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Zugleich Amtliches Orga» für Kreis u»d Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correfpondenz.

Freitag den 28. August

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1874

Tagesschau.

Se. Majestät der Kaiser und König haben den bisherigen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister des Deut­schen Reiches bei der Hohen Ottomanischen Pforte, von Eichmann, in gleicher Eigenschaft bei des Königs von Schweden und Norwegen Ma­jestät zu ernennen geruht.

Der neuernannte Sekretär bei der spanischen Gesandtschaft Balera ist, über Paris komtnend, in Berlin eingetroffen und im Hotel Royal abgestiegen.

Berlin, 24. August. Nachdem noch vor wenigen Tagen die Anerkennung der spanischen Republik von Seiten der Großmächte aller­seits als eine nahebevorstehende, nur noch durch gewisse Formalitäten verzögerte Thatsache dargestellt worden, ist jetzt die überraschende Nach­richt von der Weigerung Rußlands eingetroffen. Diese Nachricht wird nicht nur von allen Ultramontanen und Legitimisten, sondern auch von allen innern und äußern Feinden des deutschen Reichs, welche die Ini­tiative in dieser Frage ergriffen hatte, mit hoher Befriedigung und Freude ausgenommen, und als eine Niederlage in der auswärtigen Po­litik des Fürsten Bismarck ausposaunt werden. Die Motive, welche die russische Regierung zu diesem befremdenden Schritte veranlassen, sind noch nicht aufgeklärt, und lassen sich auch mit Sicherheit nicht errathen. Die Annahme, als wolle Rußland der carlistisch-legitimistischen Sache seine moralische Unterstützung zu Theil werden lassen, scheint ungerecht­fertigt ; die Regierung des Kaisers Alexander hat seiner Zeit die Herr­schaft des Königs Amadeus zu bereitwillig anerkannt, als daß man der russischen Politik derartige legitimistische Motive unterschieben dürfte. Eher mag am Hofe von St. Petersburg das monarchistische Bedenken obwalten, dem Republikanismus in Europa durch Anerkennung einer zweiten romanischen Republik Vorschub zu leisten. Am wahrscheinlichsten dürfte die Annahme fein, daß die russische Regierung überhaupt keine prinzipiellen Bedenken gegen die Anerkennung hat, sondern nur die der- malige Lage des Serrano'schen Regiments nicht für hinlänglich befestigt, und auf dem beruhend erachtet, um die auswärtigen Mächte zu veran­lassen, für eine der streitenden Parteien sich zu erklären. Was aber auch der Beweggrund sein mag, die Haltung der russischen Regierung ist sehr bedauerlich und der Sache der Humanität wie der der interna­tionalen Ruhe und Ordnung nachtheilig. Die deutsche Regierung wird unzweifelhaft auch ohne Rußland thun, was ihr recht und billig er­scheint ; ob aber auf die Beschlüsse mancher anderer Mächte die Stel­lung Rußlands nicht von schädlichem Einfluß sein wird, muß vorläufig dahingestellt bleiben. Jedenfalls fehlt der Anerkennung der spanischen Republik der imponirende moralische Eindruck der Einmüthigkeit des zesammten Europa's. Wenn man als Ziel und Frucht der Dreikaiser­zusammenkunft das Einverständniß der drei östlichen Großmächte in allen groß n Fragen der auswärtizen Politik hinzustellen Pflegte, so so hat diese Harmonie den ersten praktischen Versuch nicht ausgehalten, und die Sk-pliker, die von solchen theoretischen Abmachungen wenig reale Erfolge erwarteten, behalten Recht. Die spanische Regierung wird auch ohne das Wohlwollen Rußlands mit den carlistischen Räuberban­den trotz der klerikalen Unterstützungen und der legitimistischen Sympa­thien in Europa fertig werden, und der deutschen Regierung wird der Ruhm bleiben, zuerst die Sache der Humanität und des Bölkerfriedens kräftig in die Hand genommen zu haben, wenn auch aus unzeitigen Bedenken das Ziel nicht mit der Einmüthigkeit und Raschheit erreicht wird, die des moralischen Eindrucks halber wünschenswerth gewesen wäre. (Sch». Wettur.)

Darmstadt, 25. August. Um den Großherzoglichen Beam­ten die Theilnahme an der dahier beabsichtigten öffentlichen Feier des Jahrestages von Sedan zu ermöglichen, haben, dem Vernehmen der »Darmst. Ztg." nach, die Großherzoglichen Ministerien auf den Antrag des hiesigen Lokal- Comites angeordnet, daß die Ministerial-Bureaus an diesem Tage geschlossen werden. Den Vorständen der übrigen Be­hörden ist die Ermächtigung zu einer gleichen Maßregeln ertheilt wor­den. Die hiesige Feuerwehr hat in ihrer gestrigen Hauptversamm­lung den einstimmigen Beschluß gefaßt, sich als Korporation bei der

Sedanfeier zu betheiligen und sich dem Comit^ in jeder Weise zur Ver­fügung zu stellen.

In Reichelsheim, Großherzogthum Hessen, wo Pfarrer Anthes wegen Renitenz gegen die Reichsgesetze suèpeudirt worden, ha­ben, nach demSchw. Merk.", die Gemeindebamten, der Kirchenvor­stand und eine Reihe der angesehensten Bürger eine Vorstellung an den Großherzog erlassen, worin erklärt wird, daß die Mehrzahl der Ge­meinde keineswegs gegen die Ausführung der Kirchengesetze sei, dieselben vielmehr mit Freuden begrüße rc.

Dresden, 27, August. Ein Dresdener Telegramm der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" meldet, daß der römischkatholische apostolische Vikar Forweck für sämmtliche katholischen Kirchen Sachsens Festgeläute zur Nationalfeier des Sedantags angeordnet hat. (» grtftr. Pr.)

München, 26. Aug. Wie in der heutigen Magistrats­sitzung bekannt gegeben wurde, wird am Vormittag des 2. September die Enthüllung des Denkmales stattfinden, welches München den im Feldzug 1870/71 gefallenen und auf dem nördlichen Friedhof beerdig­ten Kriegern dortselbst errichtet hat. Die hiesigen Sängervereine haben ihre Betheiligung an der Feier bereits zugesagt, so daß der Festakt neben der Festrede noch in Musik- und Gesangsvorträgen bestehen wird. Zur Theilnahme an der Feier werden neben den Mitgliedern der beiden städtischen Kollegien, Vertreter der Garnison» die Veteranen- und Krie­gervereine dahier, sowie die Angehörigen der Gefallenen geladen wer­den. Es wurde auch der Wunsch ausgesprochen, daß während der Ent­hüllungsfeier die Glocken sämmtlicher Kirchen geläutet werden sollten. Hoffentlich werden die Pfarrer Münchens, an welche in dieser Bezie­hung ein Ersuchen um Genehmigung gerichtet wird, nicht jene aus blindem Fanatismus hervorgegangenen Gesinnungen theilen, welche in dem bekannten jüngsten Schreiben des Mainzer Bischofs über die Se­danfeier Ausdruck fanden, sie werden vielmehr in wahrer Erkenntniß der alle Münchener gemeinsam berührenden Festseier ihre Zustimmung zu dem an sie gestellten Antrag gerne ertheilen. (Augsb. «bd,tg.)

Was die Frage des Termins für Einführung der Reichs­markrechnung in Bayern betrifft, so erfährt derNürnb. Corresp.", daß einige in den höheren Regierungskreisen in der Münzfrage jedenfalls competente Stimmen sich dahin auspesprochen hätten, daß es unter den obwaltenden Münzverhältnissen nicht möglich erscheine, die neue Wäh­rung vor dem 1. Januar 1876 einzuführen. Ob sich dessenungeachtet die Staatsregierung für den Termin vom 1. Januar 1875 entscheiden werde, sei zur Zeit noch sehr zweifelhaft. Es dürfte übrigens anzu­nehmen sein, daß, bevor nicht die bayerischen Minister, und namentlich Finanzminister Berr, von dem Urlaube zurückgekehrt sind und daS wird erst in einigen Wochen der Fall sein eine definitive Beschluß­fassung in dieser wichtigen Angelegenheit nicht erfolgen wird.

Düsseldorf, 21. Aug. Folgende amtliche Bekanntmachung hat das Oberbürgermeisteramt erlassen: In neuerer Zeit sind in hiesi­ger Stadt wiederholt Fälle vorgekommen, daß durch Theilnehmer an Prozessionen vorübergehende Personen durch Abschlagen der Kopfbe­deckung und durch Schimpfreden insulirt worden sind. Es wird des­halb zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß solchem Unfuge in ent­schiedenster Weise entgegengetreten werden wird und datz sämmtliche Polizeibeamten angewiesen sind, alle Personen, welche sich derartige Rohheiten zu Schulden kommen lassen, ohne Weiters zum Polizei-Amte vorzuführen.

Das Seminar von Beauregard in der Nähe von Thionville ist vor einigen Tagen geschlossen worden. Der Grund ist der gleiche, wie beim kleinen Straßburger Seminar: die Weigerung des Vorstands, sich der staatlichen Aufsicht zu unterwerfen, insbefondere den in Betreff der Ertheilung des Unterrichts gegebenen Vorschriften nachzukommen.

Der am 15. September in Bern zusammentretende interna­tionale Postkongreß wird vom Chef des eidg. Postdepartements, Herrn Bundesrath Borel, eröffnet werden, behufs Konstiiuirung des,elben. Demselben wird auch die Feststellung des Sekretariats übertragen, so­weit der Kongreß nicht andere Verfügungen trifft. Als weitere Ver­treter sind Hrn. Borel Bundesralh Raff und Nalionalrath Heer beige­sellt. Der Kongreß wird, da gleichzeitig die Bundesversammlung tagt,