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M 192
Mittwoch den 19. August
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.
JnsertionS- Preis.
Die lsp«ltige Garnwndzetle ob deren Raum
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1874
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Gefunden: Eine Vorstecknadel mit goldenem Knopf. Ein Glacehandschuh von aschgrauer Farbe. Ein goldenes Hemdenknöpfchen. Ein Messer. Ein weißes Taschentuch. Ein schwarzseideues Sonnenschirm- chen. Ein brauner Regenschirm. Ein Uhrschlüssel. Ein gebrauchtes s. g. Schöpffaß (an der Kinzig geländet). Ein Köcher. Ein alter Regenschirm. Eine schwarze Broche. Ein Kindergürtel.
Zugelaufen: Eine Ente.
Verloren: Ein Orden von 1870/71. Ein G eldbeutel mit 3 fl. Ein braunseidener Regenschirm.
Hanau am 19. August 1874.
Tagesschau.
— Berlin, 18. August. Die Central-Kommission für die Rheinschifffahrt eröffnete gestern, nach dem „R. u. St.°An.", in dem ihr von Seiten Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Baden zur Verfügung gestellten Local im Schlosse zu Mannheim die diesjährige ordentliche Session. Als Bevollmächtigte waren erschienen: für Baden Geheime-Rath Muth, für Bayern Staatsrath Weber, für Elsaß- Lothringen Regierungs-Rath Metz, für Hessen Ministerial-Rath Dr. Neidhardt (Mitglied des Bundesraths), für die Niederlande Ministerial- Rath Dr. Verkerk — Pistorius, für Preußen Geheimer Ober-Regie- rungs-Rath Jebens. Die Komission wird sich, außer mit andern wichtigen Rheinschifffahrts-Angelegenheiten, mit Prüfung von vier neuen auf dem Oberrhein zu errichtenden Brücken, bei Germersheim, Neuburg, Breisach und Hüningen und zwei auf den niederländischen konventioni- renden Gewässern bei Arnheim und Nymwegen befassen. Zu deni Ende werden die Wasserbau-Techniker der verschiedenen Rheinuferstaaten beigezogen werden, die darnach eine Strombefahrung von Basel bis in das Meer vornehmen, um den Zustand der Wasserstraße, der Häfen rc. zu prüfen und die Wirkung der seit der letzten Befahrung des Rheins im Jahre 1861 ausgeführten Korrektionen zu untersuchen. Von Seiten der Schifffahrts-Interessenten soll der Strombefahrungs-Kommissian eine Denkschrift überreicht werden, in welcher die Anliegen und Wünsche der Schifffahrttreibenden in Bezug auf die Verbefferung des Fahrwassers, der Vermehrung und Verbesserung der Häfen, insbesondere der Winter- und Sicherheitshäfen, ausgedrückt werden.
— Berlin, 18. August. Die „Norddeutsche Allgem. Ztg." erfährt, daß dieser Tage in Genf eine Zusammenkunft von ultramon- tanen Parteihäuptern stattfinden werde. Hervorragende Mitglieder der Partei von Oesterreich, Deutschland und Belgien seien bereits daselbst eingetroffen. Auch mehrere französische Ultramontane hätten dort Quartier bestellt. N. F-ankf. Pr.
— Die Zahl der zur Gestellung gelangten jungen Leute hat, nach dem „Schw. Merk.", pro 1872 in Deutschland bei einer Bevölkerung von 41,058,139 Einwohnern 364,000 betragen, in Frankreich sind hingegen bei einer Bevölkerung von 36,469,836 Einwohnern im vorigen Jahre nach den darüber veröffentlichten amtlichen Ausweisen 303,810 junge Leute zur Ausmusterung herangezogen worden. Davon erwiesen 't^f.toe9en ihrer körperlichen Beschaffenheit 30,433 zum Militärdienst völlig unbrauchbar und mußten aus verschiedenen Ursachen überhaupt 124,395 von der Ableistung der Dienstpsticht befreit oder dispensirt werden, so daß zur Einstellung in die Armee 170,415 Mann verblie- n?n, wovon 151,039 Mann theils schon eingestellt worden sind, theils in dem gegenwärtig laufenden Jahr noch eingestellt werden sollten. In Deutschland hat hingegen von der obigen Gesamwtziffer der Gestellungspflichtigen ebenfalls nach den officiellen Nachweisen eine gänzliche oder zeltwellige Zurückstellung von nicht weniger als 288,000 Mann stattgesunden, so daß also von dem gejammten Rekrutenjahrgang 1872 unmittelbar eine Einstellung von nur 76,000 Mann stattgefunden hat, wozu bei der Nachmusterung des voraufgegangenen Jahrganges noch 30,000 Mann hinzugetreten sind. Die Zahl der zur Einreihung in die Armee defignirten Mannschaften hat demnach 166,000, also trotz der weit größeren Bevölkerung 3585 Mann weniger als in Frankreich betragen, wovon wirklich 130,000 Mann in die Armee und 2500 in die Marine, der Rest aber in die Ersatzreserve erster Klasse eingestellt wor
den sind. Es treten dazu noch pro Jahr 13,000 Mann Nachersatz, so daß sich also die deutsche Jahresaushebung auf 145,500 Mann oder wiederum um 5439 Mann niedriger als in Frankreich stellt. Die Zahl der Einjährig-Freiwilligen hat pro 1873 in Frankreich 16,012 betragen, während in Deutschland pro 1872 14,250 junge Leute die Berechtigung zum einjährigen Dienst nachgewiesen haben. Der Anlaß der geringeren Ziffernausweise auf deutscher Seite bedingt sich nach beiden Beziehungen ans den hier weit höher bemessenen Ansprüchen sowohl an die Bildungsstufe, wie an die körperliche Beschaffenheit der in die deutsche Armee einzustellenden Mannschaften.
— S. M. Dampfkanonenboote „Nautilus" und „Albatros" haben am 16. d. M. nach einer sehr stürmischen Reise Dover passirt. An Bord Alles wohl.
Patent-Crtheilung.
Dem William Whiteley zu Lockwood unter dem 13. August d. J. auf eine Schlitteneinrichtung zum Spinnen an Spinnmaschinen in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung und, ohne Jemand in der Benutzung bekannter Theile zu behindern, auf drei Jahre, für den Umfang des preußischen Staats.
— Bon», 10. August. Heute, am Tage des hl. Laurentius, hat Herr Bischof Reinkens in unserer Schloßkapelle die erste Priester- Weihe vorgenommen. Die beiden neu geweihten Priester sind: Herr P. Harnau aus der Provinz Preußen und Herr F. Troxler aus dem Kanton Luzern. Letzterer ist sogleich nach der Schweiz abgereist, um vorläufig Hilfsgeistlicher in Olten zu werden ; ersterer bleibt zum Zwecke seiner weiteren praktischen Ausbildung für die Seelsorge vorläufig hier.
— Crefeld, 17. August. Der 15. volkswirthschaftliche Con- greß ist heute Vormittag 10 Uhr geöffnet wurden. Zum Präsidenten ist Braun-Wiesbaden, zum ersten Viceprästdenten Herbertz-Uerdingen, zum zweiten Freihr. v. Kudlich-Wien gewählt.
— Dillenburg, 14. August. In der Kirchspielkirche einer nahen Gemeinde ereignete sich an einem der letzten Sonntage Folgendes : Nachdem mit dem Singen des Gellert'schen Liedes: „Wenn ick ein gut Gewissen hab rc." (Nr. 407 des Nass. evangel. Gesangbuchs) der Anfang gemacht worden war, trat der Geistliche aus dem Pfarrstuhle hervor und rief dem Organisten und der versammelten Gemeinde zu: „Einhalten! Solche Lieder singen wir nicht! Es ist ein Irrthum vorgefallen!" Darnach wurde ein anderes Lied vorgeschlagen und die Andacht nahm im Weiteren ihren gewöhnlichen Verlauf. Wie doch der arme Gellert mit seinen geistlichen Liedern in Mißcredit gekommen ist.
— Der Bürgermeister von Stavenhagen, Herr v. Bülow, erließ unterm 10. August einen Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für Fritz Reuter in seiner Vaterstadt Stavenhagen.
— Straßburg, 17. August. In den ober-elsäisischèn Bezirkstag sind nach hier eingegangenen Meldungen mit Ausnahme eines einzigen Deputirten sämmtliche Mitglieder, darunter die Bürgermeister von Mühlhausen und Colmar, eingetreten und beeidigt. Der Bezirkstag von Lothringen ist mit 26 Mitgliedern eröffnet worden, von denen 24 in der letzten Session beeidigt, zwei neu beeidigt und zwei bereits beeidigte entschuldigt sind. Die sämmtlichen Bezirkstage befinden sich sonach in regelmäßiger Thätigkeit.
— Die „Metzer Zeitung" schreibt unterm 13. August: Der bei der bekannten Deutschenhetze in Pont-â-Mousson stark gravirte Bankbeamte Lallemand hat es vorgezogen, sich der gerichtlichen Untersuchung und ihren zu erwartenden Folgen durch die Flucht nach Frankreich zu entziehen. Ebenso ist ein übel beleumundetes Frauenzimmer von hier, welches an den Ausschreitungen in Pont-â-Mousson thätigen Antheil genommen und deßhalb bereits einmal polizeilich verhört worden war, vermuthlich aus Furcht vor der sie erwartenden Strafe von hier verschwunden. Die Untersuchung betreffs jener Vorfälle ist seit Beginn voriger Woche hier im Gange, und haben bereits zahlreiche Vernehmungen stattgefunden.
— Paris, 17. August. Am Napoleonstage, den 15. d. M., wurde um 12 Uhr Mittags in der Kirche St. Augustin eine Todten- messe gelesen. Außer den Führern der bonapartistischen Partei, Hrn.