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Donnerstag den 22. Oktober.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Unter dem Rindvieh zu Langenselbold ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau, am 20. Oktober 1874.
Gefunden. Ein Kinderschuh. Ein Notizbuch, enth. Heimath- schein von Heil mann aus Kilianstädten. Eine Brille. Ein Stock. Eine lederne Tasche, enth. 2 Wecken und ein Stüa Wurst.
Verloren. Eine Meerschaum-Cigarrenspitze. Eine schwarzer Regenschirm.
Hanau den 22. Oktober 1874.
T L H e s I Ä a iL
— Nach dem „R. u. St.-Anz." ist der Reichstag auf den 29. Oktober einberufen.
— Berlin, 21. Oktbr. Am Montage, Mittags 12 Uhr, fand im großen Sitzungssaale des Ober-Tribunals die Vereidigung des bisherigen Regierungs-Präsidenten und Landhofmeisters Grafen zu Eulenburg gemäß §. 9 des Gesetzes vom 24. Februar 1850, betreffend die Verwaltung des Staatsschuldenwesens, in seiner Eigenschaft als Direktor der Hauptverwaltung der Staatsschulden durch den Ober-Tribunals- Chefpräsidenten, Staats-Minister von Uhden, im Beisein sämmtlicher Mitglieder des ersten Senats des höchsten Gerichtshofes und dreier Mitglieder der Staatsschulden-Verwaltung statt.
— Vom Rhein, 19. Oktbr. In Berlin sind die ersten konfessionslosen Gemeindeschulen eröffnet worden. Wir begrüßen diese Thatsache als einen wichtigen Schcith vorwärts auf dem Wege der Befreiung der Schule von der Kirche. Noch vor vier und drei Jahren wies der Berliner Magistrat die* Errichtung konfessionsloser Volksschulen Seitens Privater zurück: und jetzt richtet er selbst solche Anstalten unter Zustimmung des Provinzialschulkollegiums ein. Wohlgemerkt, es handelt sich um konfessionslose, aber nicht um religionslose Schulen, da in ihnen die evangelischen, katholischen und jüdischen Kinder ihren besonderen Religionsunterricht auf Kosten der Stadt erhalten. Dagegen gibt es dort nicht katholischen oder evangelischen Lese- und Schreibunterricht, keine israelitischen Rechenstunden u. dgl. mehr. Die Bahn ist gebrochen, möge sie in schnell wachsender Ausdehnung beschritten werden! — Wie wir soeben erfahren, sind auch in Saarbrücken die beiden dortigen konfessionellen Volksschulen mit Genehmigung der Regierung in eine konfessionslose umgewandelt worden. (Schw. mertur.)
— Im 1. Münsterschen Wahlbezirk (Tecklenburg, Steinfurt, Ahaus) ist an Stelle des verstorbenen Regierungsrath a. D. v. Mallinckrodt der Freiherr v. Schorlemer-Alst zum Mitgliede des Reichstags gewählt worden.
— Königsberg i. Pr., 20. Okt. Vom Ostpreußischen Tribunal sind heute drei Erkenntnisse der ersten Instanz gegen den Bischof Crementz von Ermland wegen ungesetzlicher Anstellung von drei Geistlichen mit der Abänderung bestätigt worden, daß die Gesammlstraf- summe von 650 auf 600 Thlr. herabgesetzt wird.
— Die von der zweiten hessischen Kammer definitiv angenommenen Kirchengesetze enthalten nach den letzten Beschlüssen ein Verbot der Demeritenanstalten und bezüglich des kirchlichen Gerichtshofes die Bestimmung, daß die Mitglieder desselben, soweit sie aus Coflegialrichtern bestehen (also vier Mitgliedern), auf Vorschlag des Plenums des obersten Landgerichts, und soweit dieselben aus sonstigen Personen bestehen (also drei Mitgliedern), auf Vorschlag des Gesammt-Ministeriums ernannt werden. Die Gesetze werden demnächst die definitive Feuerprobe der Berathung durch die erste Kammer zu bestehen haben. Die Ultramontanen erblicken in diesem Factor der Gesetzgebung ihren letzten Hoffnungsauker, und die liberalen Organe appelliren darum in dringlicher Form an die erste Kammer, in ihrer patriotischen Pflicht nicht wankend zu werden. (Trib.)
— Darmstadt, 20. Okt. Im Walde bei Griesheim fand man vorgestern die Ueberreste eines jungen Mannes, Namens Moser aus Giegeu, der sich, weil er im Einjährigen-Freiwilligen-Examen wie- öeiyolt durchgefalleu, dort vor 7 Monaten den Tod wahrscheinlich durch
Cyancalium gegeben. Die Leiche war der Uhr und Baarsch..ft beraubt worden und sind die hiebei betheiligten Personen bereits in Haft.
— Aus Baden, 18. Okt. Nach einer übrigens nicht amtlichen Zusammenstellung sollen den Altkatholiken bis jetzt 17 Kirchen und bezw. Kapellen, theilwei e mit Pfründen, zugewiesen worden sein. Innerhalb der altkatholischen Kreise wird es beklagt, daß alle Katholiken, die nicht bei der Abstimmung sich ausdrücklich für den Altkatholicismus erklären, einfach für Römisch-Katholisch erachtet werden. Das entspricht allerdings nicht der Wirklichkeit. (Schw. M-ri.)
— Münche n, 18. Oktober. Die Angabe vieler Blätter, es habe sich Anfangs zur Uebernahme der Kullmann'schen Vertheidigung kein Anwalt bereit finden lassen, es seien sogar Münchener Anwälte, aber vergeblich, darum angegangen worden, ist gänzlich aus der Luft gegriffen. Vielmehr war die Wahl des jetzt aufgestellten Vertheidigers die erste, die das Schwurgerichts-Präsidium getroffen hat. Kullmann hätte das Recht gehabt, sich selber einen Vertheidiger zu wählen; er überließ jedoch die Wahl dem Schwurgerichts-Präsidenten. Advocat Gerhard ist ein hervorragendes Mitglied der liberalen Partei und hat sich seit Jahren durch zahlreiche Plaidoyers ausgezeichnet.
— München, 21. Okt. Bekanntlich lehnte der Bundesrath den vom Reichstag beschlossenen Entwurf eines Reichscivilehegesetzes ab und wird im Reichskanzleramte ein anderweitiger Entwurf aufgestellt weiden. Die Vorschläge der Bundesregierungen hiezu werden zur Zeit vollzählig vorliegen, nachdem nunmehr auch Preußen und Bayern ihre Vorlagen gemacht haben. Soviel verlautet, sollen die bayerischen Ergänzungs- und Abänderungsvorschläge ziemlich umfangreich fein und sich nicht auf die im Reichstagsentwurfe behandelten Materien der Staudesbuchführung und der Form der Eheschließung beschränken, sondern auch einen Theil des materiellen Eherechts, nämlich die Ehehin- dernisse und Scheidungsgründe umfassen. (Augsb. Abztg.)
— Braunschweig, 20. Okt. Wie dem „Brschw. Tagbl." mitgetheilt wird, ist in Blankenburg telegraphisch gemeldet worden, daß Se. Majestät der Kaiser am 29. Okt. dort eintreffen und an den am 30. d. im Heimbnrger, sowie am 31. d. im Blankenburger Revier stattfindenden Herzoglichen Hofjagden theilnehmen wird.
— Metz, 18. Oktbr. Bekanntlich fanden bei den kürzlich stattgehabten Manövern unsere Truppen überall die freundlichste Aufnahme. Seiten des hiesigen Bezirkspräsidiums wird nun den betreffenden Gemeinden und Privatpersonen für die „fast ausnahmslos freundliche und zuvorkommende Aufnahme, welche den verschiedenen Truppentheilen im hiesigen Bezirke während der dießjährigen Herbstübungen zu Theil geworden ist, der Dank des Kommando's der 30. und 31. Division ausgesprochen."
— Straßburg, 19. Oktbr. Der „Schw. Merk." schreibt: Die Schwenkung in deutschfreundlichem Sinn, welche der in Mülhausen erscheinende „Jndustriel Alsacien" vor einigen Tagen gemacht und ziemlich feierlich angekündigt hat, ist ein Zeichen dafür, daß im politischen Leben des Landes der Macht der Thatsachen und praktischen Gesichtspunkte mehr und mehr Rechnung getragen wird. Das Blatt war zugleich so frei, die Frage aufzuwerfen, ob vom „gesetzlichen und moralischen Standpunkt" der Rückkehr der Protestabgeordneten nach Berlin etwas im Wege stehe, und verneinte dieselbe. Darob ergrimmte der gestrenge Herr Reichsbote Häffely und belehrte in einem Schreibebrief an den Industrie!, daß jene Ansicht, „wenigstens was seine Person betreffe", ganz rrrthümlich fei. Er sei blos zum Protestiren gewählt worden. Mit Recht sagt man sich in gemäßigten Kreisen, daß der Werth der nun erlangten Zugeständnisse in der Autonomiefrage bedeutend größer wäre, wenn man eine ausreichende Vertretung im Reichstage Härte. Aber den Herren Häffely und Gen. steht ihr vermeintliches Prinzip über dem Wohl des Landes.
— Von Nancy meldet die „Corresp. Havas" : „Seitdem die Weinlese begonnen, führen unsere Bauern ihren ganzen Ertrag hinüber in das deutsche Gebiet. Letzten Freitag haben die Zollbeamten des Ausgangs-Bureau's von Moncelleè a. d. Salle nicht weniger als 240 Wagen, mit Kufen voll Trauben beladen, vorüberfahren sehen. Es scheint, daß über der Grenze mit unseren gewöhnlichen Weinen großer