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M 228.

Donnerstag den 1. Oktober.

1874.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Gefunden: Ein Operngucker. Ein Hufeisen. Ein Messer.

Eine Cylinderuhr. Zwei Abonnements-Billet 1. Ranges.

Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher.

Entlaufen: Ein gelber Pinscher männlichen Geschlechts mit stumpfen Ohren und Ruthe.

Hanau, am 1. Oktober 1874.

Tagesschau.

Berlin, 27. Septbr. So glatt auch in den Ausschüssen des Bundesrathes die Berathung des Bankgesetzes abläuft, so dürfte doch im Reichstage späterhin, wie man vermuthet, die Zahl der Stimmen nicht gering sein, welche sich für baldige Begründung einer Reichsbank ^ aussprechen werden. Ein Resultat ist davon freilich nicht zu erwarten, da die Preuß. Regierung, wenigstens unter dem jetzigen Vicepräsidenten und Finanzminister keine Neigung hat, die Preuß. Bank aufzugeben, ein Zwang gegen sie auch nicht geübt werden kann.

Berlin, 27. Sept. Die Arbeiten für den Reichshaushalts- Etat rücken nur sehr langsam vorwärts; schon hieraus ist man zu der Folgerung berechtigt, daß der Reichstag nicht vor Ende Oktober (d. h. in etwa 4 Wochen) zusammenberufen werden möchte.

B erlin, 30. Sept. Die Kommission für die Ausarbeitung des Entwurfes eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuches hat gestern die Wahl der Redaktoren für die einzelnen Theile desselben vollzogen. Es sind gewählt worden: von Preußen die Herren Ober-Tribunals-Rath Johow und Ober-Appellations-Gerichts-Rath Planck, von Bayern Hr. v. Schmitt, von Württemberg der Ober-Tribunals-Direktor von Kübel und von Baden Hr. Dr. Gebhard . (R. u. st. st.)

Berlin, 30. Sept. DieProv.-Corresp.", anknüpfend da­ran, daß alle besonderen deutschen Preßorgane als selbstverständlich an­genommen haben, daß das festgewurzelte Einvernehmen zwischen Deutsch­land und Rußland durch die Meinungsverschiedenheit bezüglich der spanischen Frage uicht beeinträchtigt werden könne, reproduzirt bezüg­liche Stellen eines Artikels desJournal de St. Petersburg, in wel­chem die gleiche Ansicht ausgesprochen wird und fügt hinzu: Diese Er­klärung steht mit den Auffassungen im Einklang, welche bei dem Mei­nungsaustausch zwischen den Regierungen von Rußland und Deutsch­land von beiden Theilen kundgegeben wurden. (N. griftr. Pr.;

Der sechste deutsche Handelstag, der nach vorläufiger Bestim­mung in den Tagen vom 22. bis 24. Oktober hier in Berlin zusam­mentreten soll, wird nach den bis jetzt gefaßten Beschlüssen folgende Gegenstände in Berathung nehmen: 1) die Eisenbahntarif-Reform (der bleibende Ausschuß beantragt in seiner Resolution, die Einführung des sogenannten braunschweiger Systems zu vertagen und das in Betreff der Tarife bestehende Provisorium einstweilen zu verlängern, bis eine neue gründliche Enquete stattgefunden hat; 2) die Bankfrage (der blei­bende Ausschuß erneuert den Antrag des fünften Handelstages auf Er­richtung einer Reichsbank, indem er betont, daß ein potentes, centrales Institut namentlich aus dem Grunde nicht entbehrt werden könne, weil es die Regulirung des Geldumlaufes und der Wechselcourse in die Hand nehmen wird; der fünfprocentigen Steuer der Vorlage des Reichskanz­ler-Amtes stimmt der bleibende Ausschuß zu); 3) das Eisenbahngesetz ; 4) die einheitliche Garn-Numerirung. Für beide Fragen wird es wohl nur zu präparatorischen Beschlüssen kommen. (Sen. sogest.)

Unsere Meldung, wonach Fürst Bismarck zur Eröffnung des Reichstages in Berlin anwesend sein würde, gewinnt volle Bestätigung. Der Fürst hat sich völlig gekräftigt, ist mit dienstlichen Arbeiten seit längerer Zeit wieder beschäftigt und gedenkt zur Eröffnung des Reichs­tages in Berlin zu sein und sich an dessen Arbeiten zu betheiligen. Schon als der Fürst Berlin verließ, sprach er die Absicht aus, gegen den 20. Oktober nach Berlin zurückzukehren. (»)

DieOstdeutsche Ztg." schreibt:Wir lesen seit geraumer Zeit in den hiesigen polnischen und ultramontanen Blättern, daß es reinem rechtgläubigen Priester zustehe, sich mit den von der Regierung ernannten Diöcesanverwaltern in irgend welche Correspondenz einzu­lassen, da dieses einer Anerkennung der Maigesetze und aller Folgen

derselben, besonders aber der Anerkennung der Amtsentsetzung des Gra­fen Ledochowski gleichkommen würde. Diesen Rath ertheilen die Dom- Vicare, welche bekanntlich die eifrigsten Mitarbeiter obiger Blätter sind, ihren in der Ferne wohnenden Confratern, welche in Folge dessen glau­ben müssen, die Herren seien unbedingt bereit zu jedem Martyrium, besonders aber dazu, lieber ihrem Gehalte zu entsagen, als sich mit dem weltlichen Administrator einzulassen, und wir selbst waren einige Zeit bereit zu glauben, daß die Herren von Entsagung leben. Nun hat es sich jedoch herausgestellt, daß die Herren eine andere Theorie lehren und eine von ihr grundverschiedene befolgen, da sie am Beginne des laufenden Quartals ganz ruhig in ihren Quittungen gesagt haben, daß sie so und so viel Thlr. preuß. Courantaus der. Lasse des könig­lichen Diöcesanverwalters" erhalten haben. Nur einer der Herren Vicare kam noch mit einer Quittung nach althergebrachtem Muster und wurde mit derselben zurückgewiesen, in Folge dessen er sich denn auch entschloß, dem Beispiele seiner Brüder zu folgen und sich zum Em­pfange seines Gehaltes mit einer Quittung nach neuem Formulare zu melden, worauf ihm natürlich das Geld ausgezahlt wurde. Nur der alte Syndikus soll im Schmollwinkel sitzen und sich bis jetzt noch nicht entschlossen haben, sein Geldaus der Kasse des kgl. Diöcesanverwal- ters" abzuholen, sondern will es durchausaus der erzbischöflischen Consistorialkasse" erhalten, und da dürfte er freilich noch einige Zeit warten müssen. Wir halten es für unsere Pflicht, obige Thatsache zu veröffentlichen, um den Geistlichen unserer Provinz zu zeigen, wie hin­terlistig ihre Rathgeber verfahren, welche sie in den ihnen dienstbaren Blättern aufreizen, sich mit den Diöcesanvertvaltern nicht in Connex zu setzen, während sie selbst ausharren bis an den Geldbeutel!"

Darmstadt, 28. Septbr. DieMain-Ztg." schreibt: Der Bericht des Ausschusses der 2. Kammer über die Kirchengesetze ist er­schienen. So schnelle Arbeit sind wir im hessischen Kammerwesen nicht gewohnt: aber der Ernst der Zeit gebietet es, rasch und energisch zu handeln und der Ausschuß hat dies wohl begriffen. Ruhig, klar, ge­schäftsmäßig bespricht der Bericht die vorgelegten Gesetzesentwürfe, alle großen Worte sind vermieden. Die Zeit für Worte ist ohnehin vorbei, die Stellungen sind von einer Seite wie von der anderen genommen; die That muß entscheiden, wem der Sieg bleiben wird, dem Staat oder seinen fanatischen Feinden. Mancherlei ist vom Ausschuß im Einzelnen gearbeitet und gebessert worden, im Ganzen und Großen hat er sich resolut auf den Standpunkt gestellt, den die Regierung eingenommen hat. Eine Aenderung, auf welche der Ausschuß anträgt und welcher die Regierung beitritt, hebt sich in ihrer Tragweite klar heraus. Die Amtsentsetzung soll auch gegen den Kirchendiener ausgesprochen werden können, der zum Ungehorsam gegen die Gesetze auffordert. Nur die Ausgabe des Placet, wie bereits im Entwurf durch die Regierung, nun im Berichte durch den Ausschuß wird vielseitig Bedenken Hervorrufen; ein solch historisch hergebrachtes Recht des Staates im jetzigen Augen­blick zu zerbrechen, ist nicht wohlgethan. Ueber den Erfolg der Kirchen­gesetze sind wir nicht zweifelhaft. Religiöser Fanatismus liegt dem Wesen unserer gutmüthigen und leicht gesinnten Bevölkerung fern; er ist eine importirte Waare und wird, wenn der Druck gebrochen ist, der ihn eben noch hält, von unserer Bevölkerung abgeschüttelt werden.

München, 29. Sept. Wie wir erfahren, ist der wirkliche Autor einer kürzlich in den ultramontanen Blättern reklamenhaft an­gekündigten und im Druck befindlichen Schriftdie Revolution nach Oben" (als deren Verfasser zuerst Freiherr von der Pfordten, dann der ehemalige hannoveranische Minister v. Windthorst genannt wurden und die die überraschendsten Enthüllungen und hochwichtigsten Beiträge zur Zeitgeschichte enthalten sollte) der bekannte Frhr. Ernst V. Linden in Starnberg. Auf besondereEnthüllungen" durch diese Broschüre wird man demnach nicht rechnen dürfen. (Augsb. wg.)

München, 30. Sept. Die bayerische Hypothekenbank und Wechslerbank lombardirt von heute ab nur mit Reichsgeld und zwar unter der Bedingung, daß die Rückzahlung ebenfalls nur in Reichsgeld erfolgt. Es soll dadurch der Ausfuhr von Reichsmünze entgegenge­wirkt werden.

Dresden, 30. Sept. Heute ist hier der zweite deutsche