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Durch die Allerhöchste Verordnung vom 28. Juni l. J. (Ges.- Sammlung S. 257) ist vom 1. Januar 1875 ab für den Verkehr bei den öffentlichen Kassen und für den allgemeinen Verkehr die Reichsmarkrechnung eingeiührt worden. Wir haben deshalb gemäß eines Erlasses des Herrn Finanzministers vom 18. v. M. die Kassen unseres Ressorts wegen der Ausführung jener Verordnung unter Hinweis auf die Artikel 14, 15 und 17 des Münzgesetzes vom 9. Juli 1873 (R. G.-Blatt S. 233) mit Instruction versehen und veranlassen die Gemeindebehörden unseres Bezirks ebenmäßig, die Gemeinde-Rechnungsführer mit bezüglicher Anweisung zu versehen.
Cassel den 8. August 1874.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Wird veröffentlicht mit dem Anfügen, daß Anweisung ergangen ist, die Formulare für die im nächsten Jahre zu stellenden Gemeinde- Rechnungen für die Reichsmarkwährung einzurichten und daß die Herren Ortsvorstände für den Anschluß der den Gemeinde-Rechnungsführern zu ertheilenden Einnahme- und Ausgabe-Ermächtigungen an das neue Rechnungssystem zeitig Vorkehrung zu treffen haben, da im Unterlassungsfälle eine neue Aufstelluug des bezüglichen Rechnungsmaterials verfügt werden müßte.
Hanau am 19. August 1874.
Der Landrath. J. V. v. Delius.
Tagesschau.
— Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Den Besitzern des Hotels zum Russischen Hof, Gebrüdern Heinrich Theodor und Georg Friedrich Drexel zu Frankfurt a. M. das Prädikat als Königliche Hof-Lieferanten zu verleihen.
— S. M. Kanonenboote „Nautilus" und „Albatros" haben am 20. d. Mts. ihre Reise von Plymouth aus fortgesetzt.
— Die Nachrichten über eine beabsichtigte Reise des Kaisers an den Hof des Königs von Italien wurden von den Officiösen so entschieden dementirt, daß man daran nicht glauben konnte. Heute aber nehmen dieselben Officiösen diese Nachricht auf und erzählen, der Kaiser äußere lebhaft den Wunsch, die Reise nach Italien und zwar nach beendetem Manöver zu unternehmen, wenn es seine Gesundheit irgendwie erlaubt. Nur das sei unwahr, daß der Kaiser die italienische Reise aus Gesundheitsrücksichten antrete.
— Berlin. In einer süddeutschen Korrespondenz der „Köln. Ztg. wird dem Reichstage zu den zahlreichen, seiner für die nächste Session bereits harrenden Aufgaben noch eine neue in Aussicht gestellt, nämlich ein Gesetz gegen die seit den letzten Jahren in unerträglichem Maße überhand nehmende Weinfälschung. Ein Mittel, den Fälschern das Handwerk von Grund aus zu legen, ist durch die Gesetzgebung freilich kaum zu beschaffen. Es würde das eine Einmischung der Polizei in Privatverhältnisse voraussetzen, welche mit dem Geiste des modernen Staatswesens nicht vereinbar wäre. Aber ein Verbot, gemischte bez. fabrizirte Weine in den Handel zu bringen, ohne dieselben als solche zu bezeichnen, wäre recht wohl durchführbar, und da die Befürworter jenes Gesetzentwurfes mehr in der That nicht verlangen, so wird ihnen die Beihülfe des Reichstags zur Beseitigung eines gemeinschädlichen Uebelstandes schwerlich fehlen.
— Berli n, 22. April. Der Oberst-Lieutenant von Hahnke, Chef des Generälstabes III. Armee-Corps, der Major von Sch.ll vom Großen Generalstabe, kommandirt zum Kriegs-Ministerium, und der Major Vogt vom Generalstabe VII. Armee-Corps sind kommandirt worden, den Herbstübungen der Kaiserlich österreichischen Armee beizuwohnen.
— In der Woche vom 2. bis 8. August 1874 sind geprägt worden an Goldmünzen: 3,965,440 Mark 20-Markstücke, 902,900 Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 369,311 Mark 1-Markstücke, 171,785 Mark — Pf. 20-Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 100,208 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 19,362 Mark 10 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen : 36,399 Mark 22 Pfennige 2-Pfennigstücke, 27,730 Mark — Pf. 1-Pfennigstücke. Vorher waren geprägt: an Goldmünzen: 848,818,560
. August. 1874.
Mark 20-Markstücke, 202,953,620 Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 22,383,021 Mark 1-Markstücke, 6,844,266 Mark — Pf. 20- Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 3,157,259 Mark 10 Pf. 10-Pfennigstücke, 439,839 Mark 30 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 590,698 Mark 26 Pf. 2-Pfennigstücke, 241,761 Mark 61 Psi 1-Pfennigstücke. Mithin sind im Ganzen geprägt: an Goldmünzen: 852,784,020 Mark 20-Markstücke, 203,856,520 Mark 10-Markstücke; an Silbermünzen: 22,752,332 Mark 1-Markstücke, 7,016,051 Mark — Pf. 20-Pfen- nigstücke; an Nickelmünzen: 3,257,467 Mark 80 Pf. 10-Pfennigstücke, 459,201 Mark 40 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 627,097 Mark 48 Pf. 2-Pfennigstücke, 269,491 Mark 61 Pf. 1-Pfennigstücke. Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,056,640,540 Mark; an Silbermünzen: 29,768,383 Mark — Pf.; an Nickelmünzen: 3,716,669 Mark 20 Pf.; an Kupfermünzen 896,589 Mark 9 Pf.
— Aus Posen wird der „Köln. Ztg." geschrieben: Es beginnt sich unter den Geistlichen unserer Provinz eine Bewegung kundzugeben, deren Bedeutung sür den Augenblick sehr schwer zu schätzen ist. Die ultramontane Partei, welche die Thatsache, daß nicht alle Geistlichen die Adressen an die beiden Domkapitel unterschrieben haben, nicht mehr wegläugnen kann, gesteht in ihrem auswärtigen Organe, im krakauer Czas, zu, daß sich die Zahl solcher Geistlichen auf 50 beläuft, was ungefähr den 16. Theil der Gesammtzahl der Geistlichen beider Diözesen ausmacht. Das hiesige Organ ter genannten Partei, der Kuryer Poznanski, läßt aber doch andere Sachen errathen, die es nicht mehr zu vertuschen vermag, daß nämlich eine sehr bedeutende Anzahl derjenigen Geistlichen, welche die Adressen unterschrieben, dieses unter dem Druck der Domkapitel gethan haben, und jetzt, trotz ihrer Unterschriften, ihren eigenen Weg gehen will, der von dem Wege der Kapitel stark ablenkt. Dieses Zugeständniß des ultramontanen Blattes wird durch die Nachrichten eines andern polnischen Blattes, des „Ognicko", unterstützt, welches von partikularistischen Versammlungen von Geistlichen in den Kreisen Kosten, Wongrowiec u. a. Nachrichten bringt, und soeben erfahren wir auf anderem Wege, daß dieser Tage im Kreise Pletschen eine solche Versammlung von Geistlichen eines Dekanats, welche alle die Adresse an das Gnesener Domkapitel unterschrieben haben, Statt gefunden hat, auf welcher die Frage erörtert wurde, ob es nicht Zeit wäre, mit Rom und seiner Politik zu brechen und seinen eigenen, durch die neue Lage vorgezeichneten Weg zu gehen. Aber, so viel mir Land und Leute bekannt sind, kann ich versichern, daß die Geistlichen, welche sich jetzt nach einem Ausweg umsehen, dieses durchaus nicht deßhalb thun, weil sie grundsätzlich die Nothwendigkeit einer Reform, wie sie die kirchenpolitischen Gesetze involviren, anerkennen; sie wollen einzig und allein aus dem Schiffbruche ihre Pfründen, ihre eigenen materiellen Interessen retten. Der Grund ihres Einlenkens ist also reiner Egoismus.
— Mainz, 22. August. Das „Mainzer Journal" veröffentlicht ein Ausschreiben des Bischofs v. Ketteler, die Sedanfeier betreffend, worin, nach der „N. Fr. Pr.", ausgeführt wird, daß und warum die katholische Kirche an der Feier sich nicht betheiligen könne. Sie könne dies vornehmlich deßhalb nicht, weil die Feier nicht vom ge- sammten deutschen Volke, sondern hauptsächlich von einer Partei ausgehe, von einer Partei, welche sich fälschlich als die Vertreterin des deutschen Volkes geberde und in der Gegenwart an der Spitze des Kampfes gegen das Christenthum und die katholische Kirche stehe. Sie könne überdies nicht an gemeinsamen Festen Antheil nehmen, nachdem man soeben das katholische Deutschland sür das Attentat eines verkom- menen Menschen mit verantwortlich gemacht. Da aber das Gebet für das deutsche Vaterland immer die Pflicht der Geistlichkeit sei, so gestattet der Bischof, daß am Tage der Feier oder dem folgenden Sonntage ein Gebet oder ein Bittamt gehalten werde, um Gottes Gnade und Segen über Deutschland zu erflehen, und namentlich um Gott zu bitten, daß er uns die innere Einheit wieder gebe, ohne welche die äußere Einheit nur ein leerer Schein sei.
— Ueber das diesjährige Ernteergebniß in Württemberg Hat Hr. J. G. Sting in Kannstadt, Vorstand der Landesproduktenbörse in Stuttgart, dieser Tage, gestützt auf die Beantwortung seiner ausge-