Einzelbild herunterladen
 

Abonnements K'^rtis: Jährlich 3 Thlr. Halbj. Thlr. 1.15 Vierteljährlich 22 6gr. 6 Ps. jgür auswärtige

Abonnenten mit dem betreffen­den Poftauffchlag. Die einzelne Num­mer 1 Sgr.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Jufertions- Preis.

Die IjpelNge Garmondzeile od deren Raum l_6gt.

Die Sjpalt. geile 2 Sgr.

Diesspaltige Zeile 3 Sgr.

M 229.

Freitag den 2. Oktober.

1874.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Auf dem Wege von der Rosenau nach Kesselstadt ist ein Rum- säßchen gefunden worden, welches in der Bürgermeisterei Kesselstadt abgeholt werden kann.

Hanau am 29. September 1874.

Tagesschau.

Se. Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst ge- ruth, den bisherigen General-Konsul in NewAork Dr. Rösing zum vortragenden Rath im Reichskanzler-Amt zu ernennen.

Berlin, 28. Sept. DiePr. Bl." schreiben: Nachdem die Verhandlungen, welche sich an die am 4. und 5. d. Mts. stattgehabte, von dem Reichseisenbahnamte berufene Konferenz deutscher Eisenbahn­verwaltungen zur Berathung des Winterfahrplanes knüpften, zum Ab­schlusse gebracht sind, dürfen wir neben vielfachen Verbesserungen in den Fahrplänen der einzelnen Routen insbesondere präcisere Anschlüsse, als wesentliches Resultat verzeichnen: die Einführung eines nach ein­heitlichen Grundsätzen gestalteten Normalfahrplanes mit einheitlicher Zeitrechnung; die Fixirung der Termine für Einführung der Winter- und Sommerfahrpläne (15. Mai und 15. Okt.) mit der Maßgabe, daß für dieses Jahr noch der erste Novbr. als Einführungstermin für den Winterfahrplan gilt; die grundsätzliche Regelung des Aufenthalts auf den Stationen lediglich nach dem Verkehrs- bezw. Betriebsbedürfniß; die Regelung der Wartezeiten auf den Anschluß-Stationen, an welche sich demnächst die Nachbringung verspäteter, wichtiger Züge als Extra­zug reihen wird; die Einschaltung angemessener Erfrischungsaufenthalte für die raschen, selten haltenden Schnellzüge mit einer guten Table d'höte bei telegraphischer Vorausbestellung dec gewünschten Kouverts seitens der Bahnverwaltung; thunlichste Einrichtung von Retiraden auf den schnellfahrenden Zügen; Begleitung der durchgehenden Züge durch dasselbe Personal, soweit als irgend angänglich neben Durchgang der Wagen; die Herausgabe besonderer Routenfahrpläne Seitens aller größe­ren Eisenbahnverwaltungen neben dem Lokalfahrplan zur Orientirung des Publikums über die Anschlüsse. Bei dem von den Delegirten der Eisenbahnverwaltungen gezeigten Entgegenkommen darf gehofft werden, daß alle diese Maßregeln in einem den Absichten der Reichsbehörde entsprechenden Umfange alsbald zur Ausführung kommen und für den öffentlichen Verkehr von den besten Folgen sein werden. Graf Her­bert Bismarck, der Sohn des Reichskanzlers, Attaché der preußischen Gesandtschaft in Dresden, ist in die gleiche Stellung nach München versetzt.

Berlin, 28. Septbr. Die durch den Tod Mallinckrodt's er­forderlich gewordene Neuwahl für den 1. Reichswahlkreis des Reg.- Bez. Münster (Kreise Ahaus, Steinfurt, Tecklenburg) ist auf den 18. Oktober festgesetzt.

Berlin, 29. Septbr. Die von ausländischen Zeitungen ge­brachte Nachricht von einer bevorstehenden Verstärkung des deutschen Geschwaders an der spanischen Küste ist völlig unbegründet.

Berlin, 30. September. Die Militairbevollmächtigten auswärtiger Staaten in Frankreich berichten gutem Vernehmen nach an ihre Regierungen, daß seit einigen Wochen in den Büreaus der fran­zösischen Kriegs- und Marineministerien eine besonders rege Thätigkeit herrscht. Die bedeutungsvolle Mittheilung steht mit anderen Nachrich­ten im Zusammenhang, die über die rastlose Thätigkeit berichten, mit welcher in den französischen Arsenalen, Häfen rc. sowie an den Forti- ficationen der östlichen Festungen gearbeitet wird. In den hiesigen militairischen Kreisen nimmt man an, daß diese Rüstungen aus dem Rahmen der organisatorischen Arbeiten der französischen Armee heraus- treten und den Gedanke» erwecken müssen, daß die Franzosen sich zu einer Action vorbereiten. Nach einer unter sonst eingeweihten Politi­kern circulirenden Auffassung handelt es sich um eine Demonstration, welche für die auswärtigen Beziehungen Frankreichs ausgenutzt werden soll. Die offiziellen Pariser Organe haben in dieser Richtung einen Fingerzeig gegeben, indem sie andere Regierungen beschuldigten, daß sie nicht verhindert haben, die Transporte carlistischer Waffen und Kriegs- vorräthe auf deutschen, englischen und holländischen Schiffen an der can-

tabrischen Küste landen zu lassen. Frankreich soll nach derselben Quelle etwas pharisäisch klingende Vorstellungen bei einem und dem anderen Cabinete über die mangelhafte Bewachung der spanischen Küste erhoben haben. Ob und welches weitere Demonstrations-Capital das Pariser Gouvernement aus diesen Anschuldigungen schlagen wird, das muß die nächste Zukunft lehren. (Tr>b.)

Patent-Crtheilung.

Dem Wsffenhändler Alphonse Etiènne Sane fils, zu Paris un­ter dem 28. September 1874 auf Feuerwaffen mit einer Reihe von seitwärts verschiebbaren Läusen in der durch Model, Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile zu beschränken,

auf drei Jahre, für den Umfang des preußischen Staats.

In letzter Zeit sind eine Anzahl strafrechtlich verfolgter social­demokratischer Agitatoren flüchtig geworden, so neuerdings der Viceprä­sident des allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins Winter aus Ottensen, welcher wegen Beleidigung Schulze-Delitzsch vom Appellationsgericht zu Kiel zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Derselbe soll nach England geflüchtet sein. Ebenso wird bereits seit längerer Zeit der bekannte Agitator Frohme aus Frankfurt a. M. (Lassalleaner), der zu fechs Monaten Gefängniß verurtheilt worden, verfolgt. Wie wir zuverlässig erfahren, so schreibt dasBerliner Tagbl.", haben denselben seine Partei-Genossen in einem Briefe noch besonders aufmerksam ge­macht, daß seine Flucht der Partei nachtheilig werden könne. Diese Erfahrungen werden voraussichtlich in Beziehung auf die Verhaftung der socialdemokratischen Agitatoren, welche sich in strafrechtlicher Unter­suchung befinden, verschärfte Maßregeln zur Folge haben; wenigstens sind, wie wir hören, am Berliner Stadtgericht bereits die nöthigen Schritte gethan worden, daß mit der Einleitung einer strafrechtlichen Untersuchung gegen derartige Agitatoren, in den Fällen, in welchen eine Entziehung von der Strafe durch Flucht zu befürchten ist, auch gleich­zeitig die Verhaftung derfelben erfolge.

Von den katholischen Priestern im Koblenzer Gefängniß sind jetzt folgende ausgewiesen worden: Pastor Stiff von Dümpelfeld, aus­gewiesen aus den Kreisen Adenau, Ahrweiler und Rheinbach; Kaplan Zender von Gelsdorf, ausgewiesen aus den Kreisen Adenau, Ahrweiler, Mayen, Neuwied, Bonn und Rheinbach ; die Kapläne Werpen von Dieblich und Zimmermann von Mühlheim, ausgewiesen aus dem Re­gierungs-Bezirk Koblenz. Es ist den oben Genannten ausdrücklich ver­boten worden, weder ihre Heimath noch ihre Stellen, wo sie als Priester gewirkt haben, zu besuchen, dieselben müssen vielmehr von dem Gefäng­niß aus der Ausweisung sofort nachkommen.

Bei der Reichstagsersatzwahl des Wahlkreises Forchheim-Kulm­bach erhielt in Forchheim Fürst Hohenlohe 119, Dekan Krapp 287 Stimmen. Am 29. Sept. Abends waren für Hohenlohe im Ganzm 7600, für Krapp 3860 Stimmen bekannt; die noch ausstehenden Wahl­bezirke sind zur Hüfte liberal. Die Wiederwahl Hoheylohe's ist ge­sichert.

Regensburg, 29. Septbr. Zur zweiten dießjährigen Prü­fung für den Einjährig-Freiwilligendienst, welche, nach demRegensb. Tagbl.", am 25. ds. dahier begonnen, haben 52 Jünglinge die Zu­lassung erhalten. Hievon sind während des Examens 2 zurückgetreten, und wurden 29 für befähigt, die übrigen 21 aber als nicht befähigt erklärt.

Gera, 29. Sept. Zur III. thüringischen Lehrerversamm- lnng, welche gestern in Gera begonnen hat, waren bis Mittag bereits über 500 Lehrer eingetroffen.

Dresden, 25. Septbr. Die Umtriebe der Orthodoxen gegen Einführung der obligatorischen Civilehe in Sachsen finden natürlich bei unseren junkerlichen Grundherren entschiedene Beistimmung. Vergeblich machte auf der jüngst stattgefundenen Diözesanversammlung zu Werdau der Stadtrath Temper darauf aufmerksam, daß Sachsen einem Reichs­gesetze über die Civilehe nicht werde Widerstand leisten können; Ritter­gutsbesitzer Meinhold auf Schweinsburg, Mitglied der 1. Kammer, er­klärte dieselbe für Kirche und Staat verderblich und die Mehrheit der Versammlung stimmte in einem Beschluß ihm zu. i®^- Merkur.)