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fand vor Kurzem eine Versammlung liberaler Männer des bayerischen Oberlandes statt. Derselben folgte am vergangenen Sonntag eine zweite, zu welcher trotz heftigen Regens von weiter Ferne Theilnehmer in solcher Anzahl herbeikamen, daß sogar die Gänge des dortigen Gasthauses gefüllt waren. Nach Annahme der Statuten eines „liberalen Vereins für das bayer. Oberland" wurde dieser für gegründet erklärt. Eine gehobene Stimmung herrschte allgemein. Ein Hoch auf den König wurde mit Jubel aufgenommgn. Die Organisation soll sich auf das ganze Oberland erstrecken, und werden die nächsten Versammlungen in Holzkirchen, Tölz und Miesbach gehalten werden. Die Beitrittserklärungen sind massenhaft. Möchte es sich allenthalben auf dem Lande ebenso regen! («ngat. »rdztz.)
— Im Jnseratentheil der „Karlsruher Ztg." werden von dem katholischen Bischof Reinkens die (auf Grund des Art. 4. Ziff. 2 und 3 des Gesetzes vom 15. Juni 1874) den seiner Leitung anvertrauten (Alt-) Katholiken-Gemeinschaften in Sauldorf und Stühlingen überwiesenen Pfründen zur Beweibung ausgeschrieben; erstere, eine Pfarrpfründe, untersteht dem Patronate des Prinzen Wilhelm von Baden, die zweite, die Loretto-Kaplaneipfründe, dem des Fürsten zu Fürstenberg.
— Aus Lions schreibt man der „Tribüne": Der Kirchenbesuch ist vorläufig schwach, zumal man alle Gelegenheiten benutzt, um die Kirchgänger nach andern Orten abzuziehen. So fanden am Sonntag zwei große Ablässe in der Nähe statt, auf welchen man dafür sorgte, daß die ausgesprochene Excommunication zur Kenntniß der von allen Seiten zusammengetriebenen Heerde kam. Probst Kubeczak hat persönlich einen schweren Stand, da der Decan eifrig gegen ihn thätig ist und der Vicar Bak durch den seit längerer Zeit ausschließlich von ihm abgehaltenen Gottesdienst einen großen Einfluß auf die Gemeinde gewonnen hat, den er, da er der Kirche gegenüber wohnt, bestens gegen Knbeczak zu verwerthen weiß. Gelingt es nicht, dem Kubeczak die Gemeinde vollständig abwendig zu machen, so wird man versuchen, ihm irgend Etwas nachzusagen und ihn zu discreditiren. Diese jesuitische Praxis scheint schon jetzt zu beginnen — Der Vicar Bak fährt fort, in Lions Amtshandlungen zu verrichten und läßt sogar beerdigen, obwohl Probst Kubeczak den Kirchhof verschlossen hat und die Schlüssel betvahrt. Es scheint staatstreuen Einwohnern so, als ob es an der nöthigen Energie der Behörden fehlte, da der Vicar Bak Amtshandlungen verrichtet, welche gar nicht in die Kirchenbücher eingetragen werden können, weil Kubeczak letztere im Besitz hat. Hier müßte die Behörde ein Exempel statniren, damit die religiöse Hetzerei ein- für alle Mal ein Ende hat.
— Solothurn, 18. Sepr. Der Kautonalrath von Solothurn hat, nach dem „R. u. St.-A.", den Antrag der Regierung, das Kloster Mariastein und die Stifte Leodegar, Ursus und Viktor aufzuheben, mit 70 gegen 31 Stimmen genehmigt.
— Der Bazaine-Prozi'ß in ©raffe hat seinen ganzen Reiz für die Pariser verloren, seit die Anklageschrift bekannt ist. Der Staatsanwalt Tappie von Grasse, beiläufig ein alter Bonapartist, geht in derselben von der Annahme aus, daß der dicke Gefangene sich wirklich am Seil in das stürmische Meer hinabgelassen und vermittelst eines brennenden Streichhölzchens den Nachen entdeckt habe. In Folge dieser edelmüthi- gen Annahme fällt der Verdacht einer Mitschuld gegenüber dem Ge- fängnißdireklor Marchi, ebenfalls alter Bonapartist, vollständig zu Boden.
— Es regnet in den Blättern Nekrologe über Guizot. In der „Opinion National" beurtheilt Desonnaz den Verstorbenen sehr bitter. „Guizot", sagt er unter Anderm, „ist der böse Genius von Frankreich gewesen, und wir werden sein Andenken nicht ehren. . . . Wenn wir ihm bei seinem Tode den Achtungsbeweis schulden, auf den das Talent Anspruch hat, so dürfen wir nicht vergessen: wir schulden den aufrich- rigen Ausdruck der Wahrheit dem Vaterlande, welches so viel von den Fehlern und dem Eigensinn dieses Mannes gelitten hat." Der Minister des Innern und der Admiral Foarichon reisen heute nach Val Richer ab, um der Bestattung Guizot's beizuwohnen; man sagt, daß auch Thiers sich dorthin begeben wird. In einigen Tagen beabsichtigt Thiers seine Reise nach dem Süden, zuerst nach Nizza, anzutreten. Im Laufe des October will er Ober-Italien besuchen.
— Paris, 18. Sept. Der aus den Verhandlungen über die Kapitulation von Metz bekannte Regnier ist gestern vom Kriegsgericht wegen Spionage und Einverständnisses mit dem Feinde in contumaciam zum Tode verurtherlt worden.
— Madrid, 17. September. Die Carlisten haben wiederholt mehrere Angriffe auf Cuenza versucht, die sämmtlich zurückgewiesm wurden.
— Rom, 18. Sept. Das Journal „Italic" ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die vom klerikalen „Giornale bi Fiorenza" gebrachte Meldung, England habe Seitens der in Sicilien sich aufhalten- den britischen Unterthanen vielfache Reklamationen wegen der dort herrschenden Unsicherheit erhalten und dieserhalb mehrere Depeschen an die italienische Regierung gerichtet, jeder Begründung entbehre. Die
„Opinione" unterzieht die Meldungen des Pariser Journals „Union" über die angeblich auf Sizilien sich vorbereitenden Ereignisse einer Besprechung und meint, die „Union" habe durch ihre indiskreten Auslassungen nur enthüllt, mit welchen Absichten die Partei, der sie diene, umgehe. (R. u. St.
— Die „Nene Frtrr. Pr." schreibt unterm 18. Septbr. aus Frankfurt a. M.: Heute Vormittag empfing der hiesige Central-Ausschuß des deutschen und österreichischen Alpenvereins per Telegraph die schmerzliche Mittheilung, daß Herr John Sholto Douglaß, Fabrikbesitzer in Thüringen (Voralberg) gestern auf der Gemsjagd 800 Fuß tief abstürzte und sofort todt blieb. Der Verblichene war im Vorjahre erster Vorstand der Section Voralberg und trug- hauptsächlich dazu bei, der vorjährigen Generalversammlung in Bludenz den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Auch auf der diesjährigen Generalversammlung in Kempten war Herr Douglaß erschienen und erwarb sich derselbe durch seine freundliche Zuvorkommenheit viele Freunde. Der noch junge Mann, dessen schöne Gestalt Jedermann imponiren mußte, lieferte öfters interessante wissenschaftliche Aufsätze in die Zeitschrift und verliert der Verein in ihm einen seiner eifrigsten begeistertsten Förderer. — Der zoologische Garten erhielt gestern wieder eine größere Sendung neuer Thiere, worunter ein Paar Busch-Känguruh, ein männlicher afrikanischer Strauß, ein Paar südafrikanische Königskraniche, schwarze Schwäne und zwei Nashornvögel, bereit ohnehin schon wuchtige Schnäbel mit großen hornigen Aufsätzen versehen sind. Im Auslande lebende Frankfurter beginnen an dem neuaufblühenden Institute wieder Interesse zu nehmen und sind von verschiedenen derselben namhafte Thiergeschenke zugesagt worden. — In dem Judenspital sogenannte „Hektisch" stürzte sich ein Patient in der Fieberhitze zum Fenster hinaus in den Hof und blieb auf der Stelle todt.
Lokales und Provinzielles.
HanKA, 19. Septbr. 1874
• —• Im kleinen Saale zur „großen Krone" feierte der hiesige Geschichtsverein am vorgestrigen Abend sein 30jähriges Stiftungsfest bei einer regen Betheiligung. Herr Pfarrer Rullmann, Vorsitzender des Vereins, schilderte in höchst interessanten Worten die Geschichte des genannten Vereins und führte aus, welche große Schwierigkeiten sich demselben zur Verfolgung seiner Zwecke geraume Zeit entgegengestellt haben, wie aber der Verein trotz aller Hindernisse stets wacker sein vorgestecktes Ziel verfolgt habe und wie für denselben seit Längerem eine bessere Aera eingetreten sei und schloß mit dem Wunsch, daß der Verein weiter blühen und gedeihen möge zum Segen unserer. Stadt und unseres Vaterlandes, Herr Dr. Duncker hielt hierauf einen sehr interessanten und äußerst klaren Vortrag über die Geschichte unserer Gegend bis zur römischen Kaiserzeit und wird es von den Anwesenden freudig ausgenommen worden sein, daß er sich bereit erklärte Fortsetzungen folgen zu lassen. Zum Schlüsse hielt ein gemeinschaftliches Abendessen noch längere Zeit eine große Anzahl Mitglieder und Freunde des Vereins in animirter Stimmung zusammen.
— Das für die Beschaffung billiger Lebensmittel gewählte Comitö, soll in seiner gestrigen Sitzung beschlossen haben, am künftigen Donnerstag den 24. b. M. eine Bürgerversammlung anzuberaumen. Näheres wird in diesen Tagen bekannt gegeben werden.
„So sind der guten Menschen Herzen, Wenn eines, angeregt von Schmerzen, In Klag' und Weheruf verhallt,
Das andere in Mitgefühl erschallt". Sr.
—g. Dem Zuge ihres edlen Herzens folgend, besuchten die Hanauer das gestrige Concert so zahlreich, daß wohl nicht viele bei sDbollem Hause dürften gegeben worden sein. Es war aber in Wirklichkeit kein Opfer, wenn man in Betracht zieht, daß durch das Gebotene die darauf verwendete Zeit überreich belohnt wurde; waren schon die auf dem Programme erwähnten Namen eine Garantie dafür, so war- nicht zu verkennen, daß Begeisterung für ein edles Streben das Beste darbst; der Schluß war für Diejenigen, die das Nachtessen noch zu sich zu nehmen hatten, jedenfalls anregend genug, indem im „Speisezettel" von den bekannten tüchtigen Kräften vorgesungen noch guter Appetit gewünscht wurde. Es war aber bei dem Genuß, den das gestrige Concert geboten, wohl nicht nöthig, das Publikum in der Weise beeinflussen zu wollen; obwohl Saphir am Schlüsse einer seiner Vorlesungen sagt: nur die hungrigen Menschen sind scharfe Kritiker, die essenden Menschen sind sehr nachsichtig; obschon sie alles aufgabeln und den Mund zuweilen recht voll nehmen, so verschlucken sie doch so Manches.
Nehmen Sie daher, edle Hanauer im Namen der unglücklichen Meininger den innigsten Dank und erfreuen Sie sich in dem Bewußtsein, einen edlen Zweck gefördert zu haben.
— Wegen Uebernahme der hiesigen gewerblichen Fortbildungsschule in den Organismus des städtischen Schulwesens ist die von einer großen Anzahl unserer Mitbürger unterzeichnete Collectiveingabe in diesen Tagen an verehrt. Stadtrath übergeben worden. Zu den Unterzeichnern derselben gehören außer einer Anzahl von einflußreichen