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Hanauer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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M 210.
Donnerstag den 10. September.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Verloren: Ein Zehnthaler-Schein.
Hanau am 10. September 1874.
Tagesschau.
Berlin. Se. Maj. der König haben Allergnädigst geruht, dem praktischen Arzt Dr. Heinrich Schwarzs child zu Frankfurt a. M. den Charakter als Geheimer Sanitäts-Rath zu verleihen.
— Die politische Tagesschau der „Tribüne" schreibt: Der gestern mitgetheilte Vorfall an der Küste des Biscayischen Meerbusens ist inzwischen in der Hauptsache vollkommen bestätigt worden, und spätere Telegramme sowohl als auch die amtliche Meldung des Geschwader- Commandanten stellen es außer Zweifel, daß eins der beiden deutschen Kanonenboote, nämlich der „Albatros" unter Führung des Capitän Zembsch auf der Reise von San Sebastian nach Santander von carli- stischen Batterien, welche auf die Stadt Guetaria feuerten, mit Kanonenschüssen angegriffen worden ist. Zu berichtigen ist an der ersten Meldung nur, daß sich die deutschen Geschützsalven nicht auf die Stadt, sondern lediglich auf die angreifenden Batterien richteten, und zwar nicht, ohne eine Anzahl Treffer zu erzielen. Die Action beschränkt sich sonach auf einen lediglich militärischen Kugelwechsel, ohne daß ein an sich vielleicht unschuldiger Theil der Bevölkerung unter den deutschen Geschützen zu leiden gehabt hätte. Daß der Zwischenfall irgend welche praktischen Folgen, insbesondere für die Stellung Deutschlands zu den kriegführenden Partei en in Spanien haben wird, halten wir für unwahrscheinlich. Am Allerwenigsten aber ist aus dem Vorgefallenen zu schließen, daß die deutsche Regierung nun etwa ein Recht gewonnen habe, sich zu Gunsten der republikanischen Armee an der Kriegführung gegen die Carlisten zu betheiligen. Unzweifelhaft liegt eine grobe Verletzung des neutralen Rechts von Seiten der letzteren vor, denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß Deutschland trotz seines erklärten Unwillens gegen die eine beider Kriegsparteien doch als ein dem spanischen Bürgerkriege vollständig neutral gegenüberstehender Staat zu betrachten ist. Bloße Meinungen und Urtheile über Recht und Unrecht und über die Gegensätze der Politik sind keine kriegerischen Acte und keine Theilnahme am Kriege, können mithin das bestehende Friedensverhältniß nicht aufheben. — Ferner: Ueber die Bedeutung der Kaiserreise ist in Oestereich viel gesprochen worden. Ihr jeden polilitischen Charakter abzusprechen, ist jedenfalls in demselben Maße eine Unterschätzung, wie die Furcht vor einem tschechischen Ausgleiche eine Uebertreibung ist. Seit sechs Jahren hat Kaiser Franz Josef dem Böhmerlande keinen Besuch mehr abgestattet; während dieser Zeit find alle nur möglichen Versuche zur Aussöhnnng der tschechischen Opposition gemacht worden, ohne daß einer derselben gelungen wäre. Wenn nichtsdestoweniger der Kaiser heute das Reichsland betritt, so geschieht es, weil er weiß, daß sich die tschechische Opposition niemals gegen die Krone gerichtet hat, und die Huldigungen, die der Monarch von der böhmischen Bevölkerung empfangen, hat diese Ueberzeugung nur bestätigt. In der Person des Kaisers aber ist die Reichseinheit verkörpert, und dieser kommt daher der Besuch in Böhmen in erster Linie zu Statten. Anders steht es mit den Interessen der einzelnen, einander gegenüberstehenden politischen Parteien. Daß eine von diesen aus der Reise des Kaisers einen Vortheil ziehen sollte, ist schon deßhalb unwahrscheinlich, weil Graf Andrassy, um allen Mißdeutungen zu entgehen, den Monarchen nicht nach Prag begleitet hat. Die Tschechen haben für ihre Ausgleichideen, d. h. für eine eigene Landesverfassung mit Sonderparlament in der That heute keine Aussicht mehr. Der österreichische Gesammtstaat kann sich nicht den Individualitäten seiner Einzelländer unterwerfen, ohne sich selbst in seine Bestandtheile aufzulösen. In keinem Augenblicke standen die Chancen dafür schlechter als heute, wo das deutsche Bewußtsein in Oesterreich mächtig gewachsen ist, wo die Stellung zum Auslande wieder eine gesicherte geworden und wo seit drei Jahren schon eine Verfassungspartei am Ruder ist, die immer tiefere Wurzeln im Volke schlägt.
— Das Telegraphen-Amt in Berlin bedient sich seit ein paar Tagen zu den Couverts der Depeschen eines durchsichtigen Seidenpapiers.
Die Couverts erhalten keine Adreß-Aufschrift; die Depeschen selbst werden so gefallet, daß die Adresse des Empfängers deutlich durch das Couvert durchschimmert.
— Wie verlautet, wird den in Preußen zuerst, und zwar schon seit 1863 bei den Eisenbahn-Neubauten in Ausführung genommenen Eisenbahn-Befestigungen in Zukunft noch eine erhöhte Ausdehnung gewährt werden. Eine Haupt-Absicht soll sich dabei auf die fortifikalorische Sicherung aller wichtigen Eisenbahn-Fluß-Uebergänge gerichtet finden, ferner aber sollen noch die besonders hervorragenden Eisenbahn-Kreuzungs- und Knotenpunkte, soweit die nächstgelegene Terrain-Gestaltung dazu eine Möglichkeit bietet, mit Sperr-Forts versehen werden. Für die Vertheidigungs-Fähigkeit dieser Befestigungen ist eine mehrtägige Behauptung durch eine nicht zu stark bemessene Besatzung und einigen derselben zugetheilten Geschützen in Aussicht genommen. Als Zweck wurde früher angegeben, einmal den Betrieb auf den betreffenden Bahnen für längere Zeit abschneiden und zugleich das Betriebs-Material der wichtigen in offenen Ortschaften befindlichen Bahnhöfe in diesen befestigten Posten bergen und behaupten zu können. Eine ganz besondere Wichtigkeit wird außerdem den Central-Bahnen beigelegt, deren Anlage sich für alle größeren Festungs-Umbauten projektirt findet. Der Zweck ist, hier vermittelst dieser Zwischenglieder das Material der sämmtlichen in diesen Haupt-Punkten zusammentreffenden Bahnen schnell nach jeder beliebigen Richtung dirigiren und überführen zu können. Keinem Zweifel unterliegt, daß die Eisenbahnen in einem etwaigen künftigen Kriege eine noch weit höhere Bedeutung und Verwerthung, bezw. Ausnutzung, als schon im letzten Kriege, einzunehmen bestimmt sind. Noch werden sich in den großen Festungen fortan auch alle Außenwerke sowohl mit den eigentlichen Festungs-Kernpunkten, wie unter sich durch doppelte Schienenwege und ebenso auch durch Telegraphen-Anlagen verbunden befinden. Noch ist neuerdings im „Militär-Wochenblatt" wieder eine Befestigung von Berlin in Anregung gebracht worden, und zwar soll dieselbe durch drei im Anschluß au die Außen-Forts von Spandau im Süden, Osten und Westen von Berlin anzulegende verschanzte Lager von 1 bis P/a Meilen Front-Ausdehnung und 3Äi bis 1 Meile tief ins Werk gesetzt werden, wobei darauf verwiesen wird, daß dann die beabsichtigte Neu-Befestigung von Küstrin fortfallen könnte, da die hierzu bestimmten 4 Millionen voraussichtlich genügen dürften, um die jetzt nahezu schutzlose Hauptstadt des deutschen Reiches mindestens vor einem beliebigen Handstreich sicher zu stellen. (Augsb. Abztg.)
— Posen, 4. Septbr. Die Ausweisung der ausländischen Mitglieder des hiesigen Klosters der unbeschuhten Karmeliterinnen ist heute Vormittag in der Weise erfolgt, daß ihnen von der Polizei ihre Pässe ausgehändigt und zur Abreise eine Frist von acht Tagen gestattet wurde. Auf die Bemerkung der Vorsteherin, daß diese Frist zu kurz sei, wurde ihr anheimgestellt, beim Kultusminister eine längere Frist nachzusuchen. Das Kloster zählt 19 Nonnen, von denen neun einheimische und zehn Fremde sind. Unter letzteren befindet sich auch die Wittwe des vor einigen Jahren. in Paris verstorbenen Fürsten Witold Czartoryski, ge- borne v. Grocholska aus Volhynien. Zu ihrer Abholung nach Paris sind schon vor einigen Tagen ihr Schwager, Fürst Wladislaw Czartoryski, und ihre beiden Müder hier eingetroffen, und zwar in Folge einer telegraphischen Benachrichtigung, die sie gleich nach dem Bekaynt- werden des die Ausweisung der ausländischen hiesigen Karmelitermnen verfügenden Ministerialerlasses von hier erhalten hatten. Der Ministe- rialerlaß ist übrigens ein allgemeiner und bezieht sich nicht bloß auf die ausländischen Nonnen, sondern auch auf die ausländischen Mönche und Weltgeistlichen, sofern sie in Preußen ansässig sind oder geistliche Funktionen verrichten.
— München, 7. Sept. Der König hat an den RegierungsPräsidenten der Pfalz folgendes Handschreiben erlassen:
„Mein lieber Regierungs-Präsident von Braun! Während der nun seit Monaten erloschenen Cholera-Epidemie, welche nach allen Seiten hin lähmend wirkte, entfalteten Sie, unterstützt von betheiligten Verwaltungsorganen, in der Ihrer Leitung anvertrauten Pfalz eine hervorragende Thätigkeit. Durch die periodisch erstatteten Berichte von dem Umfang Ihrer Leistungen in Kenntniß gesetzt, freue Ich Mich,