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1874.
T 8 g e s s Ä a N.
— Berlin, 8. Oktober. Wie wir hören, ist man gegenwärtig im Reichseisenbahnamt mit der Ausarbeitung von Instruktionen für die Betriebsbeamten der deutschen - Eisenbahnen beschäftigt. Bei dieser Gelegenheit sollen auch gleichzeitig Instruktionen ausgearbeitet werden über diejenigen Funktionen, welche im Fall eines Krieges von den Feldeisenbahnbeamten auszuführen sind. — Es wurde kürzlich gemeldet, daß der frühere Präsident des Eisenbahnamtes, Geh. Rath Scheele, beim Reichskanzleramt den Antrag gestellt habe, zur Ausbildung oberer Betriebsund anderer Beamten auf Reichskosten eine Reichseisenbahnakademie zu errichten, und daß der Reichskanzler sich dazu bereit erklärt habe. Wie wir hören, sind in Folge dieser Nachricht mehrere Gesuche von Interessenten beim Reichseisenbahnamt eingegangen, in welchem um Aufschluß über dieses in Aussicht genommene Institut gebeten wurde. Es ist auf diese Anfragen Seitens des Reichseisenbahnamtes der Bescheid ergangen, daß allerdings die Errichtung eines derartigen Instituts in Auèsicbt genommen sei, daß dasselbe jedoch voraussichtlich erst im Jahre 1876, entschieden aber nicht im Laufe des Jahres 1875 ins Leben treten werde. (SHw. Merkur.)
— Berlin, 8. Okt. Der Reichstag wird sich, wie der „B. B. C." meldet, in seiner bevorstehenden Session mit einer Petition, ausgehend von 300 Weinproduzenten und Weinhändlern Deutschlands zu beschäftigen haben. Die Petenten verlangen, daß auf den von Frankreich nach Deutschland gehenden Wein ein höherer Zoll als bisher gelegt werde. In der ausführlichen Motivirung des Petitums heißt es u. A., daß durch den niedrigen Zoll, welcher auf den französischen Weinen lastet, der Konsum in denselben in Deutschland immer mehr zunimmt, während derjenige des deutschen Rheinweines in stetiger Abnahme begriffen ist. Auf deutschen Weinen ruht bei der Ausfuhr ein erheblich hoher Zoll, so daß das Exportgeschäft durch die eintretende Konkurrenz bedeutend erschwert wird. Die Abgeordneten der Rheinpfalz und des Rheingaues werden sich der Petition im Reichstage annehmen und gleichzeitig gesetzgeberischen Schutz gegen die überwuchernden Weinfabriken verlangen, welche dem Weine schädliche Surrogate zuwenden.
— In der Woche vom 20. bis 26. September 1874 sind geprägt worden an Goldmünzen: 825,420 Mark 20-Markstücke; an Silbermünzen: 338,696 Mark 1-Markstücke, 75,004 Mark 60 Pf. 20-Pfennig- stücke; an Nickelmünzen: 107,858 Mark 80 Pfennige 10-Pfennigstücke, 51,616 Mark 25 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 67,714 Mark 86 Pf. 2-Pfennigstücke, 25,398 Mark 5 Pf. 1-Pfennigstücke.
— Die Ultramontanen drohen mit einer gewaltigen Interpellation des Cultusministers wegen eines vertraulichen Rescriptes an die Regierungs-Präsidenten, zufolge welchem der Grundsatz allgemeine Anwendung finden soll, daß dem Lehrer allein die Berechtigung zusteht, den Religionsunterricht nach dem Schulplane zu ertheilen. Den Pfarrgeistlichen stände hingegen das Recht der Ueberwachung des schulplanmäßi- gen Religionsunterrichts zu. Von ultramontaner Seite wird darauf hingewiesen, daß ihre Vertreter im Abgeordnetenhause gegen die Durchführung der Verordnung Protestiren werden, weil das Religions-Lehramt einer kirchlichen und nicht staatlichen Bevollmächtigung bedarf und weil römisch-katholische Lehrer sich nicht mit ihrer Geistlichkeit in Widerspruch setzen sollen. Man zweifelt, daß die Drohungen der Ultramontanen an ihre Adresse gelangen. Im Cultusministerium scheint man entschlossen zu sein, die Ausschließung der Geistlichen vom Schulreligionsunterricht consequent durchzuführen, und wenn dem so ist, wird eine Interpellation der Centrumspartei nichts darin ändern. (Triv.)
— Briefsendungen für die Korvette „Augusta" sind bis auf Weiteres nach St. Thomas (West-Indien), für die Korvette „Ariadne" bis zum 29. d. M. nach Suez via Brindisi, vom 30. d. M. bis 19. November er. nach Singapore via Marseille und vom 30. November ab nach Hongkong zu dirigiren.
— Der General-Postdirektor Stephan zu Berlin hat in Anerkennung des großen Nutzens, den die Stenographie im technischen Postbetriebe gewähren kann, die Ausarbeitung einer deutschen Poststenographie angeordnet und, wie das „Dr. I." mittheilt, damit den Professor am
Königlich sächsischen stenographischen Institute in Dresden, H. Krieg, beauftragt. Die erste Lektion der deutschen Poststenographie erscheint im Oktoberheft des „Deutschen Postarchivs" (Beiheft zum Amtsblatt der deutschen Reichspostverwaltung), und sollen die Postbeamten im Wege der Verordnung darauf hingewiesen werden, „daß der durch das Postarchiv zur Veröffentlichung gelangende Lehrgang zur fortlaufenden Memorirung und praktischen Einübung bestimmt sei, und daß es in der Absicht liege, in Stelle der bisherigen, versuchsweise eingeführten Schreibabkürzungen — welche in ihrer weitern Ausbildung erheblich größere Anforderungen an das Gedächtniß machen würden, als die aus dem einfachsten Alphabet naturgemäß und nach den Hauptgrundzügen der gewöhnlichen Schreibweise sich entwickelnde Poststenographie — das in dem Lehrgänge Dargestellte von einem später zu bestimmenden Zeitpunkte ab allgemein zur praktischen Anwendung zu bringen."
— Eisenach, 11. Oktober. Heute wurde die Versammlung des Vereins 'für Sozial-Politik eröffnet. Die Versammlung berieth über kriminelle Bestrafung des Kontraktbruches durch Arbeiter, wodurch das Kleingewerbe, die Landwirthschaft geschädigt und die Moralität der Bevölkerung untergraben werde. Die Anträge Dannenbergs (Hamburg) welche den Kontraktbruch bestraft wissen wollen, werden mit 33 gegen 30 Stimmen angenommen.
— Würzb urg, 11. Oktbr. Rechtsanwalt Gerhard hier ist vom Gerichtshöfe zum Offizialvertheidiger Kullmanns bestellt worden. Dem Vernehmen nach ist nunmehr der 29. d. M. zur Verhandlung vor dem hiesigen Schwurgerichte anberaumt.
— Aus München wird berichtet, daß eins der bedeutendsten Getreidegeschäfte, das Haus Ernst Mayer, genöthigt war, seine Zahlungen einzustellen, und daß in Folge dessen auch das zumeist hierbei bethei- ligte große Bankhaus G. C. Baur in Augsburg insolvent geworden ist.
— Hagenau, 11. Okcbr. Die internationale Ausstellung von Hopfen, Bier, Brauereimaschinen und Geräthen ist heute unter sehr lebhafter Betheiligung des Publikums vom Bürgermeister Nessel mit einer Ansprache eröffnet worden. Die Ausstellung ist außerordentlich zahlreich beschickt und durch große Mannigfaltigkeit ausgezeichnet.
— Aus der Programmrede des neuen italienischen Unterrichtsministers Bonghi ist als besonders, wesentlich und für Deutschland interessant zu entnehmen, daß derselbe dem Parlament einen Gesetzentwurf über die Erhöhung der Gehälter der Volksschullehrer, sowie später ein Gesetz über die Einführung des obligatorischen Unterrichts in der Volksschule vorzulegen und die Gymnasien und Lyceen vollständig nach deutschem Muster zu reformiren gedenkt. Wir meldeten, so schreibt das „Berl. Tgbl.", schon gestern an dieser Stelle, daß zu dem Zweck der verdiente deutsche Professor Julius Schanz in Rom von ihm in das Ministerium berufen worden ist. Möge es Bonghi mit Hilfe dieses und anderer gleich tüchtiger Männer vergönnt sein, Italien zu einer tüchtigen Schwester und Bundesgenossin Deutschlands auch auf dem Gebiete der Wissenschaft zu erziehen.
— Paris, 8. Okt. Offiziöse Blätter versichern, daß-die Handelsumsätze in Paris neuerdings einen bedeutenden Aufschwung genommen hätten. Die von den Eisenbahnen nach der Hauptstadt geführten Frachten aller Art hätten einen ungeheuern Zuwachs erfahren und die Herbstsaison kündigte sich als eine vortreffliche an. Starke Aufträge aus der Provinz und dem Auslande seien für Tuche, Seiden, Wollstoffe, Leinenwaaren, Hüte und Schuhwerk eingegangen; deßgleichen erfreute sich der Handel mit Broncewaaren, Kunstgegenständen, Luxusartikeln und Schmucksachen eines merklichen Fortschritts, und selbst in dem Baugewerbe, welches am meisten von den folgen des Krieges zu leiden gehabt hat, sowie in den großen Tischlerwerkstätten desFaubourg. St. Antoine herrsche regeres Leben. Alles deute darauf hin, daß diese Bewegung bis zum Ablauf des Jahres noch zunehmen werde, wenn sie nicht durch eine politische Krisis gestört wird.
— Paris, 11. Oktober. Der „Moniteur" bestätigt, daß dem Herzog von Däcazes von dem spanischen Gesandten eine Note überreicht worden ist, die den Umfang einer völligen Denkschrift hat und alle