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Ji 208.

Dienstag den 8. September.

1874.

Tagesschau.

— Se. Majestät der Kaiser und König haben im Namen des Deutschen Reiches den Kaufmann Carl Rieken zu Minatitlan in Mexiko zum Vice-Konsul des Deutschen Reiches zu ernennen geruht.

— Hannover, 6. Septbr. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute Nachmittag 1 Uhr 15 Minuten hier eingetroffen und von der zahleich versammelten Bevölkerung mit enthusiastischen Zurufen begrüßt worden. Die Stadt ist festlich geschmückt.

— Hannover, 6. Sept. Heute Nachmittag um drei Uhr hat in der Schloßkirche hierselbst die Taufe des am 15. Juli d. J. gebor- nen Prinzen, Sohnes Ihrer Königlichen Hoheiten des Prinzen und der Prinzessin Albrecht von Preußen, durch den Hof- und Dvmpredi- ger Dr. Köqel stattgefunden. Der junge Prinz hat in der heiligen Taufe die Namen: Wlhelm Ernst Alexander Friedrich Heinrich Al­brecht erhalten. Von den Allerhöchsten und Höchsten Pathen waren an­wesend: Se. Majestät der Kaiser und König, Ihre Majestät die Kai­serin und Königin, Ihre Königliche Hoheit die Frau Herzogin Wilhelm zu Mecklenburg-Schwerin, Ihre Hoheit die Frau Herzogin von Sach­sen-Altenburg, Se. Königliche Hoheit der Prinz F iedrich der Nieder­lande, Se. Königliche Hoheit der Prinz Carl von Preußen, Se. Kö­nigliche Hoheit der Prinz Friedrich Carl von Preußen, Se. Hoheit der Herzog von Sachsen-Altenburg. Abwesend: Se. Majestät der Kaiser von Rußland, Se. Majestät der König der Niederlande, Ihre König­liche Hoheit die Prinzessin Marianne von Preußen, Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen. Nach Beendigung der Taufhandlung fand in dem König­lichen Schlosse Defilir Cour der geladenen Taufzeugen vor Ihrer Kö­niglichen Hoheit der Frau Prinzessin Albrecht mit dem hohen Täuf­ling zur Seite und demnächst Gala-Diner Statt. öl » st. a.)

— Aus Kaiserslautern liegen vom heutigen Morgen dem „R. u. St. Anz." folgende telegraphische Meldungen vor: Der Kron­prinz hat sich gestern von Stuttgart über Neustadt und Kaiserslautern nach Homburg begeben. Auf allen Stationen war eine zahlreiche Volks­menge versammelt, welche Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit mit lauten Zurufen begrüßte; in Neustadt und Kaiserslautern wurde Höchst- derselbe von den Behörden und von den Kriegervereinen empfangen. Die Ankunft in Homburg erfolgte Abends 8 Uhr. Die Stadt war zu Ehren der Anwesenheit des Kronprinzen festlich illuminirt, Abends spät wurde Ihm ein glänzender Fackelzug gebracht. Nach dem heute statt­findenden Brigade-Manöver wird Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit am Nachmittage die Burg Sickingen bei Landstuhl besuchen; morgen wird Höchstderselbe Sich nach Zweibrücken begeben. Uebermorgen wer­den die Divisions-Manöver bei Homburg beginnen.

— Folgende fremdländische Offiziere sind in Berlin eingetroffen, um den Herbstübungen beizuwohnen: Von der französischen Armee: de Larelause, Colonel des 14. Dragoner-Regiments, d'Arbo, Colonel im 82. Infanterie-Regiment, Meunier, Capitain im 13. Artillerie-Regi­ment und Rigodet, Capitän im 12. Husaren-Regiment; von der däni­schen Armee: Oberst v. Stricker von der Infanterie, Hauptmann v. Hertel von der Artillerie und Rittmeister v. Flindt von der Cavallerie.

— Zur Grundsteinlegung des Krieger-Denkmals am Landsberger Platz zu Berlin hat die jüdische Geistlichkeit, wie uns das Central- Comitè mittheilt, doch eine Einladung erhalten, und ist dem Comitä auch in Folge dessen ein verbindliches Dankschreiben des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zugegangen. Indem wir dies gern berichtigen, thei­len wir auch noch das Telegramm mit, durch welches Feldmarschall Graf Wrangel sein Ausbleiben entschuldigte. Dasselbe lautete: „Stände mir auch nur ein Bein heute zu Gebote, ich wäre sicher bet Euch, aber beide Beine, Kinder, sind krank und verhindern mich wider meinen Willen, unter Euch zu sein. Doch mein Herz ist mit Euch. Dies theilet allen Brüdern mit." osert. sagest.)

— Am vorigen Freitag stattete ein Polizei-Commissär dem Ber­liner Dominicaner-Kloster (in Moabit) einen Besuch ab, um nach aus­ländischen Ordenspriestern zu forschen. Nachdem einer in der Person des Pater Aquilanti gefunden war, wurde diesem sofort angekündigt,

er möge sich darauf vorbereiten, binnen drei Tagen das preußische Ge­biet zu verlassen. (Fuld, a.)

— Zur Werner-Affaire bleibt noch immer Einiges nachzutragen. Wie in Marinekreisen bestimmt verlautet, wird Capitän Werner im Dienst verbleiben und zwar auf den speciellen Wunsch des Kaisers, der auch die Form für das an Werner's Freisprechung angeknüpfte Tadels­votum erheblich gemildert hat. Weniger allgemein bekannt dürste sein, daß in der fraglichen Affaire bereits einmal ein Urtheil des Kriegsge­richts vorlag, das den Capitän für schuldig erklärte, vom Kaiser aber wegen eines Formfehlers cassirt wurde, sowie, daß der dem Capitän Werner bald nach seiner Landung von dem Grafen Moltke gemachte Besuch mit der ausdrücklichen Genehmigung des Kaisers vor sich ging. Offenbar herrschte über das frische und resolute Vorgehen des deutschen Capitäns bei Hofe wie in den höchsten Militärkreisen Anfangs dieselbe durchaus befriedigte Stimmung wie an der deutschen Seeküste, wo die­ser praktische Beleg von der Existenz eines deutschen Flaggenschutzes be­kanntlich mehrfach Dankesadressen an den thatkräftigen Seebefehlshaber hervorrief. Die neuesten officiösen Auslassungen über den Vorgang scheinen indeß zu beweisen, daß man auch in der Wilhelmstraße zu Berlin den Fall nicht mehr so tragisch nimmt, wie noch vor wenigen Wochen. In der That, wenn jeder in fernen Meeren fahrende Ma- rinecapitän bezüglich seines Verhaltens an die Instruction des auswär­tigen Amtes stricte gebunden sein soll, dann ist die Existenz einer der Machtstellung Deutschlands angemessenen Kriegsflotte zugleich unnöthig und unmöglich geworden. (Trib.)

— Homburg (Pfalz), 7. Sept. Gestern Abend um 8 Uhr ist der deutsche Kronprinz hier eingetroffen. Enthusiastischer Empfang; Stadt und dahinter liegender Schloßberg prachtvoll dekorirt und illu­minirt. Heute großes Divisionsmanöoer bei Limbach.

— Die Stadt Lauenburg in Pommern hat dem Fürsten Bis­marck das Ehrenbürgerrecht verliehen. Der Ehrenbürgerbrief, von dem Hofcalligraphen Ernst Schütze in Berlin sehr geschmackvoll in Farben ausgeführt, ist dem Fürsten am 2. September, unter sinnigem Hinweis auf die Bedeutung des Tages, von dem Lauenburger Magistrat über­reicht worden.

— Darmstadt, 7. September. Soeben durchläuft die Trauer­nachricht die Stadt, daß heute Morgen 8 Uhr der frühere Landtags­abgeordnete und seit einiger Zeit zum Präsidenten des hiesigen Hofge­richts ernannte, durch seinen Fleiß und seine außerordentliche Arbeits­kraft bekannte Dr. Kraft gestorben ist.

— Meiningen, 6. Sept. Eine gestern Nachmittags entstan­dene Feuersbrunst vernichtete bis Mitternacht über 250 Wohnhäuser. Dreitausend Personen sind ohne Obdach.

— Freiburg, 6. Sept. In der heutigen ersten Delegirten- sitzung des Altkatholikenkongresses wurden Geheimrath Schulte zum Präsidenten, Doktor Petri aus Wiesbaden und Professor Huber von München zu Vicepräsidenten erwählt. Nach der Präsidentenwahl be­richtete der Vorsitzende Schulte, daß zwei Kommissionen gebildet seien, für die anglikanische Kirche und für die Beziehungen zur griechischen Kirche. Derselbe theilt ferner mit, daß auf Döllingers Wunsch eine Konferenz von Vertretern der geistlichen Konfessionen zusammenberufeu werde, um zunächst über die dogmatischen Differenzen klar zu werden. Zn dieser am 14. September in Bonn stattfindenden Konferenz habe Döllinger persönlich Einladungen an hervorragende Mitglieder der evangelischen, griechischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche er­lassen. — Schulte berichtete hierauf über die durch neue Erhebungen konstatirte bedeutende numerische Ausdehnung des Altkatholizismus und machte dann Mittheilung von den eingegangenen Schreiben der Bischöfe von Haarlem und Lincoln, welche bedauern, an der Theilnahme am Kongresse verhindert zu sein.

— Freiburg, 6. Sept. Die von den Delegirten des Alt­katholikenkongresses heute angenommenen Resolutionen sind im Wesent­lichen : Die Altkatholiken beanspruchen Antheil am Kirchenvermögen, vom Staate Schutz erhoffend; sie verlangen Theilung in der Kirchen­benutzung und den Pfründen unter Berücksichtigung der Seelenzahl bei­der Parteien, die durch Abstimmung über den Vatikanbeschluß zu er-