Abonnements»
-spteiS':, Jährlich 3 Thlr. ^albj. Thlr. 1.15 Vierteljährlich 22 Sgr. 6 Pf. Für auswärtige
Abonnenten mit dembetresfen- den Postaufschlag. Die einzelne Nummer 1 Sgr.
Hanauer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Orga« für Kreis und Stadt Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correfpondenz.
Insertions- Preis.
DieJIspaltige Karmondzeile ob deren Raum
1 Sgr.
Die 2spalt. Zeile 2 Sgr.
DiePpaltigeZeile 3 Sgr.
M 203.
Dienstag den 1. September.
1874.
Die Ehefrau des Johann Peter Fischer, Anna Maria geb. Bieber aus Langenselbold, hat um Paß nach Amerika gebeten.
Hanau am 31. August 1874.
Gefunden: Ein goldener Ohrring. Ein blaues Shäwlchen. Ein schwarz seidenes Sonnenschirmchen. Ein Stück altes Leinen. Ein schwarz und weißer Shawl. Zwei Kinderschuhe. Ein weißes Taschentuch. Ein Portemonnaie mit 1 kr. Ein desgl. mit 12 fl. 30 kr. Ein altes Tragband.
Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.
Hanau am 1. September 1874.
Tagesschau.
— Berlin, 30. August. In dem Staatshaushalt für 1874 sind 50,000 Thlr. zu Remunerationen für diejenigen Geistlichen, welche im Auftrag des Staates das Schul-Jnspectorat übernehmen würden, ausgeworfen. Der Cultusminister hat jetzt eine Verfügung erlassen, durch welche die Provinzialbehörden aufgefordert werden, diejenigen Schul-Inspektoren namhaft zu machen, welche auf Entschädigung Anspruch haben.
Es ist in letzter Zeit wieder vielfach über den hervorgetretenen drückenden Mangel an Lehrern geklagt worden. Diese Klagen sind schon oft erhoben, aber wie schon früher auch jetzt sehr übertrieben worden. Angestellte Erhebungen haben gezeigt, daß diese Klagen zumeist in den östlichen Provinzen ihre Berechtigung finden und durch die Besoldungsverhältnisse begründet waren, welche indessen zum Theil schon verbessert worden sind, zum Theil weiteren Verbesserungen entgegen geführt werden sollen. Es sind die hervorgetretenen Uebelstände augenblicklich Gegenstand sehr eingehender Prüfung im Kultusministerium und es wird hoffentlich gelingen, sie bald und gründlich zu beseitigen. (R. F-ankf. Pr.)
Patent-Ertheilung.
Dem Mechaniker C. A. W. Knaack zu Berlin unter dem 27. August 1874 auf eine Maschine zur Herstellung von Feilen, soweit sie nach der vorgelegten Zeichnung und Beschreibung als neu und eigenthümlich anerkannt ist, und ohne Jemand in der Benutzung bekannter Theile zu behindern.
auf drei Jahre, für den Umfang des preußischen Staats.
— Bretten, 29. Aug. Die Mehrzahl der hiesigen Metzger hat mit Heutigem den Preis für das Pfund Rindfleisch (Prima Qualität) von 17 auf 14 kr. herabgesetzt.
— In der Münchener Freibank kostete in der Woche vom 15. bis 21. August 1874 das Ochsenfleisch 6 bis 15 kr., das Kuhfleisch 7 bis 15 kr., das Kalbfleisch 9 bis 12 kr., das Schweinefleisch 18 kr. per Pfund zu 500 Gramm. (Manny. Tgbl.)
— Nürnberg, 30. Aug. Am 6. September findet dahier eine Versammlung von Fortschrittsleuten aus allen Theilen Bayerns, namentlich aber aus Franken statt. Die Versammlung wird sich mit dem vom 1. Oktober an erscheinenden Wochenblatt für das Landvolk und mit der Reorganisation der Partei in Franken befassen.
.— Köln, 26. August. Heute, wo der Todestag Karl Wilhelm's jährig wird, liegt die dritte und letzte Sammlung seiner Liederkompositionen (Verlag von M. Schloß, Köln) vor uns. Durch diese 70 Quartette für Männerstimmen feiert der in seinen letzten Lebensjahren in Folge wiederholter Schlaganfälle gelähmte Künstler im Verein mit den vorhergegangenen beiden bei Breitkopf und Härtel in Leipzig erschienenen Sammlungen gewissermaßen seine Auferstehung in der deutschen Sängerwelt. Diese Quartettsammlung bietet dem tausendblätten- gen Kranz der deutschen Männergesangvereine einen so reichhaltigen Schatz für Herz und Gemüth, daß wir das Erscheinen des Werkes für alle deutschen Sängervereine von ganzem Herzen begrüßen. Für die verschiedensten Lebensverhältnisse und Stimmungen finden wir darin Gedichte, die, während eines Zeitraums von 31 Jahren komponirt, bisher meist unbekannt geblieben sind und der größeren Mehrzahl nach wahre Perlen deutscher Tonkunst genannt werden dürfen. Herzerfreuend an Empfindung und Erfindung wie diese Liederspenden sind, können wir sie der Theilnahme und Berücksichtigung des deutschen Volkes warm
empfehlen, zumal da der pekuniäre Ertrag derselben für die Herstellung eines würdigen Denkmals auf dem Grabe des Tondichters bestimmt ist, welcher in seiner Melodie zur „Wacht am Rhein" jenes Lied schuf, das in schwerer, aber großer Zeit dem gesammten deutschen Volke ein wahrhaftes Nationallied geworden. (K°in. stg)
— Dresden, 30. Aug. General-Feldmarschall Prinz Friedrich Carl von Preußen ist heute Mittag 12 Uhr hier eingetroffen und von dem Könige und dem Prinzen Georg am Bahnhöfe empfangen worden. Daselbst waren auch der preußische Gesandte, die sächsische Generalität und das Offizier-Corps der hiesigen Garnison zur Begrüßung anwesend. Vor dem Bahnhöfe war eine Ehren-Compagnie aufgestellt. Ein zahlreiches Publikum begrüßte den Prinzen mit Hochrufen. General von Podbielski, welcher gleichzeitig mit dem Prinzen Friedrich Carl hier eingetroffen ist, wurde ebenfalls von dem Könige und dem Prinzen Georg herzlich begrüßt.
— Posen, 31. August, Vormittags. Der von dem Patron von Lions zum dortigen Propste ernannte Vikar Kubeczak wurde am 29. d. als solcher eingeführt. Der Dekan Rzemiewski aus Jarocin und der Vikar von Lions verweigerten die Herausgabe des Kirchenschlüssels und der Kirchenbücher; die Kirche und der Schrank, welcher die Kirchenbücher enthielt, wurden deshalb zwangsweise geöffnet. — 31. August, Mittags. In Lions haben gestern, wie die „Posener Zeitung" meldet, aus Veranlassung der Ernennung des neuen Propstes durch den Patron, Unruhen stattgefunden. Bei Beginn des Gottesdienstes drang ein Volkshaufe, meistens Bauern, in die Kirche, zog unter Vorantragung von Fahnen, Kreuzen und Heiligenbildern in derselben herum und suchte den Gottesdienst zu stören. Der Propst Kubeczak wurde insultirt, so daß schließlich Militär von Schrimm requirirt werden mußte.
— In Angers hat der Bischof Freppel Mac Mahon an der Thüre des Domes empfangen. Er sagte in seiner Anrede unter Anderem : „Ich würde nicht glauben, Herr Marschall, Ihren christlichen Gesinnungen zu entsprechen, wenn ich nicht bemerkte, daß das Herz eines Bischofs keine ungetheilte Freude empfinden kann Angesichts der Schmerzen, welche der Kirche und ihrem erhabenen Oberhaupt zugefügt werden."
— Paris, 28. August. Die Lyoner „Däcentralisation" hat eine Sensationsnachricht veröffentlicht, welche freilich bei dem Pariser Publikum wenig Glauben gefunden hat, obschon das Gerücht, dessen das Lyoner Blast erwähnt, wirklich besteht. Es hieß nämlich, die Exkaiserin werde einen Versuch auf die Armee machen und zu dem Ende in einem der Uebungslager erscheinen. Es ist das ein offenbar sehr romanhaftes Gerücht, und durch die Ausführung eines solchen Unternehmens würde die Ex-Kaiserin ihrem Sohne vermuthlich mehr schaden als nützen; indessen ist es nicht zu bestreiten, daß der Aufenthalt derselben in Arenenberg, einer Residenz, welche ihr immer unangenehm gewesen ist, einen politischen Zweck hat. Der Aufenthalt in der Schweiz bringt die Ex-Kaiserin in die Nähe von Lyon, wo der General Bourbaki eine hohe Stellung einnimmt. Gewisse Schritte sind Seitens der Ex-Kaiserin gemacht worden, um nicht nur des Generals Bourbaki, sondern noch anderer Generale Gesinnungen zu fondiren, und dieses wird die Grundlage der romanhaften Erzählung der „Däcentralisation" sein. Indessen hat dieselbe in den militärischen Kreisen von Paris lebhafte Bewegung hervorgerufen und den alten Streit zwischen den „bonapartistischen" und den „gambettistischen" Offizieren wieder angeregt. Mit großer Wahrscheinlichkeit könnte man zur Wiederherstellung des Kaiserthums auf die Hilfe verschiedener Generale und höherer Offiziere rechnen. Der Marschall Mac Mahon ist darüber auf's^ beste unterrichtet und ein Zwischenfall bei der Revue in Brest ist darin mitbegründet. Die Obersten der Regimenter, über welche der Marschall in Brest Revue hielt, hatten, um ihm zu schmeicheln, den Soldaten befohlen „Vive le Maréchal l‘ zu rufen. Dieser Ruf hat aber dem Präsidenten mißfallen und er hat befohlen, ihn aufhören zu lassen. Der Marschall kennt den Geist der französischen Armee und weiß, daß, wenn man sie heute dazu bringt, ihm persönlich zu akklamiren, sie morgen vielleicht eine andere Persönlich keit akklamiren könnte, deren Namen bei den Soldaten populär geblieben ist und bleibt. Wenn die Gewohnheit des persönlichen Zurufs einrisse, so könnte sie möglicher Weise einmal zu einem Pronunciamiento führen. t®01”-8^