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Hamuer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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M 217.
Freitag den 18. September.
1874.
Die Herrn Standesbeamten werden darauf aufmerksam gemacht, daß Formulare zu standesamtlichen Ermächtigungen (Formular F), Aufgeboten (Formular E) in der Waisenhaus-Buchdruckerei hier â Buch 9 Sgr. zu haben find.
Hanau, am 17. Septbr. 1874.
Tagesschau.
— Berlin, 14. Septbr. In klerikalen Blättern wird zu einer großen Generalversammlung schlesischer Katholiken, bei der auch Glaubensgenossen aus anderen Ländern willkommen sind, auf den 19. und 20. Oktbr. eingeladen, um „die Erinnerung an die schönen, erhebenden Tage der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands im Jahre 1872 zu erneuern." Diese „schöne und erhebende" Versammlung des Jahres 1872 hat, wie man sich erinnert, damals großes Aufsehen gemacht, indem sie, noch vor den Maigesetzen, die heftigsten Angriffe gegen die Politik der deutschen Reichs- und der Preuß. Staatsregierung schleuderte, in fulminanten Resolutionen gegen die Jesuitenaustreibung, die Gefangenhaltung des Papstes und andere Missethaten des Liberalismus eiferte und schon damals die Mobilmachung des ultramontanen Lagers in Werk setzte. Man darf sonach wohl von dem Erinnerungsfest an diese Tage die entsprechenden verstärkten Leistungen erwarten. Unterzeichnet ist der Aufruf von den Reichstagsabg. Graf Chamare auf Stolz, Horn in Neiße, Graf Nayhaus-Cormons, Graf Praschina, dem Geheimkämmerer Sr. Heiligkeit, Frhr. von Köller, den Redakteuren v. Florencourt und Hager u. a.
— Berlin, 14. Sept. Die Mittheilung eines hiesigen Korrespondenten, daß die Ernennung des neuen landwirthschaftl. Ministers bereits zur Vollziehung im Kabinet des Kaisers vorbereitet oder gar bereits erfolgt sei, ist als verfrüht zu bezeichnen, wenn auch die Allerhöchste Entschließung in nächster Zeit erwartet wird. Dagegen ist schon nach einer andern Seite hin die Beschlußfassung Sr. Majestät erfolgt, nämlich in Bezug auf die Erweiterung des Gebiets des landwirthschaftl. Ministeriums. Diese Erweiterung wird in einer Richtung erfolgen, die bei den verschiedenartigen Vermuthungen der Presse zufälligerweise nicht angedeutet worden ist. Es ist nämlich auf Vorschlag des Gesammt- Ministeriums von Sr. Majestät genehmigt worden, daß die landwirth- schaftlichen Kredit-Institute vom Ressort des Ministeriums des Innern an das landwirthschaftliche Ministerium übergehen sollen. Die Frage war schon vor längerer Zeit erörtert worden und bereits damals ist die Geneigtheit der betheiligten Ressorts zu einer solchen Aenderung zu Tage getreten. Die ganze Angelegenheit ist nach der Rückkehr des Ministers des Innern perfekt geworden. (SHw. smert.)
— Die Herren Graf zu Lippe und Genossen sollen sich, nach der „Tribüne", allen Ernstes mit der Idee tragen, ihrerseits in der nächsten Session den Gründerschwindel abermals zur Sprache zu bringen, weil sie glauben, es lasse sich, was gegen die Herren Fürst Putbus und Prinz Biron von Kurland vorgebracht worden ist, am Besten dadurch abschwächen, daß man auch bekannte liberale Abgeordnete als Haupt- gründer^ entlarve. Es werden von letzteren Einige namhaft gemacht, denen die feudale Rechte unbarmherzig zu Leibe gehen will. Die liberale Partei hat keinerlei Veranlassung, eine solche Discussion nicht zu wünschen oder gar zu hintertreiben, denn sie stimmte aus vollster Ueberzeugung dem Dr. Lasker bei, welcher seiner Zeit erklärte, ihm wäre die Aufdeckung jedes Schwindels recht, gleichviel wer sich des Schwindels schuldig gemacht hätte. Wer der liberalen Partei anzugehören unwürdig ist, der wird von ihr weggestoßen; sie kann sich eines Reinigungsprozesses, der an ihr vorgenommen wird, nur freuen.
— Ueber die Vorlage eines Reichs-Vereinsgesetzes ist in letzter Zeit wieder manche Angabe verbreitet worden. Wir erfahren mit Bestimmtheit, daß für die nächste Reichstagssession keine Aussicht vorhanden ist, dieser Materie näher zu treten. Es sind Verhandlungen zwischen den Bundesregierungen im Gange und allerlei Vorarbeiten eingeleitet, doch ist zur Zeit nicht abzusehen, ob diese alsbald auch schon zu Resultaten führen werden; überdies liegt aber schon jetzt eine Reihe von Vorlagen für den nächsten Reichstag vor, deren Erledigung kaum in der Zeit vom 20. Oktober bis zum Ende des Jahres wird erwartet werden können.
— Einen erbaulichen Beitrag zu den moralischen Grundsätzen des äußerlich so fromm und züchtig umherwandelnden Ultramontanismus liefert uns ein kleines in vlämischer Sprache zu Antwerpen erscheinendes Blatt, dem die „Trib." nach dem „Echo du Parlament" nachstehende Jnquisitions-Gebetsammlung entnehmen: Litaneien: „Leuchtende Flamme, glühender Scheiterhaufen, brennendes Oel, geschmolzenes Blei, stillt unsern Durst ! Flamme der Inquisition, reinige uns ! Brandfackeln, leuchtet uns! Banner Torquemada's führe uns! Marterstricke, kettet uns zusammen! Strafe der peinlichen Frage, unterstütze uns! Ketzerrost, hilf uns! Flammen der Inquisition, erstickt die häretischen Kaiser, Könige und Fürsten, Wilhelm, Emanuel, Victoria und Alexander, Bismarck und die übrigen atheistischen Minister! Glühende Scheiterhaufen, verbrennt die Kapitalisten und Wucherer, Juden und Protestanten, die Freimaurer und liberalen Vereine, die Freidenker, Liberalen und liberalen Katholiken! Brandfackeln, entzündet die Besitzthümer der Ketzer, die Werkstätten, Pachthöfe und Scheunen der Liberalen! Befreie uns, Torquemada, von dem Letzten der Dissidenten, von dem Letzten der Liberalen! Arche des Heils, heilige Inquisition, habe Mitleid mit uns! Gott der Inquisition, erhöre uns!" — Vaterunser der Inquisition: „Brennende Flammen der Hölle, Euer Name sei geheiligt, Eure Fülle komme, zeigt Eure Vertilgungskraft auf Erden wie in der Hölle, gebt uns heute eine reiche Ernte, erstickt die Liberalen, wie wir es selbst thun möchten, und führet uns nicht in den Abgrund, sondern erlöst uns von allem Uebel. Amen!" — Ave der Inquisition: „Ich grüße Dich, geschmolzenes Blei, heilender Balsam; die Ultramon- tanen sind mit Dir, gesegnet bist Du vor allen Foltermitteln, und gesegnet ist die Frucht Deiner Verheerungen. Kostbare Waffe der Inquisition, hilf uns jetzt und in der Stunde des entscheidenden Kampfes. Amen!" Stoßgebet der Juquisition: „Schütze mich jetzt, vielgeliebte Inquisition, vernichte die Liberalen und befreie mich!"
— Bonn, 16. Sept. Die Unionskonferenzen von Vertretern aller christlichen Konfessionen wurden heute unter eifrigen Debatten fortgesetzt. Wie die „Bonner Zeitung" meldet, wurde in mehreren wichtigen Punkten eine Verständigung erreicht. Allgemeine Bewunderung erregte die lebhafte und rüstige Leitung des hochbetagten Döllinger, der sich bei derselben sowohl der deutschen wie der englischen Sprache bediente. Der Bischof von Pittsburg sprach demselben seinen Dank aus und überreichte ihm eine schriftliche Erklärung, welche der Freude über die in wichtigen Punkten erreichten Einigung Ausdruck verleiht. An der Konferenz theilgenommen zu haben, werde zu den schönsten Erinnerungen seines Lebens gehören. Aehnliches äußerten der Oberpriester Janyschew aus St. Petersburg und der Dechant Howson aus Chester.
— Meiningen, 12. Sept. Mit lobenèwerther Beschleunigung hat man, nach der „Nat.-Ztg.", seitens der Regierung bereits den neuen Bebauungsplan für die abgebrannten Stadttheile aufgestellt und den städtischen Behörden zur Aeußerung vorgelegt. Die Abgebrannten werden daher bald in der Lage sein, die Vorbereitungen zum Wiederaufbau ihrer Wohnungen zu treffen und eine erhöhte Thätigkeit zur Beseitigung der erlittenen wirthschaftlichen Nachtheile zu entfalten. Es erscheint dies sehr wesentlich, damit recht bald vermöge der geistigen Elastizität der menschlichen Natur die Klage um das Verlorene verdrängt wird durch das befriedigende Gefühl der neuen Arbeit. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß sich bei dem Brande die sogenannten feuerfesten Schränke, in so fern sie der unmittelbaren Einwirkung des Feuers ausgesetzt waren und nicht in Gewölben standen, nicht bewährt haben, weil die darin befindlichen Papiere verkohlt sind.
— Heidelberg, 17. Septbr. Die hiesige Heilige Geistkirche, welche durch Ministerialerlaß vom 20. August d. J. der altkatholischen Gemeinde zur Mitbenutzung überwiesen wurde, ist gestern Nachmittag polizeilich geöffnet worden, da das katholische Pfarramt, trotz wiederholter Aufforderung des Bezirksamts, sich geweigert hatte, die Schlüssel herauszugeben. ^(N. Friftr. Pr.)
-A — N eustad t, 16. Sept. Heute Morgen wurde in unserer Nachbarstadt Lambrecht eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind, todt in ihren Betten gefunden. Erstickung durch ausgeströmtes Leuchtgas soll die Todesursache sein.