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M 191-
Dienstag den 18. August.
1874.
Bekanntmachungen Köngl. Landrathsamts dahier.
Jagdscheine erhielten ausgefertigt: Wirth Konrad Adam hier, d'Orville, Rentner zu Offenbach, W. von Carlshausen, Rentner dahier, Johannes Empter, Jagdaufseher zu Gronau, Johann Konrad Fischer, Jagdaufseher zu Praunheim, Andreas Gruner zu Niederissigheim, Klein, Oberstabsarzt a. D. hier, Kahler, Gerichts- assessor zu Windecken, Heinrich Kaiser, Gastwirth zu Fechenheim, Konrad Jakob Krebs zu Enkheim, Miltenberger, Bierbrauer ahier, Georg Meyer, Kaufmann zu Offenbach, von Biegeleben, stemier-Lieutenant, Witzel, Hauptmann a. D., C. W. Wagner, Kaufmann dahier und Theodor Weil zu Fechenheim.
Hanau am 14. August 1874.
Tagesschau.
, — Berlin, 17. August. Um einer unter Leitung des Gene- - Feldmarschalls Grafen von Moltke stattfindenden Uebungsreise des ''ßen Generalstabes beizuwohnen, hat sich ein Kommando desselben, ^’ jenb aus 1 General-Major, 10 Stabs-Officieren und 9 Haupt- *Kin, gestern von hier aus mittelst Extrazuges der Hamburger Bahn ~' Lübeck begeben.
— Von den Mitgliedern des preußischen Staatsministeriums tritt fieber Minister des Innern, Graf Eulenburg, eine mehrwöchentliche tvestungsreise nach Ostende an; auch der Cultusminister nimmt dem- a- 1 einen längeren Urlaub. Ende September erst werden sämmtliche Shiffer wieder in Berlin anwesend sein und dann die Berathungen derjenigen Vorlagen stattfinden, welche Preußen bei dem Bundesrathe Ebringen oder auch an den Landtag gelangen lassen will. <Trib.)
— An den Manövers der 22. Division wird auch, so schreibt „N. Frankf. Pr.", der Kronprinz von Deutschland Theil nehmen; n den ihm dargebotenen Wohnungs-Gelegenheiten (dem Friedberger loß, dem Nauheimer Kurhaus und einem anderen Gebäude sBad- Vs] in Nauheim) ist, wie man hört, schließlich die Wahl auf das -<4tere gefallen, das demnach in den nöthigen Stand gesetzt wird.
— Den sogenannten Pfennigspeculanten, d. h. denjenigen Personen, welche seit längerer Zeit jedes Quantum der jetzt noch geltenden Einpfennigstücke an sich zu bringen suchen, um dieselben nach Einführung der Reichswährung als Neupfennige, also mit einem Profit von 2 Pfennigen pro Groschen (etwa 20 Procent) zu verwerthen, dürfte ein nicht geahnter Strich durch die Rechnung gemacht werden. Seitens des Finanzministeriums wird nämlich, wie man der „Tribüne" mittheilt, beabsichtigt, die alten Einpfennigstücke vor Eintritt der neuen Markrechnung zu präcludiren und den Umtausch von je 6 alten Pfennigen gegen 5 neue Pfennige (einen kalben Groschen) anzuordnen. Es ist deshalb auch an die resp. Münzstätten der Befehl ergangen, vorläufig mit äußerster Aufbringung der Kräfte nur neue Kupfermünzen zu prägen.
Patent- Erth eilung.
Dem Maschinenfabrikanten Herrn Dr. A. Berhardi sen. zu Eilenburg unterm 14. August 1874 auf eine durch Zeichnung, Beschreibung und Modell nachgewiesene Säescheibe in ihrer ganzen Zusammensetzung
auf drei Jahre, für den Umfang des preußischen Staats.
— Köln, 16. August. Marschall Bazaine und Gemahlin statteten gestern Nachmittag dem Kommandanten unserer Stadt, Herrn Generallieutenant v. Kummer, einen Besuch ab, welchen dieser später erwiderte. Heute Vormittag 9 Uhr fuhr Frau Bazaine in Begleitung ihres Neffen, Alvarez de Rul, nach Spaa, um daselbst ihre drei Kinder abzuholen, deren Ankunft der Marschall hierselbst erwarten wird.
— Köln, 16. Aug. Die „Kölnische Ztg." veröffentlicht einen Brief der Frau Bazaine an den französischen Minister des Innern, worin sie erklärt, daß sie und ihr Neffe Rul ohne Mitschuldige den Fluchtplan allein ausgeführt hätten. Da sie keine Milderung der Gefangenschaft erzielen konnte, bestimmte sie ihren Gemahl zur Flucht und benachrichtigte ihn in einem mit sympathetischer Dinte geschriebenen Briefe. Frau Bazaine erzählt dann die bekannten Einzelheiten der Flucht.
— Im Abendblatte der „Cöln. Ztg." vom 15. veröffentlicht Professor Friedrich in München eine Erklärung, wonach die bekannte Geschäftsordnung des Konzils von Trient nicht von dem kürzlich gestorbenen Pater Theiner, sondern von ihm selbst (Professor Friedrich) den zum letzten vatikanischen Konzil versammelten, die oppositionelle Minorität bildenden deutsch-österreichischen Bischöfen mitgetheilt wurde. Profesfor Friedrich hält sich jetzt zu dieser Darlegung verpflichtet, nachdem er bis dahin von dem Verstorbenen selbst an einer Veröffentlichung des Sachverhalts verhindert worden.
— Kaiserslautern, 15. August. Nach den nunmehr feststehenden Dispositionen wird der Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen die Inspektion über die bayerischen Truppen in der Pfalz in der Zeit vom 7. bis 9. September d. J. vornehmen. Zum Hauptquartier desselben ist Homburg bestimmt. Am 7. September soll Brigade-Inspektion, am 9. September Divisions-Inspektion stattfinden.
— Nürnberg, 15. August. Die Fleischfrage, die in unserer Stadt ziemlich brennend war und mit großer Erregtheit ventilirt wurde, geht, nach der „Augsb. Abdztg.", einer ganz natürlichen Lösung entgegen. Bürger der Vorstadt Gostenhof haben Mastochsen erster Qualität angekauft, geschlachtet und gefunden, daß sie das Pfund Ochsenfleisch, für das sich die hiesigen Metzger bisher 21 kr. bezahlen ließen, unter Einrechnung der vollen Mannesnahrung zu 17 kr. verkaufen können. Sie setzen deßhalb das Schlachten fort und in anderen Stadtiheilen wird dies Beispiel nachgeahmt. In Folge dessen haben seit gestern die Metzger die Preise auf 20 kr., in Gostenhof gar auf 19 kr. Herabgesetzt und voraussichtlich wird das nicht das letzte Wort sein.
— Augsburg, 17. August. Nach einem gestern Nachmittags dahier eingetroffenen Telegramm ist der kgl. Appellationsgerichtsrath Wilhelm Behringer von hier zur Verwendung ins Justizministerium nach München einberufen — eine Wahl, welche sicher nicht blos in den bayerischen, sonder überhaupt in den deutschen Juristenkreisen den freudigsten Anklang finden wird, da anzunehmen ist, daß Behringer berufen ist, am Werke der deutschen Zivilgesetzgebung, insbesondere auf dem ihm so vertrauten Felde des Zivilprozesfes, thätigen Antheil zu Nehmen. Augsb. Abztg.
— Straßburg i. E., 17. August. Heute ist hier der unter- elsassische Bezirkstag unter vollzähliger Theilnahme seiner 35 Mitglieder — nur der Advokat Schneegans fehlte und hatte seine Abwesenheit mit Krankheit entschuldigt — durch deu Bezirks-Präsidenten von Ernst- Hausen eröffnet worden. Zum Präsidenten des Bezirkstages wurde der Apotheker Julius Klein von hier gewählt. an. ». st. A.)
— Bern. Der „Köln. Ztg." wird mitgetheilt, daß Professor Friedrich in München auf die ihm gewordene Berufung an die hiesige altkatholische Fakultät noch keine Antwort ertheilt hat.
— Genf. In die junge altkatholische Genfer Kirche sind bereits Zwistigkeiten eingerissen, welche das Gedeihen derselben ernstlich in Frage stellen. Der bekannte Pater Hyazinth, welcher an die Spitze des neu gegründeten katholischen Oberkirchenraths gestellt ist, hat gegen den altkatholischen Pfarrer Quily in Chöne d>e Ceniur ausgesprochen, weil dieser sich eine Kritik über die Hyazinth'schen Anordm ngen erlaubte. Quily ist aber nicht gesonnen, im Namen des Prinzips der G> Wissensfreiheit, für welches Pater Hyazinth-Loyson zu kämpfen vorgab, sich' verfolgen zu lassen und richtete einen Rekurs an den Staatsrath von Genf und, nachdem er hier abgewiesen worden war, an den Bundesrath. Der Oberkirchenrath seinerseits erblickte hier eine Verletzung seiner Autorität und suspendirte den Pfarrer Quily auf 4 Jahre. Darob große Entrüstung unter einem Theile der liberalen Genfer Katholiken, welche in der „Genfer Patrie" ihr Sprachrohr hat, indessen das „Genfer Journal" die Haltung des Staats achs verficht. Die radikalen Elemente, überdrüssig der religiösen Zänkereien, verlangen Trennung von Kirche und Staat. — Dieser Tage hat nun Pater Hyazinth, wie gemeldet, seine Entlassung als Pfarrer von Genf etngereicht. Tas Entlassungsgesuch lautet: „Aus tiefst!m Herzensgründe mit der katholischen Kirche verbunden, in der ich getauft wurde, deren Reform aber nicht deren Umsturz ich wünsche; durch eine minmehr gültigem wrlängeite Erfahrung überzeugt, daß der Geist, der in der laiholffchen Bewegung