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Hamner Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hsuau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correipondenz.

Jnsertlons- Prcir.

Die ifxaltigr Garmondzeile ab deren Raum

1 8gr.

Die rspalt. Zcüe 2 ©ar.

DieSspaltigeZeile 3 Sgr.

M 209.

Mittwoch den 9. September.

1874.

Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.

Gefunden: Eine Brille mit Futteral. Ein sog. Schloß von einem Frauenkleid. Ein sog. Rädchen. Eine weiße Manschette. Ein kleiner Pelzstauchen. Ein Handtuch.

Verloren: Ein Zeugnißbuch von einem Gymnasiasten; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Hanau am 9. September.

Tagesschau.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Die Gebrüder Johannes Curl George und Paul Bartel Georg Eduard Schmidt zu Berlin in den Adelstand unter dem Namen:Schmidt von Johnson" zu erheben.

Berlin, 8. Sept. Se. Majestät der Kaiser und König gedenken Sich, nach den bisherigen Dispositionen, am Freitag, 11. d. M., Morgens 8 Uhr mittelst Extrazuges der Berlin Potsdamer Eisen­bahn über Kreiensen und Kassel nach Friedberg zu begeben, wo Aller- höchstdieselben bei Sr. Königlichen Hoheit dem Givßhe.zoge von Hessen das Logis nehmen weiden. Am Sonnabend, den 12. findet Truppen­besichtigung statt. Am Sonn'ag, Morgens 9^2 Uhr, erfolgt die Ab­reise Sr. Majestät mittelst Extrazuges nach Hannover, wo Allerhöchst- dieselben im Königlichen Resideiizjchlosse absteigen. Am Montag, den 14. findet große Parade vor Sr. Majestät und Nachmittags um 4 Uhr Gala-Diner bei Allerhöchsidemselben statt. Am Dienstag werden Corpsmanöver, am Mittwoch Truppenbesichtigungen abgehalten, woran sich am Donnerstag, Freitag und Sonnabend Feldmanöver auschließen. Am letztgenannten Tage erfolgt nach dem Dejeuner Nachmittags um 2 Uhr von Hannover die Abreise mittelst Extrazuges nach Kiel, wo Se. Majestät Abends 8 Uhr 10 Minuten eintreffen und im Schlosse Logis nehmen werden. Am Sonntag begeben Sich Se. Majestät nach Been­digung des Gottesdienstes um 12 Uhr per Dampfschiff nach Friedrichs­ort zum Torpedo-Exerciren und um 2 Uhr per Dampfschiff nach Eller­beck zur B'sichtigung des dortigen Etablissements. Um 2^2 Uhr er­folgt der Ablauf des neuerbauten Schiffes. Darauf gehen Se. Maje­stät per Schiff nach Dünsterbrook und nehmen das Diner im Hotel Bellevue. Nachmittags um 5 Uhr erfolgt die Abreise Sr. Majestät von Altona per Extrazug und am Montag, den 21., früh 1 Uhr, die Ankunft in Berlin.

Ihre Majestät die Kaiserin-Königin wurde auf dem Bahnhöfe in Hannover von dem Vorstande und den M tgliedern des Vaterlän­dischen Frauenvereins empfangen. Allerhöchstdieselbe dankte huldreichst für die großen Leistungen dieses Zweigvereins. Nach dem Diner reiste Ihre Majestät die Kaiserin nach Eisenach ab und von dort zu Wagen nach Schloß Wilhelmsthal.

Der General-Major Graf von Wartensleben, Chef der kriegs­geschichtlichen Abtheilung im Großen Generalstab, hat sich nach Brand­eis bei Prag begeben, um den dortigen Manövers der Kaiserlich öster­reichischen Armee beizuwohnen; nach Beendigung dieses Kommandos wird derselbe einen mehrwöchentlichen Urlaub antreten.

, S. M. BriggRover" ist am 4. d. M. von Plymonth nach Kiel in See gegangen. ot «. st a.)

Berlin. Mit der großen Flotten-Uebungsfahrt, welche nach der bereits im vorigen Frühjahr verkündeten Absicht der Admiralität im nächsten Jahre statthaben wird, soll dem Vernehmen nach auch der Besuch eines oder mehrerer Nordamerikanischer Häfen durch ein oder einige Schiffe dieses Deutschen Uebungsgeschwaders in Aussicht genom­men sein. Ueber die Zusammensetzung des vorerwähnten Geschwaders verlautet, daß außer demKönig Wilhelm" die sämmtlichen bis dahin fertig gestellten neuen Deutschen Panzerfregatten bestimmt sind, demsel­ben zugetheilt zu werden. Voraussichtlich dürfte dies bis zum nächsten Sommer 'jedoch nur mit der in England erbauten Panzerfregatte Deutschland" und mit der bereits am 22. Novbr. v. I. vom Stapel gelaufenenBorussia" statthaben, doch wurde früher die Zahl der in diesem Uebungsgeschwader zu vereinigenden Panzerschiffe zu vier bis fünf angegeben, welche zu erreichen dann noch die Ueberweisung des Kronprinzen" oderFriedrich Karl" zu demselben erfolgen müßte.

DieTribüne" schreibt in ihrer Tagesschau: Das kleine deutsche Geschwader an der spanischen Küste, welchem in allen Häsen, die es bisher dort anlief, ein äu^eift sympathischer Empfang bereitet worden, scheint früher als man es vermuthet, zu einer ernsthaften Action gedrängt worden zu sein. Wie dem Reuter'schen Bureau in London am Sonntag aus Santander gemeldet wuide, sind die Kanonenboote Albatros" undNautilus" aus Guetaria bei Tolosa beschossen wor­den und haben in Erwiderung des Angriffs 24 Bomben in die Stadt geworfen. Wenn sich diese Nachlicht bestätigt, was einstweilen noch abzuwarten ist, so würde hier abermals eine der gröbsten Verletzungen des Völkerrechts von Seiten der Carlisten vorliegen. Die Schiffe einer fremden und neutralen Macht, die als Repräsentanten der letzteren le­diglich zu dem Zweck in die Nähe eines Kriegsschauplatzes kommen, um Leben und Sicherheit ihrer Landsleute zu schützen, genießen nach inter­nationalem Recht dieselbe Unverletzlichkeit, wie die Gesandten eines Souverains. Mag der Staat, der die Fahrz uge entsendet, dem einen der kriegführenden Theile weniger günstig gesinnt sein als dem anderen, so macht sich der Erstere dennoch eines unerhörten Rechtsbruchs schul­dig, wenn er unbekümmert um die thatsächliche Neutralität jenes Staa­tes gegen die Vertreter desselben zu offenen Feindseligkeiten übergeht. Die Schiffe, gegen welche dieselbe gerichtet, würden auf diese Weise ge­zwungen, thätlich in den Kampf miteinzugreifen. N cht nur die eigene V.rtheldigung, sondern auch das Aniehen und die Wurde der Macht, die sie vertreten, erfordert eine nachdrückliche Zurückweisung des rechts­widrigen Angriffs, ohne daß Jemand darin eine Intervention im völ­kerrechtlichen Sinne erblicken könnte. Es kann bei der gegenwärtigen Stelling Deutschlands zu den spanischen Dingen nicht ausbleiben, daß, falls sich die obige Meldung bewahrheitet, sie vom Auslande zum Ge­genstände der allergenausten Untersuchung gemacht werden wird, schon um, wenn irgend möglich, Etwas herauszufinden, aus dem sich der Vorwurf einer unberechtigten Einmischung deutscherseits fabriciren ließe. Hoffentlich liegt dann der Thatbestand klar genug, um diese Verdäch­tigung vor aller Welt zu entkräften, hoffentlich ist aber auch die In­struction für den Geschwader-Chef diesmal klar und präcis genüg ge­wesen, um uns vor einer zweiten Auflage des Vigilanten-Falls zu be­wahren. Die Eventualität eines feindlichen Angriffs ist vom Auswär­tigen Amt jedenfalls leichter vorzuiehen, als die Aufbringung eines Schiffes mit der Piratenflagge, so daß es wohl diesmal vor Erwide­rung des carlistischen Feuers nicht nöthig gewesen ist, erst Meldung nach Berlin zu machen. Wie die Reuter'sche Meldung übrigens hin­zufügt, sollen beide deutsche Schiffe sofort nach dem Vorfall wieder nach Santander zurückgekehrt sein, wodurch der deutsche Commandant nach der gebührlichen Abfertigung der Angreifer am Besten ausgedrückt haben würde, daß er eine Fortsetzung der Feindseligkeiten nicht wünsche. Weiteren Berichten über den Hergang darf mit Spannung entgegen­gesehen werden.

München, 4. Septbr. In militärischen Kreisen ist das Ge­rücht verbreitet, es sei bei den gegenwärtig stattfindenden Manövern ein Attentat auf den Oberstlieutenant v. Ballade, den Commandeur des 2. Jäger-Bataillons, versucht worden, indem mit Steinen auf denselben geschossen wurde.

Nürnberg, 4. Septbr. Nach Verlauf von Jahrhunderten werden die hiesigen Juden nun in den nächsten Tagen wieder eine Sy­nagoge erhalten. (Bekanntlich verzeichnet die Geschichte des Mittelal­ters grausame Juden-Verfolgungen in hiesiger Stadt, welche erst vor mehreren Decennien den Juden wieder Niederlassung gestattete.) Das von dem früheren hiesigen städtischen Baurathe Wolff jetzt Stadt­baumeister in Stuttgart erbaute prachtvolle Gotteshaus wird am 8. d. M. feierlich eingeweiht. Schon jetzt hat der in der Synagoge zur Einführung kommmende Gottesdienst den Anlaß zu einem Schisma in­nerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde gegeben. Die Orthodoxen nehmen nämlich an gewissen Reformen Anstoß und haben einen Verein zur Abhaltung des Gottesdienstes nach alter Gebetordnung gegründet, ohne jedoch aus der Gemeinde auszutreten. Der Magistrat, dem m heutiger Sitzung die Statuten des Vereins vorgelegt wurden, erklärte, daß er gegen die Gründung keine Einwendung zu machen habe.