren Einflüsse, den der betreffende Staat eben in Konstantinopel ausüben kann, wird es dann abhängen, ob er bessere oder schlechtere Bedingungen für seinen Handelsverkehr mit der Türkei erzielen und ob seine dortigen Untertha­nen den türkischen Verwaltungsbehörden gegenüber mehr oder weniger Schutz genießen werden. Das Maß, auf welches die Pforte diese Zu­geständnisse am liebsten beschränken würde, zeigt am besten das Vorge­hen derselben gegen Persien und die persischen Unterthanen in der Türkei. Von dem persisch-türkischen Handelsverträge, der eben in der Schwebe ist, und den demselben zu Grunde liegenden Principien ganz abgesehen, hat die Pforte die Unterthanenfrage betreffend ausschließlich nur das eigene Interesse vor Augen gehabt und angeordnet, daß alle Perser in der Türkei, gleich den Einheimischen, die Steuern zahlen müssen und den gewöhnlichen türkischen Gerichten ohne Weiteres unter­gestellt werden. Sofort wurde auch eine Art von Erwerbs- und Ein­kommensteuer für die persischen Tabakhändler eingeführt. Die persischen