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Hanauer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit Ser Berliner Provinzial-Correspondenz.
M 216.
Donnerstag den 17. September.
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1874.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, binnen 8 Tagen Tarife sämmtlicher, innerhalb der betreffenden Gemeinde vorkommenden Kommunications-Abgaben aller Art, als Wege-, Brücken-, Pflaster-, Fähre- und Stätte-Gelder, Abgaben von der Flößerei, Schleußeugelder, Hafen-, Liege- und Krahngebühren u. s. w., welche in den einzelnen Gemeinden erhoben werden, einzureichen.
Hanau, am 12. Septbr. 1874.
Tagesschau.
— Berlin, 13. Sept. Bezüglich der Ausarbeitung eines Reichs- Civilehegesetzes im Reichskanzleramt erinnert die „Köln. Ztg." daran, daß nach dem Bundesrathsbeschlusse der von dem Reichstag angenommene Entwurf (Antrag Völk-Hinschius) den Bundesregierungen mit dem Ansuchen zugegangen ist, ihre Anträge auf Abänderungen und sonstige Wünsche dem Reichskanzleramte zugehen zu lassen. Es ist anzunehmen, daß die Resultate dieses Beschlusses zu jener Ueberarbeitung des Preuß. Gesetzes geführt haben, wovon osficiös gemeldet worden ist. Man darf gespannt sein, wie sich inzwischen die Stellung der Opposition gegen das Gesetz gestaltet hat, welche sich hauptsächlich aus Sachsen, Oldenburg, Hamburg und beiden Mecklenburg zusammensetzte. Es besteht die ausgesprochene Absicht, diese Angelegenheit in der bevorstehenden Reichstagssession zum Abschluß zu bringen.
— Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob die kirchlichen Aufgebote, welche noch bis zu dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Beurkundung des Personenstandes, also vor dem 1. October erfolgen, für die nach dem Gültigkeitstermin abzuschließenden Ehen die Wirkungen eines gültigen Aufgebots haben. Auf Grund specieller Anfragen ist entschieden worden, daß die durch das neue Gesetz vorgeschriebenen Aufgebote durch anderweit erfolgte Proklame nicht ersetzt werden.
— Paderborn, 15. Septbr. Das „Westphälische Volksblatt" meldet, dem Bischof Martin sei gestern Abend ein Schreiben des Oberpräsidenten vom 7. d. M. zugegangen, welches ihn auffordert, binnen 10 Tagen sein Amt als Bischof niederzulegen, widrigenfalls beim Gerichtshöfe für kirchliche Angelegenheiten in Berlin Anklage auf Absetzung erhoben werden würde.
— Bonn, 15. Sept. Die Unionskonferenzen von Vertretern aller christlichen Konfessionen sind gestern hier unter dem Vorsitze Döllingers eröffnet worden. Die Berathungen wurden heute fortgesetzt. Die Zahl der Theilnehmer beträgt über 40. Unter denselben befinden sich berühmte Theologen aus Deutschland, Dänemark, Frankreich, England, Rußland, Griechenland und Nordamerika; auch mehrere Bischöfe sind anwesend. Die Verhandlungen mit den Anglikanern und Amerikanern wurden in englischer Sprache, die mit den Orientalen in deutscher Sprache geführt. Das Resultat ist bei beiden ein sehr günstiges. Höchst bedeutsam war ein längerer Vortrag Döllingers über das Verhältniß der abendländischen zur morgenländischen Kirche. Bemerkenswerth war ferner, daß Döllinger und Bischof Reinkens sich für die Gültigkeit der Bischofs- und Priesterweihe der anglikanischen Kirche aussprachen.
Die . „Köln. Ztg." nennt unter den Theilnehmern: aus Deutschland Bischof Reinkens, die Bonner altkatholischen Professoren, Prof. Lutterbeck von Gießen, die Bonner evangelischen Theologen J. P. Lange und Krafft, Militärpfarrer v. Gerlach aus Frankfurt a. M.; aus Dänemarck die evangelischen Pfarrrer Schöler und Bloch; aus Frankreich der Abbä Michaud; aus Rußland Oberpriester Janyschew und den Oberst v. Kirejew, Th. v. Sukhatin aus Moskau und Propst Tatschalow aus Wiesbaden; aus England den Bischof Harold Browne von Winchester, Dechant Dr. Howson von Chester, Professor Mayor von Cambridge, Dr. Liddon von London, Carmichael Talbot von Oxford, Plummer von Durham und mehrere Andere; aus Griechenland Prof. Rossis von Athen; endlich aus Nordamerika den Bischof von Pittsburg, die Herren Hartmann, Chauncy, Langdon und Newin (ame* rikanischer Geistlicher in Rom). Prof. Rensch bewillkommnete die Versammlung, hob hervor, daß die Berathungen keinen offiziellen Charakter hätten für das, was die Einzelnen sagten, also nur diese selbst, nicht die Kirchen oder Korporationen, denen sie angehörten, verantwort
lich seien, und schlug dann den Reichsrath v. Döllinger als Vorsitzenden vor. Nachdem dieser Vorschlag allgemeine Zustimmung gefunden, sprach Döllinger über den Zweck der Versammlung im Allgemeinen zuerst in deutscher, dann in englischer Sprache.
— Der römische Klerus in Hessen hat die Veröffentlichung der Kirchengesetzentwürfe für das Großherzogthum mit einer trotzigen Kriegserklärung beantwortet. „Glauben die Herren Minister und die nationalliberalen Mitglieder der zweiten und ersten Kammer etwa — so fragt das als Organ des Herrn Ketteler bekannte „Mainzer Journal" — daß die katholischen Geistlichen und das katholische Volk in Hessen sich je unter diese Art von Gesetzen beugen und zur Ausführung derselben je ihre Hand bieten werden? Daran ist — absolut kein Gedanke ! So wenig die katholischen Geistlichen und das katholische Volk in Preußen unter die Maigesetze sich gebeugt, ebenso wenig werden die katholischen Geistlichen und das katholische Volk in Hessen sich je beugen unter Gesetze, die, gleich den preußischen Maigesetzen, in ihrem Principe und in vielen ihrer Einzelbestimmungen eine vollständige Negation der katholischen Kirche in sich schließen und die Gewissensfreiheit der katholischen Unterthanen des Landes auf das Tiefste beeinträchtigen und verletzen, und die schließlich auf nichts Anderes hinauslaufen, als — auf eine vollständige Umwandlung und' Zerstörung der katholischen Kirche! Solchen Gesetzen werden wir uns niemals unterwerfen, weil wir uns ihnen nicht unterwerfen können und nicht unterwerfen dürfen I" (Trib.) .
— Leipzig, 14. Septbr. Das wichtigste Ereigniß der letzten Woche für Leipzig ist die am 9. dss. erfolgte Bürgermeister-Neuwahl. An Stelle des nach 9 Jahren Amtsführung zurücktretenden Dr. Stephani ward Advokat Dr. Georgi, Reichstagsabg., langjähriger Vorsteher der Stadtverordneten, entschiedener Nationalliberaler, mit voller Stimmeneinheit gewählt. Der Gewählte nahm die Wahl an, die in der Bürgerschaft den größten Beifall findet. Dr. Georgi ist ein ernster Mann in der Blüthe der Jahre, erprobt durch langjährige patriotische Thätigkeit für Stadt, engeres und weiteres Vaterland, das neue Reich, für den Gustav-Adolf-Verein, dessen Centralvorstand er als Sekretär diente, für die Handels- und Gewerbekammer, deren erster Schriftführer bei Einrichtung der Körperschaft er war. Sein Vater war in den Bewegungsjahren königl. sächsischer Staatsminister. Er hatte das Portefeuille der Finanzen unter dem Ministerium Braun vom 16. bis 22. März 1848, das am 24. Febr. 1849 zurücktrat. (Schw. Merkur.)
— Aus Thüringen, 13. Septbr. Auf den Thüringischen Eisenbahnlinien, sowie auf der Werrabahu genießen die für die Abgebrannten in Meiningen bestimmten und als solche bezeichneten Waarensen- dungen Frachtfreiheit. Wir machen deßhalb darauf aufmerksam, daß es sich empfiehlt, bei Aufgabe von derartigen Collis auf Stationen anderer Bahnen eine Kartirung bis zu den Uebergangsstationen Gerstungen, Lichteufels, Leinefelde rc. zu verlangen.
— Ruppertsberg, 14. Septbr. Letzten Donnerstag brannten, nach der „Neust. B.-Ztg.", einige Schulschwestern hier mit Zurücklassung ihrer Garderobe durch. Ziel und Veranlassung der Flucht sind unbekannt.
— Wie die „Allg. Ztg." vernimmt, ist die Verweisung Kullmanns vor das unterfränkische Schwurgericht nunmehr erfolgt, und wird die Anklage gegen Mitte Oktober in Würzburg zur Verhandlung gelangen.
— München, 14. Septbr. Die hiesige königl. Polizeidirektion hat, nach dem „Schw. Merker.", gestern die in München bestehenden Mitgliedschaften: 1) der socialdemokratischen Arbeiterpartei, 2) der Schuhmachergewerkschaft, 3) des allgemeinen deutschen Schneidervereins, 4) des allgemeinen deutschen Töpfervereins, 5) der Maler-, Lakirer- und Vergoldergewerkschaft, 6) der Metallarbeiter- Gewerkgenossenschaft, 7) der Holzarbeitergewerkschaft als selbstständige politische Vereine erklärt und geschlossen. Gleichzeitig erfolgte die polizeiliche Schließung des Arbeiterpreßvereins. Im Anschluß daran wurde ebenfalls gestern bei 26 hervorragenden Führern der socialdemokratischen Bewegung polizeiliche Haussuchung gehalten und das auf die Vercins- thätigkeit Bezug habende Material in Verwahrung genommen. Gegen