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Mittwoch den 16. September

1871

Zugelaufen: Ein schwarz und weißer Hund. Ein brauner Jagdhund; letzterer kann vom Eigenthümer beim Herrn Bürgermeister Dsetz zu Windecken in Empfang genommen werden.

Entlaufen: Ein Spitzhund.

Verloren : Ein brauer Jagdrock.

Hanau, am 16. September 1874.

Tagesschau.

— Berl jp, 15. Septbr. Gestern Nachmittag um 5 Uhr fand Galatasel im Königlichen Schlosse zu Hannover statt. Gegen das Ende des Gatadiners brachten Se. Majestät folgenden Toast aus:

„Ich trinke auf das Wohl des X. Armee-Corps, welches sich heute Meine volle und ganze Zufriedenheit erworben, auf das Wohl der Provinz, welcher das Corps angehört, und auf. das Wohl des kom- mandirenden Generals."

--- Die „Tribüne" schreibt in ihrer politischen Tagesschau: Es hat lange Zeit und mancher mühevollen Anstrengung bedurft, ehe das Ministerium Bismarck-Roon, aus welchem unsere heutige Regierung herausgewachsen ist, zu einem politisch einheitlichen und homogenen um­gewandelt worden ist. Mit der bevorstehenden Ernennung des Abge­ordneten Dr. Friedenthal zum landwirthschaftlichen Minister wird der Schlußstein zu dieser schwierigen Arbeit gelegt, denn auch Graf Eulen­burg wird nach der Durchführung der Kreisordnungsresorm nicht mehr als fremdartiges Element des jetzigen Kabinets betrachtet werden dür­fen. In andern Staaten Pflegen sich derartige Uebergânge aus einem in das andere politische System durch äußere schroff hervortretende Acte zu vollziehen, die wie ein jähxr Mechsej der Temperatur die ganze Si­tuation plötzlich verändern. Bei uns in Preußen ist es eine langsame organische Entwickelung gewesen, die es dahin gebracht Hat, daß aus dem ehemaligen Conflictsministerium ein Cabinet geworden ist, das trotz seiner konservativen Traditionen h^ für alle diejenigen Grundsätze und Reformen eintritt, welche die große liberale Partei seit Jahren vorgezeichnet hat. Wohl mag sich dabei die Frage aufdrängen, wie es komme, daß in einem solchen Cabinet noch kein Mitglied von ausge­sprochen liberaler Parteistellung Platz gefunden habe; allein wir sind in Preußen noch weit von jener organischen Verkettung der Regie­rungsgewalt mit der parlamentarischen Vertretung entfernt, wie sie in England herrscht, und müssen uns vorerst daran genügen lassen, daß die Ueberzeugung der Majorität im Volke materiell wenigstens in dem Verhalten der Regierung zum Ausdruck kommt. Die Personenfrage steht dem gegenüber erst in zweiter Linie und wird, je mehr sich der Einfluß der liberalen Partei und ihr Blick für die praktisch politischen Bedürfnisse stärkt, auch künftig mehr und mehr zu ihren eigenen Gun­sten entschieden werden. Wir begrüßen in der Candidatur des Dr. Friedenthal einen unzweifelhaft wichtigen Fortschritt in unserem consti- tutionellen Leben und ein Verlassen des bei amtlichen Besetzungen so lange gewöhnten Weges der bureaukratischen Zukunst. Dr. Friedenthal hat seine politische Schule lediglich in freier parlamentarischer Thätig­keit und verdankt seine Berufung außer den ihm beiwohnenden technischen Eigenschaften offenbar nur dem Wunsche der Krone, eine immer festere Verbindung zwischen dem Ministerium und der Majorität der Landes­vertretung herzustellen. Hierin liegt für uns die eigentliche Bedeutung der Wahl des neuen Ministers, die wir als eine neue vorwärts lie­gende Etappe auf der constitutionellen Bahn mit Genugthuung be­grüßen.

— An den Bischof von Paderborn ist, wie die „Spen. Ztg." hört, die Aufforderung ergangen, sein Amt niederzulegen. Die Frist zur Beantwortung der Aufforderung läuft dieser Tage zu Ende. Nach fruchtlosem Ablauf wird die Anklage auf Dienstentsetzung erhoben werden.

— Am Montag begannen in Bonn die Unionsconferenzen deut­scher Theologen aller Confessionen. Stiftsprobst von Döllinger hat als Gast bei dem Bischof Reinkens Wohnung genommen.

— München, 13. Septbr. Ueber den Entwurf eines Bankge- letzes für das deutsche Reich hat gestern nun auch im Staatsministerium des Innern eine sehr eingehende Berathung stattgefunden. Herr Staats­

minister v. Pfeufer führte den Vorsitz und waren mehrere Mitglieder des Direktoriums der bayer. Hypotheken- und Wechselbank zu dieser Be­rathung beigezogen. Mehrere wesentliche' Artikel des Entwurfs sollen besonders eingehende Debatten veranlaßt haben und dürfte auch die Be­rathung gestern noch nicht zum definitiven.Abschlusse gelangt sein.

— München, 9. Septbr. In der meist von Protestanten be­wohnten mittelfränkischen Stadt Schwabach befindet sich auch eine kleine katholische Gemeinde; zur Herstellung eines neuen Geläutes hat man derselben, nach der „Köln. Ztg.", von Staats wegen Kanonenmetall von den eroberten französischen Geschützen gegeben — und der Pfarrer haf verweigert, daß diese Glocken zur Feier des Sieges geläutet wer­den, ohne welchen sie gar nicht existiren würden. Wir haben geglaubt, daß dieses Beispiel hartgesottener pfäffischer Undankbarkeit bekannt zu werden verdiente.

— Karlsruhe, 13. Septbr. Für die Versammlung von Rekto­ren, Lehrern und Lehrerinnen höherer Mädchenschulen Deutschlands be­reitet die Großh. Hofbühne, nach dem „Schw- Mèrk.", einen speziellen Kunstgenuß vor; sie sucht eine Vorstellung der Antigone zu ermög­lichen. Dix Versammlung findet vom 28. d. Mts. bis 4. Oktbr. statt.

— Wien, 14. Septbr. Die Presse erfährt, der Reichsrath werde bereits zwischen dem 15. und 20. October wieder zusammen­treten und würden die Sessionen der Landesvertretungen deshalb späte­stens bis zum 15. k. M. geschlossen werden.

—- W i e n, 12. September. Die Brandeiser Manöver haben hier mancherlei Kopfschütteln verursacht. Die Militärs finden sich nicht zu­recht. Die Resultate sind alle anders, als wie vorgeschrieben waren. Freilich helfen sich die Militärs aus diesen Widerssirjichen, indem sie erklären, es lagen ja nur die Berichte der Civilisten vor, und diese ver­stehen natürlich die Sache nicht. Nach den offiziellen Berichten, die man nicht zu lesen bekommt, werde sich Alles ganz gut aufklären. Viel­leicht werden einige Pensionirungen zur Aufklärung beitragen, denn trotz allen civilistischen Anschauungen ist doch so viel gewiß, daß die Nord­armee, die geschlagen werden sollte, im Vortheil blieb. Daß dabei ge­rade die Landwehr durch ihre Manövrirtüchtigkeit den Ausschlag gab, wird im Publikum ebenfalls freudig kommentirt. In Wien, wo man trotz aller schlechten Zeiten den Humor nicht verliert, macht man nun lustige Glossen darüber, daß die Nordarmee, die man als die gegnerische, als Preußen bezeichnete, siegte; daß also selbst die fingirten Preußen bei uns siegen. Uebrigens wird die gute Haltung der Kavallerie und Artillerie von allen Seiten lobend hervorgehoben. (Sqw. M-rk.)

— Prag, 15. Septbr., Mittags. Bei der heutigen Eröffnung des böhmischen Landtags waren Minister-Präsident Fürst Auersperg und die Minister Unger, von Pretis-Cagnodo und Banhans anwesend. Unter den erschienenen Abgeordneten befanden sich sieben czechische, welche theils im linken Centrum, theils auf der äußersten Linken ihre Sitze einnahmen. Vom Oberst-Landmarschall wurden in der Eröffnungsrede die czechischen Abgeordneten besonders willkommen geheißen.

— Prag, 14. Septbr. Der Kaiser erließ an den commandiren- den General in Böhmen, Phillppöwich, anläßlich der Manöver ein Handschreiben, worin er die vollste Anerkennung und die vollständige Zufriedenheit des Kaisers über die gediegene Detaikausbildung und die vorzügliche Manövrirfähigkeit und Disciplin der verwendeten Truppen aäer Waffengattungen ausdrückt.

— Schweiz. Der Pfarrer St. Ange Lièvre in Biel ist nicht ohne Bosheit. Er hat Sr. Heiligkeit dem Papste seine Verlobungs­karte gesandt mit den Worten Pauli an Titus: „Es ist geziemend, daß der Priester der Gatte eines Weibes sei, — jedoch nicht mehrerer.

— In Bern ist am 15. ds. Mts. bekanntlich der Weltpoft- kongreß eröffnet worden, zu welchem die Regierung des deutschen Reichs die Initiative ergriffen hat. Sein Programm bezweckt die Herstellung eines vertraglich geordneten Postverbandes zwischen den einzelnen Staa­ten (Weltpostverein), innerhalb dessen im Interesse von Handel und Industrie ein gleichmäßiger postalischer Rechtszustand und ein einhen- liches Verfahren im Briefpostverkehr stattfinden soll. Vor Allem sollen unter Anwendung einfacher und mäßiger Taxen die lästigen Transitge- bühren fortfallen, welche bisher von einzelnen Staaten in fiskalischer