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land, jeden Herbst nach der Krimm zu reisen. In diesem Jahre sei jedoch ihre Abreise verzögert, wenn nicht ganz gehindert, durch das Vorhandensein der Pest in Odessa. Diese Geißel wäre aber nichts Anderes als eine der drei riesenhaften, noch in Dunkel gehüllten Gestalten, welche im Jahr 1875 erscheinen und die schlummernden Staaten und Nationen mit unwiderstehlichem Grimm anfallen werden. Gut gebrüllt, bischöflicher Löwenhautträger!
— Homburg, 8. Septbr. Als der Kronprinz mit Gefolge auf dem Bahnhöfe des in ultramontanem Gerüche stehenden Landstuhl ankam, wurde er von Beamten, Einwohnerschaft, dem Krieger- und Singvereine festlich empfangen, ebenso herzlich wurde derselbe in der, obgleich nur kurze Zeit gegönnt war, sinnig mit Kränzen, Bildern, Gesträuchen und Fahnen in deutschen, bayerischen und preußischen Farben geschmückten Stadt begrüßt; an dem Wege auf die Burghöhe boten ihm weißgekleidete kleine Mädchen mit Blumen und Sträußen den Willkomm; Böllerschüsse krachten von den Bergeshöhen, die Glocken läuteten und stürmische Hochrufe tönten dem Gaste entgegen. — Ich glaube Landstuhl ist von den ultramontanen Blättern verläumdet, wenn diese es als ihre Domäne bezeichnen? ?!! — Nach Besichtigung der Festungsreste und des vormaligen Bärenzwingers, in welchem jetzt freilich nur in der Gegend gefangene Wildschweine hausen, wurde das Dejeuner eingenommen, wobei die Musik des in Blieskastel stehenden und hierher beorderten 5. Jägerbataillons heitere Weisen aufspielte. — So was hätte sich Franz von Sickingen auch nicht träumen lassen, daß nach 4 Jahrhunderten der zukünftige Herrscher des damals durch die herrsch- süchligen Pläne der von ihm bekriegten Hierarchie in Verfall gerathen- den, nun aber wieder erstarkten nnd geeinten Reiches einmal in so glänzender Gesellschaft in den Ruinen seiner Burg Tafel halten würde. Es ändern sich die Zeiten und neues Leben blüht aus den Ruinen!
— Bingen, 8. Sept. Heute verfügten sich, nach dem „Mainz. Jl.", Herr Staatsprocurator Schön von Mainz sammt Untersuchungsrichter, Secretär und Polizeicommissär in's katholische Pfarrhaus dahier, um eine Haussuchung nach der Predigt, welche Pfarrer Sulzbach am 30. August hielt, anzustellen und den Pfarrer zu verhörend Sie ließen sich das Predigtbuch vorlegen und confiscirten eine kurze Predigt-Scizze. Die Anklage fußt auf §. 110 des Strafgesetzbuchs.
— Freiburg, 9. Sept. sAltkatholikenkongreß.j Zu der zweiten öffentlichen Versammlung, welche gestern Nachmittag 3 Uhr stattfand, waren noch mehr Zuhörer beigeströmt als am Sonntag, obgleich von der am Sonntag stattgehabten Gegenversammlung der Ultramontanen im „Freiburger Boten" behauptet worden war, der Altkatholizismus sei in derselben durch die Redner Buß und Hiß vernichtet worden. Als erster Redner trat Direktor Streng aus Baiern auf. Er sprach davon, daß der Protest gegen die Unfehlbarkeit bereits zur That geworden sei und immer mehr zur That werde. Doch müsse man vorsichtig zu Werk gehen und dürfe nicht überstürzen. Bald werde die Messe in der Muttersprache gelesen werden; der Beichtstuhl werde nicht mehr eine Stätte des gewohnheitsmäßigen Beichtens sein, man werde es den einzelnen Gemeindegliedern frei stellen, ob sie beichten wollen oder nicht dem Priester, welcher dann in Wahrheit ein Arzt der Seele sein werde und nicht mehr der Auskundschafter der Familien.
— Würzburg, 10. Sept. Ein altkatholisches Leichenbegäng- niß bleibt unter den heutigen Verhältnissen immer eine Seltenheit und der Reiz der Neuheit macht es erklärlich, wenn die Neugierde des Volkes erheblich angespornt wird, sobald ein solches stattfindet. Daß aber gleich wenigstens 4000 Menschen nach dem Friedhofe wandern, um einer derartigen Feier anzuwohnen, das konnte wohl nur im katho- tholischen Würzburg stattfinden, wo am letzten Sonntag eine altkatholische Beerdigung eine Menschenmenge auf dem Friedhofe concentrirte, die in der That staunenerregend war. Die Beerdigungsfeier selbst wurde in wesentlich vereinfachter und veränderter Form vorgenommen. Die gewöhnlichen Ceremonien des Räucherns und Besprengens mit Weihwasser fielen weg, die üblichen lateinischen Gebete wurden verdeutscht wiedergegeben.
— Neustrelitz, 8. Sept. Der Großherzog hat nach beendigter Kur Bad Homburg verlassen und sich mit dem Herzog von Cambridge von dort nach Schloß Rumpenheim begeben, woselbst am 5. d. M. auch die Großherzogin aus Keppschloß bei Pillnitz angekommen ist. Der Erbgroßherzog war bereits am 29. August von Bad Homburg nach Ostende zum Gebrauche der Seebäder abgereist.
— Laut einer Bekanntmachung der Kommission für Verwaltung der Staatsschulden wird für beschädigt oder unbrauchbar gewordene Kassenscheine des Fürstenthums Reuß j. L. nur dann ein Ersatz aus Landesmitteln geleistet, wenn das vorgelegte Stück unzweifelhaft von einem einzigen ächten Kassenscheine herrührt und mehr als die Hälfte eines solchen beträgt. Indeß soll die Entscheidung über betreffende Fälle ausnahmsweise noch besonderer Entschließung vorbehalten bleiben.
— B unzl au. Eine frevelhafte That ist in der Nähe von Ober- Schönfeld am 2. September Abends gegen 8 Uhr verübt worden. Von bis jetzt unbekannter Hand wurde nämlich auf den Güterzug 116, welcher 8 Uhr 4 Min. hier eintrifft, geschossen. Die Kugel ist durch das
vordere Fenster der Lokomotive 209 eingedrungen, über den Kopf des Lokomotivführers hinweggegangen und an den zunächst gelegenen Gepäckwagen angeprallt. Glücklicherweise ist Niemand dadurch verletzt worden.
— Prag, 10. Sept. Der Kaiser hat in einem unterm gestrigen Tage von Brandeis aus erlassenen Handschreiben der ganzen Bevölkerung seinen Dank für den ihm bereiteten schönen und herzlichen Empfang ausgedrückt.
— Haag, 10. September. Der bisherige Ober-Kommandant der Atchin-Expedition, General van Swieten, ist heute von Niederländisch- Jndien hier eingetroffen.
— Paris, 8. Septbr. Bekanntlich hat sich die Nachricht vom Tode Guizot's nicht bestätigt: Ueber dessen Befinden theilt ein Freund des Kranken schon vor einiger Zeit den Döbats Folgendes mit: „Ich hatte einen traurigen Eindruck von dieser großen Existenz, welche von Tag zu Tag mit beunruhigenderen Symptomen dahin sinkt. Die Seele ist fest, und der Geist nicht nur immer ein ganzer, sondern gewöhnlich beschäftigt. Ich bringe von diesem Besuche ernsthafte Besorgnisse mit."
— London, 9. Sept. Der Herzog von Edinburgh traf am 5. d. M. von Balmoral, woselbst er und seine Gemahlin die Gäste der Königin sind, in Aberdeen ein und legte dort unter entsprechenden Feierlichkeiten den Grundstein zu einem Wellenbrecher im dortigen Hafen, dessen Herstellungskosten auf 200,000 Lstr. veranschlagt sind.
— London, 9. Sept. Der Staatssekretär für au^värtige ° Angelegenheiten hat vom chilenischen Gesandten in London eine Note erhalten, worin die Mitwirkung der englischen Regierung an. der internationalen Ausstellung in Santiago, die äm 16. Sept. 1875 eröffnet werden soll, nachgesucht wird. — Die „Times" dementirt das Gerücht, daß eine militärische Kommission ernannt worden sei, um die Wirksamkeit des Martini-Henry-Gewehrs zu prüfen. Die eingegangenen Berichte, fügt das Blatt hinzu, waren so befriedigend, daß das Gewehr in wenigen Wochen sich in Händen sämmtlicher Truppen im Zulande befinden wird.
— Rom, 10. Sept. Der „Voce della Veritâ" zufolge hat der Papst am vorigen- Montag die Zöglinge der römischen Seminarien empfangen und in seiner Ansprache dieselben zur Buße und Standhaftigkeit und zur Vorbereitung auf etwa bevorstehende neue Kämpfe ermahnt.
— Konstantinopel, 10. Sept. Die türkische Regierung hat, wie aus Paris vom 10. Sept., Abends, berichtet wird, die Inhaber von Anweisungen auf die türkische Staatskasse, die in London zahlbar sind, benachrichtigen lassen, daß diese Anweisungen vom 13. d. ab bei der Banque Ottomane in London und in Paris zur Einlösung präsen- tirt werden können. Die Verzugszinsen sollen mit 12pCt. vergütet werden.
— Aus Chili ist über Rio folgendes Telegramm eingetroffen: „Valparaiso, 28. August. Die Tragödin Ristori erbat und erwirkte die Begnadigung von Munoz, der eben erschossen werden sollte. Die Regierung wurde bewogen, das Todesurtheil ümzuwandeln, und die Ristori unterzeichnete den Begnadigungsact. (!) Enthusiasmus ist unbeschreiblich." Gerade so unbeschreiblich wird die Bewunderung der europäischen Leser über die seltsame Nachricht sein.
— Die „Neue Frstr. Pr." icyidot unterm 11. Septbr. aus Frank furt a. M.: Gestern wurden in der Frohnhofstraße die Rohrlegungsarbeiten für die Quellwasserleitung in Angriff genommen. — Die Rohrlegungsarbeiten für die Quellwasserleitung werden in den nächsten Tm gen in der Pestalozzi-, Werder- und Waldschmidtstraße in Angriff genommen werden. — Gestern Abend beging die Israelitische Religions- gesellschaft die Einweihungsfeier ihrer für ihre hohen Festtage fertig gestellten, aber noch keineswegs vollendeten Synagoge. — Gestern Nachmittag stürzte sich in der Altgasse ein 35 Jahre altes Dienstmädchen aus Leonberg in einem Anfalle von Melancholie, an der sie schon seit Jahren gelitten haben soll, aus dem Fenster ihrer Mansarde auf die Straße herab. Die Unglückliche war auf der Stelle todt. Die Leiche wurde in das Hospital zum heiligen Geist geschafft. — In der Fabrik zu Griesheim wurde einem Arbeiter das Bein zerquetscht. Bei seiner Ankunft in dem H. Geistspital mußte derselbe sofort am Oberschenkel amputirt werden. — Vor 10 Tagen schoß sich ein junger Mann, Namens Schwarz, aus Kirchberg in Württemberg auf einer Bank am Rechneigraben in den Mund; gestern erst starb der Unglückliche.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 12. Septbr. 1874.
—r. Um in Betreff der in Masse consumirenden Zweiguldenstücke vielfach irrigen Meinungen entgegen zu treten, constatiren wir, daß dieselben in Frankfurt a. M. zum vollen Werth eingelöst und hier von sämmtlichen Bankiers gegen 12 kr. Vergütung auf fl. 100 gegen anderes Geld umgewechselt werden. Der Verlust, beträgt somit im schlimmsten Falle 1 Heller per Stück, also immerhin besser als Gold zum Kaufcours. ,
J. Die Kastanienbäume am Nürnbergerthor, die vorigen Herbst